Über den unaufhaltsamen Abstieg des Christlichen in die große Bedeutungslosigkeit

 

 (Stand November 2017)

Inhalt

Eine aktuelle Bestandsaufnahme zur völlig unbegreiflichen Schöpfungswirklichkeit

Das große Rätsel: Könnte eine höchste Schöpfungskraft tatsächlich der Hintergrund sein für unser Leben im Diesseits sowie dann auch einem möglichen Weiterleben in einem ewigen Jenseits?

Das Schöpfungsrätsel als höchste Erkenntnisherausforderung überhaupt

Das unbegreifliche Ignorieren jedes schöpferischen Wirkens im tatsächlich ablaufenden Daseinsgeschehen

Höchstmögliche Wirklichkeitsannäherungen im gesamten Wirklichkeitsverständnis

Der Fluch bei allem Religiösen in der Menschheitsgeschichte: Die anhaltend zerstörerische Dauerverwüstungskraft fast jeder religiösen Wahnvorstellung

Sehr verständliche Ablehnung alles Christlichen wegen der dort anhaltend krankhaften Wirklichkeitsverweigerungen

Das tatsächliche Wirklichkeitsgeschehen als größte Daseinsherausforderung für den Menschen - mit fortwährend zusätzlichen Erschwernissen von spekulativ verstörenden Fantastereien

Jeder heute noch geglaubte Gott ist ein Mängelwesen  - gemessen am tatsächlich erfahrbaren Wirklichkeitsgeschehen

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 Eine aktuelle Bestandsaufnahme zur völlig unbegreiflichen Schöpfungswirklichkeit

Immer wieder erreichen uns Berichte über die ungeheuer großen Dimensionen des Kosmos, in der die uns einigermaßen vertraute eigene Daseinswirklichkeit nur mit einem räumlich und zeitlich winzig kleinen Anteil wiederzufinden ist. So gerade jetzt wieder in dem TV 3SAT-Beitrag vom 5. Oktober 2017. Unter ‚Wissen aktuell/Expeditionen ins Weltall‘ finden wir in Programmzeitschriften u.a. diese Angaben (stichwortartig): „… Expeditionen ins Weltall. Gibt es außerirdisches Leben? … Das Magazin führt heute in die entlegensten Winkel des Universums…“.

Der TV-Beitrag gibt dazu dann eine Reihe von Beobachtungen und Forschungsergebnissen mit solchen ungeheuren Höchstleistungen an gelungenen Erkundigungen im Kosmos wieder, dass es einem den Atem verschlagen kann.

Als das Erstaunlichste zu dieser ganzen Angelegenheit sollte aber doch dieser Umstand eingeschätzt werden: Der Mensch ist das einzige bekannte Wesen, das die Fähigkeit besitzt, derartige Zusammenhänge zu erfassen und durch ein (allerdings erst sehr spät wirksam gewordenes) wissenschaftliches Forschen zutreffend zu entschlüsseln. Besonders bemerkenswert die Entwicklung, die dieses Erforschen durchlaufen musste bis zu dem gegenwärtig erreichten Stand. Anfänglich „wussten“ die Menschen nur, dass sich alles unmittelbar Erfahrbare auf einer bis ins völlig Ungewisse hinausreichende Scheibe abspielte. Aber mit zunehmendem Erfahrungsgewinn in der gesamten Menschheitsentwicklung setzte sich die Erkenntnis durch, dass der eigene Lebensraum „Erde“ von kugelförmiger Gestalt war. Und diese Erde bildete (nach diesem ersten großen Erfahrungsgewinn) den Mittelpunkt des Universums. Das gesamte, drum herum befindliche Weltall bewegte sich um diesen einzig unbeweglichen „Erdmittelpunkt“. Allerdings - dieses bis dahin ‚wahre Wirklichkeitsbild‘ musste auch wieder einer besseren Erkenntnis weichen. Schmerzlich für einige bis dahin religiös unbeirrbar vertretene Vorstellungswelten: Nicht die Sonne drehte sich um die Erde. Sondern die Erde um die Sonne - und in dieser Befindlichkeit als nur ein Himmelskörper, der mit vielen anderen auf sehr verschlungene Weise die jeweils eigene Bahn durch das kosmische Geschehen nahmen (es waren Höchstleistungen der bis heute unvergessen berühmtesten Astronomen, die den Lauf der Planeten, der Sterne, der Asteroiden usw. zutreffend beschreiben konnten).

Noch erstaunlicher bei allem, wie sich hier allmählich auch ein „kosmischer Werdegang“ entschlüsseln ließ. - Ein einmalig katastrophales Versagen in der Erkenntnis-Kultur der Menschheitsgeschichte muss hier allerdings unbedingt erwähnt werden: Es ist das bis zur äußersten Grausamkeit betriebene Festhalten der christlichen Kirche an ihrem überlieferten Glaubensgut zur Weltschöpfung. Nach heutigem (wissenschaftlich gesicherten) Forschungsstand stimmt hieran überhaupt nichts. Aber gerade die damalig orthodox vertretene Glaubensüberzeugung von einer einmalig unveränderlichen Weltschöpfung führte zu einem Wüten gegen jeden, der hierzu mit richtigeren abweichenden Erkenntnissen aufwarten konnte: Giordano Bruno endete auf dem Scheiterhaufen! Ein fürchterliches, unauslöschliches Fanal in der Menschheitsgeschichte (siehe hierzu ‚Giordano Bruno, Nachtfalter des Geistes‘ von Anacleto Verrechia, 2009 Edition Enfer - eine eindringlich bestürzende Schilderung vom Wüten der Kirche auch in früheren Zeiten). Ähnlich der Fall Galileo Galilei, der knapp einem derartigen Schicksal entrinnen konnte.

Aber zurück zu der Entschlüsselung des „kosmischen Werdegangs“. Mit jeder neu gewonnenen Erkenntnis über die wirklichen kosmischen Zusammenhänge ergaben sich auch Ansatzpunkte für ein Errechnen des gesamten bisherigen Schöpfungsverlaufs unseres Universums. (Auch hier wieder: Bitterstes, quälendstes Abrücken-Müssen der christlichen Kirchen von ihrem in orthodoxer Glaubensblindheit nach der Generationenfolge seit Adam und Eva errechneten ziemlich kurzen Erdzeitalter.) Und es ließen sich dabei äußerst genau die einzelnen „Schrittfolgen“ präzisieren, wie sich alles ereignet haben musste: Der erste, wenige Sekundenbruchteile andauernde Urknall, ein sich ausbreitendes stofflich-materielles Energiefeld ohne „feste“ Bestandteile, erste Energieverdichtungen mit der Bildung von bindungslosen Ur-Elementen usw., usf. bis zu der langwierigen Sternen-Entstehung. Damit dann auch die Entstehung der verschiedenen Elemente - mit der erstaunlichen Eigenschaft: Sich zu Molekülen, zu Kristallen und zu dem „Ausgangsmaterial“ für erste organische Gebilde zu verfestigen ( - der Nobelpreisträger Ilya Prigogine hat beschrieben, wie derartiges als ein sozusagen „autarkes stoffliches Veränderungsgeschehen“ immer noch zu beobachten ist. Und er hat daraus gefolgert, wie damit auch im Stofflich-Materiellen immer auch potentiell eine „Veränderungswirksamkeit“ in Richtung kompliziertester chemischer Verbindungen sowie einer Umwandlung ins organisch Lebendige vorhanden ist). Es entstanden nachfolgend die Geschöpfe in Flora und Fauna - mit den äußerst ausgefeiltesten Befähigungen im Bereich des Lebendigen. Und als Letztes in dieser Entwicklungslinie - der mit Bewusstsein und Erkenntnisfähigkeit ausgestattete Mensch.

Wie auf diesem über etwa 16,5 Milliarden Jahre langen Zeitraum mit den größten kosmischen Umbrüchen ganz am Ende der heutige Mensch entstehen konnte, das darf unbedingt als völlig unbegreiflich gewertet werden. Ich bezeichne diese Situation als einen „Kausal-Entstehungsvorgang“: Wir wissen nicht, wie etwas derart Unbegreifliches als ein Schöpfungsvorgang überhaupt möglich war. Aber das heute erlebbare Endresultat zwingt uns, unsere Daseinswirklichkeit in genau diesem Sinne verstehen zu suchen müssen.

Nachfolgend habe ich - zum Teil nur bruchstückhaft, zum Teil in mehreren Wiederholungen - zusammengetragen, wie auf Grund der zuvor geschilderten Faktenlage eine aktuelle Bestandsaufnahme zur völlig unbegreiflichen Schöpfungswirklichkeit möglich sein sollte. Ich habe dabei auf das reichhaltige Material zurückgegriffen, das ich mir über viele Jahrzehnte zu all diesen Fragen gezielt aneignen konnte.                       

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Das große Rätsel: Könnte eine höchste Schöpfungskraft tatsächlich der Hintergrund sein für unser Leben im Diesseits sowie dann auch einem möglichen Weiterleben in einem ewigen Jenseits?

Es wird in unserem sogenannten christlichen Abendland ganz allgemein erwartet, dass wir an einen durch die Heilige Schrift überlieferten Gott-Vater glauben. Nun hat der mit Erkenntnisfähigkeit ausgestattete Mensch inzwischen allerdings erkannt, dass die Heilige Schrift hier doch nur eine sehr eklatant fehlerhafte Sachmaterialsammlung ist: Die Erschaffung Himmels und der Erden in buchstäblich sieben Tagen - und heute zurückgerechnet in einer Folgezeit von nur wenigen überlieferten Generationen seit (den ersten Menschen!) Adam und Eva, das sind nach inzwischen erlangtem Kenntnisstand eindeutig Fehlinformationen. Fehlinformationen dieser Art finden sich geballt in dem heiligen Schriftgut. Und trotzdem gehören - gerade! - die prominentesten Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens einer Glaubensgemeinschaft an, für die alle in der Heiligen Schrift überlieferten Offenbarungen unanzweifelbare Wahrheit ist.   

Was ich hier in übertriebener Schärfe formuliert habe, soll das außerordentlich große Dilemma verdeutlichen: Man hat da ein kulturell überliefertes Schriftgut, das gern auch als „Wort Gottes“ bezeichnet wird. Aber darin sind derart viele, krasse fehlerhafte Aussagen enthalten, dass es einem aufgeschlossenen Menschen unmöglich zugemutet werden kann, hierauf etwa eine eigene Lebensplanung aufzubauen suchen. - Es mag immer wieder Deutungsversuche geben, wie mit der Bibel im Kern doch eine entscheidende, fundamentale göttliche Botschaft an den Menschen gegeben ist. Die Wahrheit dagegen jedoch: Das christliche Glaubensgut ist in seiner Gesamtheit derart brüchig, dass darauf unmöglich eine verantwortungsbewusste Lebensplanung aufzubauen ist.

Auf die Gesamtzusammenhänge zu diesem Fragenkreis möchte ich in einer losen Folge sachbezogener Ausarbeitungen näher eingehen.

Wie unsere Daseinswirklichkeit insgesamt exakt zu erfassen ist - das wissen wir nicht. Doch soviel steht immerhin fest: Im ganzen bekannten Kosmos hat allein der Mensch die Fähigkeit, größere Zusammenhänge bewusst zu erkennen.

In diesem Punkt ist vor allem die Erkenntnis von höchster Bedeutung, dass es hierzu insgesamt eine unaufhaltsame zeitliche Fortentwicklung gibt. Zu dieser Erkenntnis hat sich die Menschheit erst ganz allmählich durchgerungen. Noch vor wenigen Jahrhunderten galt allein die Glaubensfestlegung: Himmel und Erde wurden zu ihrem einmalig endgültigen Zustand von Gott, dem Allmächtigen, in sieben Tagen erschaffen. Nie wieder traten zu dieser Schöpfung wesentliche Änderungen ein. Heute haben wir dazu eine völlig andere Vorstellung: Seit etwa zweihundert Jahren gibt es für alles stoffliche Geschehen den Begriff des „Zeitpfeils“. Das soll zum Ausdruck bringen, dass sich sämtliche Daseinsvorgänge in einer unaufhaltsamen Fortentwicklung von einem ursprünglichen Ausgangspunkt hin zu den heute vorzufindenden Entfaltungen befinden - eine Entwicklungsfolge, die auch heute noch anhält (der Nobelpreisträger Ilya Prigogine hat hierzu entscheidendes Grundlagenmaterial beigetragen).

Aber auch zu der Problematik eines ‚ursprünglichen Ausgangspunktes‘ hat es entscheidende Forschungsentwicklungen gegeben. Um überhaupt die kosmischen Dimensionen alles nur irgend wahrnehmbar Wirklichen einigermaßen eingrenzen zu können, war es ein bedeutsamer Schritt, die gesamten „metaphysischen Denkmöglichkeiten“ beiseite zu lassen: Was nur irgend das insgesamt naturwissenschaftlich Erforschbare überstieg und in Frage stellte, war sozusagen streng wissenschaftlich tabu! D.h.: Wenn es überhaupt einen ersten Anfang für alles wahrnehmbare Wirklichkeitsgeschehen gab, dann mussten Fragen nach einem „Vorher“ zu diesem (theoretischen) Anfang als unlösbar unbeantwortet bleiben. Es wurde allerdings nicht selten dann auch auf eine „Entstehung aus dem Nichts“ als brauchbaren Arbeitsansatz zurückgegriffen - eine Arbeitshypothese, die völlig ins Leere ging.. Aber auch hier ist es inzwischen zu einem Umdenken in großer Entschiedenheit gekommen. Denn: Wenn alles erfassbare Wirklichkeitsgeschehen aus einer einzigen Anfangssituation hervorgegangen sein soll, dann muss diese Anfangssituation doch auch bereits inhaltlich potentiell alles enthalten, was sich in einer ‚nachfolgenden Wirksamkeit‘ tatsächlich auch voll zu entfalten vermag. - Die gesamte Wirksamkeit alles tatsächlich stofflich-materiell Vorhandenen besteht aber nun einmal als eine ungeheuren Ansammlung überall vorhandener Energie. Diese so tatsächlich vorhandene Energie konnte niemals von Fall zu Fall (wie aus dem Nichts) völlig aus sich selbst entstehen; sie musste vielmehr in jeder Art von Anfangssituation bereits voll enthalten gewesen sein. - Hierzu hat sich in jüngster Zeit die Theorie einer sozusagen explosiv wirksamen Quantenfluktuation herausgebildet: Alle tatsächlich ablaufenden physikalische Vorgänge weisen in ihren kleinsten Dimensionen niemals ein völlig kontinuierliches Fließgeschehen auf, vielmehr gibt es hier nur eine Aneinanderreihung kleinster Quantensprünge. Dieses Quantensprungverhalten bedeutet aber eine ganz besondere Wirkungsweise der daran beteiligten Energie: Diese Energie beinhaltet sozusagen universell ganz eigene Bremseffekte; in letztlich ungeheurer Energiestärke ringt sie allem Veränderungsgeschehen ein unaufhebbar kontinuierliches Abbremsen ab. Und aus diesem Phänomen lässt sich dann auch theoretisch der Start unseres wahrnehmbaren kosmischen Wirklichkeitsgeschehens als eine anfängliche Quantenfluktuation in der Form einer ungeheuren Energieballung rekonstruieren, die also nicht mit einem physikalischen Nichts beginnt, sondern die eine Energieanreicherung aus einem völlig anderen, unbekannten Ursprung her voraussetzt.       

Von unserem blauen Planeten her können wir dazu dann diese großen Entwicklungslinien zurückverfolgen: Zunächst das Entstehen alles rein Stofflich-Materiellen als wahrnehmbares Geschehen. Dann - auf unserer Erde - die Entstehung alles Lebendigen in Flora und Fauna „aus Sternenstaub“. Und als letzter Höhepunkt in dieser Entwicklungsfolge „der mit Bewusstsein ausgestattete Mensch“. D.h. erst mit der „Menschwerdung“ gab es im gesamten bekannten kosmischen Umfeld ein Lebewesen, dass in einem bewussten Erfassen größerer Daseinszusammenhänge ein gemeinsames Kulturgut für die gesamte sich bildende Menschheit entwickelte, das sozusagen den „Stamm“ für alles jeweils weitere Verstehen alles wahrnehmbar Wirklichen bildete.

Hier kamen die Menschen für das „Erfassen-Wollen“ größerer Zusammenhänge anfänglich nur mit dem Einsatz der ihnen verliehenen Fantasiebefähigung voran. Für sämtliche wahrnehmbaren Vorgänge, über deren Ursachen und genauen Wirkungsweisen man noch keine Kenntnis hatte, wurden unter Einsatz der Fantasiebefähigung solche „überirdischen Kräfte“ als Verursacher vermutet, die von „jenseitigen Bereichen“ her Einfluss auf alles wahrnehmbare Geschehen nahmen. Es entstanden so in den Vorstellung der frühen Menschen „überirdisch wirkende magische Kräfte“ und machtvolle Götterwelten, die alles menschliche Geschehen beeinträchtigen konnten. Und auch hier gab es eine Entwicklung: Die auf diese Weise geglaubten Gottesvorstellungen konkretisierten sich zu immer mehr der Form einer nur einzigen, allmächtigen Gottheit.

Mit diesem so erreichten Entwicklungsstand will ich mich nachfolgend etwas eingehender beschäftigen. Es geht hier um das Glaubensverständnis, wie wir es hier heute weit verbreitet (aber immer doch „regional“) als die Religiosität des christlichen Abendlandes vorfinden. 

Dazu gibt es inzwischen die grundlegend feststehende Erkenntnis: Die Existenz eines Gottes kann nicht bewiesen werden - jedoch ebenso wenig ist auch ein absolutes Nichtexistieren  von etwas nur irgendwie Göttlichem hinter unserer wahrnehmbaren Wirklichkeit  beweisbar.

Es steht allerdings fest, dass mit den zahlreichen Glaubensfestlegungen in der Menschheitsgeschichte allzu oft das unerträglichste unheilvolle Geschehen angerichtet wurde. Allein aus diesem Grund ist es nach aktuell möglichen heutigen Erkenntnisstand heute nur allzu vernünftig, jeder irgendwie verbreiteten Glaubensfestlegung nur mit größter Skepsis zu begegnen. Die heute zu beobachtende Ablehnung des kirchliche Verkündeten ist oft genug eine sehr verständliche Rückbesinnung auf die erkennbar wirklicheren Daseinszusammenhänge.

Wieviel bloße Fantasterei an allem bislang jemals Verkündeten beteiligt war, das ist gerade bei heutigem Rückblick in oft den absurdesten Ausuferungen nur allzu deutlich erkennbar. Gerade die christlichen Kirchen mögen sich nur widerwillig von jeglichem, eigentlich völlig überflüssigen Ballast trennen. Und daher empfindet so mancher, eigentlich nicht völlig Glaubensunwillige die aktuellen Erscheinungsformen des Christlichen als wenig einladend.

Denn womit hat man es denn als nur einigermaßen aufgeklärt Informierter zu tun? Man darf dann davon ausgehen, dass kein einziger konkreter Glaubensbestandteil von Gott direkt oder indirekt einem Menschen verkündet wurde. Es gibt hierfür keine möglichen Verbindungswege. Es ist ganz allein die menschliche Fantasiebefähigung, aus der heraus ganz bestimmte Gottesvorstellungen, Glaubensvorstellungen entwickelt wurden. Inwieweit hier dann „Denkwelten“ ersonnen sein mochten, die in einer fernen Annäherung eine in etwa begründete Ahnung von größeren Zusammenhängen über alles Diesseitige hinaus zum Inhalt hatten, das mag in Einzelfällen durchaus zustande gekommen sein. Aber viel offenkundiger ist doch: Im Dickicht aller Fantasiemöglichkeiten zu Denkkonstrukten in überirdischen Bereichen wurde gewütet und gewildert. Es gab keinerlei Begrenzungen für auch die absurdesten „Glaubensfestlegungen“.

Was demnach von Menschen als göttliches Verkündigungsgut ersonnen wurde, das war belastet und durchsetzt von allem menschlich Unzulänglichen. Und nur allzu oft wurde hierbei ausgenutzt, dass unter Berufung auf ‚Gott will es so’ Einzelne oder eine ganze Gruppierung spielend die eigenen Machtinteressen durchsetzen konnten.

Nach dem heutigen Stand lässt sich sagen: Es findet ganz allgemein eine immer  stärkere Bereinigung der historischen Irrungen und Wirrungen im weltweit verbreiteten religiösen Geschehen statt. Dazu ist auf dieses „Missverständnis“ aufmerksam zu machen. Scheinbar ist das alles ein Trend in Richtung „Gott gibt es nicht“ (oft begleitet auch von dem Schlagwort „Gott ist tot“). Richtiger ist vielmehr, dass sich immer verbreiteter die Einsicht durchsetzt: Diesen Gott gibt es nicht, dieser Gottesvorstellung kann unmöglich noch bei Kenntnis aller größeren Zusammenhänge gefolgt werden.

Es kann unmöglich der einzig wahre Gott in der Form existent sein, wie er in den verschiedenen Religionen in den unterschiedlichsten Fassetten geglaubt wird. Ein wahrer überirdischer Schöpfer-Gott kann nur von einer solchen Beschaffenheit sein, die mit allem „göttlich Erschaffenen“ unterschiedslos in Übereinstimmung zu bringen ist. Wenn hier dann deutlich erkennbar dem als „Gott“ Verkündigtem auch solche Glaubens-Festlegungen und -Gebote zugeschrieben werden, die unmöglich auf einen Gott zurückzuführen sind, der unsere gesamte Daseinswirklichkeit als etwas dauerhaft Beständiges erschaffen hat, dann ist hier eben berechtigte Skepsis angebracht. Denn der Mensch als das im gesamten bekannten Umfeld höchstentwickelte Schöpfungsresultat ist nun einmal als einziges Lebewesen mit Verstand und Erkenntnisfähigkeit erschaffen. Und muss daher niemals etwas glauben, was bei klarer Erkenntnis unmöglich eine zuverlässige Übereinstimmung mit dem in der Wirklichkeit (von unbekannten Kräften) Erschaffenen hat.

Damit konzentriert sich der Fragenbereich zu allem Religiösen allein auf diesen Kernpunkt: Gibt es zu unserer Daseinswirklichkeit eine insgesamt „verursachende Schöpfungskraft“ oder ist derartiges bei aller Kenntnis zu den gesamten Wirklichkeitszusammenhängen auszuschließen? 

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Das Schöpfungsrätsel als höchste Erkenntnisherausforderung überhaupt

Andreas Weber hat uns mit „ALLES FÜHLT / Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften“ (Berlin Verlag 2007) eine eindrucksvolle Beschreibung darüber gegeben, welche größeren Empfindungsinhalte für uns  bei bestimmten Begegnungen mit rein materiell-stofflichen Vorgängen zustande kommen. So finden wir unter 4 Physik der Schöpfung u.a. diese Ausführungen: … „Wir haben die Zellen unterschätzt“ … Glaubte man lange, dass biologische Ordnung nur durch Kräfte von außen geschaffen werden könne … etwa durch das Eingreifen eines himmlischen Schöpfers, so stellte sich in den letzten dreißig Jahren heraus, dass sich viele Strukturen von allein herausbilden. Sie organisieren sich selbst. … Nicht bloß einzelne, sondern Tausende oder Hunderttausende von verschiedenen Biomolekülen wirken in der Zelle als Katalysatoren. … Jetzt helfen einander so viele Reaktionen gleichzeitig, dass sich der Gesamtprozess von allein aufrechterhält und im winzigen Volumen des Zellinneren eine erstaunliche Ordnung entsteht. … Folgen wir Komplexitätsforschern wie Alberts oder Kauffman, dann dürfen wir uns die Zelle mit ihren Billionen von Molekülen und Hunderttausenden von Reaktionswegen nicht wie eine Miniaturfabrik vorstellen, in der winzige Phiolen unzählige Reaktionen trennen … Eher scheint ihr Körper wie eine einzige große Skulptur von Stoffen, in der sich Zehntausende von biochemischen Reaktionen gegenseitig so verflechten, dass der entstehende stabile Zusammenhalt auch in der Lage ist, Schwankungen zu tolerieren…

Dies ist nur ein äußerst verkürzter Ausschnitt aus der sehr umfangreichen „Materialsammlung“, die für Andreas Weber die Grundlage bildet für seine „Erkundigungsvorstöße“ in Richtung: Erfassen der Gesamtzusammenhänge unserer Lebenswirklichkeit.

Weber geht damit darüber hinaus, was z.B. für Richard Dawkins ein entscheidender Forschungsansatz ist. Dawkins arbeitet entschieden mit einer Zielsetzung, bei der alles „Empfindungsgesteuerte“ möglichst außen vor zu bleiben hat. Alle Zusammenhänge im Naturgeschehen werden von Dawkins in außerordentlicher Sachlichkeit als ein „rein stoffliches Zusammenwirken“ ohne irgendwelche übergeordneten Steuerungen beschrieben.

Welche „Gesamtsicht“ unsere Daseinswirklichkeit am zutreffendsten wiedergibt, darauf möchte ich später im weiteren Verlauf noch näher eingehen. Die in nur wenigen Abweichungen unterschiedlichen  Forschungsansätze von einerseits Andreas Weber und andererseits Richard Dawkins verwende ich mehrfach, um das eigentliche Schöpfungsrätsel  zu unserer Wirklichkeit in Richtung auf die entscheidenden Kernfragen zu konzentrieren.

Wir nehmen das alltäglich ablaufende Weltgeschehen zumeist als etwas nur allzu Selbstverständliches hin: Sämtliche Wirklichkeitsvorgänge sind uns einigermaßen überschaubar vertraut. Woher letztlich alles kommt, das muss demnach gar nicht unbedingt weiter erforscht werden. Hier gibt es auf den ausgetreten Pfaden von derartigen Denkweisen dazu ganz einfach  weltanschaulich die fest verankerten religiösen Glaubensvorstellungen von einem allmächtigen Gott, der alles erschaffen hat; es handelt sich dabei allerdings um Glaubensvorstellungen, die sich zumeist in einem wirklichkeitsfernen Nirwana bewegen. Oder man lässt zu dieser Frage einfach alles irgendwie „dahin gestellt sein“ - weil man sich eben auch ohne tiefere Beschäftigung mit letzten Daseinsverursachungen der praktischen Lebensführung widmen kann.   

Dabei ist das gesamte Schöpfungsgeschehen in einigen herausragenden Phasen einfach nur faszinierend: In jetzigen theoretischen Denkansätzen zu speziell möglichen Ausformungen der Quantenfluktuation findet das inzwischen „hypothetisch etablierte“ Urknall-Modell völlig neue Erklärungsmöglichkeiten für die ersten Ausgangsbedingungen: Eine ungeheure Energie-Verdichtung scheint „quantenmechanisch“ möglich zu sein. Und aus dieser allerersten „Energieballung“ in dem dadurch erstmals entstehenden („wahrnehmbaren“) Universum hat sich dann schlüssig nachvollziehbar alles Stofflich-Materielle mit dem insgesamt gleichen Energiegehalt gebildet. Es entstanden so weiterhin (nach erstmaligen anfänglichen „Zwischenschritten“) die ersten, einfach strukturierten Elemente. Es entstand in ungeheuer komplizierten Fortentwicklungen die uns bekannte Sternenwelt. Und aus den Bausteinen dieser Sternenwelt konnte dann zuletzt auch das organisch Lebendige entstehen. Dazu hat sich allgemein vertretbar die inzwischen geläufige Erkenntnis durchgesetzt: „Wir alle sind Sternenstaub“.     

Richard Dawkins musste auf der Grundlage seines außerordentlich fundierten Wissens fast schon zwingend zu einer rigoros atheistischen Weltanschauung finden. Denn alles das, was uns in den etablierten „Glaubensverkündigungen“ dargeboten wird, ist dermaßen unsinnig und mit den begleitend anmaßenden Wahrhaftigkeitsansprüchen dazu einfach nur noch abstoßend, so dass jeder Mensch mit etwas Bildung und Verstand heute nur auf Distanz zu allen überkommenen religiösen  Weltbildern geraten kann. Bei dieser Sichtweise ist Dawkins ein einmalig herausragender Gewinn für die gesamte Menschheitsentwicklung. Aber diese Sichtweise reicht nicht aus, um zu wirklich einigermaßen zutreffenden Antworten in Hinblick auf das „Schöpfungsrätsel“ zu kommen. Ich habe eingangs den Blick auf „ALLES FÜHLT“ von Andreas Weber gelenkt um deutlich zu machen, dass die überaus „glasklar sachliche“ Daseinserklärung von Richard Dawkins das gesamte tatsächliche Wirklichkeitsgeschehen nur unzureichend wiedergibt. Andreas Weber hat wissenschaftlich fundiert ein derart umfangreiches Material darüber angesammelt, dass eben in unserer Daseinswirklichkeit ständig umfangreichere Steuerungen vorzufinden sind als es die Wirklichkeitsbeschreibung von Dawkins hergibt. Um diese scheinbar gegebene Problematik aufzulösen sollten wir einfach auf die Beschreibung der gesamten Bandbreite menschlicher Verhaltenssteuerungen zurückgreifen, wie sie uns von Oliver Sacks verständlich gemacht wird. Der berühmte Hirnforscher Oliver Sacks hat in seinem Buch „DRACHEN, DOPPELGÄNGER UND DÄMONEN / Über Menschen mit Halluzinationen“ (Rowohlt 2013) sehr anschaulich beschrieben, welche absolut wirklichkeitsferne Fantasievorstellungen bei sehr vielen Menschen (als deren „überzeugt geglaubte Lebenswelt“) anzutreffen sind. Unser winzig kleiner Planet im gesamten bekannten Kosmos hat damit die umfangreichste Vielfalt an Daseinsentfaltungsformen überhaupt. Und dem darf man sich bei Lösungsversuchen zu dem Schöpfungsrätsel im vollen Umfang widmen.

Es sollte klar sein, dass die bewundernswert sachorientierten Ausarbeitungen von Richard Dawkins niemals ausreichen, um für die Gesamtheit unserer Lebenswirklichkeit eine zuverlässig geschlossene Aussage zu treffen. Nur für den menschlichen Bereich „geistig religiöser Verirrungen“ hat Dawkins überaus verdienstvoll die größten Unzulänglichkeiten unwiderlegbar (und so auch jetzt historisch „unverrückbar“) dokumentiert.

Die gesamten nachweisbaren „religiösen Verfehlungen“ haben bisher nur zu kaum nachvollziehbar unnötigen „Verkomplizierungen“ bei Lösungsansätzen zu dem ungelösten Schöpfungsrätsel geführt. Dass die Menschen wohl seit jeher mit der ihnen verliehenen Erkenntnisfähigkeit höhere Mächte als die ständigen Verursacher ansonsten scheinbar völlig unerklärlicher Daseinswendungen vermuteten, das dürfte „grundlegend“ nur allzu verständlich sein. Aber wie sich dann immer wieder einige  anscheinend Auserkorene anmaßten, dennoch hierzu über die genaueren Zusammenhänge Kenntnisse zu haben - das gehört zu den finstersten Kapiteln der Menschheitsentwicklung. Was sich dazu nach heutigem Stand als bedrückendste Verfehlungen entlarven lässt, dazu im weiteren Verlauf umfangreiche Einzelheiten. Soviel steht jedenfalls fest: Jede „konkrete Aussage“ darüber, was von einem Gott vom Jenseits her einigen vermeintlich Auserwählten in irgendwelchen „schöpfungsungeeigneten Verkündigungen“ mitgeteilt haben soll, derartige Aussagen beruhen ausschließlich ausschließlich auf wirklichkeitsferner (ja, menschenfeindlicher) Fiktion.    

Das unerklärliche Schöpfungsgeschehen mag immer ausreichend Motivation sein für eine grundlegend „tiefempfundene innere Hinwendung“ zu machtvollen unbekannten  Schöpfungskräften. Zugleich ist das aber auch eine sehr verlockende Herausforderung, mit zumeist wenig Aufwand ziemlich hohe Bedeutung unter allen nur irgend erreichbaren Mitlebenden zu erreichen.

Zu dem Schöpfungsrätsel gibt es heute  zahlreiche wissenschaftlich gefestigte Forschungsansätze mit höchster Wirklichkeitsannäherung. Darüber nachfolgend in einzelnen Ausarbeitungen zusätzliches Material.    

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Das unbegreifliche Ignorieren jedes schöpferischen Wirkens im tatsächlich ablaufenden Daseinsgeschehen

Im Folgenden geht es um die inhaltlichen Missverständnisse gerade jener Weltanschauungen, bei denen alles „Schöpferische“  in der gesamten Daseinsentwicklung bis heute entschieden ausgegrenzt, ja überhaupt ignoriert wird.

Fast alle äußerst „säkular orientierten“ Wirklichkeitsvorstellungen konzentrieren sich auf eine ganz entschiedene Ablehnung gegen jedes nur irgendwie gedanklich einzubeziehende Schöpfungsgeschehen. Nach meiner Einschätzung hat das mit der   sehr verbreiteten Überzeugung zu tun, alle nur irgend kirchlich verkündeten Glaubensinhalte seien in ihren wesentlichen „Kernbestandteilen“ nichts anderes als völlig weltfremde Fantasterei. Und eine Folge dieser Überzeugungen ist es dann, dass alles, was nur irgend mit einem Schöpfungsgeschehen zu tun haben könnte, zugleich immer auch im Sinne irgendwelcher doch wieder wahrhaftiger konfessioneller Glaubensinhalte zu deuten wäre. Man würde sich dann doch nur wieder in ungewollten „Gottesvorstellungen“ eingebunden sehen.

Ich sehe in dieser Auffassung einen sehr unergiebigen Irrweg in Richtung einer  völlig überflüssigen „Wirklichkeitsverweigerung“. Denn die Schöpfungsfrage ist nun eben mal eine Herausforderung für die uns verliehene Erkenntnisfähigkeit. Alles, was sich hierzu sachlich eingrenzen lässt, dient einer Erweiterung zu dem uns überhaupt möglichen Daseinsverständnis. Da ist es kaum nachvollziehbar, wenn dieser Fragenkomplex quasi wie ein unantastbarer Tabubereich völlig ausgeklammert zu bleiben hat. Die Fragestellung „woher kommen wir“? „Welche Bedeutung hat unser Existieren“? - diese Fragestellung wird den bewusst lebenden Menschen immer begleiten. Es handelt sich dabei unbestreitbar um eine religiöse Fragestellung. Und je mehr sich hierzu alle allzu absurden Erklärungsversuche als völlig haltlos nachweisen lassen, umso mehr wird auch für diesen Fragenbereich zu den überhaupt letzten  Wahrheitsfindungen alles weitgehend „offen gehalten“! 

Fast schon zwangsläufig komme ich hier wieder auf Richard Dawkins zurück. Denn - wie auch schon an anderer Stelle angedeutet - man könnte zu dem gesamten Fragenbereich der Meinung sein, Dawkins vertrete dermaßen  verbissen einen radikalen Atheismus, dass folglich alles, was überhaupt nur irgend noch als Wirklichkeitsbestandteil in einem „schöpferischen Dunkel“ verborgen sein könnte, unmöglich eine ernstzunehmende Erkenntnisherausforderung zu sein hat.

Alles Denken, das auf dieser „Schiene“ verläuft, verrennt sich in völlig unhaltbaren Weltanschauungen. Die Daseinswirklichkeit, wie wir sie heute wahrnehmen, hat es in genau dieser Form nie zuvor gegeben. Das hat zu tun mit dem sogenannten „Zeitpfeilgeschehen“: In der Physik gab es zu dem Wesen der „Zeit“ in der Vergangenheit zahlreiche unterschiedliche Deutungen. Im zwanzigsten Jahrhundert wurde erstmals der Begriff „Zeitpfeil“ geprägt für den Ablauf allen Veränderungsgeschehens. Der Nobelpreisträger Ilya Prigogine hat danach im 21. Jahrhundert die Gesetzmäßigkeiten zu einem „unablässig waltenden Zeitpfeilgeschehen“ aufgezeigt: Sämtliche stofflich-materiellen Veränderungsvorgänge vollziehen „aus sich heraus“ fortwährend Verformungen zu immer wieder komplizierteren Neu-Gestaltungen“; dieses Zeitpfeilgeschehen ist generell unumkehrbar. Und so hat sich auf unserem Planeten mit der ersten Entstehung organischen Lebens eine entscheidend neue Daseinsform gebildet, wie derartiges mit den zuvor nur rein materiell strukturierten „Bausteinen des Universums“ nie gegeben war. (Das Inhaltliche dieser neuen „organischen Lebens“ wird von Andreas Weber wiederholt sehr anschaulich beschrieben.) Dann entwickelte sich aber in einem weiteren Schritt aus dem rein organischen Leben mit allen „natürlichen Verknüpfungen in Flora und Fauna“, in denen bereits die kompliziertesten Speicherungen, Rückkopplungen usw. vorkamen, der mit „Bewusstsein“ ausgestattete Mensch. Es war ein langwieriger Weg, wie aus vorherigen (noch affenähnlichen) „Vor-Menschen“ die ersten, mit Bewusstsein ausgestatteten menschlichen Wesen in Erscheinung traten. Und es war noch ein weiteres langes „Zeitpfeilgeschehen“, bis letztendlich allein der moderne Mensch entscheidend das Daseinsgeschehen auf unserem Planeten dominierte. (Dieser „moderne Mensch“ weist z.B. auch heute noch Spuren einer geringen Vermischung mit seinem Vetter, dem Neandertaler, auf - aber ansonsten sollten wir uns bewusst sein, dass es seit unserem ersten Entstehen in Afrika an unserer „Gesamtkonstitution“ im wesentlichen keine Änderung mehr gegeben hat.)                

Hier möchte ich jetzt ansetzen, um das Missverständliche an gerade jenen Weltanschauungen deutlich zu machen, bei denen alles „Schöpferische“ in der gesamten Daseinsentwicklung bis heute (als Denkrichtung eines radikalen Atheismus) entschieden ausgegrenzt, ja überhaupt ignoriert wird.

Im gesamten uns bekannten Universum ist es einzig unser winzig kleiner „blauer Planet“, auf dem das gesamte stofflich-materielle Entwicklungsgeschehen eine bis dahin höchste Vollendung gefunden hat. Wir haben nirgendwo sonst eine Kenntnis von derartigen Formen hoch entwickelten organischen Lebens ( - auf „Ausgangsstrukturen“ für „organische Startbedingungen“ ist man Erkundungserforschungen im kosmischen Raum allerdings häufig genug gestoßen). Und mit „dem Menschen“ ist ein höchstes Entwicklungsniveau erreicht, das gegenüber allen Vorstufen qualitativ eine völlig neue („höchste“) Dimension bedeutet. Der Mensch, mit Bewusstsein ausgestattet, vermag zu allem Wahrgenommenen in einer „inneren Distanz“ völlig eigene Interpretationen und Vorstellungen zu entwickeln! Dabei bleibt festzuhalten: Der Mensch hat niemals als erster etwa das Denkvermögen selbst „erfunden“. Auch „Merkfähigkeit“, „Gedächtnis“ usw. kommen schon bei hochentwickelten Lebewesen in der Fauna vor. Und so auch viele „sozial anmutende Verhaltenssteuerungen“. Es ist einzig das in einem bestimmten Ausmaß frei verfügbare Denkvermögen, mit dem nur der Mensch das Werkzeug hat, das eigene Verhalten gedanklich bewusst zu steuern.       

Damit, dass der Mensch alles im Daseinsgeschehen Wahrzunehmende für die eigene Lebensentfaltung bewusst „in Gebrauch zu nehmen vermag“, ist er auch das einzig bekannte Lebewesen, das sich für das eigene Tun und Lassen zwingend einer „Verantwortlichkeit“ zu stellen hat ( - gerade ein z.B. in besonderer Weise hirngeschädigter Mensch kann sich daher auch in einem Zustand befinden, in dem ihm eine Verantwortlichkeit nicht mehr zuzurechnen ist).

Auf dieser Grundlage gibt es auch (in dem uns bekannten Universum) einzig und allein für den Menschen „eine ethische Herausforderung“: Der Mensch kann bewusst abschätzen, ob sich das eigene Verhalten (also jegliches „Tun und Lassen“) in einem größeren Zusammenhang gewertet ganz allgemein gegen ein weitgehend gesichertes Existieren auswirken könnte. 

Und damit bin ich wieder bei Richard Dawkins als dem bewundernswerten Forscher, der jedoch gerade wegen seiner sehr speziellen „Hinwendung“ zu allen Fassetten der Evolutionstheorie keinen Blick mehr für auch noch größere Zusammenhänge im gesamten Daseinsgeschehen zu haben scheint.

Dass mit dem Menschen erstmals eine bewusste Auseinandersetzung mit den Wertvorstellungen zu „Gut und Böse“ Teil das tatsächliche Daseinsgeschehen um eine völlig neue, geistige Dimension erschlossen wurde, dieser Entwicklungsschritt wird von Dawkins als eine herausragende Besonderheit nicht wahrgenommen; jede intensivere Anknüpfung an diese Thematik bleibt ausgeklammert.

Diese Auffassungsweise kommt u.a. zum Ausdruck in „DIE POESIE DER NATURWISSENSCHAFTEN / Autobiographie“ (Richard Dawkins: Ullstein 2016). Hier sehr verkürzt und nur auszugsweise unter „Geh zur Wespe, du Drohne: Ökonomie in der Evolution“: … Übrigens: Warum finden Biologen es überhaupt so hilfreich, Gene oder Individuen zu personifizieren  und als ‚Handelnde‘ zu betrachten? Nach meiner Vermutung liegt das daran, dass wir eine höchst soziale Spezies sind, soziale Fische , die in einem Meer von Menschen schwimmen. Deshalb wird vieles von dem, was sich in unserer Umwelt abspielt, durch das absichtliche Handeln von Menschen verursacht; deshalb ist es nur natürlich, auch auf unbelebte ‚Handelnde‘ zu verallgemeinern. … Natürlich glaubt niemand, dass diese unbelebten Gebilde sich wirklich bemühen, etwas zu tun. Man gelangt aber zu dem richtigen Ergebnis, wenn man sich genau dies in der Phantasie ausmalt; der Geist des Menschen ist darauf geeicht, unter dem Gesichtspunkt absichtsvoll handelnder Agenten zu denken. … Die Frage, ob der Organismus ein bewusst Handelnder ist, lassen wir offen. Dass das Gen keiner ist, wissen wir. Der Organismus trifft Entscheidungen, … die darauf berechnet sind, das langfristige Überleben der Gene, die in ihm mitfahren, zu maximieren - jener Gene, die auf dem Weg der Embryonalentwicklung das Nervensystem programmiert haben, das die Entscheidungen trifft…“. Im Folgenden geht Dawkins kurz darauf ein, wie z.B. Darwin abgestoßen war von dem grausamen Akt einer ganz bestimmten Art und Weise von „Beuteverhalten“; Dawkins sucht zu verdeutlichen, dass es im Naturgeschehen aller organischen Lebewesen für „ethische Betrachtungsweisen“ keine Anhaltspunkte gibt. Abschließend möchte ich zu diesen Wiedergaben noch kurz diese Fundstelle zu dem Buch „Die Schöpfungslüge / Warum Darwin recht hat“ (Ullstein 2010) anführen: „Kapitel 12 - Hier geht es um eine evolutionstheoretische Sicht auf das Theodizee. Für Dawkins steht das allgegenwärtige Leid in der Natur in Widerspruch zu einem gütigen Schöpfer. Diesen Konflikt gibt es jedoch für Dawkins unter der Voraussetzung der Evolution nicht, da diese weder in den Kategorien ‚Gut‘ und ‚Böse‘ noch in irgendeiner anderen Form denken kann.“ (zitiert nach Wikipedia).

Was sich im Wege der Evolution in einem nach heutigen Verständnis „jetzt letzten Schritt“ mit dem Entstehen des Menschen völlig außergewöhnlich ereignet hat, das scheint - wie bereits eingangs erwähnt bei z.B. Richard Dawkins - keiner weiteren vertieften Erforschung würdig zu sein. Der Mensch mag noch so sehr über besonders herausragende Eigenschaften wie z.B. einer konstant ausgeübten Verantwortungsethik zu verfügen - aber welche Bedeutung diesem Umstand zukommt und was das alles im Einzelnen zu bedeuten hat, dem wird bei allen bekannten Auseinandersetzungen mit den verbreiteten religiösen „Schöpfungsbekenntnissen“ kaum eine weitere Beachtung geschenkt.

Für mich hat aber gerade das in unserer Daseinswirklichkeit die höchste Bedeutung: Wieso ein einzelner Mensch aus einem eigenen Verantwortungsgefühl heraus ganz individuell „schöpfungsgerechte“ Vorhaben durchzusetzen suchen kann, die möglicherweise mit  großen Beeinträchtigungen verbunden sind. D.h. - was gibt einem Menschen, der doch eigentlich im Wege der Evolution an alle geläufigen Anforderungen angepasst sein müsste, die Kraft und Entschlossenheit konsequent etwa dennoch das ‚ethisch Gute‘ zu realisieren zu wollen, sich dabei dann also immer wieder auch einer völlig eigenen, ethisch gefestigten Orientierung zuzuwenden?         

Der Mensch kann somit „geistigen“ Überzeugungen folgen, die ganz allein aus seinem eigenen Inneren erwachsen. Alles ist dabei dennoch einzig und allein letztlich verankert in organisch-molekularen Strukturen. Es bleibt dabei aber völlig unerklärlich, wie hier - je nach „Individuum“ - nur ganz bestimmte, grundlegend ausgerichtete Steuerungen vollzogen werden. In den grundlegenden Orientierungsrichtungen nämlich: dauerhaft „daseinserhaltend“ oder dagegen auch völlig entgegengesetzt „daseinsverwüstend“.

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Höchstmögliche Wirklichkeitsannäherungen im gesamten Wirklichkeitsverständnis

Immer wieder komme ich auf diese Aussage von Niels Bohr zurück: „Es gibt zwischen Wirklichkeit und Realität einen ganz gravierenden Unterschied. Wirklichkeit ist das objektiv  Vorhandene, dessen Funktionsweise wir aber nicht kennen. Realität aber ist die subjektive  Sicht des Menschen auf die Wirklichkeit. Das bedeutet aber: Realität ist stets etwas nur durch den Verstand Konstruiertes - etwas nicht Wirkliches.

Der Verstand als eine ganz besondere Befähigung des Menschen kommt in den merkwürdigsten Ausformungen vor. Wir begegnen hier der Befähigung zu einer äußerst präzisen Analyse irgendwelcher wahrgenommenen äußeren Vorgänge. Wir erleben hier aber auch fantasievoll abgehobenen Verfremdungen zu bestimmten  tatsächlich ablaufenden Vorgängen: Der Mensch hat die Befähigung, gedanklich auch die ungewöhnlichsten virtuellen Fiktionen zu ersinnen. Zu Komplikationen kann es dabei dann kommen, wenn „ab jetzt“ nicht mehr zwischen „Wirklichkeit“ und „bloßer Fantasiezuwendung“ unterschieden wird. Dann gerät die nur durch den Verstand konstruierte Realität in den Bereich des völlig Unwirklichen; es kommt zu einem Daseinsverständnis, das nur von der Fantasie getragen wird und „in der Wirklichkeit“ nicht mehr auch nur den geringsten Halt findet. Es handelt sich dann um die Wesenszüge der Schizophrenie, wie sie anhand konkreter Beispiele von Oliver Sacks in „DRACHEN, DOPPELGÄNGER UND DÄMONEN / Über Menschen mit Halluzinationen“ sehr anschaulich beschrieben werden.

Richard Dawkins kommt mit seiner radikalen „Religionskritik“ das Verdienst zu, bei seinen „Wirklichkeitsbeschreibungen“ jedes gedankliche Abgleiten in insbesondere „religiöse Wahnvorstellungen“ als pure Schizophrenie bloßzustellen. Die Besonderheit aber der Weltanschauung, wie sie sie so bei Dawkins in höchster Geschlossenheit vermittelt wird: Es wird hier ein bestimmter Bereich unserer Daseinswirklichkeit ganz entschieden „verstandesmäßig“ ausgeklammert.

Oliver Sacks beschreibt in seinen Veröffentlichungen, was sich auf unserem blauen Planeten tatsächlich abspielt: Es gibt dort den Menschen, der in einer Vielzahl von Fällen auf dem Weg der Evolution zu einer erstaunlichen Erkenntnisfähigkeit herangereift ist. Aber nicht nur das - mit der Evolution hat sich die Spezies „Mensch“ in derart unterschiedlichen Ausformungen herausgebildet, dass hier unmöglich jemals noch schablonenhaft von dem einen „einzigartigen Menschen“ gesprochen werden kann. Die Erde ist von Menschen mit den unterschiedlichsten Gesinnungen, Befähigungen, Lebensformen usw. bevölkert.

Und Dawkins hat hierzu - wie gerade erwähnt - das Verdienst, dabei dann all das deutlich zu kennzeichnen, was nichts als religiöse Fantasieentgleisung ist. Aber die gesamte Daseinswirklichkeit auf unserem Planeten ist nun eben (gerade wegen der fast unbegreiflich vielfältigenEntfaltungsmöglichkeiten des Menschen) „in Wirklichkeit“ (!) doch sehr viel umfangreicher. Dazu habe ich eingangs Andreas Weber mit seinem Buch „ALLES FÜHLT / Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften“ aufgeführt. 

Weber beschreibt eine Daseinswirklichkeit auf unserem Planeten, für die es unmöglich eine rein stofflich-materielle Erklärungsmöglichkeit im Sinn von Dawkins Realitätsverständnis gibt. Ein auf diese Weise beschriebenes, umfassenderes Daseinsverständnis wird in „ALLES FÜHLT“ unter dem Begriff ‚Schöpferische Ökologie‘ näher ausgeführt und umfassend vertieft. So lesen wir unter „Das organische Prinzip“ u.a.: „… Die Schöpferische Ökologie geht … davon aus, dass die Welt neben der Kausalität von einem anderen Prinzip regiert wird: dem Prinzip der Selbstbewegung. Die zunächst unbeweglichen Dinge auf der Welt organisieren sich durch irgendeine Kraft von selbst  zu größeren, komplexeren Gebilden - kosmischer Staub wird zu Sternen, Sterne werden zu Galaxien, Atome zu Molekülen, Moleküle zu Organismen. Das Prinzip der Selbstbewegung zeichnet sich dadurch aus, dass dabei irgendwann Dinge herauskommen, die mit dieser Bewegung nicht aufhören wollen. Sie haben nicht nur Ursachen, sondern Zwecke: Sie wollen weiter bestehen. Zu diesen Dingen gehören auch wir. Es sind die Lebewesen. Die Anhänger der Schöpferischen Ökologie vermuten, dass Lebewesen nicht die Ausnahme sind, sondern dass sich erst in ihnen der eigentliche Charakter der Welt enthüllt. … Und einige Seiten weiter (ab Seite 50) … Darwins Selektion wählt zwischen schon gewordenen Organismen aus und erschleicht sich so … die Lösung des ganzen Lebensrätsels. Aber sie hat bis heute nichts dazu zu sagen, wie der Aufbau eines Wesens gesteuert wird, und auch nicht, auf welchen Wegen dieses sich ändert. … die Frage blieb: Was gibt den Milliarden von hochreaktiven Substanzen in einer einzigen Zelle ihre Form?  Was bringt sie dazu, sich sinnvoll zu verhalten? Was ordnet die Maschinerie des Lebendigen, die doch auf unvorstellbar engem Raum eine unbegreifliche Vielfalt an Prozessen und Stoffen vorhält? Welche Kraft der Materie verband ihre Elemente zur ersten lebenden Zelle?… Und unter Bezug auf Karl-Ernst Baer … Wie kommt es dazu, dass manche Dinge aus sich selbst heraus eine eigene Aktivität entfalten? … ‚Die Beschreibung, wie Lebewesen sich verändern, erklärt nicht, was Leben ist.‘ …

Ich möchte mit diesen zum Teil stark verkürzten Textauszügen aufzeigen, wie der Biologe Andreas Weber in etwa die Gratwanderung bewältigt: Ausschließlich mit dem naturwissenschaftlich gesicherten Forschungsmaterial zu arbeiten und dennoch  offen zu sein für „Grenzfragen“, die in Richtung größerer Zusammenhänge zielen. Ab Seite 51 verweist Weber dazu auf Jakob von Uexküll - mit den Erläuterungen: … Er fasste Lebewesen weder als ferngesteuerte Uhrwerke auf, wie es Evolutionsbiologen vom Typ Richard Dawkins’ tun, noch nahm er zu einer übernatürlichen  „Lebenskraft“  Zuflucht. Von der sprachen die sogenannten Vitalsten wie der deutsche Professor Hans Driesch. Driesch verstand darunter eine naturwissenschaftlich nicht fassbare Energie, die gottgleich in alle Lebensvorgänge eingreift. Üexküll ging einen dritten Weg: Seiner Auffassung nach entfalten sich Organismen durchaus nach Zielen, die in ihrem Bauplan festgelegt sind. Aber gerade indem sie diesen Vorgaben folgen, beweisen sie eine Eigenständigkeit gegenüber äußeren Einflüssen, die sie aus der bloßen mechanischen Kausalität befreit…

Das Entscheidende an der Vorgehensweise von Andreas Weber ist, dass er bei allem konstant allein materiell-stoffliche „Ausgangswerte“ (so meine Auffassung) als unabdingbar voraussetzt, wenn er sich in „Grenzfragen“ mit bestimmten größeren Zusammenhängen beschäftigt. D.h. - etwas rein Geistiges etwa, wie es von der Theologie nur allzu gern als eine irgendwo im gesamten Kosmos anzutreffende Größe vorausgesetzt wird, derartiges kommt bei Weber niemals vor. Wenn im gesamten Text vereinzelt auch von Entfaltungskräften die Rede ist, die über alles rein Stofflich-Materielle hinauszugehen scheinen, dann wird dies immer in einer unauflöslichen Einheit mit etwas stofflich Vorhandenem verstanden. Gerade dieses anscheinend nur hypothetisch Festgelegte werde ich in weiteren Ausarbeitungen noch eingehender als einen entscheidenden Grundpfeiler höchstmöglicher Wirklichkeitsannäherungen herausstellen.                    

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Der Fluch bei allem Religiösen in der Menschheitsgeschichte: Die anhaltend zerstörerische Dauerverwüstungskraft fast jeder religiösen Wahnvorstellung

Der Mensch ist im gesamten bekannten kosmischen Geschehen das höchstentwickelte Lebewesen. Mit Bewusstsein ausgestattet gab es  wohl immer das Verlangen, zu allen tatsächlich ablaufenden Geschehnissen die auslösenden Verursachungen zu erfahren. Weit zurück in der Vergangenheit konnte es hierzu in vielen Fällen keine zuverlässige Erklärung geben. Das „Wissen“ war noch sehr begrenzt. Und so kam immer wieder die dem Menschen verliehene Fantasiebefähigung zum Zuge: In nur erdachten Vorstellungen wurden rein gedanklich ersonnene Zusammenhänge zu einem gerade gültigen Weltbild zusammengefügt.

Hier konnte der Mensch dem „Religiösen“ niemals völlig ausweichen. Immer waren die möglichen Erklärungs- und Deutungs-Versuche begleitet von einem Glauben an unbekannte höhere Mächte, die das ansonsten Unerklärliche bewirkten und dabei zugleich auch schicksalhaft das Leben der einzelnen Menschen beeinflussten.

Problematisch wurde diese in eigentlich ständiger Ungewissheit verlaufende Situation dadurch, dass es immer „einige Wenige“ gab, die zu allem Rätselhaften immer wieder auch fantasievolle Erklärungsmodelle bereit hielten. Beweisen ließ sich die Richtigkeit derartiger Erklärungsmodelle niemals, dazu fehlte ein ausreichender Kenntnis- und Wissensstand. Aber wenn es „diesen Wenigen“ dann mit einiger Überzeugungskraft gelang, das nur fantasievoll Ersonnene als etwas von höheren Mächten her Erfahrenes gewonnen zu haben, dann war jeweils von Fall zu Fall das Fundament dafür bereitet, dass sich konkrete Glaubensvorstellungen verfestigt verbreiten konnten. - Die „eigentliche Problematik“ setzte dann aber stets dadurch ein, dass jetzt jede bessere Erkenntnis über die genaueren Zusammenhänge als ein Angriff gegen die inzwischen verfestigten Glaubensvorstellungen gewertet wurden.  

Rückblickend hat damit das Religiöse seit Anbeginn in dieser Entfaltungsrichtung eine überaus verheerende Entwicklung genommen. Die Frage, ob eine Existenz Gottes beweisbar ist, hat bislang immer zu dieser scheinbar einzig möglichen Antwort geführt: die Existenz ist nicht beweisbar. Aber genauso gültig scheint dennoch die gegenteilig mögliche Antwort zu sein: auch die „Nichtexistenz“ ist nicht beweisbar. - Ich meine, die Menschheit ist damit bislang in eine teuflische Denkfalle geraten. Die Denk- (und so dann auch Glaubens-) Falle kommt dadurch zustande, dass immer eine ganz bestimmte Gottesvorstellung als je nach Epoche und Region jeweils einzig wahrer Glauben für ausschlaggebend zu gelten hat. Damit war dann selbstverständlich stets ein höchst entzündbarer Brandsatz gelegt. Denn jetzt konnte sich immer wieder eine Schar von dazu berufen fühlenden Eiferern äußerst entschieden dafür einsetzen, für diesen, „ihren einzig wahren Gott“ alles zu geben und alles zu verlangen. Die Resultate aus dieser „Entfaltungsrichtung der Menschheit“ sind nur allzu bekannt: Fürchterlichste Glaubenskriege, Mord und Totschlag gegen jeden vermeintlich Abtrünnigen.

Daraus hat sich eine große Skepsis bis zu tiefster Abneigung gegen alles Religiöse überhaupt entwickelt. Im Kern geht es eigentlich bei allem nur um diese Problematik: Wenn sich für den Menschen durch sein „Nichtwissenkönnen um letzte Daseinszusammenhänge“ eine gewissermaßen brennende Erwartungshaltung für dennoch höchstmögliche Klärungen für alles ergibt, denn ist mit dem Verweis auf höchste, übermächtige Kräfte eine annähernd absolut gültige Antwort gefunden.

An dieser fundamentalen Ausgangssituation hat sich in der gesamten Menschheitsgeschichte bis heute nichts geändert. Unmöglich lassen sich für zahlreiche beängstigende oder auch nur herausfordernde Daseinsrätsel exakt schlüssige Erklärungen finden. Als Synonym für die in diesem Zusammenhang spekulativ vermuteten höchsten, übermächtigen Kräfte setzte sich durchweg der Begriff „Gott“ durch. Die allerhöchste lenkende Kraft in einem unbekannten Jenseits war einfach „Gott“! Was es mit diesem Gott dann im Einzelnen auf sich hatte, das war dann so etwas wie eine grandiose Spielwiese der menschlichen Fantasiebefähigung.

Von „Gott selbst“ war bei allem unmöglich etwas in unmittelbarer Benachrichtigung zu erfahren. Kein Wort, keine Verkündigung, kein Zeichen hat jemals ein Mensch ganz unmittelbar aus einem unbekannten Jenseits auf dem Weg einer tatsächlich erfolgten Mitteilung erhalten. Immer waren es lediglich die zumeist völlig eigenen gedanklichen Eingebungen einzelner Menschen, aus denen sich von Fall zu Fall ganz bestimmte Gottesvorstellungen formten. D.h. sämtliche Auseinandersetzungen zu der Frage, ob es überhaupt einen Gott gibt oder nicht - diese Auseinandersetzungen beschäftigen sich eigentlich immer nur ausschließlich mit den möglichen „Fehlinterpretationen“ darüber, was in allen Einzelheiten als „in einem Glauben an Gott“ unbedingt Geltung haben soll.

Fast jede Aussage darüber, was nun tatsächlich als „exakt gottgewollt“ geglaubt werden muss, ist nichts anderes als eine ungeheure menschliche Anmaßung. Keinem Menschen ist es möglich, hier tatsächlich in irgendwelchen speziellen Einzelheiten bestimmte Wahrheiten unter dem Schlüsselbegriff des „Gottgewollten“ zu verbreiten. Und sämtliche Einzelheiten, die jemals der Menschheit mit Bezug auf Gott über angebliche Wirklichkeitszusammenhänge mitgeteilt wurden, sind nichts als reine Fantasieprodukte.  

Der Mensch ist im gesamten bekannten kosmischen Geschehen das höchstentwickelte Lebewesen. Auf dem dabei von ihm auch beschrittenen Weg einer beständig zunehmender Erkenntnisfähigkeit ist es ihm Schritt für Schritt gelungen, zahlreiche, völlig rätselhaft erscheinende Wirklichkeitsabläufe in allen Einzelheiten nach ihrem wahren Gehalt zu entschlüsseln. Im bekannten kosmischen Geschehen sollte gerade das als die erstaunlichste Höchstleistung der Schöpfung überhaupt gewertet werden - wenn man denn nur irgend Kenntnis von größeren Wirklichkeitszusammenhängen hat und dabei die Möglichkeit nicht völlig ausschließt, dass alles auf eine unerklärliche ursprüngliche Schöpfung zurückzuführen ist. Zumindest sollte man diesen Gedanken immer parat haben, wenn es im Zusammenleben um vermeintlich unbedingt orthodox zu glaubende religiöse Wahrheiten geht. Sämtliche derartige „orthodoxe“ Glaubenswahrheiten sind nichts anderes als lediglich menschliche  Fantasieentgleisungen. An derartigen reinen Fantasieentgleisungen aber ernsthaft irgendwelche überhaupt letzten Gottesfragen abarbeiten zu wollen, ist purer Unsinn. Was sich in Wirklichkeit tatsächlich hinter irgendwelchen unergründlichen letzten Daseinsrätseln verbergen mag, das bewegt sich auf völlig anderer Ebene als generell mit vielfältigen Synonymen zu Gott in menschlichen Auffassungen verbreitet wird.                       

Immer wieder hat es so auch Auseinandersetzungen darüber gegeben, ob der gerade je nach Epoche und Region anzubetende Gott der einzig wahre Gott ist.

Auch in unseren christlichen Abendland ist da eine ziemlich verbreitete Ungewissheit zu beobachten. Das Hauptmerkmal ist hier wohl, dass ein sehr großer Teil der Bevölkerung die Inhalte der gepredigten Glaubenslehren nicht mehr als wahre Botschaften aus dem Jenseits zu akzeptieren bereit ist. Aber selbst diejenigen, die dem kirchlich Verkündeten irgendwie noch eine große Bedeutung beimessen, haben es mit einer ganz speziellen Schwierigkeit zu tun: Was genau soll da eigentlich noch geglaubt werden?

Eine genaue Festlegung ist da insgesamt kaum anzutreffen. Generell gibt es wohl in etwa den Glauben an „einen Gott, den Allmächtigen, Schöpfer Himmels und der Erden“. Und vor allem dann auch den Glauben daran, dass es mit dem von Gott gesandten Jesus Christus einen Überwinder für alle Unvollkommenheit in dieser Welt gibt, durch den dann auch die Erlösung in einer ewigen Seligkeit erreicht werden kann. Diese Glaubenshaltung ist sehr jedoch verbreitet eine eher nur ziemlich diffuse Überzeugung. „Gott Vater“ und „Jesus Christus der Erlöser“ sind da die hauptsächlichen Eckpunkte. Aber wie da der in dieser Sichtweise so ziemlich vereinfachte Glaube dann trotzdem noch mit unserer Lebenswirklichkeit in Übereinstimmung zu bringen sein könnte, dazu gehen die Einzelmeinungen  dann doch sehr weit auseinander. Das erstreckt sich von einem gefestigt orthodoxen schriftgetreuen Glauben bis zu der Auffassung, irgendwie mit einer lediglich konfessionellen Zugehörigkeit ausreichend an allen christlichen Verheißungen teilzuhaben.  

Es war ein langer Weg bis zu der heute bemerkenswert gefestigten Skepsis an der Zuverlässigkeit christlicher Überlieferungen. Gerade an dem Christlichen lässt sich beispielhaft sehr beeindruckend aufzeigen, wie sehr ein „geglaubter Gott“ ausschließlich nur eine Denkkonstruktion von Menschen ist - von einigen in intensiven Glaubensfantasien sehr grundlegend ausgeformt und nebenher von vielen anderen „sehr kreativen Fantasten“ auch in sehr zweckdienlich erlogenen Hinzufügungen zu einem in sich geschlossenen Gesamtwerk vollendet.

Es ist Heinz-Werner Kubitza, der hierzu in höchster Gründlichkeit alles überhaupt nur Zweifelhafte an den christlichen Glaubensinhalten aufdecken konnte. Was sich damit am Beispiel des Christlichen eindeutig nachweisen lässt, das hat in den Grundzügen Bedeutung auch für jede weitere Art von „konfessionell geprägter Religiosität“ - jeder hier nur irgend geglaubte Gott hat nicht das Format, tatsächlich der Schöpfer alles Wirklichkeitsgeschehens sein zu können.

Und es ist Richard Dawkins, der überhaupt jede Form von Religiosität als sinnlose Fantasterei einschätzt. Richard Dawkins hat gründlich erforscht, wie sämtliche materiell-stofflichen Daseinsabläufe unbedingt schlüssig als ein reines Evolutionsgeschehen ohne das Einwirken irgendwelcher „höheren Mächte“ zu verstehen sind. Damit ist Dawkins sozusagen die „Lichtgestalt“, wenn es darum geht, das Unsinnige jeder vermeintlich aus einem Jenseits von Gott gegebenen Botschaft aufzuzeigen. Die eigentliche Wahrheit nämlich: Ein Gott als Verkünder derartiger Botschaften  hat niemals existiert. Und die dem Menschen jemals von Gott verkündeten Botschaften entstammen ganz allein der menschlichen Fantasiebefähigung. 

Aber gerade hier stellt sich ganz entschieden auch die Frage, ob damit zugleich ein „umfassend bedingungsloser Atheismus“ absolute Gültigkeit haben muss.   

Es hat sich über Jahrhunderte diese Gewissheit verfestigt: Ob es so etwas wie eine göttliche Schöpfungskraft zu allem tatsächlichen Daseinsgeschehen geben kann - darauf kann es unmöglich eine abschließend gültige Antwort geben; hier verkürzt ausgedrückt - ein Existieren von etwas Göttlichem lässt sich nicht beweisen, das „Nichtexistieren“ lässt sich aber auch nicht beweisen.

Aber gerade in „DER DOGMENWAHN“ von Heinz-Werner Kubitza wird ein völlig neuer Ansatzpunkt für diese Problematik erwähnt, es ist die Quantenfluktuation. - Sehr vereinfacht umschrieben geht es um die Frage: Wenn sich alles Materiell-Stoffliche heute physikalisch bis auf einen ersten Anfangszustand von einer ungeheuren Energieballung zurück verfolgen lässt (einer ungeheuer verdichteten Energieballung, aus der heraus sich in einer kürzesten zeitlichen Abfolge die Entstehungsvorgänge zu unserer materiellen Wirklichkeit „errechnen“ lassen) - was kann dann als ein „Vorher“ zu dieser explosiven Ernergieballung vermutet werden? Die Antworten der Physik in früheren Zeiten zu der Ausgangslage eines ersten Beginns war durchweg: Hierzu ist ein naturwissenschaftliches Antworten einfach nur sinnlos, denn hier steht man an einer unüberwindbaren Grenze zu einem „unmöglich Noch-Etwas-Wissen-Können“. Heute aber wird mit Vorgängen der Quantenfluktuation das Zustandekommen einer ersten, ungeheuer großen „explosiven Energieverdichtung“ für physikalisch möglich gehalten. Und damit erreicht die Schöpfungsfrage jetzt doch wieder eine ganz konkrete Bedeutung. 

Es lässt sich heute also physikalisch (theoretisch) ein ganz konkreter Schöpfungsvorgang rekonstruieren. Das bedeutet: Wir können Richard Dawkins ohne jedes Bedenken darin folgen, wenn er Zug um Zug jeden einzelnen Schritt der Evolution erläutert. Bewundernswert, wie Dawkins hier „ein völlig einwandfrei ablaufendes Naturgeschehen“ verständlich macht. Und dennoch bleiben die immer noch nicht bewältigten Fragen: Was hat einer somit zu vermutenden anfänglichen  Schöpfung die gesamte auslösende Energie verliehen? Und wie konnte diese auslösende Energie auch solche stofflich-materiellen Ausformungen hervorbringen, für die es „rein mechanisch“ kaum eine Erklärung gibt?

Das ist auch heute noch eine überaus vernünftige Fragestellung. D.h. - wenn wir jetzt an ganz genau eingrenzbare letzte „kosmologische Wissensgrenzen“ stoßen, welche ganz eigene Auffassung dürfen wir dann darüber hinaus dennoch allgemein vertretbar zu irgendwelchen möglichen höchsten Schöpfungskräften haben? 

Die hierzu allgemein vertretbaren Antworten bewegen sich „in völlig anderen Dimensionen“ als etwa den der orthodox fixierten religiösen Glaubensüberzeugungen. In allgemein vertretbaren Antworten  kann dann niemals das einfach gelten, was angeblich durch irgendwelche göttlichen Offenbarungen regional in irgendeiner Epoche einigen Teilen der gesamten Menschheit mitgeteilt worden sein soll. Es ist immer eine absichernde Gegenkontrolle gefordert, durch die sich hier ein Verrennen in völlig absurde Glaubensfantasien verhindern lässt. Gradmesser sollte hier immer Richard Dawkins sein: Was sich nach äußerst sachbezogenen Erkenntnissen von Dawkins als nur unsinnige Glaubensfantasterei entlarven lässt, hat als lediglich menschenunwürdiges Kulturgut jede Ablehnung verdient. Sämtliche Zwänge, die im Zusammenleben auf irgendwelchen orthodoxen Glaubensfestlegungen beruhen, können unmöglich von allgemeingültiger Bedeutung sein.

Aber - wie bereits erwähnt - Richard Dawkins kann unmöglich völlig überzeugend eine Weltsicht präsentieren, die keine von den Fragen unbeantwortet lässt die jeden Menschen als Letztes immer bewegen mögen: Wem oder was verdanke ich mein Existieren als letzte Ursache in dieser Wirklichkeit? Welche Bedeutung kann mein ganz eigenes Wirken und Handeln aufs Ganze gesehen überhaupt haben?

Der Mensch (als „höchste Stufe“ im gesamten bekannten Entwicklungsgeschehen) ist nun einmal mit Erkenntnisvermögen und Einsichtsfähigkeit ausgestattet. Und wegen dieser Befähigungen kann er sich zu immer zuverlässigeren Orientierungen in diesem gesamten Fragenbereich vortasten.

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Sehr  verständliche Ablehnung alles Christlichen wegen der dort anhaltend krankhaften Wirklichkeitsverweigerungen

Immer von Neuem erleben wir ein Wehklagen darüber, wie sehr in der Bevölkerung dem Christlichen die ihm eigentlich doch unbedingt zukommende Zuneigung und Achtung versagt wird. Ich greife hierzu einmal auf eine entsprechende Berichterstattung im Hamburger Abendblatt vom 22. Juli 2017 zurück. Stets wird bei derartigen Veröffentlichungen der Eindruck vermittelt, als würde hier in bloßer Gleichgültigkeit und Interesselosigkeit eine Abkehr von der doch eigentlich gebotenen Zuwendung zu Gott stattfinden. Tatsächlich aber liegen hier aber viel bedeutsamere Zusammenhänge vor.

Ob man nun einer christlichen Konfession angehört oder nicht, dieser Umstand dürfte zumeist von einer ziemlichen Belanglosigkeit sein. Etwa in der Form: „Die Sache mit Gott“  - das ist etwas, dem man sich nicht völlig versagen will. So bei vielen in der Bevölkerung. Aber andererseits auch: „Die Sache mit Gott“ - dem kann man kaum noch etwas abgewinnen, weil alles hierzu Verkündete keine Überzeugungskraft mehr besitzt. - D.h. eigentlich scheint es tatsächlich in einem großen Ausmaß ziemlich bedeutungslos zu sein, ob irgendwer noch einen Kontakt zur Kirche hat oder nicht.

Völlig anders jedoch, wenn man sich mit den Glaubensinhalten und Ritualen des Christlichen etwas eingehender auseinander setzt. Es ist dann kaum noch möglich dieser Glaubensrichtung überhaupt noch etwas Positives abzugewinnen. Man muss dann einsehen, dass man es hier durchweg nur mit religiösen Fantastereien zu tun hat, die fern aller tatsächlich erfahrbaren Wirklichkeitsabläufe ersonnen wurden. Und soweit dann diese religiösen Fantastereien als eine wahre Wirklichkeitswiedergabe verkündet werden und entscheidend auf das Zusammenleben Einfluss nehmen sollen, kann es vernünftigerweise nur zu einer entschiedenen Ablehnung derartiger Lebensbeeinträchtigungen kommen.

Ich habe zu der ablehnenden Haltung gegenüber allem Christlichen auf einem Weg gefunden, wie er in den Grundzügen auch bei vielen anderen ähnlich abgelaufen sein dürfte: Die Zugehörigkeit zur evangelisch-protestantischen Konfession überhaupt mit Geburt und Taufe. Dann etwas nähere Bekanntschaft zur christlichen Glaubenslehre durch kirchliche Konfirmationsunterweisungen und (parallel dazu) Religionsunterricht in der Schule. Hier dann etwa sechzehnjährig von meinem Klassenkameraden und späterem Schulfreund Hans Scheibner ein entscheidender Hinweis auf einige sehr bemerkenswerte Texte von Sören Kierkegaard: Intensiv mit großer Hingabe aber auch scharfer Ironie konnte Kierkegaard auf eine ganz individuelle Weise die eigentlichen tieferen Werte des christlichen Glaubens vermitteln. Das war zunächst einmal prägend für mich. In dieser Grundausrichtung dann ein Vertiefen in sämtliche Texte der Heiligen Schrift - und mit einer Offenheit für einen vermeintlichen Kernbereich des Christlichen dann sämtliches Luthers leicht zugängliches Schriftgut gelesen und so auch weitere vermeintlich diese Grundausrichtung tragenden Texte verschlungen: Lessing, die überlieferten Fassungen von Sokrates philosophischer Dialogführung, mit Bewunderung auch Matthias Claudius und in dieser Richtung zahlreiches „speziellere“ Schriftgut. Ein absolut entscheidender Einschnitt kam dann mit „Geschichte der Leben-Jesu Forschung“ von Albert Schweitzer. Hier unbeschreiblich überraschend für mich eine völlig unbekannte, völlig „neue“ Sichtweise zu dem wahren Gehalt der christlichen Glaubenslehren. Nichts davon geht zurück auf eine einmalige göttliche Verkündigung, die in ihrer vollen Gesamtheit unantastbare Wahrheit ist. Sondern vor jetzt etwa zweitausend Jahren wurden aus mehreren unterschiedlichen Quellen die Inhalte des Neuen Testaments mit immer wieder neuen, aber einander ähnlichen Inhalten abgefasst. Und zugleich wird bei einer derartigen Klarstellung auch vermittelt, in einem wie großen Ausmaß der gesamte Inhalt des Alten Testaments auf rein menschliche Fantasiebefähigung zurückzuführen ist - ohne jede tatsächlich stattgefundenen Benachrichtigungen aus einem überirdischen Jenseits.

Danach - in meiner „Lebensmitte“ - ging es dann in Richtung vernünftiger Neuorientierung Schlag auf Schlag: Nur etwas gezielte Hinwendung zu der im Grunde längst reichlich vorhandenen Sachliteratur und schon war die aktuell unbestreitbar zutreffende Sachlage zu dem wahren Gehalt des Christlichen offenkundig: Nichts davon ist auf irgendwelche göttlichen Weisungen aus einem überirdischen Jenseits zurückzuführen. Sondern alles ist nachweislich allein durch menschliche Fantasiebefähigung zustande gekommen.  

Was kann bei allem dann aber überhaupt noch die unbedingt entscheidende Orientierungsgröße sein? Ich meine: Allein entscheidend ist hier nur, in welcher „Wirklichkeit“ wir tatsächlich vorhanden sind. Das führt zu folgender Einschränkung für jede Art von ‚spekulativer Wirklichkeitsfantasterei‘: Alles, was wir als etwas vermeintlich Wirkliches zu den tatsächlich existierenden Gegebenheiten einfach nur hinzu erfinden - als nur spekulativ ersonnene fantasievolle Vorstellungen etwa - das hat mit der Erfassung von tatsächlich existierenden Daseinsbestandteilen nichts zu tun. Hier ist es insbesondere im Bereich des Religiösen eine ausufernde Neigung, in fantasievoller gedanklicher Spekulation zu allen tatsächlich existierenden Daseinsvorgängen beliebige, zusätzliche lediglich erdachte Größen hinzu zu erfinden.

Um die damit gegebenen vernünftigen Orientierungsmöglichkeiten deutlich einzukreisen greife ich immer wieder auf diese „Fundstelle“ zurück, die wir Niels Bohr verdanken: „Es gibt zwischen Wirklichkeit und Realität einen ganz gravierenden Unterschied. Wirklichkeit ist das objektiv Vorhandene, dessen Funktionsweise wir aber nicht kennen. Realität aber ist die subjektive Sicht des Menschen auf die Wirklichkeit. Das bedeutet aber: Realität ist stets etwas nur durch Verstand Konstruiertes - etwas nicht Wirkliches.“

Auf religiöse Glaubensinhalte bezogen bedeutet eine derartige Klarstellung, dass wir es bei religiösen Überzeugungen vor allem immer nur mit lediglich „durch Verstand Konstruiertem“ zu tun haben; ob das dabei jeweils Geglaubte zusätzlich etwa auch noch irgendeinen „wahren Wirklichkeitsbezug“ hat, das lässt sich nur durch annähernde Erkundungsversuche in Richtung „objektiv vorhandene Wirklichkeit“ erproben. Es steht jedenfalls fest (wie bereits erwähnt), dass noch niemals von einem außerirdischen Jenseits her irgendeinem Menschen irgendwelche direkten Mitteilungen zugegangen sind. Sämtliche vermeintlich direkt aus dem Jenseits erhaltenen Offenbarungen und Anweisungen sind jeweils ganz allein durch eine menschliche Verstandesleistung konstruiert. Von welcher Beschaffenheit die kreativ-verursachende Verstandesleistung hierbei dann ist - das zu erkunden   ist Sache der wissenschaftlichen Hirnforschung (hier ist z.B. zu verweisen auf die überragenden Leistungen von Oliver Sacks).               

Aber welches annähernd zutreffende Verständnis von der gesamten einigermaßen erfahrbaren Beschaffenheit alles Wirklichen ist uns heute mit ziemlicher Sicherheit überhaupt möglich?

Ich möchte hierzu beispielhaft eine kurze Passage wiedergeben aus der Essay-Sammlung von Gerd Lüdemann mit dem Titel „WER WAR JESUS? / Theologisch-politische Interventionen“ (zu Klampen Verlag 2011). Hier sagt Lüdemann unter 27. Beten nach dem Tode Gottes: „… Der so beschaffene christliche Glaube wurde seit der Aufklärung gnadenlos demontiert, und dies aus gutem Grund. Die Annahme eines Schöpfers erwies sich als problematisch, seitdem feststand, dass der Kosmos sich seit Jahrmillionen als explodierendes Ungeheuer in die Unendlichkeit schleudert…“.

So bewundernswert die Essay-Sammlung in geradezu sämtlichen übrigen Beiträgen ist (bei denen es durchweg um äußerst scharfsinnige Entlarvungen „christlicher Glaubensentgleisungen“ geht) - so sehr haben wir es hier immerhin doch mit einer gewichtigen Fehlinformationen zu der uns immerhin doch einigermaßen möglichen „Wirklichkeitserfassung“ zu tun. Ich halte diesen (nur „punktuell“ bedeutungsvollen) Einwand für wichtig, weil es hier um ein überhaupt grundsätzliches Wirklichkeitsverständnis geht. Denn nur auf der Grundlage der uns heute möglichen Kenntnis über weiteste kosmische Zusammenhänge können wir auch zu wirklich verantwortbaren Weltanschauungen gelangen. (Es sei hier nur erinnert an die wahnhaft ersonnenen „Wirklichkeitsvorstellungen“ der christlichen Kirche, wie sie vor wenigen Jahrhunderten noch in „dogmatischer Unantastbarkeit“ verheerendste Auswirkungen hatten: Giordano Bruno endete auf dem Scheiterhaufen, weil seine Blickrichtung hin zu zutreffend umfassenderen kosmischen Dimensionen unvereinbar war mit der christlichen Lehre von einem einmalig unveränderlichen Schöpfungsgeschehen. Galileo Galilei ist damals nur knapp dem gleichen Schicksal entronnen. Charles Darwin musste ein Leben lang bangen, in Acht und Bann zu geraten bei all zu vorzeitiger und all zu gründlicher Verbreitung seiner Evolutionstheorie usw., usf.).

In der gesamten Menschheitsgeschichte kam es erst durch Galileo Galilei im 16. Jahrhundert zu den ersten entscheidenden Korrekturen an den völlig unzutreffenden Glaubensüberzeugungen, wie sie bis heute noch im Christentum dogmatisch vertreten werden. Im christlichen Glaubensbekenntnis heißt es heute „unverändert“ einleitend: „Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde…“. - Mit Rückblick auf die vielen unmenschlichen Grausamkeiten, wie sie von der Kirche auf der Grundlage eines „unanzweifelbaren Dogmas“ dieser Art verübt wurden, muss man sich tatsächlich von einer derart missratenen Gottesvorstellung lösen. Diesen Gott gibt es jedenfalls nicht und den hat es auch nie gegeben. Das gesamte Schöpfungsgeschehen ist viel gewaltiger, als dass es mit dem „Christengott“ laut Glaubensbekenntnis noch in Einklang zu bringen wäre.        

Aber gerade weil (nach aktuell naturwissenschaftlichem Forschungsstand) ein dem Menschen möglicher Zugang zu einem annähernd zutreffenden „Schöpfungsverständnis“ alles zur „Gottesfrage“ wieder offen sein lässt, steht der Mensch nach wie vor immer noch vor völlig „ungelösten letzten Glaubensfragen“.

Der „Christengott“ jedenfalls ist im Sinne zahlreicher weltanschaulicher Überzeugungen bei jeder vernünftigen Würdigung ganz einfach „nur tot“; alles was im Namen dieses Gottes noch gepredigt und verkündet wird, ist nichts als irrationale Fantasterei.

Wie kommt man aber bei den verbleibenden „immer noch völlig ungelösten Glaubensfragen“ bei allen heute zur Verfügung stehenden Erkenntnismöglichkeiten doch noch einigermaßen zufriedenstellend vernünftig weiter?

Wir erleben dazu die unterschiedlichsten Vorstellungsweisen, was alles über eine irgendwie höhere  Macht hinter den uns zugänglichen Daseinsabläufen gefolgert werden könnte. Um hierzu einen einigermaßen verlässlichen Überblick zu behalten sollten zunächst einmal die äußerten Grenzpositionen für „das Existieren höherer Mächte“ ausgemacht werden. Die „äußersten Grenzpositionen“ lassen sich wie folgt festlegen:

Einerseits die Auffassung: Es gibt nirgendwo und auf keine Weise zu der von uns erfassbaren Wirklichkeit noch irgendeine irgendwie höhere Macht. Alles „wirklich Vorhandene“ existiert völlig allein nur durch die Fähigkeiten und Formen, über die jedes wirklich Vorhandene nun einmal „einzig aus sich selbst heraus“ verfügt. Veränderungsvorgänge im Rahmen genau dieser Fähigkeiten und Formen spielen sich in genau verfolgbaren, ausschließlich kausalen Abläufen ab.

Und andererseits lässt sich dazu die gegensätzliche „äußerste Grenzposition“ wie folgt festlegen: Alles „wirklich Vorhandene“ existiert niemals „allein aus sich selbst heraus“. Sondern zu jeder „Fähigkeit und Form“ des „wirklich Vorhandenseins“ gibt es (mindestens) einen allerersten auslösenden Schöpfungsvorgang. Wie dieser Schöpfungsvorgang abgelaufen sein mag, das liegt noch ziemlich unerklärbar fast völlig im Dunkel. Aber mit „ausschließlich naturwissenschaftlichen Erklärungsversuchen“ wird gerade heute daran gearbeitet, in dieses „Dunkel“ vorzudringen - um mit „empirisch brauchbaren Lösungsansätzen“ sämtliche scheinbar völlig unüberwindbaren Erkenntnisblockaden doch in einigen wesentlichen Punkten erfolgreich zu überwinden.

Die eine „äußerste Grenzposition“ der zu dieser Gesamtproblematik möglichen weltanschaulichen Haltungen ist ein (es lässt sich kaum eindringlicher formulieren) „absoluter Atheismus“ - wie er z.B. von Richard Dawkins vertreten wird. Bei Dawkins haben wir es mit einem absoluten Atheismus in ganz klar nachvollziehbaren Begründungen zu tun.zu tun. Richard Dawkins verdanken wir eine äußerst gründliche Wirklichkeitsbeschreibung, bei der jeder einzelne erläuterte Entwicklungsschritt im gesamten erfassbaren Daseinsgeschehen als „Kausal-Ereignis“ ohne jedes auch nur geringste irgendwie göttlich-schöpferisch Mitwirken erklärbar ist. Dawkins wird wegen seiner auf diese Weise konsequent atheistischen Haltung immer wieder mit Anfeindungen aller Art überschüttet. Aber gerade wegen dieses so entstandenen jetzt schon einmaligen Lebenswerks kommt Dawkins eine epochale Bedeutung von unschätzbarem Wert zu. Ich meine: Es hat in der gesamten Menschheitsentwicklung jetzt schon eine „Nach-Dawkins-Zeit“ begonnen; jeder Art von bislang geläufiger Gläubigkeitsfantasterei ist mit Dawkins sozusagen „absolut der Boden entzogen“. Das wird natürlich nicht dazu führen, dass damit im Alltagsgeschehen jeder Gläubigkeitsfantasterei ein Ende gesetzt ist. Aber jeder Mensch, der bereit ist, mit „intellektueller Redlichkeit“ die gesamten christlichen Glaubensinhalte widerspruchslos akzeptieren zu wollen, gerät damit in ein unentschuldbares Abseits von überhaupt noch letzter anerkennenswerter Glaubwürdigkeit. 

Die völlig entgegengesetzte „äußerste Grenzposition“ zu dieser Gesamtproblematik hat mit gerade diesem überaus entschieden herausfordernden Atheismus von Dawkins zu tun. Es ist die Überzeugung, dass unser gesamtes erfassbares Wirklichkeitsgeschehen niemals allein als ein nur „materiell-stoffliches Kausalgeschehen“ erklärbar ist, wie es laut Richard Dawkins unbedingt beweisbar  sein soll. Ab da beginnt ein begründbar weiteres Suchen mit etwa der Denkrichtung: Für alle materiell-stofflichen Kausalabläufe muss es so etwas wie eine „ursprünglich veranlassende übermächtige Schöpfungskraft“ geben, von der eine Wirksamkeit unbedingt auch in das uns umgebende Wirklichkeitsgeschehen hineinreicht. - Das ist jetzt von mir sehr überspitzt formuliert. Denn wodurch genau und in welcher Weise eine „übermächtige Schöpfungskraft“ auf die von uns bewusst wahrgenommene Wirklichkeit Einfluss nehmen sollte, das bleibt dabei doch alles sehr im Ungewissen. Ich möchte dazu einige Autoren nennen, die sehr konkret (wenn auch nur indirekt) mit der Wirksamkeit einer höheren Schöpfungskraft rechnen. Sehr aufschlussreich ist hier „Alles fühlt“ von Andreas Weber. Außerordentlich intensiv versucht Weber mit seinem Buch deutlich zu machen, wie alles rein stofflich-materielle Geschehen in der gesamten belebten Wirklichkeit so etwas wie eine „außerstoffliche Steuerung“ kennt. Sehr bemerkenswert ist hier auch eine Passage in „DER DOGMENWAHN“ von Heinz Werner Kubitza. Hier heißt es auf Seite 240 zu Der Urknall und eine Schöpfung aus dem Nichts (unter Bezug auf die vorausgehende Textwiedergabe von Paul Davies: „… Auf diese Weise könnte auch unser Universum insgesamt entstanden sein; durch Quantenfluktuation…“. - So sorgfältig aber auch Kubitza in seinen gesamten übrigen Untersuchungen vorgeht - hier ist nur das Stichwort „Quantenfluktuation“ für sämtliche Auseinandersetzungen mit einem möglichen Schöpfungsgeschehen von Bedeutung; alle sonstigen Ausführungen in diesem Zusammenhang grenzen schon wieder nur an (schlagwortartig umschrieben) „sachferne philosophische Metaphysik“.  

Und dann ist noch zu erwähnen, wie in Vereinigungen außerhalb der christlichen Konfession eine Gläubigkeit konkretisiert wird. So vertreten z.B. die Unitarier (DEUTSCHE UNITARIER Religionsgemeinschaft) folgende Grundsätze: Unitarisches Denken und Leben  beruht auf einer Religion ohne Dogma, ohne Kirche, ohne Gebote und moralische Zwänge. Unitarier verstehen sich als eine Gemeinschaft von Menschen, denen eigenverantwortliches Denken und Handeln wichtig sind. Die von den Mitgliedern gemeinsam festgelegten Grundgedanken sind für den Einzelnen eine Leitlinie. Der unitarische Gedanke lebt also durch Eigenverantwortlichkeit, durch Verantwortung für die Mitmenschen und für unsere Mitwelt.

Es kommt also nach bestimmten Anschauungsweisen sehr verbreitet immer auch zum Ausdruck, dass ein rigoroser Atheismus wie der von Richard Dawkins vertretene mit allen tatsächlichen Erscheinungsformen unserer Wirklichkeit nicht in Übereinstimmung zu bringen ist.

Ich möchte zu den gesamten, hier aufgeworfenen Fragenbereich in einer Art „verkürztem Fazit“ die grundlegende Faktenlage umreißen:

Bei bestimmten geisteswissenschaftlichen Vorgehensweisen (aber auch in allzu gewagten naturwissenschaftlichen Ausarbeitungen) wird immer noch bedenkenlos allzu vieles auf eine rein philosophische Metaphysik zurückgeworfen. Denn wenn man nur einmal die zahlreichen unergiebigen Aussagen zu ‚Entstehungen aus dem Nichts‘ nimmt: „Eine Schöpfung aus dem Nichts“ - derartige gedankliche Spekulationen führen unbedingt nur in die Irre. Eine Schöpfung aus einem ‚wirklichen Nichts‘ kann es unmöglich geben. Ein ‚wirkliches Nichts‘ ist so sehr Nichts, dass daraus unmöglich etwas „wirklich Daseiendes“ entstehen kann. - Bei zahlreichen Auseinandersetzungen mit einer „Entstehung aus dem Nichts“ handelt es sich tatsächlich einzig um ein letztlich nur „Pseudo-Nichts“. Jedes vermeintliche Nichts, das über die „potentielle Fähigkeit“ verfügt, etwas Daseiendes (also ein „Nicht-Nichts“) hervorzubringen, beinhaltet konstant das Vermögen zur Erschaffung von etwas auf bestimmte Weise Vorhandenem.

Es ist hier die großartige Leistung des Nobelpreisträgers Ilya Prigogine, der für all diese Fragen zuverlässig eine größere Klarheit geschaffen hat. Prigogine hatte als Erster entdeckt, wie das rein stofflich-materielle Geschehen „aus sich heraus“ (also völlig ‚autark’) bestimmte, experimentell eindeutig nachweisbare Veränderungsschritte vollbringt. Und Prigogine hat damit zugleich auch dem bereits geläufigen Begriff des „Zeitpfeilgeschehens“ eine wissenschaftlich fundierte Bedeutung verliehen.

Aber zu den tatsächlichen Veränderungsvorgängen alles Materiell-Stofflichen hat es dann in jüngster Vergangenheit auch noch dieses sehr plausible Denkmodell gegeben. Es geht um eine ganz besondere Eigenart der Quantenfluktuation: Seit Max Planck wissen wir, dass es im gesamten materiell-stofflichen Veränderungsgeschehen niemals völlig ‚ununterbrochen fließende Abläufe‘ gibt. Sondern in den dabei immer vorhandenen kleinsten Dimensionen gibt es in unablässiger Folge ganz bestimmte, ständig eintretende Bremseffekte. Es handelt sich um die sogenannten Quantensprünge. Zu allen Klärungsbemühungen um diese Quantenmechanik gab es dann auch den Gedanken: Was geschieht eigentlich tatsächlich während der (äußerst minimalen) Dauer des „Quanten-Bremsgeschehens“? Was hier tatsächlich stattfindet, entzieht sich jeder Beobachtungsmöglichkeit; dazu sind diese ständig „nur blitzartig“ auftretenden Vorgänge von allzu kurzer Dauer. Aber auch hier gibt es unmöglich „ein tatsächliches Gar-Nichts-Geschehen“. Vielmehr hat man es hier - wenn auch in kleinsten Dimensionen - mit ungeheuer energiereichen Abbrems-Vorgängen zu tun. Zu derartigen „Abbrems-Vorgängen“ lassen sich jetzt Hypothesen entwickeln, wonach die Stärke der sich jeweils aufbauenden Bremswirkung immer auch unterschiedliche Auswirkungen auf das gesamte Energiegefüge hat, in dem es gerade stattfindet. Mit der dann auch „ begleitend theoretischen Möglichkeit“: Es bauen sich dabei derart außergewöhnlich gewaltige  Quanten-Bremseffekte auf, dass das Gleichgewicht des gerade bestehenden Energiegefüges eine empfindliche Störung erfährt. Es gibt hier nicht länger einen ausgewogenen Zusammenhalt. Vielmehr entsteht hier jetzt erstmals (aus den vorhandenen bisherigen „ausgewogenen Energievorräten“) eine völlig neue, ungeheure Energieverdichtung.

Das ist grob umrissen das Modell zu einem „Urknall“, mit dem sich - rein physikalisch - ein tatsächlich stattfindendes Schöpfungsgeschehen beschreiben und folgern lässt.              

Und Ilya Prigogine entwickelt schrittweise in einer dazu parallel ablaufenden (separaten) Forschungsrichtung, wie das dann vorhandene Materiell-Stoffliche ‚völlig eigene Entfaltungsformen‘ zustande bringt. Und weiterhin auch: Wie in einem rein naturwissenschaftlichen Forschungsbereich dann alle weiteren Entwicklungsschritte verfolgbar sind. Prigogine findet so von rein physikalischen Vorgängen her den Übergang zu den anschließenden Entfaltungen im später zusätzlich entstehenden Bereich aller chemischen Vorgänge. Daran anschließend dann die Übergänge zu den biologischen Lebensformen. Und erkundet dazu (als letzten Forschungsbereich) auch die derzeit bekannten höchsten Entfaltungsformen, wie sie uns durch die Neurowissenschaften zugänglich sind.                   

Wir verfügen also über eine derart große Fülle von naturwissenschaftlich gut gesichert vorhandenem Forschungsmaterial als Zugang zu einem weitgehend enträtselbaren Schöpfungsgeschehen, dass wir auf jede hier nur spekulativ ersonnene Fantasterei unbedingt verzichten können.

Soweit ein grob umrissenes Fazit, wie sich mit der uns durch das Schöpfungsgeschehen verliehenen Erkenntnisfähigkeit ein vernünftiger Überblick über grundlegend bedeutsame Zusammenhänge unserer Daseinswirklichkeit gewinnen lässt.

Es bleibt zu allem dennoch weiterhin die große Herausforderung, das noch verbleibend Rätselhafte an allen erahnbaren letzten Wirklichkeitszusammenhängen in höchsten Annäherungen zu erforschen suchen. Nur soviel hat unbedingte Gültigkeit: Alles was sich nach jetzigem Stand als völlig unsinnige Fantasterei entlarven lässt, das sollte konstant als unbrauchbare Fehlorientierungen gebrandmarkt werden.

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Das tatsächliche Wirklichkeitsgeschehen als größte Daseinsherausforderung für den Menschen - mit fortwährend zusätzlichen Erschwernissen von spekulativ verstörenden Fantastereien

Ich komme noch einmal zurück auf eine kurze Passage in der Ausarbeitung ‚Sehr verständliche Ablehnung alles Christlichen wegen der dort anhaltend krankhaften Wirklichkeitsverweigerung‘. Hier hatte ich folgende Fundstelle angeführt: Gerd Lüdemann - unter: Beten nach dem Tode Gottes „…Der so beschaffene christliche Glaube wurde seit der Aufklärung gnadenlos demontiert, und dies aus gutem Grund. Die Annahme eines Schöpfers erwies sich als problematisch, seitdem feststand, dass der Kosmos sich seit Jahrmillionen als explodierendes Ungeheuer in die Unendlichkeit schleudert…“.  

Meine Bewunderung für Gerd Lüdemann ist geradezu grenzenlos, wenn ich seine Texte über die absurden Verirrungen der Kirche in heute völlig haltlosen Glaubensfestlegungen lese. Aber wenn es dabei dann (punktuell) um Aussagen über größere Daseinszusammenhänge im tatsächlichen Wirklichkeitsgeschehen geht, dann ist auch hier wieder zu beobachten: Eine Art fachlich bedingte Kenntnisschwäche von Geisteswissenschaftlern über den Forschungsbereich der Naturwissenschaftler.    

Hier hat es ‚aktuell‘ bis heute die erstaunlichsten Fortschritte gegeben. Auch hier mit immer wieder auch verstörenden spekulativen Fantastereien. Aber das sind ‚wissenschaftliche Unebenheiten‘, für die sich die Korrekturen gradlinig im naturwissenschaftlichen Bereich separat ausfechten lassen. Wenn jetzt aber aus völlig anderen weltanschaulichen Bereichen - eher spekulative - Ergänzungen hinzukommen, dann ist gerade derartiges für ein möglichst zutreffendes Erfassen aller Wirklichkeitszusammenhänge eher hinderlich.

Und dazu wäre in diesem Zusammenhang folgendes anzuführen: Zur „stofflichen Beschaffenheit des Wirklichen“ gibt es sehr aktuell geradezu revolutionäre wissenschaftliche Erkenntnisse. Es handelt sich um die Forschungsresultate des Nobelpreisträgers Ilja Prigogine. Prigogine hat zeitlich unumkehrbare Abläufe „ganz elementar“ schon bei einfachsten physikalischen Veränderungsvorgängen entdeckt. Und er konnte die zugrundeliegenden Gesetzmäßigkeiten jeder weiteren („stofflichen“) Fortentwicklung dann auch bei allen sonstigen chemischen und organischen Vorgänge ausmachen. Der damals schon geläufige Begriff „Zeitpfeil“ wurde damit durch Ilja Prigogine weiter konkretisiert zu der Vorstellung von einem in allen Daseinsabläufen überhaupt stattfindenden umumkehrbaren „Zeitpfeilgeschehen“.

Wir können demnach unmöglich wissen, wie es bis zu den allerletzten Einzelheiten für die „Wirklichkeit“ erste Verursachungen und nachfolgende Ausformungen gab, woher alles tatsächlich Vorhandene letztlich stammt, welche genaue Bedeutung dabei allem zukommt. Aber zu einer überaus großen Vielfalt des tatsächlichen Daseinsgeschehens - für diesen Bereich ist durch Forschung und Wissenschaft doch in höchsten Annäherungen eine verlässliche Klarheit gewonnen worden.

Warum sollte es sich aber lohnen, sich mit derart grundlegenden Fragen überhaupt intensiver zu beschäftigen? Nun, jeder Mensch ist nun einmal ein Leben lang den Herausforderungen des Wirklichkeitsgeschehens ausgesetzt. Dazu dann das höchstmöglich „Wahre“ zu wissen ist die beste Voraussetzung für vernünftige Lebensplanungen. Um hier bei der sachlichen Orientierung voranzukommen steht und heute ein nie zuvor jemals in dieser Fülle vorhandenes Material zur Verfügung, es ist das bis heute insgesamt kulturell erarbeitete Gemeinschaftswissen.

Der Mensch hat nun aber auch - wie erwähnt - daneben eine sehr ausgeprägte Fantasiebefähigung, mit der er sich gegenüber einem fundiert erarbeiteten „Gemeinschaftswissen“ in völlig eigener Glaubenswelt „entschieden isoliert“ abgrenzen kann. Er vermag dann konstant in einer rein fiktiven Vorstellungswelt  zu leben, die hauptsächlich von rein spekulativen Fiktionen gesteuert wird. 

Diese „grundlegende Einsicht und Wertung“ gilt zudem speziell auch für alles religiös  Geglaubte und Erarbeitete.

Man sollte bei allen religiösen Glaubensvorstellungen immer danach fragen, welchen Anteil daran reine Fantasievorstellungen haben, die ohne einen tatsächlichen Wirklichkeitsgehalt sind. Unser westlicher Kulturkreis ist da religiös beherrscht durch das Christentum. Nun hat dieses „Christentum“ in einem kulturellen Wandel heute immerhin eine sehr eigenartige Ausprägung erfahren: Was da genau zu glauben ist, was da alles zu gerade noch zu akzeptierenden Glaubensvorstellungen gehört - das umfasst heute eine große Bandbreite von eigentlich nur noch symbolhaften Vorstellungen.

Den „Glaubenskern“ in all diesen weitgehend nur noch symbolhaften Vorstellungen bildet immer noch ein allmächtiger Gott in einem „Jenseits von ewiger, unvergänglicher Größe“. Aber genau dieser „Glaubenskern“ könnte eben doch auch eine nur reine Fantasievorstellung sein. Wenn man hier überhaupt etwas von Grund auf entschlüsseln will, dann müsste man zunächst einmal „alles eher nur noch Symbolhafte am Christlichen“ beiseite räumen und zu den entscheidenden Wurzeln des Christlichen und anschließend auf die später grundlegend darauf aufbauenden Ausprägungen zurückkehren. Es wäre folglich also vor allem der eigentliche „Glaubenskern“ (der spezielle Glaube an einen allein christlich besonders gearteten allmächtigen Gott) in die letzten Klärungsbemühungen einzubeziehen.

Es wurde über etliche Jahrhunderte von vielen Seiten große Mühe darauf verwendet, sich hier mit den offenkundigen Fehlentwicklungen in reiner „Glaubensfantasterei“ auseinander zu setzen. Dabei hatte man es immer damit zu tun, vermeintlich unumstößlich gültige Glaubenswahrheiten als eben nur reine Fantasieprodukte (als welcher Motivation auch immer entstanden) zu entlarven - mühselig gegen viele festgefügte Glaubensgewohnheiten. Großartiges wurde da über Jahrhunderte geleistet in Richtung „Enttarnung von religiösen Glaubensverirrungen“.

Nach aktuellem Stand ist es in diesem Sinn mit Heinz Werner Kubitza (neben Gerd Lüdemann) zu einer abschließenden Entzauberung aller unhaltbaren christlichen Glaubensinhalte gekommen.

Die Veröffentlichungen hierzu mit größter Sachkenntnis:  

DER JESUSWAHN / Wie die Christen sich ihren Gott erschufen / Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung“. Eine bewundernswerte  Rekonstruktion der damaligen historischen Abläufe, was sich als tatsächliches damaliges Geschehen eingrenzen lässt und und in welchem Ausmaß hier dann ausufernde Legendenbildung einsetzte.

DER GLAUBENSWAHN / Von den Anfangen des religiösen Extremismus im Alten Testament“.  Wie „Schritt für Schritt“ aus anfänglichen religiösen Vorstellungen ein universaler „Glaubenskosmos“ entstand.

DER DOGMENWAHN / Scheinprobleme der Theologie / Holzwege einer angemaßten Wissenschaft“. Hier geht es um die Problematik, wie aus puren Fiktionen dogmatisch unantastbare religiöse Wahrheiten geschaffen wurden. Alles in der Auseinandersetzung mit einer vermeintlich höherwertigen  theologischen Wissenschaftlichkeit.

Und hier komme ich auf den einzigen Punkt, der von Kubitza nicht abschließend zu Ende entwickelt wurde (insoweit gibt es hier eine gewisse Parallelität mit der Vorgehensweise von Gerd Lüdemann). Es ist die Sache mit dem Schöpfungsglauben.  

Im Schnelldurchgang möchte ich mich hier mit einer anscheinend nicht zu bewältigenden „Scheinproblematik“ in Glaubensfragen auseinandersetzen. Es ist die Problematik, dass alles tatsächlich vorhandene Wirklichkeitsgeschehen sehr vernünftig auf Verursachungen durch größte unbekannte Kräfte schließen lässt, dass aber hier jedoch durch eine ganz bestimmte „Weltanschauungsblockierung“  anscheinend ein völlig unerlaubter Tabubereich beginnt. Es ist der Tabubereich, hier überhaupt noch irgendwelche höheren Schöpfungskräfte für möglich halten zu wollen. In Kurzfassung: Halte ich zu allem wahrnehmbaren Geschehen irgendwelche verursachenden Schöpfungskräfte für möglich, dann gerate ich unabwendbar wieder in die Gläubigkeit an einen Gott nach den Vorgaben etwa der monotheistischen Glaubensgemeinschaften. Aber (so z.B. von einem radikalen Atheismus vertreten) in schärfster Abgrenzung gegen alles ‚orthodox zu Glaubende’ von einigen diese beeindruckende Haltung. Für mich ist genau diese Gläubigkeit überaus gut begründbar einfach nur unerträglich - und deswegen will ich meine Lebensorientierung auch nicht mit irgendwelchen konkreten Schöpfungsvorstellungen belasten.

Fast ein ganzes Leben lang habe ich mit dieser Frage beschäftigt. Und gerade durch  DER DOGMENWAHN / Scheinprobleme der Theologie / Holzwege einer angemalten Wissenschaft“ von Heinz-Werner Kubitza bin ich auf entscheidend neue Klärungsansätze gestoßen. Kubitza beschreibt, wie die Theologie immer wieder auf irgend eine Weise versucht, die modernen kosmologischen Erkenntnisse mit einem schöpferischen Christengott vereinbar zu machen. Es werden verschiedene Beispielsfälle aufgezählt, die zwar nicht das übliche, theologisch niedrigste Niveau  haben, die aber dennoch nicht über ziemlich obskure, völlig unzureichende Erklärungsmuster hinauskommen. Kurz - alle theoretischen Ansätze, in denen der Christengott als Schöpfer unseres Universums zum Gegenstand eines „Für und Wider“ wird, gehen von einer völlig unzutreffenden Annahme aus. Es ist die Annahme, hinter unseren Glaubensvorstellungen von einem schöpferischen Christengott könne es doch noch eine Erklärungsmöglichkeit für bestimmte physikalische Phänomene im Zusammenhang mit der Schöpfung geben. Diese Annahme ist aber absolut nur ein Holzweg. Man sucht eine Stecknadel in einem riesigen Heuhaufen von immer „moderneren“ Glaubensvorstellungen, der aber niemals eine andere Beschaffenheit hat, als ausschließlich absolut nur Heu zu sein.     

Wenn wir bei dem „Schöpfungsrätsel“ vorankommen wollen, dann müssen wir uns auf das tatsächlich erforschbare Wirklichkeitsgeschehen konzentrieren. In der Physik gab es hierzu bis vor wenigen Jahrzehnten noch eine klare Grenzziehung: Es mag das uns vertraute Universum vor vielen Milliarden Jahren noch mit einem Urknall begonnen haben - aber jedes wie auch immer zu erdenkendes „Davor“ ist (nach damalig naturwissenschaftlichem Kenntnisstand) für die Physik völlig unzugänglich, hat für die Naturwissenschaft insgesamt nur die Bedeutung „ein physikalisches Nichts zu sein“. - Jetzt aber taucht bei Kubitza jedoch auch der Begriff „Quantenfluktuation“ als eine rein physikalische Größe auf, die mit einem ersten, rein physikalischen Schöpfungsgeschehen zu tun haben könnte.  

Hier muss man tatsächlich etwas weiter ausholen wenn man einen Überblick über die hier gegebenen Zusammenhänge behalten möchte. Um mich mit den hier erörterten Zusammenhängen mit der Quantenfluktuation etwas näher vertraut zu machen habe ich u.a. auch auf das Buch zurückgegriffen „Warum ist überhabt etwas und nicht vielmehr nichts? Wandel und Variationen einer Frage“ , Daniel Schubbe / Jens Lemanski / Rico Hauswald (Hg.), Felix Meiner Verlag Hamburg 2013. Dieses Buch besteht gewissermaßen aus zwei sehr unterschiedlichen Inhalten: 338 Seiten (verkürzt ausgedrückt) zu den Fragen der Ideengeschichte der Metaphysik in der Auseinandersetzung mit einem Nichts. Und abschließend 25 Seiten mit dem Titel „Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? / Ansätze und Perspektiven der Physik und Kosmologie“. Die Autoren hier Josef M. Gassner, Harald Lesch, Jörn Müller (Zuordnung der Verfasser zu den Inhaltsbeiträgen als Fußnoten.)       

„Quantenfluktation“ - das hat mit der genialen Entdeckung von Max Planck zu tun, wonach im gesamten physikalischen Geschehen in den kleinsten Dimensionen kein „konstant kontinuierliches Fließen“ abläuft. Sondern in diesem ständig fließenden Veränderungsgeschehen kommt es vielmehr fortlaufend immer wieder zu „exakt kleinsten Unterbrechungen“: Diese Unterbrechungen sind sozusagen „blockierende Energiezustände“, die das ansonsten völlig fließende materielle Geschehen „kurzzeitig“ unberechenbar machen. Es sind die umgangssprachlich immer wieder erwähnten „Quantensprünge“: Umgangssprachlich für „qualitativ entscheidende Veränderungsumbrüche“; in der physikalischen Wirklichkeit die geringsten „Veränderungsunterbrechungen“, die überhaupt nur in Erscheinung treten. Alles spielt sich überall allein in den kleinsten Dimensionen ab, dieses jedoch in den kleinsten Dimensionen „allüberall und allgegenwärtig“.

Und seit der intensiveren Erforschung dieser Entdeckung hat sich zu der Frage der Entstehung unserer „materiellen Wirklichkeit“ auch eine völlig neue Sichtweise zu dem „allerersten Beginn“ ergeben: Man hatte es jetzt nicht mehr mit einer „physikalisch unüberschreitbaren Grenzlinie“ zu tun, bei der ein Forschen nach einem irgendwie ermittelbaren Vorher völlig sinnlos war - weil es so etwas physikalisch als ein „Vorher“ überhaupt nicht gab. Sondern die Vorgänge der „Quantenfluktuation“ ermöglichten  physikalische Erkenntnismöglichkeiten zu einem „Vorher“ für das Entstehen unserer materiellen Wirklichkeit. Es geht um erste Energieballungen, die durch solche „Fluktuationen“ zustande gekommen sind, wie sie sich aus bestimmten Quanteneffekten ergeben können: Der „Quantensprung selbst“ ist eine genau beobachtbare und messbare Größe. Aber der „Inhalt eines Quantensprungs“, der ist (nach heutigem Stand) unmöglich zu ermitteln. - Es steht aber fest, dass hier in winzigsten Dimensionen erhebliche Ernergieveränderungen stattfinden. „Mehr oder weniger große Energieveränderungen“, deren Folge dann der (umgangssprachlich so berühmte) Quantensprung ist. Ein derartiger Quantensprung „durchbricht“ sozusagen mehr oder weniger intensiv das bisher vorhandene Energiegefüge. Und in einer ganz genau überprüfbaren Theorie lässt sich hieraus der Beginn unseres tatsächlich vorhandenen Wirklichkeitsgeschehens enträtseln: Der sogenannte „Urknall“ lässt sich in seinen allerersten Dimensionen errechnen aus den „Energieballungen“, die sich durch Quantenfluktation in einem gewaltigen Ausmaß in einem „unbekannten Vorher“ zu unserer wahrnehmbaren Wirklichkeit gebildet hatten.

Alles, was zum Aufbau dieser Theorie erarbeitet wurde, hat nicht das Geringste mit etwa rein spekulativ erdachten „Zusatzgrößen“ zu tun. Alles, was wir als die „faktischen Zusammenhänge bei den Größen Energie und Masse“ seit Albert Einstein wissen, stimmt exakt mit den theoretischen Ansätzen zu der Entstehung unserer wahrnehmbaren Wirklichkeit durch Quantenfluktuation in einem „unbekannten Vorher“ überein. (Es gibt zahlreiche Beispiele, um all diese Vorgänge in etwa „entfernt“ zu veranschaulichen. Ich denke dabei an die gewaltige Sprengkraft eines Erdbebens, das sich durch Verschiebungen im Erdinnern ereignet: Das riesige Gelände des Yellowstoneparks wird irgendwann eine größte zerstörerische Erschütterung erfahren - aber wir können nicht ermitteln, wann das genau eintreten wird. Ein überaus anschauliches Beispiel für die „nicht verfolgbar ablaufende Quantenfluktation“ findet sich in einem „Google-Video“: Eine verdeckelte, uneinsehbare Regentonne - der Gartenbesitzer weiß, dass sich Regentonne allmählich füllt, aber welchen Füllstand sie gerade hat und wann sie überlaufen wird, das kann er nicht wissen.)

Die Theorie von einem Schöpfungsbeginn für unsere Wirklichkeit ist also nicht mehr nur fixiert auf den „Big Bang“ als ersten Auslöser - mit der ernüchternden Einschätzung, zusätzliche Folgerungen über ein mögliches „Vorher“ sind unmöglich noch (wissenschaftlich begründbar) anzustellen. Sondern jetzt stellt sich die Frage: Das Vorher zu dem Entstehen einer ersten „explodierenden“ Quantenfluktuation - wie ist dieses Vorher (zu der doch ziemlich genau errechenbaren ersten Quantenfluktation unserer Wirklichkeit) in etwa zu enträtseln?

„Göttliches und Schöpfung“ - hierzu finden sich in den Grundzügen zahlreiche Vorstellungen in der Weltanschauung des Pantheismus. Der Pantheismus beruht auf der Annahme, dass zu unserer Wirklichkeit nicht ein ferner, allmächtiger Gott „hinzu zu glauben“ ist. Sondern dass vielmehr etwas überragend Göttliches direkt an allem nur irgend Vorhandenen „teilhabend mitwirkt“. Aber all diese bekannten Vorstellungen bewegen sich durchweg nur in mehr oder weniger „abstrakten Denkansätzen zu den konkreten Gegebenheiten unserer Wirklichkeit“. Diese Denkansätze sind beim Pantheismus anzutreffen in der Bandbreite von einem „radikalen Atheismus“ bis zu weitreichenden „göttlichkeitsbezogenen“ Anschauungsweisen.

Ich meine, man sollte jetzt bei allen üblichen „Grundannahmen des Pantheismus“  unbedingt jede Form von größter Wirklichkeitsbezogenheit einbeziehen und berücksichtigen. Ilja Prigogine hat entwickelt, dass die tatsächlichen Wirklichkeitsvorgänge einzig zutreffend immer als ein Zeitpfeilgeschehen zu verstehen sind. D.h. - alles, was wir heute antreffen, hat sich in fortlaufenden Kausalverursachungen und durch die Gesetzmäßigkeiten der Evolution bis zu den jetzt wahrzunehmenden „Entfaltungsformen“ zu einem jetzt gerade „höchsten Stand“ fortentwickelt. Ich bezeichne diesen Zustand als „ständig voranschreitende Faktenfinalität“: Die Wirklichkeit hat in allen Einzelheiten immer gerade die Ausprägung, wie sie ganz konkret durch die „Zeitpfeil-Fortentwicklung“ ausgeformt wurde. Und so müssen wir heute mit der uns durch das Schöpfungsgeschehen verliehenen Erkenntnisfähigkeit feststellen: Es gibt nun einfach mal auf dem uns vertrauten Planeten Erde den Menschen als ein bislang höchst entwickeltes Schöpfungsresultat der Evolution. Aber von welcher Beschaffenheit dieser Mensch jetzt insgesamt ist, das sollte niemals Gegenstand von nur fantasiereichen religiösen Fiktionen sein. Sondern hier ist immer die wissenschaftliche Forschung gefragt (eben auch als ein Geschenk des bisherigen Schöpfungsgeschehens). Äußerst bedeutungsvoll ist hier die Neurowissenschaft: Das große Rätsel, wie ein „rein stofflich zustande gekommenes und funktionierendes Nervensystem“ all die kreativen Höchstleistungen hervorzubringen vermag, zu denen der Mensch nun einmal unstreitig befähigt ist.

Dieses große Rätsel wird niemals eine abschließende Lösung finden. Ich halte aber z.B. die Anschauungsweise, hier erkläre sich sämtliches Geschehen völlig allein (also absolut) nur durch die fortlaufenden Kausalverursachungen und durch die Gesetzmäßigkeiten der Evolution, für unzureichend. Mir ist hier eine „Schöpfungsgläubigkeit“ möglich in den genau festzulegenden Denkmöglichkeiten einer „Grenzmetaphysik“: Alles nur irgend Wissbare und Erforschbare als die Grundlage einer vernünftigen Daseinsorientierung zu nehmen und dennoch zusätzlich höchste verursachende Schöpfungskräfte glaubend für möglich zu halten. Wie sehr diese Glaubenshaltung durchaus religiös ist, aber dennoch nicht auch nur das Geringste mit irgendwelchen konfessionell und sonst wie verbreitet vorhandenen Glaubensinhalten zu tun hat, das lässt sich nicht in wenigen Ausführungen erläutern, das ist nur in einer gut begründeten größeren Gedankenfülle darzustellen.       

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Jeder heute noch geglaubte Gott ist ein Mängelwesen - gemessen am tatsächlich erfahrbaren Wirklichkeitsgeschehen

Nach allem, was man bis heute über den Bau des Kosmos in Erfahrung gebracht hat, sind alle bis jetzt überkommenen Gottesvorstellungen nicht mehr mit dem tatsächlich vorhandenen Wirklichkeitsgeschehen vereinbar. D.h. - wenn (in welcher Religion auch immer) der jeweils geglaubte Gott „punktgenau“ Schöpfer all dessen sein soll, was ihm nach den jeweils zugrundeliegenden Glaubensinhalten als ein allmächtiges göttliches Wirken und Wollen zugeschrieben wird, dann sind derartige „Schöpfungszuordnungen“ leicht erkennbar mehr oder weniger stark fehlerbehaftet.

Diese Aussage ist ziemlich mühelos überprüfbar, wenn man nur vergleicht, was da alles so im Einzelnen nach orthodoxen Festlegungen geglaubt werden soll - und wie das tatsächliche Wirklichkeitsgeschehen erkennbar davon abweicht.

Ich möchte mich für diese Behauptung noch einmal auf das Christliche konzentrieren. Ich bin der festen Überzeugung, dass das Zustandekommen des Christlichen mit zu den größten Fehlleistungen in der Menschheitsgeschichte gehört. Denn viel zu vieles an diesem Gott, an den seit etwa zweitausend Jahren immer noch geglaubt werden soll, hat bei heutigem Wissensstand doch allzu reichlich äußerst fragwürdige Schwachstellen: Der gesamte Bau von ‚Himmelreich samt Erderschaffung‘ verdankt seine Entstehung ausschließlich den Fantasievorstellungen, wie sie die Menschen vor einigen tausend Jahren entwickelten, als es noch keine genaueren Kenntnisse über irgendwelche tatsächlichen kosmischen Dimensionen gab. Trotzdem wurde an derartigen, völlig verunglückten Vorstellungswelten mit äußerster Verbissenheit als unanfechtbare Wahrheiten über viele Jahrhunderte festgehalten - mit drohendem Scheiterhaufen für jeden, der hieran nur irgend begründeten Zweifel hatte. Weiterhin: Einen Menschen (nämlich Jesus von Nazareth) zu einem gottgleichen Wesen machen zu wollen - auch das ist aus heutiger Sicht bei Kenntnis aller dabei zu berücksichtigenden Begleitumstände als etwas wirklich Glaubwürdiges niemandem mehr zuzumuten. Das Gesamtkonzept, das gerade zu dieser „Glaubenskonstruktion“ ersonnen wurde, ist ein einziges Durcheinander von eklatanten Schwachstellen: Ein allmächtiger Gott, der gezielt den Menschen als ein völlig missratenes Mängelwesen erschafft - behaftet nämlich mit der kaum zu bereinigenden Erbsünde. Ein allmächtiger Gott, der ein Erdgeschehen erschafft, in dem bei wichtigsten schicksalhaften Ereignissen alles drunter und drüber geht. Und der dafür ein himmlisches Paradies als ein gefestigtes Glaubensgut bereit hält, zu dem jedem, der etwas genauere Kenntnisse über kosmische Zusammenhänge und „neuronale Seelenbeschaffenheiten“ hat, nur der Gedanke von „Mogelpackung“ kommen kann. 

Nun wird das Religiöse in seinem grundlegenden Kerngehalt niemals etwa überhaupt nur durch irgendwelche institutionell festgelegten Glaubensinhalte „existent“. Es sind vielmehr immer irgendwelche letzte, innere Beweggründe einzelner Menschen, durch die das Religiöse überhaupt „Realität“ wird. D.h. - damit, dass sich am „Christlichen“ so unbegreiflich umfassende Schwachstellen ausmachen lassen, ist noch lange kein „abschließendes Urteil über die Berechtigung  von Religiösem überhaupt“ gefällt. Wir können einfach nur die völlig zutreffende Feststellung treffen, dass es bei jeder Form von Religionsausübung in einem großen Ausmaß auch zu kaum entschuldbaren Fehlleistungen kam. Immer war dann (in völlig anderer Orientierung) allerdings auch ein einfach nur anbetender Glaube an ein höheres Schöpfungsgeschehen möglich, der sich mit allen erfahrbaren Daseinsbedingungen in Einklang bringen ließ.

Bei dieser Sichtweise kann unmöglich ein Extrem-Atheismus, wie er z.B. von Richard Dawkins vertreten wird, unbedingte Gültigkeit haben: Es ist einzig und allein in unserem bekannten Kosmos der Mensch, der mit der ihm verliehenen Erkenntnisfähigkeit an die Grenzen „des nicht mehr Erklärbaren“ stößt. Und damit wird er sich (je nach individueller Veranlagung) immer wieder auch „zeitlos“ mit solchen Fragen auseinandersetzen, die „bereits religiös eingeengt sind“: Wir wissen nicht, woher wir (auf einen allerersten Ursprung bezogen) kommen - aber könnte es da vielleicht auch übermächtige Kräfte geben, auf die alles zurückzuführen ist? Wir wissen auch nicht, mit welcher „Sinngebung“ etwa wir hier vorhanden sind - aber könnte es da vielleicht auch solche „Wertsetzungen“ geben, die gerade im Sinn irgendwelcher übermächtiger Kräfte zu einem sinnvollen Verhalten herausfordern?

Will man hier aber mit gut begründeten Klärungsversuchen vorankommen, dann wird man immer wieder auf diese Schwierigkeit stoßen: Es gibt eine übergroße Flut von Deutungsmöglichkeiten für all die Naturerscheinungen, die zwar (unmittelbar oder auch nur mittelbar) wahrzunehmen sind, für die aber wirklich zuverlässige Erklärungen nicht möglich sind. Ein unwiderstehlicher Anreiz für die menschliche Fantasiefähigkeit! Dann wird z.B. spekulativ ein „kosmisches Inflationsgeschehen“ vorausgesetzt. Es wird ein völlig zufälliges Veränderungsgeschehen für sämtliche Daseinsabläufe prognostiziert - usw., usf.

Über kosmische Zusammenhänge im weitesten Sinn wurden jedoch gerade in den letzten Jahrzehnten entscheidend neue Erkenntnisse gewonnen, mit denen man zu sehr gut abgesicherten Vorstellungen auch in Bezug auf die Möglichkeiten von einer Art „göttlichem Wirken hinter den Dingen“ gelangen kann. In mehreren Ausarbeitungen habe ich die Einzelheiten hierzu bereits beschrieben: Mit einer ganz bestimmten „Extremausformung“ der ständig stattfindenden Quantenfluktuation lässt sich theoretisch eine Art Vorstufe zu einem allerersten Urknall „konstruieren“. Damit ist gegenüber jeder Form von konsequenter Ablehnung aller metaphysischen „Erst-Entstehungs-Theorien“, wie sie streng physikalisch vor wenigen Jahrzehnten noch üblich war, ein überhaupt möglicher Zugang zu einem „Vorher in unbekannten Dimensionen“ gelungen. Weiterhin ist immer wieder auf die Entdeckung des Nobelpreisträgers Ilya Prigogine hinzuweisen, wonach sich aus dem völlig ungeordneten Wirbelgeschehen rein materieller Umwälzungen „naturgegeben zwingend“ physikalisch immer ganz bestimmte Ordnungssysteme aufbauen (erste „Ordnungssysteme“, deren Weiterentwicklung zu organischen und später dann auch organischen Verbindungen genau nachvollziehbar abläuft). D.h. - es gibt im gesamten, scheinbar völlig ungerichteten „Zufallsdurcheinander“ erster kosmischer Abläufe niemals nur das „tatsächlich Zufällige“. Sondern immer vollzieht sich hier alles in die Richtung einer jeweils höheren Ordnung; hierfür hat sich der Begriff „Zeitpfeilgeschehen“ herausgebildet. Ich benutze in diesem Zusammenhang den Begriff „Fakten-Finalität“: Das, was sich im „Nacheinander“ des gesamten kosmischen Zeipfeilgeschehens zu einem jeweiligen Zeitpunkt tatsächlich „herausgeformt“ hat, ist von Fall zu Fall dann eben „historisch“ das naturgegebene Wirklichkeitsgeschehen. Auf unseren Erdplaneten bezogen: In „Fakten-Finalität“ beherrschten über große Zeiträume einmal die Dinosaurier die Fauna. Und in „Fakten-Finaliät“ bestimmt der mit „bewusster Erkenntnisfähigkeit“ ausgestattete moderne Mensch das heutige, global ablaufende Zusammenleben. - Aus all diesen Zusammenhängen kann ich mit meinem Denken ein Schöpfungsgeschehen ableiten, das mit einem in höchster Energiedichte aufgeladenen Urknall seinen Anfang nahm und das dann in Einzelschritten, wie sie unter anderem in Einzelschritten z.B. von Richard Dawkins exakt beschrieben werden, „in etwa“ zu auch meinem Existieren in eben diesem Schöpfungsgeschehen führte. „In etwa“ - diese Kennzeichnung ‚von etwas doch immer noch Ungewissem’ betrifft gewissermaßen den „Lebensinhalt jedes Menschen“: Kein Mensch weiß, warum es ihn genau der Beschaffenheit gibt, mit der er in das Erdenleben hineingeboren wird und mit der er dann nach ganz eigener Lebensgestaltung durch das unabwendbar erfolgende Sterben dieses Erdenleben wieder verliert. Aber jeder Mensch sollte imstande sein, für all sein eigenes Tun und Lassen in genau dieser „Dauer-Lebenssituation“ eine auch grundlegend vorhandene Verantwortlichkeit zu erkennen.                                   

Aus den historischen Daten des bislang unumkehrbar abgelaufenen Zeitpfeilgeschehens wissen wir heute, in welche Irrtümer sich die Menschen der Vergangenheit verrennen konnten - einfach, weil sie sich noch nicht ein gesichertes Wissen (nach heutigem Stand) über größere Daseinszusammenhänge anzueignen vermochten. Aber heute ist ein derartiges „Nicht-Wissen“ generell kein unabwendbares Schicksal mehr im gesamten kulturellen Geschehen. Heute wächst Generation auf Generation heran mit dem inzwischen zugänglichen Wissenserwerb über eine mögliche Verantwortlichkeit bezogen auf alle vorfindbaren Daseinsbedingungen. In der Menschheitskultur sind dazu für alle Formen des Zusammenlebens die erkennbar vernünftigsten Grundrechte und Menschenrechte entwickelt worden.

Ob es tatsächlich „dieses Schöpfungsgeschehen“ gibt, wie ich es glaubend für möglich halte, das mag (als ein ewiges Rätsel) dahin gestellt bleiben. Aber dass sich heute noch ein Mensch - mit einiger Erkenntnisfähigkeit begabt - nahezu unbeirrbar ein Wissen über Gott anmaßt, das unmöglich mit dem tatsächlich erfahrbaren Schöpfungsgeschehen übereinstimmt, das ist ein unverzeihliches Vergehen gegenüber einem möglichen allumfassenden Schöpfungsgeschehen.

Um hier noch einmal auf Jesus von Nazareth zurückzukommen: Dieser Mensch, der historisch einigermaßen zuverlässig zu rekonstruieren ist, soll mit einem übermächtigen Schöpfergott wesensgleich sein? Ein übermächtiger Schöpfergott, auf den alles Erschaffene in unvorstellbar größten Dimensionen zurückzuführen sein soll, ist tatsächlich wesensgleich mit dem Jesus von Nazareth, der vor rd. zweitausend Jahren lebte und dabei ein Daseinsverständnis entwickelte, das vor allem von spirituellen Heilserwartungen durchsetzt war und damit immer wieder auch mit den tatsächlichen Daseinsbedingungen kollidierte? „Sehet die Vögel unter dem Himmel, sie säen nicht, sie ernten nicht, und Gott, der himmlische Vater ernähret sie doch…“ (dieses ‚Jesuswort‘ und auch die später angeführten frei nach meinem jetzigen Wissensstand zitiert). Derartiges als eine auch nur annäherungsweise brauchbare „Lebensunterweisung“ zu predigen zeugt von einer völligen Unkenntnis der tatsächlichen Daseinsherausforderungen. Oder auch dies: „… was Gott zusammen gefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden…“. Hier muss der liebe Gott für ein Gebot einstehen, das völlig außerhalb dessen angesiedelt ist, was eine übermächtige Schöpfungskraft für den Menschen in Sachen Erotik und Sexualität tatsächlich erstaunlich umfassend ermöglicht und vorherbestimmt hat.

Der größte Irrtum bei den geläufigen Glaubensanschauungen über den einzig bestimmenden Gott in seiner Dreifaltigkeit ist aber der spezielle Glaube an einen (wie hier die Bezeichnung ist) „Gott, der Allmächtige“ - im gesamten kosmischen Geschehen. Wenn es nur eine einzige allmächtige Schöpfungskraft gibt (in möglicher Personalunion mit Jesus Christus und dem Heiligen Geist), dann wäre ja tatsächlich alles bei höchster Wertung „Unerträgliche“ in dieser Daseinswirklichkeit auf diesen einen Allmächtigen zurückzuführen. Eine völlig absurde Vorstellung - die der Theologie schon immer das größte Kopfzerbrechen bereitet hat und zu der dann auch ein völlig irrationales Sammelsurium an Erklärungsversuchen zusammengestrickt wurde, dem nur mit allergrößter Ratlosigkeit über eine solche Häufung von Unsinnigkeit begegnet werden kann.

Nein. Denn wenn man nämlich die Spur zurück verfolgt, die uns über größere kosmische Zusammenhänge durch zuverlässige Forschungsergebnisse erschlossen wurde, dann sollte klar sein: Eine einzige allmächtige Schöpfungskraft zu allem tatsächlich vorhandenen Daseinsgeschehen - die kann es gar nicht geben. Ein derartiges theologisches Konstrukt ist einzig und allein spekulative Wunschfantasie. Das tatsächliche Daseinsgeschehen umfasst ganz bestimmte miteinander und gegeneinander wirkende Kräfte. Und das ist völlig unvereinbar mit der spekulativen Wunschvorstellung von nur einem einzigen allmächtigen Gott (samt Jesus Christus und Heiliger Geist in Personalunion).

Der Mensch mit seiner durch das Schöpfungsgeschehen erlangten Erkenntnisfähigkeit hat all diese Denkansätze (entgegen jeder christlich theologischen Sichtweise) sehr vernünftig zu einem umfassenden säkularen Wirklichkeitsverständnis zusammengeführt. Das schließt dabei selbstverständlich Glaubensmöglichkeiten an z.B. eine übermächtige Schöpfungskraft zu allen vorfindbaren Daseinsvorgängen niemals aus. Hier erleben wir aber eine äußerst böswillige Verunglimpfung einer wahrhaft schöpfungszugewandten Weltanschauung. Gerade das ist ein Tiefpunkt der kulturellen Menschheitsentwicklung: Die im humanen, vernunftgesteuerten Schöpfungsablauf viel zu  spät entstandene Säkularität pauschal als Teufelswerk brandmarken zu wollen.

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