Wirklichkeitsferne Glaubensüberzeugungen

mit oft katastrophalen Folgewirkungen als ständige Dauerschwachstellen in der Menschheitsentwicklung

 (Stand März 2017)

Seit weitester Vergangenheit mögen die Menschen mit Offenbarungen religiöser Art konfrontiert worden sein. Die Wahrheit dazu ist: Die bei vielen Menschen seit jeher verinnerlichten Glaubensinhalte stammen nicht von einer wahrhaft existierenden höchsten Schöpfungskraft. Sondern sie sind vielmehr sehr oft nichts Anderes als nur sehr eigensinnig zustande gekommene Visionen irgendwelcher sich dazu berufen fühlender „Auserwählter“. Und es sind dabei vor allem zumeist Glaubensinhalte und „Ritual-Unterweisungen“ nach den äußerst eigenen Interessenlagen der vermeintlich Auserwählten.

 Mit den dabei häufig zugleich auch oft entstandenen finsteren Seiten der Gläubigkeit habe ich mich in zahlreichen Ausarbeitungen auseinandergesetzt.

 Nachfolgend bringe ich eine sozusagen komprimierte Zusammenfassung dieser Ausarbeitungen. Es sind die Themenbereiche:

   I. Laizismus mit den Möglichkeiten einer schöpfungsbezogenen religiösen Haltung

  II. Verwahrlosung der Erkenntnisfähigkeit jedes Menschen durch die Heiligkeitsfalle

 III. Verletzung von Menschenrechten durch unsinnige Glaubensüberzeugungen

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 I.) Laizismus mit den Möglichkeiten einer schöpfungsbezogenen religiösen Haltung

Eine grundlegende Klarstellung: Laizismus muss nicht zwingend atheistisch sein. Sondern gerade hier ist auch eine zutiefst schöpfungsbezogene religiöse Haltung möglich

 Angeblich waren es immer die Götter, die dem Menschen ganz unmittelbar mitteilten, was er zu tun und zu lassen hat. Heute wissen wir es sehr viel besser: Das stimmt so nicht. Sondern welche Glaubensüberzeugungen auch immer Verbreitung fanden - stets war es eine Priesterkaste, die hierzu sämtliche zu glaubenden Einzelheiten immer intensiver ausformte und weiter entwickelte.

 D.h. - die großen Menschheitsrätsel, woher alles kommt und welche letzte Bedeutung der Mensch darin hat, die mag es schon immer gegeben haben. Und daran hat sich bis heute nichts geändert. Aber welches nähere Wissen sich die Menschheit hierzu inzwischen aneignen konnte, das ist über viele Epochen Menschheitsentwicklung inzwischen zu einem Höchststand von exakten Kenntnissen vorangetrieben worden.

 Ich verbinde diese Entwicklung in ihrer letzten Stufe immer mit zwei Namen: Niels Bohr und Ilja Prigogine. Der Physiker Niels Bohr sagt: „Es gibt zwischen Wirklichkeit und Realität einen ganz gravierenden Unterschied. Wirklichkeit ist das objektiv Vorhandene, dessen Funktionsweise wir aber nicht kennen. Realität aber ist die subjektive Sicht des Menschen auf die Wirklichkeit. Das bedeutet aber: Realität ist stets etwas nur durch Verstand Konstruiertes - etwas nicht Wirkliches.“ Und der Nobelpreisträger Ilja Prigogine arbeitet entscheidend heraus, dass die gesamten Daseinsvorgänge als ein „Zeitpfeilgeschehen“ zu verstehen sind: Sämtliche Daseinsvorgänge entwickeln sich umumkehrbar von ersten Verursachungen her in fortlaufend unaufhaltsamen Veränderungsschritten zu einer immer weiteren neuen Ausgestaltungen.

 Niemand weiß, welche letzten Zusammenhänge es zu diesem „Wirklichkeitsgeschehen“ geben mag. Ich bin bei längerer Auseinandersetzung mit dieser Thematik zu der Überzeugung gekommen, dass es sich bei allem um ein unbegreiflich großes kosmisches Schöpfungsgeschehen  handeln muss - alles zurückgehend auf das Wirken einer übermächtigen höchsten Schöpfungskraft.

Hier ist jetzt vor allem Richard Dawkins zu erwähnen. Richard Darwins hat sich außerordentlich intensiv mit dieser Thematik beschäftigt. In mehreren Ausarbeitungen zeigt Dawkins in äußerster Gründlichkeit diese nicht widerlegbaren Zusammenhänge auf: Es lässt sich eine ständige Weiterentwicklung aller Daseins-Vorgänge und -Bestandteile ausschließlich aus einer jeweils erreichten Entwicklungsstufe heraus nachweisen zu einer dann weiteren möglichen Gestaltungsform. Diese Ausarbeitungen von Dawkins sind „in sich selbst“ überaus schlüssig. Für die dabei überzeugend  beschriebene „Mechanik“ ist kein weiteres äußeres Einwirken erforderlich. Auf dieser Grundlage gelangt Dawkins dann auch zu seiner äußerst entschiedenen atheistischen Einstellung: Jede Form von begründeter Glaubensmöglichkeit an etwas „Göttliches hinter den Dingen“ wird von Dawkins sehr entschieden als reine Absurdität abgelehnt (Näheres hierzu unter: Orientierungsfalle „dogmatischer Atheismus“ http://www.kant-kosmos-reales.de/Religion.htm)  

 „Wirklichkeit“ ist laut Niels Bohr das objektiv Vorhandene, dessen Funktionsweise wir aber nicht kennen. Soviel steht inzwischen allerdings fest: Obwohl wir unmöglich wissen können, welche letzten Verursachungen und Bedeutung das unbegreiflich umfangreiche gesamte kosmische Geschehen haben mag - nach dem heutigen Stand verfügen wir über einen umfassend gesicherten Wissensstand über viele Einzelheiten „zu den Funktionsweisen der Wirklichkeit“, wie er in der Vergangenheit bei weitem noch nie erreicht worden war. Wenn Dawkins jede Vermutung von etwas Göttlichem hinter den Dingen ablehnt, dann sollte soviel immerhin klar sein: Der Mensch ist im gesamten kosmischen Geschehen auf geradezu unbegreifliche Weise auf dem Planeten Erde in klar erkennbaren „Entwicklungsschritten“ aus ursprünglicher „Sternenstaub-Materie“ über „erste, sich stofflich selbst organisierende Lebewesen“ zu der höchsten Entfaltungsstufe eines mit Wissenserwerb und Erkenntnisvermögen ausgestatteten Geschöpfes fortentwickelt worden. Der Wissensschatz, den sich die Menschheit so bis zu dem heutigen Stand aneignen konnte, ist also auch ein „wirklicher Bestandteil“ des gesamten Schöpfungsgeschehens. Und wenn auch der Mensch das gesamte Schöpfungsgeschehen unmöglich jemals in seiner unfassbaren Größe zu begreifen vermag und daher dann allerhöchste verursachende Schöpfungskräfte etwa dennoch „glaubend“ voraussetzt, dann muss eine derartige „Gläubigkeit“ immer auch nach jedem Stand von Erkenntnisfähigkeit und gesichertem Wissen im gesamten Schöpfungsgeschehen (also vor einer allerhöchsten Schöpfungskraft) vertretbar sein.

 So hat sich auch in dieser Gesamtentwicklung inzwischen u.a. für jedes kulturell allgemein vertretbare Zusammenleben das Menschenrecht der Religionsfreiheit durchgesetzt: Jeder Mensch hat das Recht in seiner ganz eigenen Überzeugung von etwas übermächtig Göttlichem „hinter den Dingen“ sein Leben mit jeder Form von Glaubensinhalten und Verehrungsritualen auszufüllen.  

Aber was dabei viel zu wenig beachtet wird: Der Teufel steckt hier im Detail! Denn so wenig hier auch eigentlich generelle Beschränkungen für die dann jeweils eigenen „seelischen und geistigen Ausformungen“ möglich sind - in ein einem ganz entscheidenden Punkt muss es eine absolute Grenze für das Recht auf ungehinderte Religionsfreiheit geben: Wenn unter dem Deckmantel von Religiosität ungerechtfertigte Übergriffe auf die Lebensverwirklichung anderer erfolgen, dann ist zu einer solchen Vorgehensweise unbedingt Einhalt geboten.

Im gesamten Schöpfungsgeschehen hat es bei der Menschheitsentwicklung niemals ein „völlig wirres Durcheinander“ gegeben. Das uns von unseren Vorfahren mitgegebene Erbe aus der Fauna hatte sich in frühesten Ausformungenbereits in derart vielen Ausprägungen verfestigt, dass wir niemals mehr mit der Ausgangslage einer völligen „Tabula rasa“ beginnen konnten. Sondern viele entwicklungsgeschichtlich bewährte Verhaltenssteuerungen aus dem Tierreich wurden uns bei unserer „Menschwerdung“   fest verankert mit auf den Weg gegeben. Und auf diese Weise sind wir auch in die frühesten Formen des menschlichen Zusammenlebens hineingewachsen.            

Hier ist es jetzt bemerkenswert, dass es niemals göttlicher Gebote bedurfte, um zu bestimmten Grundregeln des Zusammenlebens zu finden.

 Ich überspringe jetzt die „endlosen“ Zeiträume, in denen sich unsere ersten Vorfahren wohl immer mehr ihrer Verantwortung für eine einigermaßen stabile Lebensführung bewusst wurden. Und beginne jetzt mit der ersten geschichtlichen Entstehung von „allgemeinen Menschenrechten“. Es war Kyros der Große, der für die Menschheit als erster die Menschenrechte schuf. Im Zusammenhang mit der Eroberung der Stadt Babylon 539 v. Chr. durch die Armeen von Kyros dem Großen, dem ersten König von Altpersien, kam es u.a. zu folgenden Maßnahmen: Er erklärte, dass alle Menschen das Recht haben, ihre eigene Religion zu haben, und stellte Rassengleichheit her. Diese „Erlasse“ sind in akkadischer Sprache überliefert. - Heute ist diese antike Aufzeichnung als Kyros-Zylinder bekannt und jetzt als weltweit erste Charta der Menschenrechte anerkannt.

 Für mich bedeutet diese Entwicklung: Die Menschen haben in dieser gesamten Entwicklung auch ohne eine spezielle klerikale Bindung die Bedeutung eines „verantwortungsbewussten Miteinanders“ erkannt und verstanden. Sie haben im Sinne des tatsächlich voranschreitenden Schöpfungsgeschehens auf der höchsten Entwicklungsstufe zu schöpfungsbewahrenden und schöpfungserhaltenden Lebensweisen in einer sozusagen stabilen Verantwortungs-Ethik gefunden, völlig im Einklang mit einer (möglichen) übermächtigen Schöpfungskraft.   

 Es kam in der jüngeren Menschheitsgeschichte immer wieder zu harten Auseinandersetzungen um ein Gottesverständnis, das frei war von völlig willkürlich entwickelten Glaubensinhalten, frei von völlig unglaubwürdigen Glaubensfestlegungen - willkürlich entwickelt oft allein nach sehr menschlichen Interessen im klerikalen Bereich. Es waren hier zumeist sehr primitive Macht-Interessen, die mit starren Glaubensfestlegungen unter dem Deckmantel von „unangreifbarer Heiligkeit“ äußerst wirksam werden konnten. Die Menschheitsgeschichte quillt gerade zu über von historisch überlieferten „religiösen“ Auseinandersetzungen, die aber in Wirklichkeit getragen waren nur von einer völligen Uneinsichtigkeit in die größeren, zutreffenderen Zusammenhänge vor dem Hintergrund eines von einer übermächtigen Schöpfungskraft getragenen Schöpfungsgeschehens. Aus diesem Grund war und ist „Religiosität“ immer auch einer der dauerhaft gefährlichsten Zündsätze! Als ständig potentiell drohender Auslöser für unheilvollste gewaltsame Auseinandersetzungen im menschlichen Miteinander genügte oft nur ein geringster Anlass um alles explodieren zu lassen.

 Gerade die völlige Unbeirrbarkeit in Glaubensfragen, wie sie im klerikal verfestigten Machtgefüge immer wieder zu beobachten ist, ist die Wurzel für jedes nur irgend  unheilvolle Verwüstungsgeschehen aus religiösen Anlässen.

 Bei etwas Einsichtsvermögen sollte einfach unumstößlich feststehen: Es gibt keine einzige Glaubenswahrheit, die absolut sicher und völlig unangreifbar ist. Alles „Geglaubte“ besteht aus nur solchen Annahmen und Überzeugungen, die sich zu den kontrollierbaren Erfahrungen mit der Daseinswirklichkeit zusätzlich als weitere fantasievolle „Seins-Möglichkeiten“ hinzu erdenken lassen.

 Völlig anders verhält es sich mit der Erkenntnisfähigkeit des Menschen. Die Erkenntnisfähigkeit des Menschen muss als die unbegreiflichste Höchstleistung im gesamten bekannten Schöpfungsgeschehen gewertet werden: Die rein stofflichen organischen Strukturen der menschlichen Körperbeschaffenheit vermögen die wahrzunehmende Außenwelt in höchster Annäherung als Wirklichkeitsgeschehen zutreffend zu erfassen. Wie diese unbegreifliche Leistungsfähigkeit von rein stofflichen Substanzen („wir alle sind Sternenstaub“) zustande kommt, ist ein kaum lösbares Rätsel. Die Wissenschaftler aus verschiedenen Fachbereichen beißen sich hier die Zähne aus: Von der Neurobiologie bis zu den „psychosomatischen Forschungsansätzen“ reichen die Lösungsversuche, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen: Wodurch rein stoffliche Materie die Fähigkeit erlangte, mit dem „immateriellen Denkvermögen des Menschen“ die tatsächliche Beschaffenheit des Wirklichen weitgehend entschlüsseln zu können.

 Die meisten der bekannten religiösen Glaubensinhalte sind getragen von Verheißungen. Es werden „paradiesische Welten“ in Aussicht gestellt, wenn das jeweils eigene Verhalten entsprechend einem von Gott ersonnenen Regelwerk verläuft. Diese Verheißungen beziehen sich jetzt keineswegs etwa nur auf ein völlig überirdisches Geschehen, z.B. nur auf rein esoterische oder völlig vergeistigte Lebensentfaltungen weit über alle rein irdischen Dimensionen hinaus. Sondern es gibt bei diesen „überirdischen Glaubensinhalten“ immer eine gewisse Verklammerung mit ganz konkreten Lebensgestaltungen in unserem Diesseits. Hier sollte man immer stutzig werden: Wir erfahren hier göttliche Anordnungen zu einer beseligenden Lebensgestaltung oft auch in einer solchen Art, die mit dem tatsächlich ablaufenden Schöpfungsgeschehen kaum in Übereinstimmung zu bringen ist. Alles wird immerhin verkündet von vermeintlich dazu Berufenen. Aber da muss man sich doch fragen: Wieso kann ein vermeintlich Berufener auch solche Glaubensanweisungen verkünden wollen, die mit dem tatsächlichen Schöpfungsgeschehen überhaupt nicht in Übereinstimmung zu bringen sind? Das von einer höchsten Schöpfungskraft Erschaffene soll gerade in solchen abgehobenen Anschauungsweisen geglaubt werden, wie sie überhaupt nicht der Wirklichkeit entsprechen? Absonderliche Merkwürdigkeiten, die man hier erleben kann.

 Das ist der Fluch, der latent auf allem Religiösen lastet. Es ist der Fluch, dass scheinbar  alle, die sich zur Kaste der gottesnahen Priesterschaft zählen dürfen, in Sachen unantastbarer Heiligkeit auf ganz besondere Weise außerordentlich privilegiert sind. Welche Weltsicht hier auch immer vertreten wird, welche unterschiedlichen Anschauungsweisen über das menschliche Verhalten auch immer „diskussionswürdig“ sein könnten - die Priesterschaft verwaltet ein unantastbares göttliches Regelwerk. Und es darf überhaupt nicht den geringsten Zweifel darüber geben, ob hier alles mit rechten Dingen zugeht. Die Unantastbarkeit alles vermeintlich „Gottgewollten“ schafft hier unüberwindliche Tabuzonen, die keinerlei skeptische Haltung zulassen. 

Und so haben auch die unsinnigsten Verhaltensanweisungen Bestand: Was zu tun und zu lassen ist und von welcher Beschaffenheit das gesamte Weltgeschehen zu sein hat - das ist ein für allemal von Gott festgelegt.   

 Es mag hierzu den Einwand geben, diese Wertung des Religiösen falle jetzt doch allzu einseitig aus. Es gäbe doch wohl unbedingt immer auch solche „Glaubensgemeinschaften“, in denen man nicht derart rigoros auf nur bestimmte, von Gott selbst bis in die letzten Einzelheiten festgelegten Verhaltensanweisungen „eingeschworen“ ist.

 Nun, genau das versuche ich als das eigentliche Dilemma bei der heutigen Wertung jeder Art von Religiosität aufzuzeigen: Nach den heute üblichen Wertungen ist alles „anerkannt Religiöse“ gleichermaßen etwas „abgehoben Heiliges“ und muss so auch uneingeschränkt als schützenswerter Tabubereich gewürdigt werden. Ich meine aber, hier sollte man doch zumindest auf einige sehr unterschiedliche Inhalte bei den verschiedenen Glaubensgemeinschaften aufmerksam sein. Dann wird man nämlich feststellen, dass einige für scheinbar „unantastbar“ gehaltene Glaubenslehren aufs Ganze gesehen doch auch erheblich zerstörerische Inhalte haben. Derartige „zerstörerische Inhalte“ sind tatsächlich nicht gleichermaßen bei allen religiösen Glaubensgemeinschaften aufzufinden.

 Wenn man nur einmal von der Annahme ausgeht, dass die erfassbare kosmische Daseinswirklichkeit insgesamt ein Schöpfungsgeschehen ist, dann sollte doch alles, was sich in dieser Daseinswirklichkeit ereignet, unbedingt auch in eine Art „Übereinstimmung“ mit dem Schöpfungsgeschehen zu bringen sein. Und wenn wir dann jedoch erleben, dass es hier auch solche Strömungen gibt, die deutlich erkennbar eher auf eine Verwüstung des Schöpfungsgeschehens hinaus laufen, dann kann das eben auch nur als Zerstörendes im Schöpfungsgeschehen gewertet werden. Aber wie kann dann alles „anerkannt Religiöse“ dennoch völlig ununterscheidbar durchgehend gleichermaßen etwas „abgehoben Heiliges“ sein?

 Solche abwägenden Einschätzungen sind für uns nur von unserem Erdenleben her möglich. Alles, was sich im gesamten Schöpfungsgeschehen ereignet, greift ineinander, ohne dass sich dazu eine nähere Wertung abgeben ließe. Eine Ausnahme bildet hier nur der Mensch im Gesamtgeschehen. Nur der Mensch vermag in einer distanzierten Sichtweise die menschlichen Verhaltenssteuerungen in den gesamten Abläufen kritisch zu beurteilen.       

 Wenn man sich ganz entschieden zu dem Glauben durchringt, die gesamte kosmische Daseinswirklichkeit für ein Schöpfungsgeschehen zu halten, dann sollte einem hier klar werden, dass hier einzig der Mensch im gesamten bekannten  irdischen Geschehen eine einmalige Sonderstellung hat: Nur der Mensch vermag mit einem derart „distanzierenden Wahrnehmungsvermögen“ überhaupt auf unterschiedlich kritische Wertungsmöglichkeiten dieser Art aufmerksam zu sein. D.h. - sollte z.B. eine höchste Schöpfungskraft als letzte bestimmende Ursache für sämtliche kosmischen Vorgänge (also einschließlich „allen irdischen Werdens“) vorausgesetzt werden können, dann ist ist hier in einer uns vertrauten höchsten Stufe auch der Mensch erschaffen worden - genau mit der Befähigung zu einer distanziert kritischen Sichtweise zu den menschlichen Verhaltenssteuerungen.

 Und wenn wir dann noch zu allem „irdischen Werden“ von einem unablässig voranschreitenden „Zeitpfeilgeschehen“ (in den Festlegungen von Ilja Prigogine) ausgehen können, dann muss uns absolut klar sein, dass auch die Menschheit in ihren Sicht- und Wertungs-Möglichkeiten eine fortlaufend voranschreitende Entwicklung durchgemacht hat (und immer noch durchmacht). Die Menschheit hat in ihrer gesamten Entwicklungsgeschichte ungeheure Fortschritte darin entwickelt, sich eine immer genauere Kenntnis zu allen Daseinszusammenhängen anzueignen. Und so ist es uns heute möglich, uns von den zahlreichen Irrtümern über das tatsächlich ablaufende  Geschehen unbedingt zu befreien - Irrtümer, in die die früheren Generationen wegen der historisch eindeutig belegbaren damaligen Wissens- und Erkenntnislücken noch hoffnungslos verstrickt waren.

 So dürfen wir eben auch heute die religiösen Gewohnheiten der verschiedenen Glaubensgemeinschaften kritisch danach beurteilen, ob hier das jeweilige Glaubensgut noch mit gerade dem Schöpfungsgeschehen zu vereinbaren ist, wie es von einer möglichen höchsten Schöpfungskraft hervorgebracht sein könnte. Selbstverständlich bewegen wir uns hier immer in dem Grenzbereich, in dem für uns  ein absolut zutreffendes Wissen unmöglich erreichbar ist. Hier können wir tatsächlich  entweder nur „glauben“ oder auch „nicht glauben“. - Für mich ist „das Voraussetzen einer höchsten Schöpfungskraft zu allen kosmischen Abläufen“ immer noch glaubhafter als die Theorie, alles nur irgend Daseiende könne in seiner jeweils (im „Zeitpfeilgeschehen“) überhaupt erreichten Entfaltungsform tatsächlich völlig allein aus sich selbst entstanden sein oder fortentwickelt haben. Gerade die äußerst unterschiedlichen Verhaltensweisen des Menschen lassen sich kaum damit erklären, dass die gesamte voranschreitende Daseinsentwicklung eben nur ein völlig aus sich selbst heraus entstehendes Geschehen sei. Denn: Warum gibt es bei dem Menschen dann überhaupt die oft äußerst unterschiedlich ausgerichteten Verhaltenssteuerungen - an denen der Einzelne geradezu unbeirrbar aber nach seinen völlig eigenen Wertvorstellungen festhält?

 Damit zurück zu der Möglichkeit einer kritischen Einschätzung, ob alles weit verbreitete religiöse Glaubensgut allein wegen einer vermeintlich „gleichermaßen heiligen Abgehobenheit“ mit der von einer höchsten Schöpfungskraft geschaffenen Daseinswirklichkeit (also „Schöpfungswirklichkeit“!) vereinbar ist.

 Ich meine, hier gibt es u.a. auch „himmelschreiend Unerträgliches“! Und das ist zugleich der Grund, warum bei so überaus vielem „religiösen In-Erscheinung-Treten“ ein schärfstes Ablehnen zu beobachten ist - irrtümlich und vorschnell nur als „atheistisch“ gedeutet.  

Ich möchte mich bei allen so immerhin doch nahe liegenden kritischen Einschätzungsmöglichkeiten speziell mit dem christlichen Glaubensgut auseinandersetzen. Zu allem, was ich über bislang über das Religiöse in Erfahrung gebracht habe, ist mir das Christliche immer noch das Vertrauteste: Hier finden wir das Glaubensgut der katholischen Kirche vor und wir begegnen hier auch dem Glaubensgut der protestantischen Kirchen.

 Und dazu behaupte ich: Das Glaubensgut der katholischen Kirche ist in seinen entscheidenden Bestandteilen völlig unvereinbar mit einem Schöpfungsgeschehen, wie es von einer höchsten Schöpfungskraft tatsächlich in seinem gesamten Umfang erschaffen sein mochte. Nähere Erläuterungen zu dieser Behauptung u.a. in dem nachfolgenden Beitrag „ … Heiligkeitsfalle …“.  

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II.) Verwahrlosung der Erkenntnisfähigkeit jedes Menschen durch die Heiligkeitsfalle

 Die Heiligkeitsfalle als ziemlich problematische Erkenntnisherausforderung in der Menschheitsentwicklung

 Das Religiöse genießt unter den Menschenrechten eine besonders geschützte Wertigkeit. Ich habe zuvor beschrieben, wie sich daraus gleichsam eine Art  Tabubereich entwickelt hat, der sich gewissermaßen jeder Kritik und jeder Einmischung entzieht. Das hat bekanntermaßen z.B. auch zur Folge, dass sämtliche religiösen Glaubenslehren auch mit ihren unterschiedlichsten Inhalten gewissermaßen unantastbar sind.

 Das wird immer dann besonders problematisch, wenn hier „Religion“ auf „Laizismus“ trifft. Denn „im Miteinander der Religionen“ gibt es hier zu deren speziell unterschiedlichen Inhalten generell kein Tabu; hier wird von den verschiedenen Glaubensgemeinschaften mehr oder weniger entschieden „ausgefochten“, wie die eigene Glaubenslehre immer einen ganz speziellen Status hat: Die eigene Glaubenslehre hat eine besondere Wertigkeit und gerade in dieser besonderen Wertigkeit beansprucht sie eine eine ganz separate Schutzwürdigkeit - völlig herausgehoben ganz allein aus dem Kreis aller übrigen Glaubensgemeinschaften. Die verschiedenen Glaubensgemeinschaften stehen so unablässig in einem latenten Wettstreit gegeneinander - durchweg in einem anhaltenden Stillhalteabkommen, immer wieder aber auch in der Form „blutigster Auseinandersetzungen“.

 Völlig anders, wenn „Religion“ auf „Laizismus“ trifft. Hier ist bei Betrachtung der religiösen Seite eine einheitliche Frontstellung auszumachen: Der Laizismus ist der Inbegriff von „Gottesferne“ und bei dieser Sicht eher immer etwas religiös Unerträgliches weil qualitativ Minderwertiges.

 So scheint es im menschlichen Miteinander zwei sehr unterschiedliche kulturelle Wertigkeiten zu geben: Zum Einen die Wertigkeiten des „Heiligen“ und zum Anderen  dagegen ein Wertbereich des „Unheiligen“. In der öffentlichen Meinungsbildung immer noch getrennt durch die große Trennlinie, bei der jede Gläubigkeit eben eine hohe Wertigkeit besitzt und dagegen dann die scheinbar „offenkundige Gottlosigkeit“ mit einem Mangel an wahrer Menschlichkeit. Das führt allerdings in allen Weltanschauungsfragen zu sehr üblen Fehlentwicklungen. Denn - so meine Überzeugung - jede Form von „blindgläubiger Unterordnung“ unter irgendwelche beliebigen Glaubensfestlegungen hat kaum etwas mit einer Hinwendung zu einem wirklich höchsten Schöpfungsgeschehen zu tun.

 In einem großen Ausmaß hat die historisch belegte, „blindgläubige Unterordnung“ unter die gängigen Glaubensfestlegungen zu den auch absurdesten religiösen Entwicklungen und Vorkommnissen geführt. Das möchte ich - wie bereits zuvor angekündigt - mit dem mir etwas näher vertrauten Christlichen erläutern, hier ganz entschieden bezogen auf die Glaubenslehren der katholischen Kirche.

 Jegliches „Wissen“ über Götterwelten oder überirdische dämonische Kräfte wurde stets nur von  Menschen an Menschen übermittelt. Niemals hat auch nur ein einziger Mensch ganz unmittelbar von irgendwelchen überirdischen „Gotteswesen“ in Wort oder Schrift Mitteilungen etwa zur Lebensführung im weitesten Sinn erhalten. So war auch jede Skepsis zu irgendwelchen Glaubensüberlieferungen zumeist immer auch eine Suche nach wirklich  uneingeschränkt gültigen Wahrheiten zu allen Daseinszusammenhängen überhaupt.

 Die katholische Kirche lebt in dieser Angelegenheit mit ihrem höchst eigenen „Wahrheitsanspruch“, in einem überhaupt völlig unanzweifelbaren Besitz göttlicher Verkündigungen zu sein: Bei allen „Gottesfragen“ ist nur sie allein imstande, die einzig zutreffenden Antworten und sämtliche weiterführenden Weisungen zu geben. Und das bezieht und bezog sich dann in einem ziemlich großen Ausmaß gerade auch auf bedeutsame Lebensangelegenheiten im nur „diesseitigen Bereich“. Was es auch immer an Verrichtungen und Vorkommnissen im Alltagsgeschehen gab - die Kirche hatte hier ein überaus perfektes selig machendes Regelwerk parat, das sich durch eine Überfülle von Geboten und Verboten auszeichnete. Wie bereits angedeutet - hier häuften sich im Lauf der Kirchengeschichte derart viele völlig überzogene Anmaßungen, dass die Wahrhaftigkeit von einer speziell „allein selig machenden Glaubenslehre katholischer Art“ von vielen nicht länger zu akzeptieren war.       

 Der entscheidende Bruch mit der völlig überzogenen Verfahrensweise der katholischen Kirche erfolgte dann durch Martin Luther (nach zahlreichen ähnlich gerichteten Reformbemühungen in den Jahrhunderten zuvor). Die von Luther entscheidend neu entwickelte Glaubensausrichtung war: Nicht die katholische Kirche mit der Herrschaftsgewalt des Papstes befindet darüber, wie ein gläubiger Christ die ewige Seligkeit erst durch das „ernsthaft angestrebte Befolgen der unverbrüchlich gültigen Glaubensregeln“ erlangt. Sondern ein wahrhaft gläubiger Mensch erlangt die ewige Seligkeit ausschließlich aus einer untadeligen christlichen Glaubenshaltung in seiner völlig eigenen Verantwortung.

Die „äußeren Randbedingungen der christliche Lehre“ erfuhren keine Veränderung. Hier galt die christliche Glaubenslehre unverändert in ihrer Gesamtheit: Gott, der Allmächtige, in „göttlicher Identität“ mit Jesus Christus, der von der Jungfrau Maria zur Welt kam durch die von dem Heiligen Geist bewirkte Empfängnis. Dabei hatte der Gottessohn Jesus Christus den großen Heilsplan zu verwirklichen - nämlich: Die der Erbsünde ausgelieferte Menschheit durch seinen Opfertod am Kreuz von allen Sünden rein zu waschen. In einer Osterwoche in der Herrschaftsperiode des Kaisers Augustus vollzog sich dann ganz konkret dieses von Gott dem Allmächtigen vorausgeplante Wunder vom Opfertod am Kreuz - mit der dann nachfolgenden leiblichen Auferstehung drei Tage später, woran sich dann ein Flug des Auferstandenen in die himmlischen Gefilde anschloss.

 Die heutige Entwicklung: Kein Mensch, der durch durch das gesamte Schöpfungsgeschehen inzwischen mit einem Höchstmaß an Vernunft, Erkenntnisfähigkeit und Wissen ausgestattet ist, kann die obigen Glaubensinhalte des Christlichen noch „exakt überlieferungsgetreu“ ernst nehmen. Mit dem heute möglichen Wissensstand ist allenfalls eine „vertiefte Auseinandersetzung“ mit den letzten Fragen zu einem kosmischen Schöpfungsgeschehen überhaupt möglich. Bei einer derartigen „vertieften Auseinandersetzung“ wird man immer an die Grenzen des noch „vertretbar Glaubhaften“ und daneben dann auch auf die Erscheinungsformen von völliger Unglaubwürdigkeit stoßen.  

 Wie bereits zuvor kurz angedeutet: So lange ein Glaubensbereich und so lange bestimmte Glaubensinhalte keinen Einfluss auf eine friedliche Entfaltung der Menschen in ihrem Zusammenleben in der Schöpfungswirklichkeit haben, kann eigentlich überhaupt alles völlig unverfänglich „geglaubt“ werden, was die menschliche Fantasie  nur irgend zu ersinnen vermag. Wenn dagegen aber mit religiösen Anschauungen „störend“ auf das Zusammenleber aller eingewirkt wird, dann ist eine nicht hinzunehmende Grenze des Zumutbaren erreicht. Wie dies auf unerträgliche Weise wahrzunehmen ist - dazu ein Blick auf die katholische Kirche (- stellvertretend für jede überhaupt auch religiöse Richtung mit einem jeweils sehr eigenen, dabei aber allumfassend bedingungslosen „Wahrheitsanspruch“).    

 Unter „Die Grenzen des religiös gerade noch Erträglichen am Beispiel der katholischen Christlichkeit - Gedanken über Aggressiv-Religiosität und missverstandenen Atheismus“ (Fundstelle http://zeitverformungen.de/zurueck_wirklichkeit.htm) erwähne ich u.a. diese Vorgänge: „Ich meine, hier haben wir ein aktuelles, historisch unauslöschliches Beispiel dafür, wie mit der Dogmatik und Orthodoxie der römisch-katholischen Kirche ohne Wenn und Aber in engster Bindung an Jesus Christus konstant unsäglich Verbrecherisches unter den Menschen grob fahrlässig angerichtet wird…“ . Ich beschreibe mit dieser Ausarbeitung ein völlig unverantwortliches Verhalten unter dem Deckmantel von „Heiligkeit“ bei der Auseinandersetzung mit einem der größten „Schöpfungs-Geschenke“ - nämlich der dem Menschen verliehenen Entfaltungsvielfalt im Bereich des Erotischen und der Sexualität. Für das mit blindem Starrsinn einsetzende  Abgleiten ins Verbrecherische finden wir umfangreiches Material in dem Buch „GOTT AIDS AFRIKA/Das tödliche Schweigen der katholischen Kirche“ (BASTEI LÜBBE TASCHENBUCH Band 6015 April 2009) von Bartholomäus Grill und Stefan Hippler. Unter „DIE SCHLAFLOSE NACHT“, Einleitungsgedanken  von Henning Mankell finden wir zu dem Buch u.a. diese Textpassagen: … Heute wissen wir, was wir damals nicht wussten, und zwar vor dem Hintergrund Millionen Toter, Millionen Kranker, Millionen von Ansteckung Bedrohter. Wir haben einsehen müssen, dass das HI-Virus in seinen unterschiedlichen Formen eine gigantische Herausforderung der gesamten Menschheit darstellt… Der Kampf gegen Aids ist die Entscheidungsschlacht des Humanismus … 25 Millionen Menschen sind bereits an den Folgen von Aids gestorben, weitere 42 Millionen sind mit dem Virus infiziert … Wir haben den Höhepunkt der Epidemie noch nicht erreicht…               

 Alles hat zu tun mit einem gestörten Verhältnis der katholischen Kirche zur Sexualität im menschlichen Verhalten. Der Mensch hat eben einfach durch das gesamte Schöpfungsgeschehen in einer letzten Entwicklungsstufe auch diese besondere Entfaltungsvielfalt im Bereich der Sexualität als ein beglückendes Geschenk erhalten: Das Sexuelle als etwas „alles Lebende“ auf diesem Planeten Begleitende ist so auch „dem Menschen zugehörig“. Die vielen Spielarten der unfassbar umfangreichen Entfaltungsformen bei „allem lebendig Erschaffenen“ sind Ausdruck intensivster Schöpfungsintensität. Und auch hier ist dem Menschen wieder eine besonders herausgehobene „Entfaltungsfülle“ gegeben: Jeder Mensch kann hier generell die höchsten Freuden und Beglückungen für die Dauer seines kurzen Erdenlebens finden. Alles was sich - im weitesten Sinn - als ein stärkstes Empfinden in Liebe und Erotik entwickeln kann, geht einzig zurück auf das überhaupt umfassende Schöpfungsgeschehen zu unserer Daseinswirklichkeit. Keine einzige dem Menschen mögliche „Spielart“ in Erotik und Sexualität kann „an sich“ etwas Verwerfliches sein. Es ist ausschließlich das jeweils mögliche „Zueinanderfinden“ zweier Menschen, das die höchsten Herausforderungen für ein gelingendes ausgewogenes Miteinander als eine beglückende Lebenserfüllung bedeutet.

 Nach dem bedingungslos gültigen Wahrheitsanspruch der katholischen Kirche ist so allerdings u.a. der Kondomgebrauch absolut  unzulässig. Denn für die katholische Kirche hat der Geschlechtsverkehr in Heiligkeitsfragen einen ganz besonders herausragenden Stellenwert: Wenn geschwängert wird, dann möglichst erfolgreich. Jede sexuelle Intimität aber erst nach dem Eingehen in die geheiligte Ehe. Und diese dann so auch geheiligte Ehe ist nach den von Jesus von Nazareth überlieferten Sprüchen angeblich unbedingt unauflöslich. Insgesamt befindet sich damit jeder Katholik in einer sehr eng zusammengeschnürten Zwangsjacke, wenn er der ihm von der Schöpfung verliehenen Erotik und Sexualität begegnet!

 Das  Unerträgliche aber dann auch hier wieder bei dieser Form von einer Religiosität mit weitreichendem Wahrhaftigkeitsanspruch: Die Breitenwirkung. - Die „Glaubensfestlegungen“ beschränken sich nicht auf nur „speziell innerkirchliche Reglementierungen“. Sondern weit übergreifend wird hier auf alle Lebensformen im Zusammenleben eingegriffen - mit zum Teil millionenfach tödlichen Auswirkungen.

 Der katholische christliche Glaube hat eine sehr bedenkliche Entwicklungsgeschichte. Von zentraler Bedeutung sind dabei die Berichte, mit denen das Leben und Wirken des Jesus von Nazareth in allen Überlieferungen festgehalten  wird. Von Jesus selbst haben wir keine einzige eigenhändig verfasste Aufzeichnung. Es muss also „im besten Fall“ immer „geglaubt“ werden, dass alles über Jesus Berichtete authentisch ist. Also als die exakte Wiedergabe des damals Verkündeten unanzweifelbar zu gelten hat und nur wahre Berichte über die damaligen Begebenheiten enthält. Wir können dabei aber unmöglich wissen, welche letztgültig absolute Bedeutung das alles hat, was in späteren Zeiten Jesus als dem gottgleichen Messias zugeschrieben wurde. Jesus selbst hat sich nach allem zugänglichen Fundstellenmaterial nie selbst als der (sehnlich erwartete) Messias bezeichnet. Die „Erhöhung zu einer gottgleichen Abgehobenheit“ fand erst statt, als mit den ersten Gemeinden und mit Paulus des am Kreuz Dahingeschiedenen gedacht wurde. Und so kann unmöglich allen Ernstes davon ausgegangen werden, dass das von Jesus Überlieferte jemals als gottgewollte Wahrheit zu verstehen ist.

 Bei dieser Sichtweise ist alles das, was wir durch Jesus Christus als von Gott mitgeteilte Wahrheiten erhalten haben sollen, nichts als eine Fülle von fantasievollen Wunschvorstellungen. Hierzu Näheres in einem weiteren Beitrag.  

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III.) Verletzung von Menschenrechten durch unsinnige Glaubensüberzeugungen

 Ungehemmte Religionsfreiheit kann - wegen zahlreicher religiös motivierten Verwüstungsneigungen - unmöglich ein völlig  unantastbarer Teil  der Allgemeinen Menschenrechte sein

 Im Zusammenhang mit den Allgemeinen Menschenrechten wird gewöhnlich in einem gleichen Atemzug auch die Religionsfreiheit aufgezählt. Und das führt unweigerlich anschließend zu höchst schwierigen Irritationen. Denn wenn nach den Allgemeinen Menschenrechten alles etabliert Religiöse sozusagen sakrosankt ist, dann dürfte es scheinbar unmöglich sein, dennoch an irgendwelchen der üblichen Religionsausübungen entscheidend Kritik vorbringen zu wollen. Selbstverständlich genießt dann wiederum hier auch jede angemessene Kritik nach den Allgemeinen Menschenrechten das Recht der uneingeschränkten Meinungsbildung. Und so erleben wir hier eine eigenartige Blockade: Die verbreiteten Formen der Religionsausübung mögen in speziellen Ausprägungen immer wieder einmal großes Unbehagen auslösen. Aber wegen des hohen Gutes der doch sehr weitreichend übergeordneten  Menschenrechte darf Kritik dann zwar geäußert werden - hat zugleich jedoch auch insgesamt völlig unwirksam zu sein.

 Die Religionsfreiheit besitzt somit erstaunlicher Weise anscheinend einen ganz besonderen Schutzstatus. Während im übrigen die Allgemeinen Menschenrechte noch in konkreten Festlegungen einzeln aufgelistet sind, scheint die „Religionsfreiheit“ ein unantastbares Gut an sich zu sein.

 Ich habe mich in mehreren Ausarbeitungen äußerst kritisch mit den Glaubensinhalten speziell der katholischen Kirche auseinandergesetzt. Mir geht es darum dabei aufzuzeigen, dass auch eine anerkannt etablierte Religion im Kern keine umfassende Achtung und Anerkennung verdient. Und mit dieser kritischen Haltung nicht etwa aus einer atheistischen Gesinnung heraus. Sondern aus einer eigenen, religiös unbedingt gefestigten Überzeugung, wonach ein anscheinend unantastbares religiöses Glaubensgut (wie z.B. das des Katholizismus) niemals zu größeren Verletzungen höchster schöpferischer Werte führen darf. - Um das zu finden oder zu erkennen muss man selbstverständlich gar nicht religiös sein; das versteht man auch als ein religiös völlig uninteressierter Mensch.

 In diesem Sinn hier noch einmal exemplarisch eine Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche. Wir begegnen hier diesem Dilemma: Es scheinen die auch unsinnigsten Fantastereien als unüberwindbar höchstes Glaubensgut akzeptiert werden zu müssen. Wenn dem jedoch das tatsächliche Wirklichkeitsgeschehen in einem religiös verankerten Schöpfungsverständnis in völlig anderen Zusammenhängen entgegengehalten wird, dann darf das aus der Sicht der gläubigen Katholiken keine Gültigkeit haben. Vielmehr scheint eine scheinbar vorhandene unüberwindliche höhere Glaubenswahrheit auch die extremsten Exzesse unantastbar zu „heiligen“. 

   Nachfolgend also im Einzelnen, wie das Glaubensgut der katholischen Kirche speziell gerade mit den Festlegungen der Allgemeinen Menschenrechte nicht vereinbar ist.

 Dazu vorweg ein größerer Überblick: Das „religiös Verkündete“ existiert unter den Menschen immer nur in dem Umfang und in der Gestaltung, wie es von anscheinend besonders Erwählten in Offenbarungen verkündet und dann von einer Priesterschaft weiter verbreitet wurde. Das führte in der allmählichen Entwicklung schließlich zu diesem „Kerngerüst“: Es wurde, ausschließlich von der dem Menschen nun einmal „verliehenen“ Fantasiefähigkeit erdichtet. Und durchweg wurde dann in einer ganz bestimmten Form an ein existierendes, allumfassenderes größeres Universum geglaubt. Damit besaß man dann den Glauben an ein „ewig vorhandenes Jenseits“. Dieses Jenseits war der Bereich, in dem ein alleinig allmächtiger Gott als Schöpfer (in weitester Vergangenheit auch eine Götterdynastie) für alles Erschaffene herrschte.   

Je nachdem, wie jetzt dieses „Kerngerüst des Glaubens“ später dann jeweils ganz bestimmte Ausdeutungen in den verschiedenen Glaubensrichtungen fand, kam es in der Menschheitsgeschichte auch zu den unterschiedlichen religiösen Überzeugungen unter den  Menschen.

 Genau hier ist jetzt eine ganz bestimmte Absurdität bei einigen besonders gearteten Glaubensrichtungen zu beobachten. Es ist die Absurdität mit einer letztlich doch nur allenfalls „Fantasievorstellung“ von der einzig wahren Glaubensüberzeugung: Dass die Anhänger  der jeweiligen Religionsrichtung sich im Besitz einer allein selig machenden Wahrheit glauben, obwohl die Bilder und Inhalte ihrer „Offenbarung“ aus reinen Fantasie-Erfindungen bestehen. Obwohl die Bilder und Aussagen in offensichtlichem Widerspruch zur irdischen Wirklichkeit stehen, werden sie von den jeweiligen Gläubigen als „heilig“, „gottgewollt“ und „unantastbar“ erfahren und verteidigt.

 Wer dabei dann jedoch zudem auch noch - als vermeintlich zutiefst religiös Gläubiger - diese Haltung in äußerster Entschiedenheit vertrat, der hatte damit ein hervorragendes Mittel in der Hand für jede fast völlig ungebremste Gewaltausübung: Er brauchte sich stets nur darauf zu berufen, bei all seinen religiösen Verkündigungen im Besitz der einzigen Wahrheit exakt nach dem Willen eines allmächtigen Gottes zu sein. Das war ein „Kunstgriff“, der über viele Epochen immer wieder zur Anwendung kam. - In allen Religionen bildeten sich Immer wieder beherrschende Priesterkasten heraus, die auf diese Weise alle Formen des Zusammenlebens ganz entschieden nach völlig eigener Gesinnung gestalteten.

 In diesem gesamten „Glaubens-Fantasiebereich“ waren natürlich auch völlig andere, weniger rigorose Strömungen möglich. Hier ließen sich dann in einer Form von „offenerer Gläubigkeit“ - mit weniger als nur einer einzigen göttlichen Wahrheit beherrschten Religiosität - aus dem „Kerngerüst des Glaubens“ völlig eigene, aber insgesamt vertretbare Überzeugungen aufbauen. So z.B. durchaus auch der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod in einem ewigen Jenseits. Und weiterhin konnte sich die eigene Gläubigkeit auch an ganz bestimmten Verhaltensformen und Verpflichtungen des Menschen im Sinne einer höchsten Schöpfungsgeschehens ausrichten.   

 Dazu noch einmal zurück zu den Allgemeinen Menschenrechten: Es sollte einem einmal diese Sachlage ganz besonders bewusst werden: Die als ein Grundrecht immer wieder besonders hervorgehobene „Glaubensfreiheit“ ist keineswegs so überaus menschenfreundlich, wie es ganz oberflächlich den Anschein hat. Denn bei missverstandenem Zugriff auf diese Freiheit ist es hier eben immer wieder auch möglich, die eigenen Glaubensinhalte „völlig ungehindert“ zu einem äußerst „freiheitsbeschränkenden Regelwerk“ zu gestalten - alles mit Hinweis auf ein „uneingeschränktes Menschenrecht auf Glaubensfreiheit“. Hier hat man dann einen Freiraum für völlig willkürlich gestaltete Verhaltensmöglichkeiten: Es reicht aus, sich auf das unantastbare Fundament der eigenen religiösen Glaubensüberzeugungen zu berufen und man ist jeglicher „übergeordneter Rechtfertigung“ enthoben.

 Es gibt eine allgemein verbreitete Scheu, sich mit diesem „Freiraum völlig willkürlich gestalteter Verhaltensmöglichkeiten“ kritisch auseinander zu setzen. Sobald hier eine anscheinend „geheiligte Unantastbarkeit“ alles vermeintlich nur irgend Religiösen ins Spiel kommt, versagt dann oft genug jede berechtigte kritische Haltung.

 Was gilt als der größte Feind dieser vermeintlich „geheiligten Unantastbarkeit“? Es ist der Laizismus. Und es ist jede Form von ernsthafter Wissenschaftlichkeit. Also alles, was hier dem Menschen geistig zugänglich ist ohne von einer sehr einengenden Zwangsjacke irgendeiner „orthodoxen Gläubigkeit“ (im  weitesten Sinn) an der dem Menschen nun einmal verliehenen Erkenntnisfähigkeit gehindert und beeinträchtigt zu sein.

 Das weitgehend gültige Grundrecht auf Religionsfreiheit erweist sich in seinen gesamten möglichen Auswirkungen als überaus unsinnig und risikobelastet. Denn es besagt ja, dass alles nur irgend Denkbare in einer „unantastbaren Religionsfreiheit“ uneingeschränkt Gültigkeit hat. Wenn sich also die Menschen aus Anlass unterschiedlicher religiöser Überzeugungen gegenseitig die Köpfe einschlagen, dann wäre das nach dem Grundrecht auf Religionsfreiheit unbedingt gerechtfertigt: Jeder kann hier argumentieren „meine religiöse Überzeugung gebietet es mir, jedem den Kopf einzuschlagen, der von meiner religiösen Überzeugung abweicht“. Wie man es nur allzu drastisch bei allen „religiös motivierten Auseinandersetzungen“ miterleben muss: Dieses immer wieder stattfindende Gewaltgeschehen ereignete sich unablässig in früheren Epochen und setzt gerade jetzt auch wieder ganze Regionen in Brand.

 Das „Grundrecht auf Glaubensfreiheit“ ist mit einem mörderischen Geburtsfehler Teil der Menschheitskultur geworden. Es kam zustande in der Vision, jeder irgendwie gläubige Mensch würde sich mit seiner Gläubigkeit zwangsläufig auf dem unbedingt rechten Weg zu einer allseits beseligenden Daseinsverwirklichung befinden. Es wurde dabei übersehen, dass dies eine reine Wunschvorstellung ist, ein reines Fantasieprodukt. Es sind immer nur wenige Menschen, die tatsächlich ganz entschieden eine beseligende Daseinsverwirklichung zustande zu bringen suchen; die Mehrzahl bewirkt fortwährend eher ein Verwüstungsgeschehen. Das Resultat: Wenn sich alle in dem Glauben wiegen dürfen, das eigene Tun und Lassen nach bestimmten religiösen Ritualen unbedingt rechtfertigen zu können - dann gibt es tatsächlich kein übergeordnetes Regelwerk für eine schöpfungsgerechte Daseinsgestaltung, dann wird in fanatischer Blindgläubigkeit nur der einzig alleingültigen Glaubenslehre gefolgt.  

 Mit einem „völlig vorbehaltlosen (uneingeschränkten) Grundrecht auf Glaubensfreiheit“ wird jeder Art von Willkürgeschehen Tür und Tor geöffnet. Wer als ein berufener und auserwählter Verkünder von göttlichen Wahrheiten auftritt, kann für sich in Anspruch nehmen, jede von ihm verkündete Weisung als unmittelbar auf Gott zurückzuführendes Gebot zu verbreiten - es mag hier alles noch so sehr in unhaltbar Absurdes ausarten.

Selbstverständlich ist in der Menschheitsentwicklung immer wieder einmal einigen besonnenen Skeptikern aufgefallen, dass hier irgendwas nicht stimmen kann. Es wurde dann der Finger in die Wunde gelegt und das völlig Unzutreffende im verbreiteten Glaubensgut herausgestellt. Aber das war in dieser Form immer nur die Auseinandersetzungen mit „einzelnen Symptomen“; das völlig Unsinnige an einer „uneingeschränkt auf absoluten Wahrheitsgehalt beharrenden Glaubenslehre“ wurde dabei nicht wirklich gebrandmarkt. Und so wurden von Epoche zu Epoche dann immer wieder einmal erforderliche Einzelkorrekturen geltend gemacht und auch durchgesetzt. Aber nie wurde wirklich zum Ausdruck gebracht, dass ein völlig uneingeschränktes Grundrecht auf Glaubensfreiheit auch die unsinnigste „Blindgläubigkeit“ ermöglicht, bei der jedes Maß an verantwortungsbewusstem Umgang mit einer „möglichen Schöpfungswirklichkeit“ zunichte wird.        

 Ich habe in mehreren Ausarbeitungen in diesem Sinn sozusagen einmal „exemplarisch“ die dogmatisch äußerst verkrustete Glaubenslehre der katholischen Kirche beleuchtet. Ich bin nun einmal im Kulturkreis der christlichen Religion groß geworden und kann daher vor allem herausstellen, welche unerfreulichen Entwicklungen sich speziell durch das Christliche im allgemeinen menschlichen Zusammenleben ergeben haben. Mir geht es dabei nur um gerade die „Fantasiegläubigkeit“ einer Glaubensgemeinschaft, die sich lebensverwüstend auch über den eigenen (also hier nur „innerkirchlichen“) Bereich hinaus auswirkt.  

 Schwerpunktmäßig handelt es sich dabei um das glaubensgestörte Verhältnis der katholischen Kirche bezüglich der allem Lebendigen durch die Schöpfung geschenkten Entfaltungsmöglichkeit im sexuellen Bereich. Die ungeheure Vielfalt alles überhaupt Erschaffenen in unserer Daseinswirklichkeit ist insgesamt so etwas wie ein überhaupt nur unbegreifliches Wunder. Wenn man dann darauf aufmerksam ist, welche tragende Bedeutung darin gerade die sexuellen Befähigungen für alles Lebendige haben, dann sollte klar sein, dass hier die bedeutungsvollste Entfaltungsstärke im Schöpfungsgeschehen überhaupt zum Ausdruck kommt.

Auch im Bereich der Sexualität nimmt der Mensch eine Sonderstellung ein: In seinem eigenen sexuellen Verhalten wird der Mensch nicht einfach nur irgendwie naturgemäß völlig gleichförmig gesteuert. Sondern hier erlebt der Mensch die größten Herausforderungen für seine bewusst ablaufenden Verhaltensorientierungen  - wenn er nur irgend mit einem Empfinden für die Vielfalt der Erotik begabt ist. Das eigene Leben erfährt mit dem Suchen und Zusammenfinden durch die von der Schöpfung „verliehene“ Entfaltungsvielfalt für die tatsächliche Lebensgestaltung in vielfältigen erotischen Triebsteuerungen auch äußerst kostbare Entwicklungsmöglichkeiten.

 Für diesen „Problembereich“ habe ich exemplarisch einige Exzesse in der katholischen Kirche abgehandelt. So habe ich gerade unter „Die Heiligkeitsfalle als ziemlich problematische Erkenntnisherausforderung in der Menschheitsentwicklung“ diese sehr aktuelle Situation beschrieben - zur katholischen Kirche mit ihrem Kondomverbot (sinngemäß wiedergegeben): Vor dem Hintergrund Millionen Toter, Millionen Kranker, Millionen von Ansteckung Bedrohter wissen wir heute, dass das HI-Virus in seinen unterschiedlichen Formen eine gigantische Herausforderung der gesamten Menschheit darstellt… Der Kampf gegen Aids ist die Entscheidungsschlacht des Humanismus … 25 Millionen Menschen sind bereits an den Folgen von Aids gestorben, weitere 42 Millionen sind mit dem Virus infiziert… ( - hier zitiert nach einer leicht veränderten Textpassage der Einleitungsgedanken von Henning Mankell „DIE SCHLAFLOSE NACHT“ zu dem Buch „GOTT AIDS AFRIKA/Das tödliche Schweigen der katholischen Kirche“ von Bartholomäus Grill und Stefan Hippler).

Was die katholische Kirche hier in Pandemieverbreitung betreibt mit ihrer völlig unverantwortlichen Sichtweise zur Sexualität, das ist so ungeheuer weit entfernt von dem, was als Wirken und Wollen einer höchsten Schöpfungskraft tatsächlich gewollt sein kann.       

 Wenn man die anscheinend durch die Allgemeinen Menschenrechte begründete Sonderstellung der „Religionsfreiheit“ noch einmal etwas genauer unter die Lupe nimmt, entdeckt man doch einige gewichtige Unstimmigkeiten der Religionsfreiheit in Bezug auf die völlig übergreifende Bedeutung der  „Allgemeinen Menschenrechte“ überhaupt.

 ARTIKEL 30 der ALLGEMEINEN ERKLÄRUNG DER MENSCHENRECHTE besagt:  Keine Bestimmung dieser Erklärung darf dahin ausgelegt werden, dass sie für einen Staat, eine Gruppe oder eine Person irgendein Recht begründet, eine Tätigkeit auszuüben oder eine Handlung zu begehen, welche die 

B e s e i t i g u n g   der in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten zum Ziel hat.

 ARTIKEL 29 wiederum legt inhaltlich fest: 1) Jeder hat Pflichten gegenüber der Gemeinschaft, in der allein die freie und volle Entfaltung seiner Persönlichkeit möglich ist. 2) Jeder ist bei der Ausübung seiner Rechte und Freiheiten nur den Beschränkungen unterworfen, die das Gesetz ausschließlich zu dem Zweck vorsieht, die Anerkennung und Achtung der Rechte und Freiheiten anderer zu sichern und die gerechten Anforderungen der Moral, der öffentlichen Ordnung und des allgemeinen Wohles in einer demokratischen Gesellschaft zu  genügen. 3) Diese Rechte und Freiheiten dürfen in keinem Fall im Widerspruch zu den Zielen und Grundsätzen der Vereinten Nationen ausgeübt werden.

 Dazu finden wir in ARTIKEL 25 u.a. diese weiteren Einzelheiten (verkürzt wiedergegeben):  Jeder hat das Recht auf einen Lebensstandard, der seine und seiner Familie Gesundheit und Wohl gewährleistet… Und dazu weiterhin auch ARTIKEL 28: Jeder hat Anspruch auf eine soziale und internationale Ordnung, in der die in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten voll verwirklicht werden können.

 Das Grundrecht der Religionsfreiheit darf nach allem niemals als ein völlig blindlings zu befolgendes Gebot verstanden werden. Vielmehr ist jede religiöse Glaubenshaltung immer auch danach zu bewerten, wie weit sie möglicherweise entscheidend nicht mehr mit den allgemeinen Menschenrechten in Übereinstimmung  zu bringen ist. Wenn es hier eklatante Verstöße und Abweichungen gibt, dann kann eine derartige Glaubenshaltung nicht mehr - meine ich - den umfassenden Schutz der Allgemeinen Menschenrechte beanspruchen.

 Ich habe für diese Überlegungen das Vorgehen der katholischen Kirche (wie gesagt) beispielhaft nur als eine exemplarische Musterverfehlung beschrieben: Die katholische Kirche hat kein alleiniges „Monopol“ im Sinne einer „nur allein gültigen Gläubigkeits-Verfügungsgewalt“. Wir wissen, dass es immer wieder angeblich „religiös Berufene“ gibt, die mit einer ihr  überaus gefügigen Gefolgschaft dem Rest der Menschheit die eigenen Überzeugungen und Rituale mehr oder weniger gewaltsam aufzuzwingen sucht. Gegen diese speziell verbohrte Glaubenshaltung allein sind die vorangegangenen Überlegungen gerichtet. Unmöglich kann das Religiöse als Teil der gesamten menschlichen Lebenswirklichkeit etwa generell „als völlig unsinnig“ widerlegt werden. Ich habe mich gewissermaßen zeitlebens mit dieser gesamten Thematik beschäftigt, so u.a. in meiner Veröffentlichung „Über die Realität des Transzendenten / Transzendenzdenken in der Konfrontation mit den Ergebnissen der Naturwissenschaft“ (ZEITSCHRIFT FÜR THEOLOGIE UND KIRCHE, März 1975). Mit weiteren Ausarbeitungen in meiner ersten Web-Seite „Kant-Kosmos-Reales“ 2009/2010 bin ich noch einmal intensiver auf diese Problematik eingegangen (Hinweis auf die Rubrik „Religion / Die Welt des Göttlichen“ - http://www.kant-kosmos-reales.de/Religion.htm). Jetzt, 2017, versuche ich die zwischenzeitlich zusätzlich erarbeiteten Erkenntnisse in abschließenden Festlegungen wiederzugeben.

 Der evangelisch-lutherische Protestantismus z.B. kennt kein eigenes Monopol einer „nur allein gültigen Gläubigkeits-Verfügungsgewalt“, die sich etwa für institutionelle Sündenvergebung, Selig- und Heiligsprechungen mit „exklusivem Ausschließlichkeitsanspruch“ einsetzen ließe. Hier zählt zwar auch vor allem Gottes Wort nach der Heiligen Schrift. Aber es gibt keine „allumfassende Dogmatik“, keine „absolut verbindliche Orthodoxie“. Das ermöglicht auch ein glaubhaftes Toleranzverhalten zu allen übrigen religiösen Richtungen, die ihren Halt bei nur irgend einer göttlichen Schöpfungskraft haben, ohne sich in dem Besitz einer auf Punkt und Komma einzig gültigen „göttlichen Erlösungs-Wahrheit“ zu wähnen. 

 Ohne ein derartiges „religiöses Toleranzverhalten“ muss jede Form einer wie auch immer gearteten „orthodoxen Frömmigkeit“ in letztlich unversöhnliche Feindschaft ausarten - ob jetzt offen ausgetragen oder nur „mit geballter Faust in der Tasche“ in  konstanter Gegnerschaft beibehalten. Von daher ist die hier beschriebene Situation der katholischen Kirche nur eine exemplarische Zustandsbeschreibung für jede Form von Religiosität mit „göttlichem Ausschließlichkeitsanspruch“. Der Islam z.B ist eine Offenbarungsreligion, bei der der Prophet Mohammed die Vielzahl der empfangenen göttlichen Offenbarungen ganz unmittelbar von dem Erzengel Gabriel erhalten hat. Für einen strenggläubigen Muslim gibt es dann keine Abwägungs- oder Wahl-Möglichkeiten mehr zu den einzelnen von Mohammed weitergegebenen göttlichen Offenbarungen: Jede dieser Offenbarungen ist in der durch den Koran überlieferten Fassung unumstößlich gültig. Hier noch nachträglich etwas sortieren und und irgendwie „umdeuten“ zu wollen ist Frevel an den unumstößlich direkt auf Allah zurückzuführenden Verkündigungen. - Eine offene unversöhnliche Feindschaft gegen jeden, der eine sehr eigene Koranauslegung (oder die Nichtbeachtung des Korans) für sich in Anspruch zu nehmen wagt, ist damit unausweichlich vorprogrammiert! Eine ähnliche Unversöhnlichkeit erleben wird auch im weitesten Umkreis des Protestantimus: Hier sind es die Evangelikalen, die bibeltreuen Christen, die Kreationisten usw., die sich im Besitz der einzig gültigen göttlichen Wahrheit über den ausschließlichen Erlösungsweg ins göttliche Himmelreich wähnen. Marten `t Haart hat uns mit seinem jetzigen Spätwerk „Magdalena“ eine unvergleichlich groteske Abrechnung mit dem calvinistischen Protestantismus beschert. Eine hervorragende Bereicherung, wenn es um ganz offenkundig begründete Zweifel an der Heiligen Schrift als wahrer Verkündigung von Gottes Wort geht. Sehr viel eingehendere Auseinandersetzungen mit völlig überzogenen christlichen „Wahrheitsbekundungen“ in diesem Sinn finden wir in „DER GOTTESWAHN“ von Richard Dawkins und in „Der Jesuswahn  / Wie die Christen sich ihren Gott erschufen…“ von Heinz-Werner Kubitza. In mehreren Ausarbeitungen bin ich ausführlich auf die größtenteils nur fantasievoll - ohne jeden Wahrheitsgehalt - erdachten Offenbarungs-Legenden eingegangen.             

 Die mit den „Erklärungen der Allgemeinen Menschenrechten“ vermeintlich u.a. allumfassend garantierte „Religionsfreiheit“ kann bei Kenntnis der offenkundigen konkreten Grundrechtsverstöße in zahlreichen religiösen Praktiken unmöglich tatsächlich schützenswertes „Allgemeines Menschenrecht“ sein. Nach den hier speziell behandelten obskuren Verirrungen der katholischen Kirche in sexuellen Angelegenheiten ist es einfach nur skandalös, wie wegen einer vermeintlich „christlich begründbaren Sündhaftigkeit“ die simpelsten Verhütungsmittel (bzw. gegen Seuchenübertragung gebotenen Schutzkondome) verteufelt werden; als Resultat erleben wir nur eine immer weitere Ausbreitung der Aids-Pandemie. Überhaupt hat - wie bereits zuvor erwähnt - die katholische Kirche ein gestörtes Verhältnis zu der uns von der Schöpfung geschenkten sexuellen Lebenswirklichkeit ein äußerst gestörtes Verhältnis. Dazu soll in weiteren folgenden Ausarbeitungen umfassenderes Material folgen. - Viel wichtiger ist es zunächst jedoch, hier auf die eigentliche unheilvolle Vorgehensweise des katholischen Klerus aufmerksam zu machen: Es der Fanatismus, der der hier vertretenen Glaubenslehre konstant zugrunde liegt. Ein unbeugsamer Fanatismus, der in Extremfällen bei religiösen Bekundungen auch hier offen zu Tage tritt.     

 Die fest verankerte Unversöhnlichkeit gegenüber jeder Abweichung von der „einzig wahren prophetischen Offenbarung“ (wie eine derartige Unversöhnlichkeit also fester Bestandteil des Islam ist), das  hatte ich bereits zuvor erwähnt: Die „konsequenten Auswüchse“ hier zur Zeit sehr konkret das Abschlachten ganzer vermeintlich ungläubiger Bevölkerungsgruppen.

 Nicht ganz so blutrünstig erleben wir bei einigen protestantischen Glaubensrichtungen einen intensiven Verwüstungsfanatismus: Die Evangelikalen mit ihren reinen Fantasievorstellungen von „absolut gebotenem Lebensschutz“ und gewalttätigen Übergriffen auf Abtreibungskliniken usw.

 Alle diese religiösen „Zerstörungsverirrungen“ werden weitgehend stillschweigend hingenommen in einer eigentlich vernünftiger Weise nicht nachzuvollziehenden uneingeschränkten Toleranzbereitschaft zu allem, was nur irgend geheiligt und vorbildhaft vergeistigt zu sein scheint: Man ist nicht bereit einzusehen, dass es hier unter dem Mantel einer vermeintlich tiefen Frömmigkeit zu den übelsten konkreten Menschenrechtsverletzungen kommt. Hier wird die klare Sicht auf die wirklich stattfindenden zerstörerischen Geschehnisse verschleiert durch des Übergewicht folgender vermeintlich uneingeschränkt gültigen humanen Gesinnung: „Der Mensch ist gut, es gilt bei all seinem Tun und Lassen die Unschuldsvermutung“. - Aber wenn dann trotz dieser generell als gültig angesehenen Auffassung die fortwährend die übelsten Unmenschlichkeiten geschehen, dann sollte das doch immerhin dazu herausfordern, diese tatsächlichen Erfahrungen ernsthaft zur Kenntnis zu nehmen und an Schutzmaßnahmen zu denken: Wo Motivationen und Gesinnungen bei jeder Art von „Gruppierungen“ erkennbar werden, die eindeutig auf Verwüstungen ausgerichtet sind, da ist im Vorwege rechtzeitig dagegen vorzugehen.

 Man mag noch so viele weitere Ursachen für gewalttätige Auseinandersetzungen aufzählen können - unbestreitbar ist religiöser Fanatismus immer ein drohender Zündfunken für Konfliktauslösungen. Und jeder religiöse Eifer hat immer das Potential für nachfolgend weitere kaum beherrschbare Konfliktausweitungen.      

 Es ist verblüffend und ernüchternd, wie sehr die Scheu vor einer Demaskierung der eindeutig auszumachenden religiös stattfindenden Zerstörungsvorgänge ganze Menschheitskulturen lähmt. Es sollte doch möglich sein, mit vernünftiger Überlegung „harmlos Religiöses“ und „gefahrvoll zerstörerisch Religiöses“ auseinanderzuhalten.

 Die nach den „Allgemeinen Menschenrechten“ vermeintlich „absolut gültige unantastbare „Religionsfreiheit“ darf bei Beachtung der oben beschriebenen Misshelligkeiten niemals als ein absolut gültiger Freibrief für jede nur immer erdenkliche „Regionspraktik“ missverstanden werden. Wenn die in dem „Menschenrechtskatalog“ konkret festgeschriebenen Grundrechte ganz eindeutig durch bestimmte religiös motivierte Praktiken empfindlich verletzt werden, dann muss hier gerade wegen der Schutzfunktion der „Allgemeinen Menschenrechte“ derartigen „Grundrechts-Verletzungen“ Einhalt geboten werden. So ist u.a. laut ARTIKEL 25 (sinngemäß) der Schutz der Gesundheit zu gewährleisten. Wenn die katholische Kirche mit ihrer verbissenen Glaubenslehre bewirkt, dass sich Aids als Pandemie über alle katholisch unmittelbar und mittelbar beeinflussten Regionen ungehindert ausbreitet, dann sollte das Anlass genug für eine Demaskierung aller zur Schau getragenen geheiligten Zeremonien mit brandgefährlicher Risikobereitschaft.   

  

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