Zurück in die Wirklichkeit

Über ziemlich sinnlose Realitätsfantastereien und einigermaßen gelungene Wirklichkeitsannäherungen

 (Stand Oktober 2016)

Inhalt

Teil I: Fantasievolle Fehloriertierungen

Einleitung

Wie durch den Nobelpreisträger Ilya Prigogine das in der gesamten Weltgeschichte bislang fehlerhafte Zeitverständnis ziemlich umfassend korrigiert wurde

Ein kurzer Rückblick auf die von mir ständig erneut vorgenommenen Orientierungskorrekturen: Herausforderungen an eine Wirklichkeitsbewältigung auch in unseren fantasievollsten Vorstellungswelten

Unsinniges Wirklichkeitsverständnis in den Relativitätstheorien

Von Beobachtungsmagie, Raumverbiegungen und der Suche nach Wirklichkeit

Über absurde Vernunftblockaden bei der Wirklichkeitserfassung

Wahre Wirklichkeitspositionierungen

 

Teil II: Unsinnige Fantasieeskapaden

Einleitung

Unergründliche Wirklichkeit und denkbares Schöpfungsgeschehen

Erläuterungen zu der Erkenntnissystematik eines gläubigen Agnostikers

Mögliche Schöpfungshypothesen

Humane Lebensentfaltung in aktuellen Auseinandersetzungen mit Radikal-Religiosität

Fantasievoll ersonnene Glaubenswelten - zumeist erschreckend lebensfremd und wirklichkeitsfern

 

Teil III: Der Grenzbereich des human Vernünftigen

Einleitung

Höhen und Tiefen in der Menschheitsentwicklung durch einerseits überzeugende Erkenntnisstärke und andererseits krankhafte Blindgläubigkeit

Gesichertes Wissen darf nicht durch Glaubensabsurditäten beeinträchtigt werden

Die Grenzen des religiös gerade noch Erträglichen am Beispiel der katholischen Christlichkeit - Gedanken über Aggressiv-Religiosität und missverstandenem Atheismus

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Teil I: Fantasievolle Fehlorientierungen

 Einleitung

 Es ist schon merkwürdig, wie sehr ein ganz bestimmter Begriff  zum Mittelpunkt einer breit gestreuten Thematik werden kann. Für die Thematik ‚zurück in die Wirklichkeit‘ ist es die ‚Zeit‘.

 Die Zeit scheint das Selbstverständlichste zu sein, womit der Mensch überhaupt zu tun hat. Und doch lassen sich zu der Zeit die fantasievollsten Vorstellungen entwickeln. Einen sehr präzisen Überblick über die grundlegend wichtigen Sachdaten zu dieser Thematik und über die in der Menschheitsgeschichte entwickelten herausragenden „Zeittheorien“ finden wir in dem Buch „ZEIT / Der Stoff aus dem das Leben ist“ von Stefan Klein (Fischer Taschenbuch Verlag 2008). Aus diesem Buch „ZEIT“ geht u.a. auch hervor, dass wir gerade in einer Epoche leben, in der zu der ‚Zeit‘ die unterschiedlichsten Anschauungsweisen vorherrschen: Demnach ist die Zeit als etwas irgendwie eigenständig Vorhandenes zu verstehen, sie kann nach verbreiteten „relativistischen Anschauungen“ sowohl vorwärts als auch rückwärts laufen, sie kann zum Stillstand kommen, kann Räume verbiegen usf.

 Ich bin auf diese Thematik gestoßen, weil ich mich überhaupt ganz allgemein damit auseinandersetzen wollte, wie sehr sich Menschen in ihrem Handeln und Verhalten auch von unbegreiflich wirklichkeitsfernen Orientierungsmöglichkeiten leiten lassen. Denn es liegen Welten dazwischen, welche tatsächlich erforschbaren Sachzusammenhänge sich zu der geheimnisvollen Zeit zusammentragen lassen und  in welchem Ausmaß auch die unsinnigsten Theorien über denkbare Zeitvorgänge als  ein ernsthaft vorstellbares Zeitgeschehen verbreitet werden.

 Ich habe vor etlichen Jahren zu allem die Überzeugung entwickelt, dass es eine eigenständig vorhandene Zeit überhaupt nicht gibt: Alles tatsächlich ablaufende Geschehen ist nur eine Folge von ständigen Augenblicksveränderungen ohne jede echte zeitliche Dauer; für den Menschen kommt die bewusste Zeitwahrnehmung dadurch zustande, dass er in seinem Inneren Wahrnehmungsvorgänge zu speichern und das so Abgespeicherte „gedanklich“ in alle nur irgend denkbaren Zusammenhänge miteinander zu verbinden vermag.    

 Die entsprechenden Überlegungen hierzu habe ich 2009 als einen Einzelbeitrag unter anderem auf meiner Webseite „Kant-Kosmos-Reales“ veröffentlicht. Die dabei entwickelten Überlegungen fanden bei „gleichfalls Interessierten“ nachfolgend unterschiedliche Einwendungen und Anregungen. Um meine Ausarbeitung zusätzlich noch weiter zu verbreiten habe ich danach zwischenzeitlich zwei Auslobungen „gestartet“ (über 5000 und über 8000 €) - darin wurde von mir ein „Gegenbeweis“ gefordert, wonach sich die Existenz der „Zeit“ als etwas eigenständig stofflich-physikalisch wirklich Vorhandenes tatsächlich nachweisen lässt. Die von mir dabei gesetzten Fristen verstrichen ohne ein nennenswertes Echo.

 Am 5. Dezember 2015 kam dann der Anstoß für eine entscheidende Vervollständigung meiner bisherigen Überlegungen zu der geheimnisvollen Zeit: Ich erhielt einen Hinweis auf die Ausarbeitungen des Nobelpreisträgers Ilya Prigogine, der sich u.a. sehr intensiv mit den tatsächlichen Zusammenhängen zu „wirklichen Zeitvorgängen“ auseinander gesetzt hatte. Anhand dieser Ausarbeitungen konnte ich meine zuvor entwickelte „Enträtselung der geheimnisvollen Zeit“ weiter vertiefen; es wurde hier jetzt eine fundierte Versachlichung möglich - eine Versachlichung, zu der mir zuvor das entscheidende Grundlagenmaterial nicht zugänglich gewesen war.       

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Wie durch den Nobelpreisträger Ilya Prigogine das in der gesamten Weltgeschichte bislang fehlerhafte Zeitverständnis ziemlich umfassend korrigiert wurde

 Ich habe 2009 mit meiner Veröffentlichung „Enträtselung der geheimnisvollen Zeit“ die Behauptung aufgestellt, dass eine „physikalisch materielle Zeit überhaupt nicht existent ist. Zeit kommt für uns nur durch „Abspeicherungsvorgänge im biologischen Bereich“ zustande, ein „eigenständig materiell vorhandenes Medium Zeit“ hat lediglich die Bedeutung einer Fiktion.

 Jetzt habe ich durch die Arbeiten von Ilya Prigogine, der 1979 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, eine Bestätigung dafür gefunden, dass ich mit meiner „Zeitenträtselung“ (wenn zunächst auch nur ansatzweise) genau den richtigen Lösungsweg für die bislang offene Zeitproblematik gefunden habe. Die näheren Einzelheiten hierzu im weiteren Verlauf.  Zunächst Einiges zu der Vorgehensweise mit der Prigogine eine entscheidende Wende in der universellen Gesamtsicht zu unserem Wirklichkeitsverständnis herbeiführte.

 Vor Ilja Prigogine gab es für das Zeitverständnis sehr umfassende Deutungsmöglichkeiten. Die prägnantesten - aber dennoch unzutreffenden Ausdeutungen - kamen in den weit verbreiteten relativistischen Denkmustern seit den von Albert Einstein erschaffenen Relativitätstheorien zustande. Dabei hatte vor allem eine von Einstein vertretene Hypothese größte Bedeutung - die Theorie nämlich, wonach „Zeit“ sowohl vorwärts als gleichermaßen auch rückwärts verlaufen kann (ein „Zeitstillstand“ war in den üblichen relativistischen Denkmustern zudem dabei nicht ausgeschlossen).

 Ilya Prigogine weist jetzt in mehreren Veröffentlichungen nach, dass diese Auffassung als ein Abbild des tatsächlichen Wirklichkeitsgeschehens falsch ist, so zuletzt in „Die Gesetze des Chaos“ (insel taschenbuch 2185, Auflage1998). Prigogine greift hierbei vor allem auf die Entdeckungen von Ludwig Boltzmann zurück. Es sind Entdeckungen, bei denen sehr entschieden die Gesetzmäßigkeiten der Entropie behandelt werden. Boltzmann entwickelt hier den Begriff des „Zeitpfeils“ - eine völlig ungewöhnliche Größe, deren Einführung mit viel Kritik verbunden war.   

 Prigogine beschreibt jetzt außerordentlich fachlich untermauert, wie sehr in unserem tatsächlichen Wirklichlichkeitsgeschehen stofflich-materielle Entfaltungen zustande kommen, die nur eine zeitliche Richtung haben: Herkommend aus der Vergangenheit (also „von etwas bereits Gewesenen her“) weiter über den jeweils gerade gegenwärtigen „Daseinszustand“ unaufhaltsam in Richtung der weiterhin möglichen folgenden Ausformungen. Das  Entscheidende bei der Vorgehensweise von Prigogine liegt darin, dass hier das tatsächlich ablaufenden Veränderungsgeschehen in seiner ganzen Bandbreite einbezogen wird. D.h. es wird aufgezeigt, dass die Auseinandersetzung mit einem zutreffenden Zeitverständnis unmöglich speziell nur auf „die Physik“ beschränkt bleiben darf.

 Das universelle Daseinsgeschehen umfasst sämtliche Bereiche, die sich wissenschaftlich erschließen lassen. Hierzu zählen also niemals nur rein physikalische Vorgänge. Sondern darüber hinaus ist auch alles das zu bedenken, was an Entwicklungsvorgängen daneben im chemischen Bereich tatsächlich abläuft. Und weiterhin zusätzlich alles, was an biologischen Ausformungen überhaupt jeder wissenschaftlichen Eingrenzung zugänglich ist. „Zeitbeschreibungen“, die sich ausschließlich innerhalb von Theoriekonstruktionen in rein physikalischen Vorstellungen bewegen, haben mit der uns umgebenden Wirklichkeit nur außerordentlich wenig zu tun.

 Und damit kommen wir zu der von mir immer wieder aufgestellten Behauptung, wonach eine „rein physikalisch-materielle Zeit“ keinerlei tatsächliche Existenz hat.    

 Die Beweisführungen von Prigogine sind verbunden mit hohem wissenschaftlichen Fachwissen und komplizierten mathematischen Berechnungen. Es ist ein Experten-Kenntnisstand, der in den entscheidenden Ansätzen von mir überhaupt nur einigermaßen zufriedenstellend nachzuvollziehen ist. Die dabei abgehandelte Gesamtproblematik „Zeit“ ist jedoch so sehr Allgemeingut, dass sich alles ziemlich Unsinnige, was hierzu jemals theoretisch entwickelt wurde, ohne weiteres als fehlerhaft entlarven lässt. Und da sind gegenüber den heute geläufigen Anschauungsweisen durchaus bedeutsame Ergänzungen und Abrundungen möglich. Wenn meine Behauptung zutreffend ist: „Zeit kommt für uns letztlich nur durch biologische  Abspeicherungsvorgänge zustande“ - so lässt sich dies nach unseren Wirklichkeitserfahrungen ziemlich überzeugend belegen.

 Denn wie gewinnen wir überhaupt unsere festen Zeitvorstellungen?

 Jedes erste Zeiterleben gewinnen wir im Laufe unserer allerfrühsten Kindheit. Wir nehmen z.B. Menschen wahr, die uns umsorgen. Wir bemerken, dass es bei der ersten festen Nahrungsaufnahme süße Köstlichkeiten aber auch widerwärtige Darreichungen gibt. Wir lernen den Rhythmus von Schlafenszeiten kennen. Wir können uns auf bestimmte Arten von Spielzeug konzentrieren usw. usf. D.h. - wenn diese ersten Erfahrungen allmählich eine immer stärkere Ausprägung gewinnen, dann kommt es uns überhaupt nicht in den Sinn, darüber nachzudenken, ob es „Zeit“ gibt oder nicht. Alles, was wahrgenommen wird, was geschieht, ist ganz einfach „ein Geschehen in der Zeit“. Die „Zeit“ wird anfänglich vom Menschen nicht erfunden, wird nicht als ein besonderes Medium zusätzlich wahrgenommen. Der Mensch wächst vielmehr mit der größten Selbstverständlichkeit in sein ganz individuelles Zeiterleben hinein.

 Besondere Gedanken über das Phänomen „Zeit“ zu entwickeln - dazu kommt es erst, wenn man mit dem üblichen Zeiterleben einigermaßen fest vertraut ist. Und jetzt beginnt das Spiel der Fiktionen: Was sich zu dem bewusst erlebten tatsächlichen Geschehen mit den Fähigkeiten des Denkvermögens weiterhin noch hinzuerfinden lässt.

 Damit kommen wir zu einem Bereich von ganz außerordentlicher menschlicher Befähigung: Der Mensch hat - je nach einer individuellen Befindlichkeit - die Fähigkeit, sich gedanklich ganz eigene Weltanschauungen aufzubauen. Das geschieht immer „eingebunden“ jeweils in gerade dem kulturellen Umfeld, in dem sich jeder Mensch durch Geburt vorfindet. D.h. - mit welchem „Zeitverständnis“ ein Mensch sein Leben ausgestaltet, das hängt ganz ganz entscheidend von dem kulturellen „Entwicklungsstand“ ab, den die Menschheit gerade in einer jeweiligen Zeitepoche „ganz regional“ erreicht hat. Deswegen darf man die Handlungs- und Verhaltensweisen der Menschen auch niemals völlig losgelöst von seinem gerade vorhandenen kulturellen Umfeld „von einer völlig abgehobenen höheren Warte her“ beurteilen wollen. Sondern die Leistungskraft, das Leistungsvermögen jedes Menschen überhaupt ist danach zu bewerten, unter welchen kulturellen Bedingungen er sich gerade „seinen Lebensweg“ bahnen musste.

 So war fast die gesamte Menschheit - ausgenommen wohl nur Heraklit - bislang zu der Zeitproblematik in der Vorstellung gefangen geblieben, die „Zeit“ sei ein irgendwie tatsächlich stofflich vorhandenes Medium. Diese Vorstellung hatte sich ganz besonders in den letzten hundert Jahren dadurch verfestigt, dass die „Zeit“ in Einsteins Relativitätstheorien eine höchste Gewichtung erfuhr. Nach meinem Kenntnisstand bin ich einer der ersten, dem die hierbei eingetretenen eklatanten Denkfehler bewusst geworden sind.

Damit kommen wir zu den bislang völlig falschen Bewertungen unseres Wahrnehmungsvermögens. Sobald man eine Wahrnehmung als eine unbedingt zutreffende Wiedergabe auch der kompliziertesten Vorgänge wertet, muss man zwangsläufig in eine „Denkfalle“ geraten. Jede menschliche Wahrnehmung hat den Schwachpunkt, dass hierbei ein bestimmter Vorgang möglicherweise nicht in seinen vollen Ausmaßen völlig exakt erfasst wird. Statt sich in derartigen Fällen dann damit abzufinden, dass die eigene Wahrnehmung nur „bruchstückhaft“ einigermaßen verwendbare Annäherungswerte liefert, wird meist die völlig andere Vorgehensweise bevorzugt: Eine selbst gefundene Deutungsmöglichkeit wird in den Rang einer allein gültigen Wahrheit erhoben. Das ist der Ausweg, über „Axiome“ (d.h. „über ohne Beweis geforderte Grundsätze“) ein in sich schlüssiges Theoriengeflecht zu entwickeln, das von eben diesen Axiomen her in sich unbedingt schlüssig ist. Eine immerhin auch mögliche „Wahrheitserprobung“ hätte dann immer in diesen Punkten anzusetzen: Welcher Wirklichkeitsbereich soll hier eine abschließende Klärung finden? Und wenn eine völlig abschließende Klärung nicht möglich ist - in welchen höchstmöglichen Annäherungswerten ist hier dann eine Klärung zu finden?               

 Eine spezielle Besonderheit bei den Fehleinschätzungen zur Zeitproblematik hat bislang viel zu wenig Beachtung gefunden: Es ist die Befähigung des Menschen, sich mit der größten Selbstverständlichkeit im Bereich der „immateriellen Realität“ zu bewegen. An anderer Stelle habe ich hierzu umfassendere Ausführungen entwickelt: Patentrechte, notariell beglaubigte Verträge, ja eigentlich jedes Schriftgut, jede erstmalig komponierte Melodie - bei allem handelt es sich um „immaterielle Realität“.   Alles geschieht durch „immaterielle, kreative Steuerungen“, die der Mensch unablässig ausübt ohne sich dieser Sachlage voll bewusst zu sein. Was tatsächlich vorherrschendes faktisches Geschehen ist und welche Ausdeutungen der Mensch ganz gewöhnlich dazu vornimmt, das kann immer auch ganz erheblich voneinander abweichen. Einfachstes Beispiel - der Sonnenstand: Es wird „der Lauf der Sonne“ im Tagesgeschehen wahrgenommen, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sind festgeprägte Eindrücke für unser „Alltagserleben“. Dass sich aber die Erde kreisend um die Sonne herumbewegt, das müssen wir uns mit „nachdenken“ immer erst in in einem zweiten Anlauf bewusst machen. So ist Vieles, was faktisch abläuft, sehr oft von einer völlig anderen Beschaffenheit, als wir es mit unserer üblichen Wahrnehmung einschätzen.

 Um hierzu das entscheidend Fehlerhafte in fast allen relativistischen Denkweisen vorwegzunehmen: Dem Begriff „Relativität“ wird seit dem Zustandekommen der Relativitätstheorien  eine höchste Bedeutung zugemessen. - Diese „formalisierte Relativität“ ist aber nur ein geistig erschaffenes Konstrukt,  „Relativität“ wird niemals erzeugt durch die Vielfalt alles überhaupt tatsächlich stattfindenden Veränderungsgeschehens. Sondern diese „formalisierte Relativität“ entsteht ganz allein durch unsere mängelbehaftete Wahrnehmungsbefähigung. Wir bezeichnen in unserer „relativistischen Denkweise“ das gesamte äußere Veränderungsgeschehen als „stets relativ zueinander ablaufend“. In Wirklichkeit geschieht aber nur das, dass  wir durch bestimmte festgelegte Beobachtungsweisen das tatsächlich faktisch ablaufende Veränderungsgeschehen in „relativistischen Verzerrungen“ wahrnehmen.

 Auf diesen entscheidenden Fehler im relativistischen Denken ist bislang kaum jemand aufmerksam geworden. Vielmehr werden und wurden im gesamten physikalischen Theoriengeflecht die bislang festgehaltenen Wahrnehmungsresultate der Wissenschaft in ziemlicher Regelmäßigkeit „axiomatisch“ als unumstößliche Ausgangsgrundlagen für alles weitere Erforschen zugrunde gelegt.

 Ich kann es nur als völlig unbegreifliche Denkverirrungen einschätzen, was auf genau diesem Weg an völlig unsinnigen „wissenschaftlich begründeten“ Anschauungsweisen zustande gebracht wird. (Hierzu verweise ich auf einige Beispiele aus meinen früheren Textausarbeitungen: Unter http://www.zeitverformungen.de/moderne_Physik.htm beschreibe ich die beiden  Raumschiffkapitäne, die sich in ihren gegenseitig aneinander vorbeifliegenden Raumkapseln jeder völlig zutreffend gleichermaßen als in einem „absolut vorherrschenden Flugruhezustand befindlich“ verstehen dürfen. Und ich erwähne den ARTE-Sendebeitrag vom 13.10.2012 „Der Stoff, aus dem der Kosmos ist“, wonach   „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren“; es geschehen hier - wirklich stattfindend - „Zeitstillstand“, „Zeitrücklauf“, „tatsächlich eintretendes Einwirken auf stoffliche Veränderungsvorgänge“ einzig durch ein unterschiedliches Beobachten von verschiedenen Positionen her…)

 Eigentlich sind es doch nur einige wenige „elementare“ Ausgangsgrößen, die den Relativitätstheorien zugrunde liegen: „Masse ist eine Form der Energie“. „Masse wächst mit der Geschwindigkeit“. „Lichtgeschwindigkeit ist eine Grenzgeschwindigkeit, die prinzipiell  nicht überschritten werden kann“… (so z.B. „Der Große Duden“ Auflage 1966).    

Die große Leistung von Albert Einstein liegt darin, dass er als Erster diese „elementaren Ausgangsgrößen“ um die Jahre 1914 bis 1916 zu einem schlüssigen „Gesamtkonzept“ zusammengefügt hat - eine gigantische Leistung, wie sie zuvor noch niemandem zur Lösung der „Michel-Morleyson-Problematik“ gelungen war (- bei dem zugrundeliegenden „Michel-Morleyson-Versuch“ ging es darum - verkürzt gesagt - die „Äther-Theorie“ einer erneuten Erprobung zu unterziehen bzw. die generelle Unbeeinflussbarkeit der Lichtgeschwindigkeit abzuklären).

Einstein hat bei allem jedoch - unnötiger Weise, wie ich behaupte - die „Zeit“ als einen festen Bestandteil in seine Relativitätstheorien eingebaut - und zwar mit der Besonderheit: Wie eine bedeutsame eigenständige physikalische Größe! Damit war diesen Theorien aber auch etwas nur in reiner Fiktion Existierendes hinzugefügt, wodurch das gesamte nachfolgende „relativistische Denken“ in völlig überflüssige Komplikationen und in Unverständlichkeit hineingeriet.

Insbesondere an dem Begriff der „Raumzeit“ der Allgemeinen Relativitätstheorie lässt sich aufzeigen, wie hier ein fehlerhafter Denkweg eingeschlagen wurde. - Die damals geschehene Entdeckung „Masse ist eine Form der Energie“ wurde von Einstein völlig zutreffend so gedeutet, dass es generell keinen Unterschied darin gibt, ob eine „Masse“ bei Veränderungsvorgängen die Auswirkungen von „Schwerkraft“ hat, oder ob sie lediglich die „Flieh-Geschwindigkeiten“ beeinträchtigt: In beiden Fällen wird eine vorhandene „Bewegungsenergie“ gleichermaßen „abgebremst“ zugunsten eines „Masse-Anwachsens“. Einstein hat hieraus jetzt - wiederum verkürzt gesagt - eine „Raumkrümmung“ abgeleitet. Gerade das ist aber wieder nur eine reine Fiktion. Denn bei allem haben wir es ja nur damit zu tun, dass ein vorhandener schwerer Körper die Fliehkraft eines vorbeieilenden „leichten Körpers“  beeinträchtigt. Es handelt sich in diesem Fall vor allem um die immer wieder untersuchte Photonenablenkung in kosmischen Dimensionen in der Form eines abgelenkten Lichtstrahls bei Annäherungen an massereiche Himmelskörper.

Das ist jedoch - wie ich behaupte - keine „Raumkrümmung“, sondern das ist nur ein ganz einfaches „übliches Masse-Energie-Beeinflussungsgeschehen“, wie es hier lediglich als eine ganz spezielle Erscheinungsform in den unablässig ablaufenden Veränderungsvorgängen im gesamten materiellen kosmischen Bereich in Erscheinung tritt.  

 Um diese Zusammenhänge genauer zu erläutern wäre eingehender auf zahlreiche Fehlentwicklungen im gesamten modernen Theoriengeflecht der modernen Physik einzugehen. Das soll gesondert in weiteren Ausarbeitungen geschehen. Hier kommt es zunächst nur darauf an, die entscheidende, von Ilya Prigogine aufgedeckte Fehlerquelle in Sachen „Zeit-Irrtum“ bis zu den letzten Ursprüngen hin einzugrenzen.     

Ilya Prigogine hat den Nachweis erbracht: Eine eigenständig vorhandene Zeit in der Form von möglichem „Zeitstillstand“ oder auch von „Zeitumkehr“ gibt es nicht. „Zeit“ muss vielmehr entschlüsselt werden anhand des Phänomens eines „Zeitpfeils“, bei dem sich alles Geschehen ständig von Vergangenem her über einen gerade erreichten gegenwärtigen Zustand  in Richtung von etwas Zukünftigem bewegt.

 Damit ist ein gewaltiger Umbruch in dem gesamten Bereich all dessen geschehen, was wir überhaupt nur gedanklich bewältigen können. Prigogine dokumentiert wieder einmal, dass es ziemlich unsinnig ist, sich gedanklich in Vorstellungswelten zu verirren, die außer „Fiktion“ keinen weiteren Wirklichkeitsgehalt haben. Dem Menschen sind keinerlei Grenzen gesetzt, wenn er seine Fantasiebefähigung völlig ansatzlos ausleben will. Er kann dann Anschauungsweisen entwickeln die absolut konfus sind und außer der Urheberschaft durch die „Fantastereien“ eines einzelnen Menschen keinerlei sonstigen auch nur irgendwie begründeten Halt haben.  

 Wie auch dieses Phänomen bestimmter menschlicher Verhaltensweisen wissenschaftlich sehr präzise „analysiert“ werden kann, darauf bin ich in mehreren Textausarbeitungen immer wieder eingegangen mit Verweis auf das Buch von Oliver Sacks „DRACHEN, DOPPELGÄNGER UND DÄMONEN / Über Menschen mit Halluzinationen“ (Rowohlt 2013).

Kurz: Wenn der Mensch im gesamten kosmischen Umkreis das einzige Wesen ist, das zu dem materiell-stofflich Vorhandenem mit Erkenntnisvermögen gewisse entscheidende Zusammenhänge zu erkennen vermag, dann sollte er diese Befähigung auch voll ausschöpfen. Und sich dabei nicht von den dabei nebenher immer möglichen Fantastereien beirren lassen; derartige Fantastereien sind immerhin bis ins völlig Uferlose möglich „ohne jeden Sinn und Verstand“. Vor dieser Orientierungsrichtung sollte man sich bewahren.

 Meinen Ausflug in die Gefilde der Physik habe ich anfänglich gestartet, weil ich in Erfahrung bringen wollte, wie unsere Daseinswirklichkeit tatsächlich beschaffen ist, in der ich mich mit meinem „Hineingeborenwordensein“ einfach vorfinde. Diese Vorgehensweise einfach als „philosophisch“ zu bezeichnen, lehne ich ab. Denn auch die „Philosophie“ gehört heute zu den geistigen Betätigungsfeldern, auf denen so ziemlich jede „Denkausuferung“ üblich ist. Wenn schon „Philosophie“ - dann allenfalls etwa „Naturphilosophie“, damit ein konkreter Wirklichkeitsbezug gewahrt bleiben muss. Ich nenne meine eigene Orientierungsweise „Denkpragmatik“.

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Ein kurzer Rückblick auf die von mir ständig erneut vorgenommenen Orientierungskorrekturen: Herausforderungen an eine vernünftige Wirklichkeitsbewältigung auch in unseren fantasievollsten Vorstellungswelten

 Warum ein „vorangestellter Rückblick“? - Weil ich erst nach etlichen Jahren bei der ständig gedanklichen Auseinandersetzung mit grundlegenden Lebensfragen endlich doch noch auf einen entscheidenden „Wendepunkt“ gestoßen bin; ich konnte mir hier endlich das Material aneignen, mit dem alle meine bisherigen Ausarbeitungen einen gesicherten Abschluss fanden. Dazu jetzt noch einmal ein Rückblick auf einige der bedeutsameren Entwicklungen.  

 Ein Leben lang habe ich mich u.a. auch damit beschäftigt, zu allen tatsächlich ablaufenden Daseinsvorgängen die möglichen letzten Ursprünge ausfindig machen zu wollen. Daraus entstand als ein erstes größeres Gesamtprojekt 1975  die Abhandlung „Über die Realität des Transzendenten  / Transzendensdenken in der Konfrontation mit den Ergebnissen der Naturwissenschaft(ZEITSCHRIFT FÜR THEOLOGIE UND KIRCHE, 72. Jahrgang 1975 Heft 1, J.C.B MOHR, TÜBINGEN). Aber mit dem Start in dieses „Gesamtprojekt“ wurde mir dann auch sehr bald klar, in einem wie viel größeren Umfang ich mich in das gesamte Sachwissen vertiefen musste, das mit mit der zugehörigen Gesamtthematik verbunden war.

 Zu allem, was ich in diesem Zusammenhang als Antwortmöglichkeiten fand, gab es  dann aber auch neue Fragen für weitere Auseinandersetzungen mit immer wieder noch ungelösten Problemen. Immer war es dabei aber ständig mein Bestreben, unbedingt auf einem „sachlich gesicherten Grundwissen“ aufzubauen.

 2008 und 2009 nutzte ich dann erstmals die Möglichkeiten, die sich für  Textausarbeitungen durch einen eigenen Internetzugang ergeben. Ich veröffentlichte damals eine erste eigene Textsammlung auf meiner Webseite „Kant-Kosmos-Reales“.

 Es kristallisierten sich dabei einige Schwerpunktthemen heraus, mit denen ich mich dann besonders intensiv auseinandersetzte. Eines dieser Themen war „das Wesen der Zeit“. An der Bewältigung dieser Thematik lässt sich „beispielhaft“ aufzeigen, wie sehr ich in entschiedener Sachorientierung meinen ganz eigenen Weg ging.

Mit den Textfertigungen auf einer eigenen Webseite taten sich insgesamt derart viele Möglichkeiten zur Auseinandersetzung mit überhaupt zahlreichen  weiteren grundlegenden Themenbereichen auf, dass ich für eine überschaubarere Gliederung in den Folgejahren diese weiteren Webseiten einrichtete: „Sternenstaub-Verwandlungen“, „Sternenwelten-Herkunft“ und „Zeitverfomungen“. Unter „Zeitverformungen“ bin ich dann am intensivsten an die Klärung grundlegender Sachfragen herangegangen.

 Mein Hauptinteresse blieb aber stets die Zeitproblematik. Es ergaben sich bei meinen bisherigen Lösungsversuchen Kontaktmöglichkeiten auch zu anderen Interessierten, die sich gleichfalls eingehender mit der rätselhaften Zeit beschäftigten. Immer wieder erlebte ich hier aber doch auch eine gewisse Skepsis, wenn es um meinen entscheidender Lösungsansatz ging: „Zeit existiert als die bekannte physikalische Größe überhaupt nicht, da sämtliche bekannten Veränderungsvorgänge nur als ein fortwährendes Augenblicksgeschehen vorhanden sind“.

 Im Dezember 2015 wurde mir dann erstmals bewusst, dass es in meiner ursprünglich 2009 veröffentlichten „Zeitenträtselung“ doch eine ganz entscheidende Ungenauigkeit gab. - Ich hatte bislang immer wieder nur meine entscheidende Erkenntnis herausgestellt, dass jedes Verändern eben einfach nichts anderes als ein nur vorübergehendes Augenblicksgeschehen ist: „Der abgefeuerte Schuss bleibt unaufhaltsam abgefeuert“. „Das gesprochene Wort lässt sich unmöglich völlig auslöschen…“.   

 Jetzt allerdings begriff ich - diese Aussage ist einfach viel zu „abstrakt“, als dass sie sich überzeugend zu einer umfassenden Wiedergabe des tatsächlichen Wirklichkeitsgeschehens eignete. Denn auch in jedem „Augenblicksvorgang“ ereignet sich ganz konkret „doch unbedingt einiges mehr“ als es sich in einer nur irgendwie abstrakt beschriebenen Veränderung wiedergeben lässt. Diese Einsicht hatte ich einem Hinweis auf das Schaffen von Ilya Prigogine zu verdanken. Dieser Hinweis auf die umfassenden Arbeiten und Entdeckungen von Ilya Prigogine war der außerordentlich glückliche Umstand, durch den ich mir für mein gesamtes bisheriges Arbeiten eine äußerst solide Basis aneignen konnte. - Ich wurde am fünften Dezember 2015 auf das Werk von Ilya Prigogine aufmerksam gemacht. Die darin von Prigogine entwickelten Erkenntnisse konnte ich nutzen, um meine gesamten bisherigen Denkansätze schlüssig zu vervollständigen.

 Und in diesem Zusammenhang gab es dann auch noch einen ein weiterer wichtigen Hinweis, um für mein Bestreben von „Wirklichkeitsannäherungen“ klarere Begriffsbestimmungen zu gewinnen. Der Ausgangspunkt hier: Es musste immer zu Verstehensschwierigkeiten führen, wenn für beliebige „Daseinsinterpretationen“ die eher etwas diffusen Begriffe „Realität“ und „Wirklichkeit“ in einer Art von Gleichwertigkeit verwendet werden. Nils Bohr hat hierzu eine eindrucksvolle Klärung vorgenommen (sinngemäß in etwa): „Realität“ ist das von uns als bloße gedankliche Vorstellungen Gewonnene, es muss niemals zugleich auch ‚wirklich‘ sein. „Wirklichkeit“ dagegen ist das tatsächlich objektiv Vorhandene; wir können es zu verstehen suchen aber niemals tatsächlich in seinem ganzen Umfang erfassen.

 Ab dem fünften Dezember 2015 habe ich dann meine gesamten bisherigen Ausarbeitungen unter Berücksichtigung dieser zusätzlichen Orientierungsmöglichkeiten fortgeführt. Es war dabei geradezu unvermeidlich, dass sich nach der neuen Erkenntnislage häufiger auch Wiederholungen zu den dazu gewonnenen Themenbereichen ergeben. Dieses gelegentliche „Auftauchen von Wiederholungen“ muss hingenommen werden.

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Unsinniges Wirklichkeitsverständnis in den Relativitätstheorien

Bei den Natur- und Geisteswissenschaften gibt es die Eigenart, dass sich der eigene Interessenansatz meist genau in den Grenzen bewegt, die mit dem eigenen Forschungsbereich übereinstimmen. Das hat zur Folge, dass der zugehörige Wissensbereich immer wieder auch speziellen Beschränkungen und Einschränkungen ausgesetzt ist.

Als ein Beispielsfall der berufliche Werdegang von Francis Crick, wie er in „Mein Leben“ (Rowohlt 2015) von Oliver Sacks beschrieben ist. Unter „Ein neues Verständnis des Geistes“ findet sich diese Schilderung (Seite 402, „stichwortartig“): Francis Crick hatte seinen Bachelor in Physik gemacht und später über ein bestimmtes Thema in physikalischer Chemie promoviert. Dann erst, in seinen Dreißigern in einem Alter, wo die meisten Forscher fest verankert sind in dem, was sie tun - , erlebte er eine Verwandlung, eine ‚Wiedergeburt‘, wie er sie später nennen sollte, und wandte sich der Biologie zu. In seiner Autobiographie Ein irres Unternehmen spricht er über den Unterschied zwischen Physik und Biologie (weiterhin stichwortartig - und hier auch nur sinngemäß): Die natürliche (biologische) Auslese baut fast immer auf dem auf, was bereits vorhanden ist, so  dass ein im Grunde einfacher Prozess durch vielerlei hinzukommende Spielereien kompliziert wird… Die Grundgesetze der Physik lassen sich im allgemeinen in exakten mathematischen Formeln ausdrücken, und wahrscheinlich haben sie für das gesamte Universum Geltung. Und jetzt dagegen die „Gesetze“ der Biologie? - Sie sind im Gegensatz zu den „Grundgesetzen der Physik“ oft nichts weiter als weitreichende Verallgemeinerungen, da sie ziemlich ausgeklügelte Mechanismen beschreiben, die sich in Jahrmilliarden mittels der natürlichen Auslese entwickelt haben… Ich persönlich hatte bis zu einem Lebensalter von über dreißig nur wenig Ahnung von Biologie - außer in einem sehr allgemeinen Sinne - , da ich zuerst Physik studiert hatte. Ich brauchte einige Zeit, um mir die ganz andere Denkweise, die die Biologie erfordert, anzueignen. Es war fast so, als müsste man neu geboren werden…

Mit dem, was ich hier fast wörtlich zitiere, sollte man die überaus unterschiedliche „Wirklichkeitssicht“ in verschiedenen Wissenschaftsbereichen genau zur Kenntnis nehmen: „Biologie“ ist immer ein gezieltes Bemühen in Richtung einer weitgehend faktisch gelungenen Wirklichkeitsannäherung. „Physik“ dagegen zielt vordringlich speziell auf die gedankliche Entwicklung von Theorien, bei denen ein tatsächlicher Wirklichkeitsbezug jedoch nur von sehr eingeschränkter Bedeutung ist: Die „physikalischen Theorien“ werden sehr abstrakt nur als reine Fiktionen entwickelt. Die Aussagen, die dabei gemacht werden, können weit entfernt von den tatsächlich praktischen Anwendungsmöglichkeiten liegen. - Im allgemein verbreiteten „Wissenschafts-Verständnis“ werden die nur abstrakt gültigen physikalischen Theorien im Regelfall jedoch „völlig unkritisch“ auf die gewohnten Daseinsabläufe als ein vermeintlich tatsächliches Wirklichkeitsgeschehen übertragen.

 Mit meiner Ausarbeitung zu Ilya Prigogine mache ich sehr entschieden darauf aufmerksam, dass wir es bei den theoretisch physikalischen Fiktionen mit einer geradezu epochal fehlerhaften Vorgehensweise zu tun haben - nämlich mit dem Abgleiten in „spezielle wirklichkeitsferne Fiktionen“. Prigogine dagegen kennt gewissermaßen als etwas Naheliegendes nur eine Einheit der Wissenschaft. Er ist zwar auch mit den „ Spezialisierungen in der theoretischen Physik“ vertraut. Aber was hier (in der theoretischen Physik) geschieht, das klammert er aus - gewissermaßen als ein fernes Elfenbeinturm-Geschehen.       

 Ilya Prigogine, Oliver Sacks und Francis Crick sind unvergessene namhafte Wissenschaftler, die in bestimmten Fachbereichen höchst bedeutsame Forschungsresultate über einige der letzten Entstehungsgründe für das Zustandekommen unserer Daseinswirklichkeit erbrachten. Ilya Prigogine entdeckte mit seinen Untersuchungen die Sachlage, dass auch bei irreversiblen Prozessen geordnete Strukturen entstehen können (hierfür 1977 mit dem Nobelpreis für Chemie ausgezeichnet). Oliver Sachs hat den Ruf, der berühmteste Neurologe der Welt zu sein. Francis Crick entwickelte zusammen mit J.D. Watson das räumliche Modell der DNS (mit Watson und M.H.F. Wilkins 1962 Nobelpreis für Medizin).

 Wenn ich jetzt gerade eben erst Francis Crick mit den Passagen über die „Grundgesetze der Physik“ und den exakten mathematischen Formeln als „gültig im gesamten Universum“ zitiere - und daneben „die Gesetze der Biologie“ erwähnt finde in der Einschätzung, sie seien oft nichts weiter als „weitreichende Verallgemeinerungen zu den biologischen Entwicklungen in natürlicher Auslese über Jahrmilliarden“, dann wird gerade damit die eklatant unterschiedliche Vorgehensweise bei einerseits vor allem der theoretischen Physik und andererseits einer äußerst faktenorientierten naturwissenschaftlichen Forschung deutlich erkennbar.

 Es sind die überaus unterschiedlichen „Forschungsresultate“, an denen sich die Zuverlässigkeit bei dem Wirklichkeitsverständnis in den Relativitätstheorien einerseits und den „faktenorientierten Naturwissenschaften“ andererseits messen lassen müssen.

 Hierfür ein bedeutsames Beispiel. Für Einstein ist die „Zeit“ ein irgendwie auf besondere Weise wirksames Medium, das sowohl vorwärts als auch rückwärts laufen kann (in „relativistisch denkenden Fachkreisen“ sogar befähigt zu völligem Stillstand); nach Einstein werden durch die „Zeit“ unter bestimmten Voraussetzungen auch Räume verbogen; es kommt zu dem Begriff einer alles beherrschenden „Raumzeit“. - Ilya Prigogine dagegen erforscht das tatsächlich ablaufende Veränderungsgeschehen und erbringt den Nachweis, dass sämtliche „zeitlichen Vorgänge“ gewissermaßen völlig identisch sind mit jedem einzelnen tatsächlich ablaufenden Veränderungsvorgang; es gibt keine „für sich selbst eigenständig vorhandene Zeit“, es gibt in dem insgesamt ablaufenden „Zeitfluss“ niemals eine „Zeitumkehr“, die alles Geschehen auch einmal „rückwärts laufen lassen könnte“.  

 Man gerät also unweigerlich dann auf einen Irrweg, wenn man bedenkenlos alle theoretischen Folgerungen so übernehmen wollte, wie sie erstmals von Albert Einstein aufgestellt wurden. Ein krasses Beispiel hierfür ist eben die „Zeit“. Die „Zeit“ darf eben niemals exakt so verstanden werden, wie sie von Einstein aufgefasst wurde - alles unter der Voraussetzung, dass man sich an einer weitgehend zutreffenden naturwissenschaftlichen Wirklichkeitsannäherung orientieren möchte, um nicht mit dem Risiko leben zu müssen in nur imaginäre Realitätsfiktionen abzugleiten.

 Eine ähnliche krasse Fehleinschätzung der wirklichen Daseinszusammenhänge hatte ich zuvor auch schon kurz gestreift. Es ist das völlig unsinnige Paradigma von einem „tatsächlich vorhandenen Ruhepunkt“ im gesamten universellen Veränderungsgeschehen. Das geläufige Axiom hierzu „jeder Beobachter darf sich selbst als völlig ruhend einschätzen“ hat sich so sehr in das gesamte relativistische Denken eingefressen, dass jeder Zweifel hieran nur hochgradige Naivität zu sein scheint. Und doch ist dieses Axiom, das bei ganz speziellen theoretischen Voraussetzungen ggf. äußerst selten anwendbar sein mag, in der heute immer noch verbreiteten (und seit langem gültigen) Form absolut irreführend. Sämtliche darauf bezogenen Folgerungen führen bei konsequenter Anwendung zu den absurdesten Resultaten - gemessen an den wirklichen Daseinsabläufen.   

 Eine Erklärung für dieses „extrem anhaltende Theorie-Abirren konsequent gegen das tatsächlich ablaufende Wirklichkeitsgeschehen“? Man muss die Erklärung wohl darin zu finden suchen, dass die Wende ins zwanzigste Jahrhundert für die Wissenschaft eine ungeheure Herausforderung bedeutete. Das gesamte völlig neu erforschte Wissensmaterial ließ sich kaum bewältigen, wenn man sämtliche bislang gültigen physikalischen Gesetzmäßigkeiten damit völlig in Einklang zu bringen suchte. - Aber damit zugleich dann auch die Verwendung der bislang gültigen Gesetzmäßigkeiten völlig außer Kraft setzen wollen? Kaum jemand war dazu bereit. (So hatte z.B. Max Planck eine Lösung für das völlig unerklärliche Strahlungsverhalten von „schwarzen Körpern“ gewissermaßen nur mit einem Kunstgriff gefunden: mit der Prognose einer bislang nicht für möglich gehaltetenen Zusatzgröße, des Wirkungsquantums h.) 

 Albert Einstein hat für die Entwicklung seiner Relativitätstheorien ziemlich konsequent auf die bislang gültigen „Grundgesetze der Physik“ zurückgegriffen, auch wenn diese bei einer aktuellen Wirklichkeitssicht schon längst nicht mehr im vollen Umfang unbedingt zutreffend waren. 

 Hier ein Überblick: Die spezielle Relativitätstheorie (kurz SRT) ist eine physikalische Theorie über die Bewegung von Körpern und Feldern in Raum und Zeit. - Aus dem „Relativitätsprinzip“ folgt insbesondere, dass es keinen absoluten Raum und keine absolute Zeit gibt. Stattdessen hängen Längen und Zeiten (entsprechend der Lorentzkontraktion und der Zeitdilatation) vom „Bewegungszustand des Betrachters ab“ (Kurzfassung nach Wikipedia).

 Diese Hypothese ist ein aus älteren „Realitätsvorstellungen“ rein geistig ersonnenes Konstrukt. Sie findet keinerlei Bestätigung durch irgendwelche tatsächlich vorhandenen Daseinsgegebenheiten. Alle in der Literatur hierzu verbreiteten Beispiele zeigen bei näherer Betrachtung eklatante Schwachstellen auf. Kernpunkt ist hier immer der „Betrachter“. Aber ungeachtet der entscheidenden Frage, „wieso Längen und Zeiten tatsächlich überhaupt jemals vom Bewegungszustand des Betrachters abhängen können“ ist doch auch von Bedeutung, welche Fähigkeiten oder Unfähigkeiten jeder einzelne Betrachter bei seinen Beobachtungen beweist.

Die größte Unfähigkeit in diesem Zusammenhang wird dann offenbar, wenn ein „Beobachter“ entgegen jeder naheliegenden Wissensmöglichkeit über die tatsächlichen Zusammenhänge einfach nur solchen Fiktionen nachhängt, die mit dem faktisch ablaufenden Wirklichkeitsgeschehen völlig unvereinbar sind. Das beste Beispiel hier ist der in der Literatur immer wieder erwähnte Raumflugkapitän, der - ganz allein in seiner „Flugkapsel“ - bei seinem Aufenthalt irgendwo im Universum die Überzeugung hat, er befinde sich mit seinem Raumfluggerät in einem Zustand absoluter Ruhe. - Das ist an Uneinsichtigkeit kaum zu überbieten. Nichts im gesamten Kosmos befindet sich in einem Zustand „von unbeweglicher Ruhe“!Jeglicher Geschehensablauf ist auf irgendeine Art in Bewegung. Und alles nur in der wahrnehmbaren Wirklichkeit Vorhandene ist Teil der gesamten tatsächlich stattfindenden stofflich-materiellen Veränderungsvorgänge. Ich hatte kurz zuvor bereits auf das völlig unsinnige Paradigma von einem „tatsächlich vorhandenen Ruhepunkt“ im tatsächlichen Daseinsgeschehen hingewiesen. - Ein Raumflugkapitän z.B., der sich unbeirrbar in derartige Paradigmen verrennt, wäre für die Raumfahrt absolut ungeeignet. 

 Erwähnt sei in diesem Zusammenhang auch das in der Literatur immer wieder angeführte Beispiel eines Fahrgastes in einem völlig geräuschlos und erschütterungsfrei dahinfahrenden Zug. Auch bei dieser Sachlage - so das Beispiel - soll es dem Fahrgast unmöglich sein, die eigene Situation bezüglich eines möglichen Fahrgeschehens zutreffend einzuschätzen: Bewegt sich der Zug oder befindet er sich im Stillstand? Und wenn ein zweiter Zug scheinbar vorbei gleitet - welcher von den beiden Zügen bewegt sich dann tatsächlich? In der Überzeugung, dass sich der eigene Zug nicht fortbewegt (denn eine derartige Bewegung ist für den Fahrgast ja unmöglich wahrzunehmen) kann sich für den Beobachter „unwiderlegbar“ nur der fremde Zug in Bewegung befinden! - Die Besonderheit des „Relativitätsprinzips“ jetzt: Auch der Fahrgast in dem „fremden Zug“ kann für sich selbst unbedingt nur genau dieselben Beobachtungen machen und genau dieselben Schlüsse daraus ziehen! In der Literatur enden Beispiele dieser Art dann in dem Resümee, dass jeder Beobachter in einer derartigen Situation unbedingt recht hat: Das eigene Vorhandensein ist stets eine völlig unbewegte Ruhesituation, alles „Fremdgeschehen“ muss darauf bezogen ein dortiges eigenständiges Veränderungsgeschehen sein!

 An diesem „Relativitätsprinzip“ wird jetzt seit rund hundert Jahren unbeirrt festgehalten. Einsteins Relativitätstheorien sind unauflöslich damit verknüpft. Es ist bei vernünftiger Abwägung jedoch einfach nur als unsinnig zu bewerten, was mit diesem Theorienkonstrukt zu einem Bestandteil des gesamten heutigen Wissenschaftsbestands wurde.

 Nun mag es hier sofort die Einschätzung geben, ich würde mich so einer Bewertung doch wohl auf sehr dünnem Eis bewegen. Denn es sei doch kaum anzunehmen, dass nach allem - wie sehr sich Einsteins Relativitätstheorien bislang bewährt haben - jetzt auf einmal ernsthaft von „unsinnig“ die Rede sein soll.

 Ich habe mich mit der gesamten Sachlage intensiv auseinandergesetzt auf meinen Webseiten „Zeitverformungen“. Darin dann die abschließende Ausarbeitung „Die moderne Physik - unbegreiflich fern dem tatsächlichen Naturgeschehen / Eine kritische Versachlichung zu den aktuell weit verbreiteten relativistischen Orientierungen“ (33 Seiten; http://www.zeitverformungen.de/moderne_Physik.htm).

 Hier jetzt einige entscheidende zusätzlichen Gesichtspunkte:

 Gerade bei dem Beispielsfall Eisenbahnfahrt lässt sich eine generell entscheidende Schwachstelle im Relativitätsprinzip aufzeigen: Der Fahrgast wartet vernünftigerweise doch erst einmal ab, ob nicht irgendwann ein fester Orientierungspunkt ins Blickfeld kommt. D.h. - was für jeden aufmerksamen Beobachter selbstverständlich sein müsste: Er sucht sich über die tatsächliche Sachlage Gewissheit zu verschaffen. 

Die zuvor erwähnten Fallbeispiele sind als besonders passend zu dem Relativitätsprinzip gewählt worden: Damit, dass hier alles auf eine „Nichtüberprüfbarkeit“ der tatsächlichen Zusammenhänge in ganz bestimmten Situationen gesetzt wird, ignoriert man wesentliche Merkmale einer wissenschaftlichen Vorgehensweise. Denn eigentlich sollten bei derart mehrdeutigen Situationen mit etwas echter Wissbegier doch alle nur irgend denkbaren Lösungsmöglichkeiten erprobt werden…

 Grundsätzlich verdient hier allerdings vor allem dieser Umstand unbedingt Beachtung: Die „Beobachtungsfähigkeit des Menschen“ selbst ist ziemlich unzuverlässig. Ich vertiefe mich gerade in „Was die Seele wirklich ist / Die naturwissenschaftliche Erforschung des Bewußtseins“ von Francis Crick (rororo science 1997). Crick entwickelt hier mit bewundernswerter Gründlichkeit, wie es dem Menschen unmöglich ist, mit seinen Sinnen und dem Einsatz seiner Hirntätigkeit ein vollkommen exaktes Bild von der Wirklichkeit zu gewinnen. D.h. - selbst wenn er sich der Mühe unterziehen wollte, ernsthaft und mit aller Intensität in sorgfältiger wissenschaftlicher Forschung eine genaue Vorstellung vom Wirklichkeitsgeschehen zu gewinnen, so muss das doch in allerletzter Genauigkeit dennoch misslingen. Ganz einfach deswegen, weil die Sinnesorgane von vornherein immer schon eine speziell besonders menschengeeignete Wiedergabe aller Eindrücke an das Hirn „abliefern“. Und weil das Hirn darauf vorprogrammiert ist, alle eingehenden Sinneseindrücke sehr speziell für eine optimale menschliche Nutzung aufzubereiten. Allein schon bei Berücksichtigung dieser naturgegebenen „Beobachtungsschwachstellen“ kann für das Relativitätsprinzip unmöglich davon ausgegangen werden, der Mensch sei tatsächlich ein überhaupt geeigneter Beobachter für das Gewinnen von wahren Wirklichkeitszusammenhängen (bestenfalls sind hier immer nur höchstmögliche Wirklichkeitsannäherungen erreichbar). Der Mensch kann also allein schon „rein anatomisch“ niemals ein exaktes Wirklichkeitsverstehen erzielen; deswegen ist es bereits aus diesem Grund unmöglich, den Beobachter „Mensch“ zum Fixpunkt für z.B. alle stattfindenden Veränderungsvorgänge machen zu wollen. Wenn sich dazu dann noch die beschriebene „Beobachtungsblindheit“ hinzu gesellt, wie sie uns exemplarisch als gewollte Vorgehensweise nach dem Relativitätsprinzip empfohlen wird, dann muss die „relativitische Vorgehensweise“ zu offenkundig unsinnigen Schlussfolgerungen führen.         

 Albert Einstein hat sich damit abgequält, die bis zum Übergang ins zwanzigste Jahrhundert neu entdeckten Forschungsresultate zu einem schlüssigen Ganzen zusammenzuführen - und diese „Aufgabenstellung“ dann in voller Übereinstimmung mit den bis dahin „etabliert  gesicherten“ (scheinbar dogmatisch unbedingt gefestigten) Theorien.  

 Was ist dabei herausgekommen?

 Einstein hat als erster und einziger eine vollständig schlüssige „Faktensystematik“ unter Berücksichtigung (fast) aller neu entdeckten Forschungsresultate entwickelt (die Quantenmechanik blieb allerdings ein Problembereich, der bei der gesamten „Faktensystematik“ einiges dauerhaft anhaltende Kopfzerbrechen bereitete).   

 Um aber die überkommenen „etabliert gesicherten“ Theorien mit der von ihm entwickelten „Faktensystematik“ in eine Übereinstimmung zu bringen hat Einstein auf den Kunstgriff „zusätzlicher Überbau von Theoriefiktionen“ zurückgegriffen. D.h.

zu den bislang (scheinbar) bewährten Axiomen in den Bereichen „Zeit“, „Raum“, „Veränderungsgeschehen“ usw. hat Einstein mit reinen „Theoriefiktionen“ einen „Überbau von Relativitätstheorien“ erarbeitet und diesen zu seiner absolut zutreffenden „reinen Faktensystematik“ zusätzlich hinzugefügt.

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Von Beobachtungsmagie, Raumverbiegungen und der Suche nach Wirklichkeit

 „Zurück in die Wirklichkeit“ - ich hatte mich gerade darin vertieft, unter diesem Titel zahlreiche der von mir gesammelten Erkenntnisse in einer abschließenden Zusammenfassung zu vervollständigen, da erhielt ich am 10. Juni 2016 als Posteingang von meinem ständigen Denkkontrahenten Hans Scheibner die Ausgabe: „Spektrum DER WISSENSCHAFT SPEZIAL 2/16 - Vom Atomkern bis zum Kosmos / Wie die seltsamen Gesetze der Quantenwelt unsere Wirklichkeit formen“.

 Mein ständiger Denkkontrahent meinte, es könne nicht verkehrt sein, bei der jetzigen Zusammenfassung meiner Erkenntnisse auch den jüngsten Stand der Literatur zu der gesamten aufgegriffenen Thematik zu berücksichtigen.

 Ich fühlte mich zunächst bei meiner gerade begonnenen Suche nach grundlegenden Zusammenhängen völlig aus dem Konzept gebracht. Denn wie sollten die jetzt angebotenen wissenschaftlichen Theorien über die „Ausformungen unserer Wirklichkeit nach den Gesetzen der Quantenwelt“ jemals in irgendwelche Annäherungen mit meiner Ausarbeitung „Zurück in die Wirklichkeit“ zu bringen sein?

 Aber dann habe ich doch den Schlüssel gefunden für einen ganz eigenen Einstieg.

 Das entscheidende Kriterium für irgendeine überhaupt sachgerechte Stellungnahme ist ja die Bedeutung der „Wirklichkeit“: Was sollen wir unter „Wirklichkeit“ nach dem  darin vorauszusetzenden wahren, sachlichen Gehalt verstehen? Diese Frage stellt sich vorweg, weil der Begriff „Wirklichkeit“ bei der allgemein verbreiteten Anwendung doch in einer oft ziemlich diffusen Bedeutungsfülle vorkommt. „Wirklichkeit“ wird regelmäßig gleichgesetzt mit z.B. „Realität“. Weiterhin: „Realität“ wiederum wird allem zugeschrieben, was nur irgend überhaupt einen Anschein von „Wirklichkeit“ hat. Und bei Festlegungsversuchen darauf, was denn etwa „wahre Wirklichkeit“ sein könnte, tut sich dann wieder die kaum zu beantwortende berühmte Frage auf: „Was ist Wahrheit?“.

 Die „Ausformung unserer Wirklichkeit durch die seltsamen Gesetze der Quantenwelt“ muss also von vornherein etwas Ungewisses bleiben, weil gar nicht exakt auszumachen ist, was man unter „Wirklichkeit“ zu verstehen hat.

 Soweit ich in der Vergangenheit bei diesem gesamten Fragenbereich immer einige Verstehensschwierigkeiten hatte, gab es für mich durch einen Hinweis auf diese Begriffs-Festlegung von Niels Bohr letztlich doch einen zuverlässigen Durchblick. Bohr verweist auf die gravierenden Unterschiede zwischen den geläufigen Vorstellungen von „Realität“ und den niemals vollständig zu bewältigenden Erkenntnissen von „Wirklichkeit“: „Es gibt zwischen Wirklichkeit und  Realität einen ganz gravierenden Unterschied. Wirklichkeit ist das objektiv Vorhandene, dessen Funktionsweise wir aber nicht kennen. Realität aber ist die subjektive Sicht des Menschen auf die Wirklichkeit. Das bedeutet aber: Realität ist stets etwas nur durch Verstand Konstruiertes - etwas nicht Wirkliches.

 Zu dieser von mir immer wieder erwähnten Fundstelle mag es wohl auch die unterschiedlichsten Auslegungen und Deutungsversuche geben - ich bin jedenfalls der Überzeugung, dass wir mit der so beschriebenen Begriffs-Festlegung von Niels Bohr ein sicheres Fundament haben, um in allen Anschauungsweisen zu „Realität“ und „Wirklichkeit“ die qualitativ unterschiedlichen Bewertungen zutreffend vornehmen zu können.

 „Wirklichkeit“ ist lt. Bohr also das „objektiv Vorhandene“ - mit der zugleich angefügten einschränkenden Ergänzung (sinngemäß): „Wir kennen die Funktionsweise der Wirklichkeit nicht“.

 Genau hier haben wir jetzt den Ansatzpunkt für jeden Menschen, der auf der Suche ist nach etwas umfassenderen Kenntnissen zu seiner eigenen tatsächlichen Lebenswirklichkeit. - Jeder Mensch wird dann  bei dieser Suche an die Grenzen des tatsächlich Erfahrbaren stoßen; aber für jeden Menschen sollte es dabei zugleich auch möglich sein, generell in allen Dingen immer eine größte Wirklichkeitsnähe anzustreben. 

 Man weiß: Die Welt sieht „in diesem Punkt“ ganz anders aus. Denn viele Menschen leben nun einmal gerade in solchen Realitäten, die überwiegend etwas „nur durch den Verstand Konstruiertes“ sind. Es mag sich dabei dann um einfachste wirklichkeitsferne Überzeugungen handeln, es kann sich dabei alles aber auch auf völlig ungehemmte Fantastereien ausdehnen: Das Spektrum der menschlichen Verstandesleistung erstreckt sich eben über eine Spanne von größtmöglicher Sachlichkeit bis hin zu den auch absurdesten Fantasievorstellungen.

 Bei mir war eine gut begründete Sachlichkeit ein Leben lang von großer Bedeutung.

 Wo kann man hier jetzt bei all den gerade angeschnittenen Fragen zu einer größtmöglichen Wirklichkeitsnähe gelangen? Bei der Philosophie jedenfalls nicht - behaupte ich - und auch nicht im Religiösen; darauf komme ich später noch zurück. Jedoch auch bei den Naturwissenschaften gibt es hier eine erhebliche Problematik. Es ist der Trend, rein fiktiv erdachte „Realitäten“ als brauchbare Bausteine für ein geschlossenes physikalisches Weltbild verwenden zu wollen.

 In der  Titelzeile habe für diesen Trend als Beispiele die Stichworte „Beobachtungsmagie“ und „Raumverbiegungen“ angeführt. Ich behaupte, dass unter den Beiträgen von „Spektrum DER WISSENSCHAFT SPEZIAL 2/16“ fast schon ununterscheidbar ebenso sehr „rein fiktiv erdachte Realitäten“ einfließen wie auch wirklichkeitsnahes Sachmaterial geboten wird.

 Ich möchte nachfolgend auf die Fülle von nur „fiktiv erdachten Realitäten“ eingehen, bei denen eine Wirklichkeitsnähe konsequent ausgeblendet wird. Im Wesentlichen handelt es sich hierbei um die relativistischen Denkweisen, die sich mit dem Entstehen der Relativitätstheorien von Albert Einstein etwa zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts immer weiter verfestigt haben.

 Warum hierzu jetzt gerade die Stichworte „Beobachtungsmagie“ und „Raumverbiegungen“? Nun - es geht hier ganz speziell u.a. um diese mit Entstehung der Relativitätstheorien verbreiteten Behauptungen; nachfolgend stichwortartig Aufzählung einiger besonders verfestigter Thesen dieser Art:

 Die „Zeit“ habe die eigene  „Machtfülle“, in jeder Richtung - vorwärts/rückwärts - in vielen Bereichen wirksam zu sein.

 Beliebige Vorgänge in physikalischen Abläufen würden tatsächlich beeinflusst  durch die jeweils bloßen Wahrnehmung eines Beobachters.

 Jeder Beobachter könne für sich die Überzeugung haben, alles überhaupt ablaufende Geschehen für sich von einem in  Ruhe befindlichen Standpunkt aus wahrnehmen zu können.

 Alles physikalische Geschehen werde in seinen Bewegungsabläufen völlig ununterscheidbar von Massebeeinflussungen bewegt - ob es sich dabei um ein Fliehkraft-Geschehen handeln mag oder um ein Schwerkraftgeschehen.

 Was ich hier beispielhaft stichwortartig aufliste, ist von vornherein immer eine Herausforderung an jedes vernünftige Denken. Ich habe mich seit längerem in zahlreichen Ausarbeitungen mit dieser Problematik auseinandergesetzt. Immer schien der bislang durchschlagende Erfolg der relativistisch orientierten Theorien dafür zu sprechen, dass es für all die so sehr kaum nachvollziehbar anmutenden Folgerungen keine besseren Erklärungen geben kann als eben die verblüffenden Antworten, wie sie in der gängigen Literatur (im Sinne der oben aufgeführten Beispiele) nachzulesen sind.

Es war insbesondere für mich jedoch diese von die von mir gewonnene Erkenntnis: Die geläufige relativistische Auffassung zum Wesen der Zeit ist eine eklatante Fehleinschätzung; „Zeit“ konnte unmöglich als eine eigenständig stofflich-materielle Größe existent sein. Das stattfindende Veränderungsgeschehen läuft nur als eine unablässige Folge von Augenblicksveränderungen ab. 

 Mit dem fünften Dezember 2015 kam es dann für mich zu einer ganz entscheidende „Versachlichung“ in dieser gesamten Thematik. Durch die erstmalige Begegnung mit den Ausarbeitungen des Nobelpreisträgers Ilya Prigogine über die tatsächlich stattfindenden konkreten „Zeitvorgänge“ bei bestimmten physikalischen Abläufen gelangte ich erstmals an  das Material, wonach die von Albert Einstein vorgenommenen Zeitfestlegungen als eindeutig fehlerhaft einzuschätzen sind.     

Es handelt sich bei der Entwicklung der speziellen und der allgemeinen Relativitätstheorie durch Einstein in erster Linie um den Versuch einer Anpassung von „klassischen Axiomen“ an das relativistisch aufzufassende physikalische Geschehen. Bei diesem Bemühen hat Einstein sich vor allem von den bislang „als unumstößlich eingeschätzten Axiomen“ leiten lassen. 

 Um jetzt in die Thematik „Beobachtungsmagie, Raumverbiegungen und Suche nach Wirklichkeit“ noch einmal tiefer einzutauchen lohnt sich ein Rückblick auf „Spektrum DER WISSENSCHAFT, Oktober 2015‚100 Jahre Einsteins Raumzeit/ Die allgemeine Relativitätstheorie revolutioniert die Physik - bis heute!‘/Der Glanz des Genies/Vor einem Jahrhundert veränderte ein ein einzelner Mann mit seinen Gedanken unsere Vorstellung vom Universum so stark, dass sein Erbe bis heute nachwirkt. Von Brian Greene“.

 „Brian Greene“ - dazu  jetzt eine sehr bemerkenswerte  Begegnung mit „Beobachtungsmagie im weitesten Sinn“: Unter „Zeitabsurditäten in der Wissenschaft und anderswo“ habe ich gegen 2013 u.a. auch den folgenden Text verfasst (Fundstelle unter http://www.zeitverformungen.de/moderne_Physik.htm): „… Ein Anlass für mich diese gesamte Thematik noch einmal aufzugreifen ist der TV-Sendebeitrag  auf ARTE vom 13.10.2012 Der Stoff, aus dem der Kosmos ist, USA 2012. Brian Greene zeigt eine neue Art, Zeit zu sehen, bei der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gleichzeitig existieren. - Es wird dem Publikum suggeriert: Zeit ist etwas derart Unerklärbares, dass die theoretische physikalische Bewältigung aller Zeitprobleme nach gewöhnlichem Auffassungsvermögen kaum nachvollziehbar ist. Und deswegen ist bei einem tieferen Verständnisvermögen diese spezielle Theorienkonstruktion zu akzeptieren: Zeit als anscheinend etwas wie ein „Gebirgsfluss ständig Fließendes“ kann auch einmal geradezu „gefrieren“; das Medium „Zeit“ kann also unter bestimmten Umständen zu einem völligen Stillstand kommen, alles Zeitgeschehen kann jedoch unter bestimmten Voraussetzungen aber auch sowohl vorwärts wie gleichfalls rückwärts laufen usw. usf. - Verblüffend, was man mit dem Medium Zeit alles zusammenzaubern kann, alles unter dem Anspruch wissenschaftlicher Vorgehensweise…“.

 Im Zusammenhang mit der Textzeile „…Zeit ist etwas derart Unerklärbares, dass die theoretische physikalische Bewältigung aller Zeitprobleme nach gewöhnlichem Auffassungsvermögen kaum nachvollziehbar ist…“ auch hier wieder diese wichtige Klarstellung: Es geht mir bei allem nicht etwa vorrangig um ein sachliches Eindringen in rein physikalische Zusammenhänge; für derartiges fehlt mir jedes eingehendere fachliche Wissen. Sondern es geht ganz einfach darum, wie - insbesondere im Bereich der Physik - Vorstellungswelten ersonnen werden, die in einem erheblichen Ausmaß nur reine Fiktionen sind. Spekulativ entwickelte „Realitäten“, die inhaltlich weit entfernt sind von den tatsächlichen Bedingungen der Wirklichkeit.

 Dazu greife ich zunächst auf diese Fundstelle zurück: „Was die Seele wirklich ist / Die naturwissenschaftliche Erforschung des Bewußtseins“ von Francis Crick (Rowohlt 1997). Ein erster Inhaltshinweis lt. Klappentext zu dieser Fundstelle: „<Sie>, ihre Freuden und Leiden, Ihre Erinnerungen, Ihre Ziele, Ihr Sinn für Ihre eigene Identität und Willensfreiheit - bei allem handelt es sich in Wirklichkeit nur um das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen und dazugehörigen Molekülen. …“  So beginnt das neue Buch des Medizin-Nobelpreisträgers Francis Crick, das, gestützt auf neueste Erkenntnisse der Neurophysiologie und der KI-Forschung, unsere abendländischen Vorstellungen dessen, was die Seele ist, auf den Kopf und den Boden der Tatsachen stellt. - Crick benutzt hierfür den ‚Sammel-Begriff‘: „Die Erstaunliche Hypothese“ - auf den in diesem Buch immer wieder als besonders bedeutungsvoll eingegangen wird.     

 Für mich war es vor allem besonders wichtig, auf die möglichen gedanklichen Ausuferungen in Richtung „fantastische Vorstellungswelten und spekulativ entwickelte Realitäten“ aufmerksam zu sein. In den letzten Jahren habe ich dazu regelmäßig auf „DRACHEN, DOPPELGÄNGER UND DÄMONEN / Über Menschen mit Halluzinationen“  von Oliver Sacks zurückgegriffen ( Rowohlt 2013; lt. Klappentext zu OLIVER SACKS - ON THE MOVE/MEIN LEBEN: Jetzt legt der berühmteste Neurologe der Welt seine Autobiographie vor…, Rowohlt 2015). Mit dem Fundstellenmaterial von Francis Crick und Oliver Sacks wird es für mich immer verständlicher, wie es zu den Entgleisungen in Richtung ‚Beobachtungsmagie, Raumverbiegungen und einer fehlerhaften Suche nach der Wirklichkeit‘ kommen konnte.

 Es steht einfach fest, dass es nun einmal diese menschliche Eigentümlichkeit gibt: Denken, das Ersinnen von beliebigen Vorstellungswelten usw. - das alles wird hervorgebracht fast ausschließlich durch das Verhalten einer riesigen Ansammlung von Nervenzellen.

 Crick ist keine vollständige Erforschung des Bewusstseins gelungen, er hat aber eine zuverlässige Grundlage für den Bereich „menschlicher Fantasterei“ erschaffen. D.h. - was fern der Wirklichkeit in der Gedankenwelt als etwas Reales aufgefasst werden kann, wird irrtümlich so verstanden, als sei es tatsächlich ein Bestandteil „wahrer Wirklichkeit“. 

 Diese Besonderheit gilt übrigens auch für viele Formen „fester Glaubensüberzeugungen“. Ich behaupte, dass alles wirklichkeitsfern gedanklich Erfassbare in dieser menschlichen Eigentümlichkeit seine Wurzeln hat: Es haben sich die unzähligen bekannten Glaubensüberzeugungen verfestigt, weil es eine menschliche Befähigung gibt, auch das völlig Irreale für wahr zu halten.

 Jetzt in stichwortartiger Kurzfassung, wodurch sich die Fehleinschätzungen von Albert Einstein, Brian Greene, weiterhin auch Heinrich Hemme („Die Relativitätstheorie/Einstein mal einfach“) und andere ganz einfach als einen großen Irrtum verfestigen konnten.

 Was die Wirklichkeit in ihrem vollen Ausmaß tatsächlich ist, das können wir unmöglich wissen. Aber einige der Entwicklungsschritte dahin, wie es zu den „relativistischen Fehleinschätzungen“ kam, das ist doch ziemlich klar nachvollziehbar.

 Das tatsächliche Wirklichkeitsgeschehen existierte weit zurück in der Vergangenheit bereits, als an das Auftauchen des Menschen überhaupt noch nicht zu denken war: Es existierte stofflich-materiell wohl ungeordnet aber immerhin doch in bestimmten größeren festen Strukturen. Alles Wirklichkeitsgeschehen hatte einen Ablauf von unablässig stattfindenden „Ursache/Wirkung-Vorgängen“.

 Mit dem „In-Erscheinung-Treten“ von organischem Leben auf unserem Erdplaneten gab es eine erste entscheidende „Umstrukturierung“ unter den rein stofflich-materiellen Abläufen: Es kam zu (molekularen) Eigensteuerungen - und zwar ausschließlich in ganz speziellen Bereichen der materiellen „Ursache/Wirkung-Vorgänge“: Es wurden hier die Möglichkeiten von Wahrnehmungs- und Steuerungsvorgängen in den Bereichen Akustik, Optik und wohl auch der „Elektrizität“ und des Magnetismus genutzt. Diese „Eigensteuerungen“ verliefen aber stets in einer gewissen Unmittelbarkeit bei der Auswertung der stofflich-materiellen Beeinflussungmöglichkeiten. Auch hier gab es stets noch ein gewisses Ursache/Wirkung-Geschehen, in dem sich die Entfaltungsmöglichkeiten des Lebendigen abspielten.

 Erst mit dem Erscheinen menschlicher Lebewesen in der gesamten Entwicklungsgeschichte auf unserem Erdplaneten erfolgte dann die bislang höchste Steigerung in den Steuerungsvorgängen bei den stofflich-materiellen Abläufen: Der „moderne Mensch“ gelangte zu der Fähigkeit, im eigenen Inneren alle gespeicherten Wahrnehmungen in einer weitreichenden Eigensteuerung in fast höchster Beliebigkeit auswerten  zu können.

 Das ist grob skizziert der Stand, mit dem wir es heute zu tun haben. Und dabei sollten zwei Umstände eine ganz besondere Beachtung finden: Erstens vermögen auch wir, die Menschen, durch Wahrnehmung nur zu einem Bruchteil von all dem zu erfassen, was tatsächlich Teil der Wirklichkeit ist. Einige Arten in der Fauna verfügen bei Akustik und Optik über erheblich größere Spannen im Spektrum der Frequenzen und der „elektromagnetischen Lichtwellen“ in der Wahrnehmungsfähigkeit  als es dem Menschen gegeben ist. Elektrizität und wohl auch Magnetismus wurden als Steuerungsmöglichkeiten bereits in einigen tierischen Bereichen eingesetzt ehe sich der Mensch überhaupt erstmals den Kopf darüber zerbrechen konnte, wie derartige Phänomene überhaupt zu deuten waren: Man sollte eigentlich hier schon wissen, dass der Mensch als „Beobachter“ insoweit eigentlich eher er Mängelwesen ist. - Und zweitens vor allem auch besonders beachtenswert: Die Befähigung zur „Eigensteuerungs-Beliebigkeit“ kann den Menschen beim Orientieren immer wieder „geradezu hoffnungslos“ in die Irre führen.

 Auch hier jetzt weiterhin nur in einem großen Überblick, wie sich dabei alles weiter entwickelte: Der Mensch nutzte die frei steuerbare Denkfähigkeit, um in alle zugänglichen Wahrnehmungen eine gewisse Ordnung hinein zu bekommen. Eine äußerst mühselige Angelegenheit. Denn er musste sich dabei ein zuverlässiges Wissen darüber beschaffen, inwieweit für alles wahrzunehmende Geschehen eine schlüssige Erklärung zu finden war. Dabei war es außerordentlich wichtig, Fehlschlüsse zu vermeiden; hier kam es oft genug zu dem Abgleiten in eine Denkfalle, aus der dann nur sehr schwierig wieder herauszukommen war.

 In der Menschheitsgeschichte gab es hier anfänglich die größten Schwierigkeiten beim zutreffenden Erfassen der tatsächlichen Daseinszusammenhänge. Die zuverlässigsten Fortschritte ließen sich - wohl von Beginn an - im Bereich der „tatsächlichen Anwendungen“ erreichen. Hier entschied letztlich immer „Versuch und Irrtum“ darüber, welche neu entdeckten Zusammenhänge und Nutzungsmöglichkeiten auf Dauer zuverlässig eingesetzt werden konnten. Kurz: Im rein technischen Anwendungsbereich ergaben sich hier stets die erfolgreichsten Möglichkeiten.

 Völlig anders dagegen die rein theoretischen Auseinandersetzungen mit offenen Fragen zur „Daseinsrealität“ und unbekannten Daseinswirklichkeit.

 Es gilt jetzt auf einen besonderen Abschnitt in dieser ganzen historischen Entwicklung aufmerksam zu sein. Denn „irgendwann“ kam es damals zur „Erschaffung der geistigen Grundelemente“, aus denen sich dann mit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts die Irrwege im relativistischen Denken entwickelten.

 Mit diesen „Irrwegen“ habe ich mich u.a. unter „Die moderne Physik mit Denkentgleisungen - unbegreiflich fern dem tatsächlichen Naturgeschehen“ http://www.zeitverformungen.de/moderne_Physik.htm intensiver auseinandergesetzt (in der damaligen Ausarbeitung Juli 2014 konnte ich noch nicht die mir erst Dezember 2015 bekannt gewordenen Forschungsresultate von Ilya Prigogine einbeziehen; meine „damalige Ausarbeitung“ ist deswegen zwar sachlich nicht völlig abgeschlossen, im Kern jedoch dennoch unbedingt zutreffend).

 Ich möchte zu allem weiteren noch einmal die - wie meine - offenkundigen  Fehlleistungen in den geläufigen, in der diesbezüglichen Literatur weit verbreiteten relativistischen fehlerhaften Überzeugungen auflisten:

 # „Zeit“: Lt. relativistischer Einschätzung etwas eigenständig, stofflich Vorhandenes, das sich sowohl vorwärts auch rückwärts bewegen kann. - Nach den durch Ilya Prigogine gewonnenen Erkenntnissen gibt es „zeitlich“ nur eine durchgehend generelle Vorwärtsbewegung ständiger stofflicher Veränderungsvorgänge.

 # Beobachtungsabhängigkeit von Veränderungsvorgängen: Lt. relativistischer Auffassung soll tatsächlich allein von einer Beobachtung her ein wahrzunehmender Vorgang eine Veränderung erfahren können. - Das ist völlig unsinnig, denn alles tatsächliche Geschehen läuft in einem völlig eigenen Ursache/Wirkung-Miteinander ab (kurz: es gibt keine Beeinflussung von tatsächlichen Veränderungsabläufen durch reines Beobachten).           

 # Ununterscheidbare Veränderungsvorgänge nach dem Äquivalenzprinzip: - Wegen der völlig gleichen „Kräfteeinwirkungen“ bei „Schwerkraft-Abläufen“ und bei „Fliehkraft-Abläufen“ ist im Sinn der allgemeinen Relativitätstheorie von einer „Nichtunterscheidbarkeit“ bei diesen Vorgängen auszugehen; Vorgänge dieser Art sind als „gleichwertig“ einzuschätzen ( - weil demnach alles unterschiedslos der Schwerkraft unterliegt kommt es folgerichtig auch zu den relativistischen Raumkrümmungen). - Das alles beruht nur auf „axiomatischer Theorienverblendung“. Ein einfaches klärendes Beispiel: Ein ungeübter Fahrradfahrer beginnt seine Fahrt auf ebener Bahn mit großem Schwung und lässt sein Stahlross unbekümmert einfach nur ausrollen. Denn er weiß ja - ‚es kann überhaupt nichts Verhängnisvolles passieren, sein Stahlross wird wegen des Äquivalenzprinzips stets die gleiche Ablauf-Stabilität einhalten‘. Natürlich endet alles mit einem Sturz. Denn bei ausreichender Anfangsgeschwindigkeit wurde das Stahlross von der Fliehkraft in einer stabilen Vorwärtsbewegung gehalten. Und bei Übergang in die Bewegungslosigkeit gewann dann die Schwerkraft die Oberhand und riss das Stahlross zu Boden. Die Raumsonde Rosetta wurde kürzlich erst mehr als zehn Jahre durch die Planetenwelt gelenkt - fortwährend unter Ausnutzung der unterschiedlichen Einwirkungen von Fliehkraft und Schwerkraft. Es ist einfach unsinnig, einzig wegen der absolut gleichen Krafteinwirkung bei all diesen Vorgängen diese Vorgänge selbst zu einer ununterscheidbaren Einheitlichkeit „erdenken“ zu wollen.

 # Raumzeit in den relativistischen Theorien als etwas Vorhandenes in tatsächlich eigenständig existierende Größe: „Raumzeit“ ist ein tragender Betriff in der gesamten relativistischen  Fachliteratur. Und doch - behaupte ich - ohne wahren Wirklichkeitsgehalt. Denn „die Zeit“ - wie ich bereits oben ausgeführt habe - muss nach den Forschungsresultaten von Ilya Prigogine so verstanden werden, dass nur das konkret ablaufende Zeitpfeilgeschehen als zeitliche Wirklichkeit zu interpretieren ist. Und „Raum“ hat als eine lediglich geometrische Größe unmöglich eine faktisch wahre Wirklichkeitsbeschaffenheit. - Nur soweit Stofflich-Materielles in eigener räumlicher Ausdehnung vorhanden ist, gibt es auch „Raumausdehnung“. Diese Klarstellung ist nicht als eine irgendwie philosophische Auseinandersetzung über unterschiedliche Betrachtungsweisen zu verstehen, es geht hier nur um die entschiedenen Annäherungen in Richtung eines verlässlichenWirklichkeitsverständnisses.   

 Ich habe hier gezielt auf entscheidende Schwachpunkte in den relativistischen Anschauungsweisen hingewiesen um folgendes zu verdeutlichen: In der theoretischen Physik gibt es einen sehr merkwürdigen Entwicklungsverlauf: Insbesondere durch die Entdeckungen von Galileo Galilee und durch die später nachfolgend von Isaac Newton entwickelten Axiome (oder auch: Paradigmen) kam es zu einer physikalischen „Theorien-Verfestigung“, an der anscheinend unmöglich noch mit begründeter Skepsis herumzudeuteln war. Die vor rd. dreihundert Jahren geschaffenen Newtonschen Axiome finden sich heute unverändert in jedem Lehrbuch der Fachliteratur (stichwortartig, sehr verkürzt): 1) Trägheitsgesetz: Jeder Körper verharrt in Ruhe oder gleichförmiger Bewegung, sofern es keine zusätzlichen Kraftbeeinflussungen gibt. 2) Dynamisches Grundgesetz: … Kraft ist gleich Masse mal Beschleunigung. 3) Wechselwirkungsgesetz: … die gegenseitigen Kraftauswirkungen bei „betroffenen“ Körpern.- Daneben dann zugleich  von großer Bedeutung das Verhalten von Körpern in einem sich gleichförmig bewegten Bezugssystem unter „Einwirkung des Trägheitsgesetzes“; hier finden wir auch die Bezeichnung „Inertialsystem“ - mit der „Festlegung“: „Inertialsysteme sind gegeneinander nicht ausgezeichnet. 

 Das überaus Bedeutungsvolle an diesen „klassischen Theorien-Verfestigungen“ liegt jetzt darin, dass eine völlig unkritische Beachtung dieser „grundlegenden Paradigmen“ (wie ich gerade hervorgehoben habe) zu Irrwegen hinführen kann in Richtung einer fast ausweglosen Sackgasse. „Völlig unkritische Beachtung“ - damit ist gemeint, eine völlig distanzlose Übertragung derartiger Paradigmen auch auf solche Daseinsvorgänge, in denen entschieden abweichende Wirklichkeitsbedingungen von Bedeutung sind.

 Albert Einstein hat im weitesten Rahmen dieser klassischen, grundlegenden Paradigmen seine Relativitätstheorie entwickelt ohne zu beachten, dass die zwischenzeitlich erforschten tatsächlichen Wirklichkeitsbedingungen eine völlig andere, abweichende Sichtweise erfordern. Die bei Einstein festgelegten Orientierungsgrößen waren: Die im maximalen Bereich unveränderliche Lichtgeschwindigkeit von rd. 300 000 km/s. Jeder Beobachter konnte bestimmte Veränderungsvorgängen immer nur von physikalisch gleichwertigen Positionen her wahrnehmen - völlig unabhängig davon, wie sehr diese Positionen gegeneinander abwichen. Für die „Zeit“ gab es bei dieser Konstellation kein genau auszumachendes Richtungsgeschehen. Deswegen konnte die Zeit dann auch immer  in relativistisch unterschiedlichen Ausformungen wahrgenommen werden. Und für die ‚allgemeine Relativitätstheorie‘ ließen sich dann außerdem aufgrund des von Einstein intensiv erforschten Äquivalenzprinzips folgende Thesen aufstellen: Im Grunde sind auch gerade die Vorgänge ununterscheidbar, die durch die Fliehkraft bewirkt werden und die auf der Schwerkraft beruhen.   

Bei allem, was ich hier insgesamt unter mit der Zielrichtung „zurück in die Wirklichkeit“ zusammenstelle, muss gelten: An dem faktisch Erforschten, wie Einstein alles bislang in der Naturwissenschaft Erforschte in seine Relativitätstheorien „sachlich eingearbeitet  hat“, sind (fast) nicht die geringsten „Unebenheiten“ auszumachen. Einstein war zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts der Einzige, der die nach den Michelson-Morley-Versuchen bislang ungelösten faktischen Zusammenhänge sachlich zutreffend zu lösen vermochte. Einstein ließ sich bei der Bewältigung der bislang ungelösten Problematik allerdings vordringlich von einer Art „Theorienversessenheit“ leiten; auf diese Weise vernachlässigte er dann aber die immerhin auch durchaus sehr pragmatisch sehr viel einfacheren und verständlicheren möglichen Problemlösungen.     

 Abschließend möchte ich noch einmal hervorheben: Die obige Zusammenstellung mit Zielrichtung „zurück in die Wirklichkeit“ ist nicht etwa ein Versuch, an den erprobten und bewährten naturwissenschaftlichen Forschungsergebnissen (insbesondere der Physik) noch zusätzlich etwas beitragen zu wollen. Dazu fehlt mir jedes tiefergehende Fachwissen. Sondern mir liegt einfach nur daran, gerade am Beispiel der theoretischen Physik aufzuzeigen, in welchem Ausmaß es unabwendbar Teil der menschlichen Natur zu sein scheint, sich in geradezu bedingungsloser Anpassungsbereitschaft von Fall zu Fall auch den unsinnigsten Glaubens-Fantastereien auszuliefern.

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Über absurde Vernunftblockaden bei der Wirklichkeitserfassung

Im gesamten umfassenden Daseinsgeschehen verfügt der Mensch als einziges bekanntes Lebewesen über eine beachtliche Erkenntnisfähigkeit. In einer jüngsten Textausarbeitung habe ich hierzu einige der aus heutiger Sicht besonders markanten Entwicklungsereignisse im bisherigen Menschheitsablauf aufgelistet. Dabei gehe ich unter „Von Beobachtungsmagie, Raumverbiegungen und der Suche nach Wirklichkeit“ zunächst darauf ein, dass uns eine letzte umfassende Wirklichkeitserfassung wohl immer verschlossen bleiben wird. Ich benutze die Begriffe „Wirklichkeit“ und „Realität“ dabei immer wieder unter der folgenden Erläuterung von Niels Bohr (hier sinngemäß verkürzt): „Wirklichkeit ist das objektiv Vorhandene, dessen Funktionsweise wir aber nicht kennen. Realität dagegen ist als die stets nur subjektive Sicht des Menschen auf die Wirklichkeit zu verstehen; Realität ist daher stets etwas nur durch Verstand Konstruiertes - etwas nicht Wirkliches.“   

Unter „Beobachtungsmagie …“ erläutere ich kurz, dass alles „Erkundungsgeschehen“ zu einem stets besseren Wirklichkeitsverständnis selbstverständlich ein sehr langer Entwicklungsweg war; die Menschen konnten sich genauere Kenntnisse über „kompliziertere Wirklichkeitszusammenhänge“ nur langwierig über ständig neue Erfahrungen und Erforschungen aneignen.

Ich gehe in „Beobachtungsmagie …“ dann am Ende auf den heutigen Stand ein: Heute haben wir - wie ich meine - ein sehr unübersichtliches Gemenge von einerseits sehr zuverlässig erforschten Wirklichkeitszusammenhängen und andererseits einem großen Vorrat an nur wirklichkeitsfernen Glaubens-Fantastereien bei all unseren „Realitätsvorstellungen“. Dazu bringe ich diese Erläuterung: … Francis Crick hat eine zuverlässige Grundlage zum Verständnis ‚menschlicher Fantasterei‘ erschaffen. D.h. was fern der Wirklichkeit in der Gedankenwelt als etwas Reales aufgefasst werden kann, wird irrtümlich so verstanden, als sei es tatsächlich ein Bestandteil ‚wahrer Wirklichkeit‘. - Diese Besonderheit gilt übrigens auch für viele Formen ‚fester Glaubensüberzeugungen‘. Ich behaupte, dass alles wirklichkeitsfern gedanklich Erfassbare in dieser menschlichen Eigentümlichkeit seine Wurzeln hat. Denn diese Zusammenhänge sind sehr naheliegend: Es haben sich die unzähligen bekannten Glaubensüberzeugungen verfestigt, weil es eine menschliche Befähigung gibt, auch das völlig Irreale für wahr zu halten.

Wie sehr unser Wirklichkeitsverständnis gerade aus diesem Grund in vielen Bereichen noch sehr große Schwachstellen aufweist, das herauszuarbeiten ist mir bei meiner Beschäftigung mit dieser Thematik zu einem Hauptanliegen geworden. Am ernüchterndsten dabei dann die Erkenntnis: Gerade im Bereich der doch eigentlich sehr fortschrittlichen theoretischen Naturwissenschaft erleben wir ein unbegreifliches Abgleiten in nur wirklichkeitsferne Fiktionen. D.h.: Wo man die intensivsten Annäherungen an jede Wirklichkeitsnähe erwarten sollte, gerade dort kommt es in einem sehr großen Ausmaß oft zu „absurder Wirklichkeitsverweigerung“: Es werden fortlaufend Realitätsfiktionen ersonnen, häufig genug ohne jeden  faktischen Wirklichkeitsgehalt.

Den Schwerpunkt sehe ich hier bei den mit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts ausufernden relativistischen Theorien. D.h. das bis dahin gewonnene physikalische Forschungsmaterial geriet jetzt in visionäre Ausdeutungen, die zwar theoretisch in überzeugender Geschlossenheit zu einer höchsten Vollendung gebracht wurden, bei denen aber faktische Wirklichkeitszusammenhänge rigoros vernachlässigt werden.

Einen Überblick über eine eigentlich doch immerhin gebotene Sachlichkeit bei elementaren Denkansätzen in der theoretischen Physik bringe ich nachfolgend unter „Wahre Wirklichkeitspositionierungen“.      

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Wahre Wirklichkeitspositionierungen

In mehreren Ausarbeitungen habe ich nachgewiesen, dass die von Albert Einstein geschaffenen Relativitätstheorien konstant in wirklichkeitsfernen Dimensionen enden; das gesamte darauf gegründete relativistische Denken artet oft genug in unsinnigste Fiktionen aus.  

Ich habe hierzu die folgenden Fälle aufgelistet:

# Die „Zeit“ habe eine eigene „Machtfülle“, in jeder Richtung - vorwärts/rückwärts - in vielen Bereichen wirksam zu sein.

# Beliebige Vorgänge in physikalischen Abläufen würden tatsächlich beeinflusst durch die jeweils bloße Wahrnehmung eines Beobachters.

# Jeder Beobachter könne für sich die Überzeugung haben, alles überhaupt ablaufende Geschehen für sich von einem in Ruhe befindlichen Standpunkt aus wahrnehmen zu können.

# Alles physikalische Geschehen werde in seinen Bewegungsabläufen völlig ununterscheidbar von Massebeeinflussungen bewegt - ob es sich dabei um ein Fliehkraft-Geschehen handeln mag oder um ein Schwerkraftgeschehen…

Was sind hier die wirklichen Zusammenhänge?

Es gibt im gesamten tatsächlichen Ablaufgeschehen keine wirklich wirksam werdenden Relativitätserscheinungen; alles tatsächliche materielle Geschehen ereignet sich nur in wirklichen faktischen Vorgängen, die nicht von rein fiktiv erdachten „Realitäten“ tatsächlich beeinflusst werden können.

Bei gegenständlichen Veränderungsvorgängen gilt:

# Es gibt nirgendwo eine tatsächlich absolut ruhende Ausgangsposition.

# Geschwindigkeitsbeeinflussungen wirken sich auf die davon betroffene Masse aus.

# Alles spielt sich in der Spanne der höchstmöglichen „Lichtgeschwindigkeit“ einerseits und den geringfügigsten Geschwindigkeits-Veränderungsvorgängen andererseits  ab.

# Eine „aufgewendete Energieeinwirkung“ lässt die Masse „schwerer“ werden; somit kann Gegenständliches nie über die Höchstgeschwindigkeit des Lichts hinaus beschleunigt werden, alles endet bereits vor Erreichung der Lichtgeschwindigkeit. Nur z.B. die „masselosen Photonen“ bewegen sich mit Lichtgeschwindigkeit.

# „Masse“ gibt gespeicherte Energie frei, wenn „massereichere Zustände“ in „masseärmere Zustände“ wechseln.

# Kein tatsächlich existierendes Inertialsystem kann sich jemals in einem wirklich absoluten Ruhezustand befinden. Alle bei Inertialsystemen tatsächlich vorkommenden Veränderungsvorgänge zeigen dieselben Einwirkungen wie jeder andere gegenständliche Veränderungsvorgang auch.   

# Jedes Vermessen und Berechnen von wirklich ablaufenden Veränderungsvorgängen beginnt mit einer „willkürlich“ gewählten Ausgangsposition. Ab dieser Ausgangsposition sind dann die nachfolgenden Veränderungen (protokollhaft) „festzuhalten“; es lassen sich dabei immer nur die tatsächlich eintretenden Veränderungen in Längeneinheiten, Energieabweichungen, „Masse-Beeinträchtigungen“ registrieren und „speichern“. „Rein fiktiv“ erdachtes Veränderungsgeschehen hat keinen wirklichen empirischen Gehalt, es kann niemals in ein wirklichkeitsgerechtes Vermessen und Berechnen einfließen. 

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Teil II: Unsinnige Fantasieeskapaden

Einleitung

 Unter den Menschen finden wir immer wieder auch diese spezielle Charaktereigenart: Ein Mensch glaubt zu wissen, dass es jenseitige höhere göttliche Mächte gibt. Und er glaubt dann auch zu wissen, welche Erwartungen diese göttlichen Mächte an den Menschen richten, welche Gebote zu erfüllen sind und welche Verfehlungen sich dann auch einzig aus einer jeweils ganz bestimmten Gottesbezogenheit ergeben.

 Ich meine, hier steht jeder Mensch eigentlich vor den größten Herausforderung bei der ihm generell möglichen Erkenntnisfähigkeit. Denn mit dem ihm nun einmal durch die Schöpfung verliehenen Erkenntnisvermögen sollte er mindestens einsehen können, dass er sich hier sehr deutlich erkennbar im Ungewissen befindet. Und dass es daher zumindest niemals eine Bereitschaft geben sollte, alles und jedes glauben zu müssen. 

 „Die Glaubensbereitschaft des Menschen“ - das ist eine höchst merkwürdige Angelegenheit.  Die Glaubensbreitschaft war natürlich schon immer ein wesentlicher Bereich des Religiösen.  Aber auch sonst spielt Glaubensbereitschaft eine große Rolle im Leben der Menschen: Beim Glücksspiel, in der Bedeutung bestimmter Kalenderdaten, bei Nummerierungen unter dann  möglichst Auslassung bestimmter Unglücksnummern usw. Ich will damit sagen: Die höchst angesehene Glaubensbereitschaft innerhalb des Religiösen ist im Grunde eine recht verbreitete natürliche Wesensart des Menschen überhaupt.

 Und wie uns dann sogar in der „modernsten Wissenschaft“ eine bestimmte, völlig unkritische Glaubensbereitschaft begegnet - dazu habe ich zuvor Entscheidendes unter (Teil I) „Von Beobachtungsmagie, Raumverbiegungen und der Suche nach Wirklichkeit“ ausgeführt.

 Zur Erinnerung noch einmal die Aufzählung dieser Beispielsfälle von eigentlich nur ziemlich großer Glaubensbereitschaft zu auch irrationalen Theorien: Eine eigene „Machtfülle der Zeit“ mit beliebigen Wirkungsweisen, vorwärts/rückwärts und Raumverbiegungen. Beeinflussung physikalischer Abläufe allein durch die bloße Wahrnehmung eines Beobachters. Das Vorhandensein von tatsächlich vorhandenen Ruhepunkten im gesamten Wirklichkeitsgeschehen und dabei das Zugeständnis an jeden Beobachter, er könne die Überzeugung  haben, sich tatsächlich in einer absoluten Ruheposition zu befinden. Die Ununterscheidbarkeit von Fliehkraft- und Schwerkraft-Beeinflussungen in bestimmten Beobachtungssituationen als die grundlegende Gültigkeit für alles „Massebeeinflussungsgeschehen“ überhaupt.

 Es sind „geglaubte Sachverhalte“ ohne wahren Wirklichkeitsgehalt. Alles geht darauf zurück, dass Albert Einstein mit seinen Theorien unter anderem auch „rein fiktive Realitäten“ erschaffen hat, die nachweislich mit der tatsächlichen Wirklichkeitsbeschaffenheit nicht übereinstimmen. Aber besonders das dann geradezu Unfassbare: Nach Überprüfung der zugrundeliegenden „faktischen Zusammenhänge“ ergaben sich bei allen Erprobungen zu diesen Theorien nie irgendwelche Fehler. - Dabei war  das „theoretische Gerüst“ (Axiome, Paradigmen) ja ohnehin längst sozusagen ehernes Wissensgut der klassischen Physik. Es wurden also unzählige Überprüfungen und Widerlegungsversuche unternommen - aber all diesen Überprüfungen hielt das von Einstein errichtete Theoriengerüst stand.    

 „Zurück in die Wirklichkeit“. In wohl jeder Menschheitsgeneration hat es immer einige gegeben, die soviel wie möglich darüber herauszufinden suchten, was es mit der faktischen Wirklichkeit tatsächlich auf sich hatte, in der sie sich nun einmal hineingeboren vorfanden. Hinter allem stand ein Verlangen, größere Zusammenhänge zu verstehen. Dieses Bestreben musste jedoch niemals mit einer völlig gleichen Methodik und Zielsetzung verbunden sein. Oft reichte es, in der eigenen Gedankenwelt vor allem solche Zusammenhänge zu ersinnen, die eine höchste Bedeutungsfülle beinhalteten. Damit war man zwar nicht gerade der Enträtselung der tatsächlichen Wirklichkeitszusammenhänge auf der Spur. Aber die dabei entwickelte Kreativität allein schon schien dafür zu sprechen, sehr Bedeutsames über die Daseinswirklichkeit herausgefunden zu haben.

Ich beschreibe hier eigentlich nur das übliche Entfaltungsgeschehen unter den Menschen im Lauf der Welt: Es wird vieles gesteuert von reinem Wunschdenken in sehr kreativer Fantasieentfaltung. Fast alles, was nur irgend eine höhere Bedeutung zu haben scheint, wird als unbedingt richtungsweisend akzeptiert. Welcher tatsächliche Wirklichkeitsgehalt bei dieser gedanklichen Vorgehensweise immerhin dann eigentlich doch auch beachtet werden müsste, dass wird ziemlich konstant ausgeblendet.

 Mit dieser Beschreibung der üblichen Verhaltensabläufe „im Lauf der Welt“ gewinnt dann ein Einzelner aber oft den Platz eines Außenseiters im gesamten Zusammenleben: Der Hinweis „dieses Einzelnen“ auf tatsächlich zu akzeptierende  Wirklichkeitszusammenhänge findet eine entschiedene Ablehnung, wenn damit die bislang so fantasievoll erdachten Vorstellungswelten ins Wanken geraten und sogar einzustürzen drohen. Das tatsächliche Wirklichkeitsgeschehen stellt den eigentlich doch vernunftbegabten Menschen vor so viel größere Herausforderungen, als dass sich hier alles mit reiner Fantasterei und bloßem Wunschdenken bewältigen ließe. Die historischen Abläufe der Vergangenheit bis zum heutigen Stand sollten hierfür ausreichend Beweis und Bestätigung sein: Alles das, was sich bei „besserer Einsicht“ als wahrhaft Wirkliches im allgemeinen Verständnis durchgesetzt hatte, erwies sich letztlich doch als hilfreich, „den Lauf der Welt“ insgesamt in stabilere Bahnen zu lenken. Es waren und sind vor allem humanistische Bewegungen, die in diesem Sinn für ein stabileres Miteinander sorgen.

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 Unergründliche Wirklichkeit und denkbares Schöpfungsgeschehen

 „Realität ist die subjektive Sicht des Menschen auf die Wirklichkeit“, ich greife diese  Aussage von Niels Bohr auf; in einer speziell subjektiven Sicht auf die Wirklichkeit befasse ich mich mit den denkbaren Möglichkeiten, wie sich das gesamte Daseinsgeschehen als ein Schöpfungswerk deuten lässt. Noch einmal Niels Bohr: „Wirklichkeit ist das objektiv Vorhandene, dessen Funktionsweise wir aber nicht kennen.“ - Hier gäbe es zunächst das große Rätselraten: Die objektiv vorhandene Wirklichkeit ist der Bereich unseres tatsächlichen Daseins. Aber wenn wir hier „die Funktionsweise“ nicht kennen - müssen wir dann in einem Zustand völliger Unwissenheit verharren oder können wir dann wenigstens einige naheliegenden Zusammenhänge ansatzweise als immerhin brauchbare Teillösungen aufgreifen?

Niels Bohr verweist dazu auf die übliche weitere Vorgehensweise: „Realität ist stets etwas durch den Verstand Konstruiertes - etwas nicht Wirkliches.“ - Nach allen Alltagserfahrungen dürfte gelten: Es werden hier viel zu oft durch den Verstand auch solche Vorstellungen zu der Wirklichkeit hinzu konstruiert, die vielfältigste Ausformungen mit den auch absurdesten Auswüchsen haben können - alles eben „vom Verstand konstruiert“.

Ich möchte nachfolgend einmal „in Gedanken konstruieren“, welche vertretbare Vorstellung man von der Wirklichkeit haben kann, wenn man die Wirklichkeit als ein „Schöpfungsgeschehen“ auffasst. Man kommt bei einem derartigen Vorgehen dann zugleich auch zu einer tieferen Auseinandersetzung mit dem Religiösen überhaupt. Aber die gerade mit dem Religiösen verbundene Glaubensbereitschaft ist eine „menschliche Eigenart“, die das menschliche Verhalten überhaupt äußerst extrem steuert: Immer gibt es (mehr oder weniger stark ausgeprägt) die Bereitschaft, geradezu bedingungslos etwas rein spekulativ Erdachtes als eine besonders herausragende Realität für etwas möglich Vorhandenes zu halten. Kurz: Unter den Menschen kommt es immer wieder zu rein geistig konstruierten Überhöhungen, die mit der faktisch erfassbaren Wirklichkeit keine wahre Übereinstimmung haben. Dazu im Vorwege  kurz eine „Auflistung“, mit welchen fantasievoll durch den Verstand konstruierten „Überhöhungen“ wir es als Teil des Wirklichen überhaupt immer auch zu tun haben. Es geht hier also um konstant spekulativ erdachte größere Dimensionen.

Der geradezu unauslöschliche Drang, mit etwas überaus Erhabenem verbunden zu sein zieht sich durch die ganze Menschheitsgeschichte. Es scheint ja auch nichts einfacheres zu geben, als allein schon dadurch dem eigenen Leben Sinn und Größe zu verleihen, dass man sich in seiner Vorstellungswelt in scheinbar bedeutungsvollere Geschehnisse hineinträumt.

Oft geschieht das in höchst sorgloser Gedankenlosigkeit: Ob die „erträumte Vorstellungswelt“ dann überhaupt noch einen vernünftig nachzuvollziehenden Bezug zu der erlebbaren Daseinswirklichkeit hat, das wird dann konstant als ziemlich zweitrangig ausgeklammert.

Allerdings kann diese Haltung dann doch einiges Kopfzerbrechen machen, wenn sich die „erlebbare Daseinswirklichkeit“ mit ihren tatsächlich erfahrbaren Inhalten als die nachweisbar bedeutsamere Orientierungsgröße erweist. Welche Wertschätzung ist dann überhaupt noch für eine lediglich „erträumte Wirklichkeit“ vertretbar?

Zu der gerade behandelten wirklichkeitsfernen „Fantasieversessenheit“ im Bereich der theoretischen Physik möchte ich doch auch noch einmal auf das aktuelle Geschehen „Verunglimpfung der bewundernswerten Leistung von Egbert Scheunemann durch RelativKritisch“ hinweisen: Scheunemann hat mit seinem Buch „Irrte Einstein?“ auf einige entscheidende Schwachstellen in Einsteins Relativitätstheorien hingewiesen. Nämlich so ganz einfach auf die wahre Sachlage verwiesen, dass die Ausgangsgröße „ein fester Ruhepunkt für alles relativistische Geschehen“ nur eine wirklichkeitsferne Fiktion ist; es gibt im tatsächlichen Wirklichkeitsgeschehen  nirgendwo einen faktisch existierenden Ruhepunkt. Und so auch Scheuermanns  weitere Feststellung: Wenn man bestimmte Beispielsfälle für „realistisches relativistisches Geschehen“ konsequent (rechnerisch) abschließend  verfolgen will, dann endet alles unvermeidlich mit einem „Aufprall an der Wand“. - Hier erleben wir jetzt wieder lt. RelativKritisch, dass es einem unverzeihlichen Sakrileg gleichkommt, wenn zu so einer unantastbar überragende Größe wie Albert Einstein auch nur der geringste skeptische Einwand geäußert wird (hierzu auch Hinweis auf http://zeitverformungen.de/Denksperre_Zeit.htm#VI%20Anhang „Ein Extremfall von Fachidiotie“).    

Durch den Verstand konstruierte „geistige Überhöhungen“ kommen in überhaupt allen kulturellen Bereichen vor. Im Kunstbetrieb wäre in diesem Zusammenhang z.B. auf die richtungsweisende kritische Ausarbeitung von Peter Demetz hinzuweisen, auf „Von der Folgenlosigkeit Lessings“. Aber unübertroffen sind hier doch die geistigen Fantastereien im religiösen Bereich: Unheilvollste Auswirkungen auf das gesamte Zusammenleben kommen vor allem dann zustande, wenn gerade im Bereich des Religiösen wegen der vermeintlichen Unantastbarkeit jeglicher Glaubensvorstellungen jedes kritische Vorgehen in Verruf gerät, grundlegend religionsfeindlich zu sein.

Zu allem möchte ich also nachfolgend in Gedanken konstruieren, welche vertretbare Vorstellung wir  von der gesamten Daseinswirklichkeit haben können, wenn wir alles wahrnehmbar Erfassbare als Schöpfungsgeschehen zu verstehen suchen.

Die Daseinswirklichkeit als ein Schöpfungsgeschehen - diese Vorstellung ist fraglos seit fernster Vergangenheit fester Bestandteil wohl sämtlicher religiöser Überzeugungen. Die Problematik dabei allerdings: Welchen konkreten Inhalt die jeweiligen religiösen Überzeugungen zu dem Schöpfungsgeschehen haben und mit welcher Intensität diese Inhalte als die einzig wahre Sicht verbreitet werden.

Uns ist nur allzu vertraut, dass die Religionsfreiheit ein Grundrecht ist: In zivilisierten demokratischen Staatsformen gilt zumeist eine verfassungsrechtlich gesicherte Religionsfreiheit (mit unterschiedlich festgelegten Rahmenbedingungen).

Das wenig Erfreuliche dabei: Diese Religionsfreiheit wird von der Schar der Gläubigen als ein Grundrecht mit der größten Entschiedenheit als ein geradezu unantastbarer Tabubereich gegen jeden Kritikansatz verteidigt; Religiosität ist bei dieser Einstellung gleichbedeutend mit Unantastbarkeit. Und jeder Einwand gegen bestimmte religiöse Rituale und Gepflogenheiten wird dann sogleich als ein aggressiver Vorstoß gegen alles Religiöse überhaupt (miss-)verstanden.  Diese überaus einseitige und schmalspurige Sichtweise ist der Brandsatz für das unheilvollste Konfliktgeschehen in der Menschheitsgeschichte überhaupt. In der Vergangenheit vor der Epoche der Aufklärung herrschte zumeist nicht gerade eine allgemeine Religionsfreiheit; der Anspruch jedoch, mit den eigenen Glaubensüberzeugungen ein unantastbar höchstes Gut zu besitzen, dieser Anspruch wurde zumeist gegen alle abweichenden „Glaubenshaltungen“ vertreten. Mit der „Religionsfreiheit“ entfiel zwar diese sehr spezielle Anspruchshaltung „allein das einzig wahre höchste Gut zu besitzen“. Aber die verbleibende generelle Anspruchshaltung, religiös „Gott wohlgesonnen ausgerichtet zu sein“, diese Anspruchshaltung wurde mit großer Entschiedenheit beibehalten. Und jetzt in den Kreisen der sozusagen Vorzeige-Gläubigen sogar mit allen Varianten von Unduldsamkeit bei vermeintlicher Missachtung des Religiösen überhaupt: In unserem Kulturkreis z.B. im Extrem von höchster Strenggläubigkeit und Bibeltreue. 

 Auf das allgemeine Zusammenleben können hier dann also religiöse Moralvorstellungen und Rituale ausstrahlen mit ziemlich unheilvollen Auswirkungen. Alles wird dann meist damit gerechtfertigt, dass durch weit in der Vergangenheit offenbarte Heilsbotschaft diese religiösen Moralvorstellungen unbedingte Gültigkeit haben. 

Bei so umfassenden Fragen zu einer unergründlichen Wirklichkeit und einem dennoch denkbaren Schöpfungsgeschehen ist an dieser Stelle ein „Zwischenfazit“ etwa dieser Art möglich: Für die eigene Lebensgestaltung erweist sich eine

„Glaubensbereitschaft an sich“ dann als offenkundig schädlich, wenn mit der menschlichen Verstandesleistung in einem beliebigen Kulturbereich sachlich zutreffendere Zusammenhänge auszumachen sind. Sachlich zutreffender als etwa anscheinend „gerade gläubig unbedingt geboten“. Im Bereich der Religiosität stößt man hier dagegen dann jedoch auch auf die absurdesten wirklichkeitsfremden Glaubensinhalte. Dazu gab es in der gesamten Menschheitsentwicklung (mit der Epoche der Aufklärung) immerhin den sehr sehr bedeutsamen Einschnitt einer eigentlich anzuerkennenden allgemeinen Religionsfreiheit. Aber die „Grundproblematik“ war damit noch lange nicht überwunden: Die latent verbreitet vorherrschende Überschätzung einer anscheinend zutiefst „frömmigen Glaubensbereitschaft“. Eine „überaus tiefe Gläubigkeit“ - das scheint von einer derart hohen Qualität zu sein, dass hier jegliche sachlich begründete Skepsis als ein Angriff gegen Göttliches überhaupt eingeschätzt werden muss. Ich dagegen bin der Meinung: Dem Menschen ist auch die Möglichkeit einer weithin vertretbaren „Vernunftgläubigkeit“ gegeben. Dabei kann er dann bei aller Erkenntnisfähigkeit zu der absolut gültigen Einsicht gelangen - es gibt Grenzen bei den Versuchen einer endgültigen Enträtselung aller Daseinszusammenhänge, die auf keine Weise und mit keiner Methodik überwunden werden können. Ab diesen Grenzen kann dann der Mensch mit seiner Vernunftbefähigung höhere Zusammenhänge zu erahnen suchen als es aus den tatsächlich erforschbaren Funktionsweisen von Wirklichkeitsabläufen allein abzuleiten sein könnte.

 Hier ist gerade der Agnostizismus ein kulturell überaus wertvolles Gut. Der „Agnostizismus“ beinhaltet generell eine Anschauungsweise, die für jede Form von „Glauben unter letzten Grenzbedingungen“ offen ist: Es kann ein entschiedener Atheismus „geglaubt“ werden - mit der Einsicht, hier unmöglich die letzten wahren Daseinszusammenhänge zu kennen. Es kann eine beliebige Art irgendeiner „Vernunftgläubigkeit“ gewählt werden, bei man von dem Vorhandensein irgendwelcher höherer Schöpfungskräfte überzeugt ist - ohne auch hier die letzten wahren Daseinszusammenhänge zu kennen. Aber der „Agnostizismus“ bietet die Möglichkeit, sich nicht in völlig vernunftwidrige Fantastereien verrennen zu müssen.   

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Erläuterungen zu der Erkenntnissystematik eines gläubigen Agnostikers

Ein Agnostiker ist beseelt von einer anhaltenden Skepsis gegenüber jeder Form von allzu leichtfertiger Glaubensbereitschaft.

Ein kurzer Überblick über die einzelnen „Bausteine“ der obigen Titelzeile:

 Erkenntnis: Einsicht in Erlebtes, Erfahrenes, Beobachtetes - mit dem Ziel, die Wahrheit zu finden.

 Systematik: Aufbau eines geordneten, gegliederten Ganzen.

Gläubig - hier in der Bedeutung: Zu etwas nicht Wahrnehmbarem nur glaubend  Vermutungen anzustellen und hier bestimmte letzte letzte Zusammenhänge anzunehmen, für zutreffend und wahr zu halten.

 Soviel als ungefährer Überblick über die wesentlichen Grundorientierungen eines Agnostikers. Aber wie kommt man überhaupt zu genau dieser speziellen Anschauungsweise, für die dann der Begriff des „Agnostikers“ bemüht wird?

Das hat zu tun mit der Suche des Menschen „nach den letzten Dingen“. Es gehört zu den grundlegenden Eigenarten des Menschen, dass er nun einmal über ein Erkenntnisvermögen verfügt. Und mit diesem Erkenntnisvermögen befindet er sich in einer beständigen gedanklichen Auseinandersetzung mit allen Vorgängen der Lebenswirklichkeit. Vieles von den vorzufindenden Geschehnissen ist ziemlich unkompliziert in seinen gesamten Zusammenhängen zu erfassen; das eigene Verhalten und Handeln lässt sich einigermaßen zweckbestimmt darauf ausrichten. Dann gibt es da aber auch - überhaupt nicht zu bewältigen - letzte, unlösbare Fragen nach möglichen völlig unbekannten Zusammenhängen bei den erlebten Geschehnissen der Daseinswirklichkeit. - Dieser Situation ist der Mensch seit jeher ausgesetzt, soweit er von ersten Anfängen der „Menschwerdung“ her erstmals mit Bewusstsein ausgestattet war. Hier liegt auch der Ursprung aller Religiosität überhaupt: Der Mensch konnte seit jeher gedanklich alles tatsächliche Geschehen um sich herum verinnerlichen; vieles war dann in Ursache-Wirkung-Zusammenhängen ohne weiteres völlig einsichtig. Aber zahlreiche Vorkommnisse blieben für ein mögliches Verstehen völlig rätselhaft. Und da konnte der Mensch auf diese spezielle Befähigung ausweichen: Es ist die Befähigung, in derartigen Fällen mit seinem Vorstellungsvermögen größere, unbekannte Zusammenhänge einfach nur zu „glauben“.

 Es gibt zahlreiche Erklärungsversuche zu dem Zustandekommen von Religiosität überhaupt. Ich meine, man muss sich hier immer auf die hier erwähnten letzten, klar erfassbaren Ausgangsgrößen konzentrieren.

 Heute wissen wir, was sich da alles von einer solchen Ausgangslage her an Glaubensvorstellungen entwickelt hat. Aber nirgendwo war die Gefahr größer, mit seinem gedanklichen Vorstellungsvermögen auf einen Irrweg zu geraten als eben mit vielen der auf diese Weise zustande gekommenen, genau festgelegten religiösen Glaubensvorstellungen.

 Der Agnostiker findet bei dieser Ausgangslage nur diesen einzig schlüssigen Lösungsweg: Er erkennt mit ungeheurer Klarheit, dass er hier als einzig bekanntes Lebewesen tatsächlich letzten unlösbaren Fragen ausgesetzt ist. Und mit der ihm nun einmal verliehenen Erkenntnisfähigkeit kann er nach Antworten suchen, die sich als zuverlässigere Lösungsansätze zu den letzten rätselvollen Fragen erweisen.

 Ich gehe bei allem von diesem Lösungsansatz aus: Dass es sich bei dem wahrzunehmenden Daseinsgeschehen um eine Schöpfungswirklichkeit handelt.

 Dazu gleich diese Abgrenzungen: Bei allen kosmologischen, physikalischen und sonstigen Vorstellungen kommt auch immer wieder „das Nichts“ als eine Ausgangsvoraussetzung vor. Diese Vorstellung ist jedoch völlig absurd. Denn wenn es nun einmal etwas „Daseiendes“ gibt, dann ist die Existenz von einem „Nichts“ daneben unmöglich. Jedes vermeintliche „Nichts“ kann niemals absolut ein wirkliches Nichts sein. Weil nämlich mit jeder Möglichkeit von irgendeinem Entstehen überhaupt immer auch schon der Keim für ein entstehendes Etwas, also für eine beliebige „Seins-Entstehung“ als mindestens ein irgendwie vorhandenes erstes „Etwas“ vorauszusetzen ist.

Damit, dass wir also alles tatsächliche Geschehen nun einmal als etwas „irgendwie ewig Bestehendes“ interpretieren müssen, kann es nur noch um die offene Frage gehen: Ist dieses „ewig Bestehende“ in all seinen bekannten Ausformungen des tatsächlichen Daseinsgeschehens einfach so als aus sich selbst heraus Wirkendes da - ohne irgendwelche irgendwelche veranlassenden Kräfte? Oder sollten wir für alle im Wirklichkeitsgeschehen ablaufenden Vorgänge irgendwelche unbekannten Kräfte als die Verursacher und „Gestalter“ der vielfältigen Entfaltungsformen der wahrnehmbaren Wirklichkeit voraussetzen dürfen?

 Richard Dawkins ist es gelungen, alle bekannten Entwicklungsschritte der vorzufindenden Daseinswirklichkeit äußerst präzise zu „dokumentieren“ - gewissermaßen unter entschiedener „Ausblendung“ von irgendwelchen denkbaren zusätzlichen Schöpfungskräften: Alles entsteht und entwickelt sich, weil das sich so Wandelnde und Entstehende stets genau nachvollziehbar Schritt für Schritt die Voraussetzungen mitbringt für jede sich weiter vollziehende Entfaltung. Der Wissensschatz, über den Dawkins hierbei verfügt, ermöglicht eine geradezu lückenlose Aneinanderreihung aller nur irgendwelcher Entwicklungsschritte ohne jedes Erfordernis, hier noch irgendwelche schöpferischen Kräfte mit einbeziehen zu müssen. Damit begründet und rechtfertigt Dawkins zugleich auch seinen äußerst konsequenten Atheismus. Diese überaus umfassende und präzise Sachkenntnis eines Richard Dawkins verbietet es geradezu, überhaupt noch irgendwelche schöpferischen oder gar göttlichen Kräfte ins Spiel bringen zu wollen (vgl. Orientierungsfalle „dogmatischer Atheismus“ unter http://www.kant-kosmos-reales.de/Religion.htm).  

 Bei allem bleibt jedoch immer zuletzt dennoch die Frage: Was verleiht denn aber allen stofflich-materiellen Vorgängen die Befähigung überhaupt, das gesamte Wirkungsgeschehen hervorzubringen und auf eine erklärbare Weise „schöpferisch“ in Gang zu setzen? Die „rein mechanischen Wirkungsvorgänge“ lassen sich - wie Dawkins beweist - in ihrem „Ineinandergreifen“ lückenlos nachvollziehen. Der folgende (skeptische) Einwand kann jedoch unmöglich als völlig gegenstandslos verworfen werden: Was treibt die stofflich-materiellen Vorgänge dabei an, diese Wirkungen überhaupt hervorzubringen? Die rein mechanisch nachvollziehbaren Abläufe geben für sich allein niemals eine Erklärung dafür, wieso sie überhaupt über eine Entfaltungsfähigkeit, Gestaltungskraft verfügen.

Ich versuche unter Orientierungsfalle „dogmatischer Atheismus“ (s.o.) herauszuarbeiten, dass dies die entscheidende offene Frage ist, auf die Dawkins jede Form von Antwortmöglichkeit in aller Entschiedenheit völlig ausblendet.           

 Und doch drängt sich diese Fragestellung unbedingt auf: Wenn man davon ausgeht, dass wir als die einzig bekannten Lebewesen mit der Erkenntnisfähigkeit ausgestattet sind, alles dem Wissen Zugängliche generell auch entschlüsseln zu können, zugleich aber auch - an den Grenzen alles überhaupt nur „Wissbaren“ dabei sogar unser „letztes Nichtwissen“ begreifen, welche letzten Vermutungen und Glaubensvorstellungen sind uns dann noch „völlig widerspruchsfrei“ möglich?

Genau in diesem Brennpunkt setzen die gedanklichen Entfaltungsmöglichkeiten des Agnostikers an.    

 Bei mir ist es stets der Gedankengang: Wenn das gesamte, von uns wahrzunehmende Daseinsgeschehen mit einem Schöpfungsgeschehen in einen Zusammenhang zu bringen ist, dann hat der Mensch auf dem Planeten Erde nur einen äußerst winzigen Anteil an allem überhaupt Erschaffenen. „Qualitativ“ besitzt der Mensch aber im gesamten alles bekannten Erschaffenen einen höchsten Entwicklungsstand: Er ist mit Bewusstsein, Denkfähigkeit und Erkenntnisvermögen ausgestattet. Das ist allerdings gekoppelt mit einem „allerletzten Unvermögen“; unmöglich kann es ihm jemals gelingen, hierzu die letzten Entstehungsursachen herauszubekommen.

 Daher ist ein „Herumrätseln“, die Suche nach letzten Erklärungen (mehr oder weniger ausgeprägt)  immer auch Teil seiner Lebenswirklichkeit. Und das führt dann eben auch zu den Vermutungen, es könne etwas „Göttliches hinter den Dingen“ als eine Einfluss nehmende Kraft im gesamten Wirklichkeitsgeschehen existieren. Dieses „Vermuten“, diese „Glaubensannahme“ gehört zu den grundlegenden Wesenseigenschaften des Menschen.

"Religiosität in diesem weitesten Sinn“ ist dem Menschen damit sozusagen angeboren: Immer ein Fragen nach größeren Zusammenhängen und wohl immer auch nach einem „Sinn des Lebens“, wenn es ein absolut gültiges Wissen darüber gibt, dass jedes menschliche Erdendasein mit einem Sterben enden muss.

 „Religiosität im engeren Sinn“ - da begegnen uns die unterschiedlichsten Erscheinungsformen menschlicher Bestrebungen, sich irgendwie mit einer solchen unabwendbaren Herausforderung möglichst angemessen auseinanderzusetzen.

Im Grunde kann jede Art von Dankbarkeit für das eigene Existieren ein Zeichen von Ehrerbietung gegenüber irgendwelchen unbekannten schöpferischen Kräften sein. Sobald hier aber ein vermeintlich umfassenderes Wissen über die näheren Zusammenhänge zum Schöpfungsgeschehen ins Spiel kommt, sollten sämtliche Warnsignale anspringen: Niemand kann hier Näheres wissen - außer alles dabei „Erdachte“ ist völlig mit den Schöpfungsabläufen in Einklang zu bringen. Das wäre dann auch wieder nur eine „Art Glaubensform“ - aber auf dieser Ebene ist alles Geglaubte eine mögliche Form von „Konkretisierung“, die zu dem wirksam Schöpferischen nicht in einen Widerspruch geraten kann.

 Das Unheilvolle im gesamten Bereich des Religiösen sind die willkürlichen Anmaßungen des Menschen, wenn in Bezug auf „Göttliches“ zur Daseinswirklichkeit gerade auch solche Fantastereien zustande kommen, die mit dem tatsächlichen Schöpfungsgeschehen unmöglich zu vereinbaren sind. Rückblickend ist absolut eindeutig auszumachen, in einem welch ungeheuerlichen Ausmaß hier reine Fantasterei als Glaubensgut unbedingt Anerkennung forderte.

 Das unbedingt hohe Gut „Religiosität“ darf nicht durch menschliche Fehlorientierungen verfälscht und damit zu einer unerträglichen Belastung werden. Im Folgenden soll hierauf näher eingegangen werden.  

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 Mögliche Schöpfungshypothesen

 Wir können uns über das wahrnehmbar Wirkliche fortwährend sehr praxisbezogene Gedanken machen. Für einen Denkbereich kommen hier aber einfach unüberwindliche Schwierigkeiten: Woher das alles kommt, was da tatsächlich wahrnehmbar vorhanden ist. Und dazu auch die Frage: Woher kommen wir selbst in den letzten Verursachungen? Diesen Gedanken hat der Mensch wohl seit seiner frühesten Entwicklung immer wieder bewegt. Weit ausufernde Vermutungen jeder Art dürften hier zutage gekommen sein - mit jeder sich in der Menschheitsentfaltung verstärkenden Fantasiebegabung in immer intensiverer Ausgestaltung. Es entstanden so unzählige Mythen über ferne Geister- und Götterwelten. Und alles verdichtete sich in religiöse Glaubensvorstellungen. Es war eine Entwicklung durch das Inerscheinungtreten von Schamanen und Propheten, die durch vermeintlich erhaltene Offenbarungen bestimmte Glaubensinhalte und Rituale festlegten. Es entstanden so auch die Hochreligionen - oft in blutigsten Auseinandersetzungen mit abweichenden Glaubensüberzeugungen.  

 Als diese Sache mit erster philosophischer Gründlichkeit angegangen werden konnte kam u.a. auch die Frage auf, inwieweit alles „glaubend vorgestellte Göttliche“ als etwas tatsächlich Existierendes beweisbar war. - Bis heute müssen wir uns dazu  mit diesem inzwischen eindeutig feststehenden Resultat begnügen: Unmöglich kann ein überzeugender Gottesbeweis irgendeiner Art erbracht werden, weder für ein Existieren Gottes noch für ein Nicht-Existieren.     

Der heutige Stand: Bei den verschiedenen religiösen Glaubensinstitutionen gibt es die verschiedenartigsten (mehr oder weniger „festgeschriebenen“) Glaubensinhalte. Und in den Naturwissenschaften - bei strenger Wissenschaftlichkeit - das Eingeständnis, dass es hier nach allen empirischen Klärungsmöglichkeiten keine überzeugend ernstzunehmenden Aussagen geben kann. Bei Wissenschaftlern jedoch, die sich dennoch aus ihren Fachdisziplinen heraus in derartige Bereiche vorwagen, eine Art spekulatives Rätselraten: Was lässt sich  nach dem gesamten wissenschaftlichen Forschungsmaterial schlüssig zu dieser „Gottesfrage“ sagen?  So unter anderem Peter W. Atkins „Schöpfung ohne Schöpfer/Was war vor dem Urknall?“ Stephen Hawking beweist (verkürzt gesagt) „mathematisch“, dass es Gott nicht gibt. - Dass das tatsächlich wahrnehmbar vorfindbare Daseinsgeschehen aber einen völlig anderen „materiellen“ Inhalt hat als den, der von Hawking bei all seinen Berechnungen zugrunde gelegt wird, das klammert Hawking völlig aus (Fundstelle Denkherausforderung Universum in meiner Web-Seite www.sternenstaub-verwandlungen.de). Paul Davies „GOTT UND DIE MODERNE PHYSIK“. - Dieses gesamte „spekulative Rätselraten“ hat durchweg eine entscheidende Schwachstelle: Es wird stets von einer mehr oder weniger bereits festgelegten Gottesvorstellung ausgegangen. Und nur diese „konkretisierte“ Gottesvorstellung wird dann im Licht der Wissenschaft durchleuchtet.

 So bleibt zunächst einmal festzuhalten: Es lässt sich unmöglich ein unumstößlich schlüssiger Gottesbeweis führen, aber ebenso wenig kann auch ein unumstößlicher Beweis von einer Nichtexistenz Gottes kann erbracht werden. Es bleibt dem Menschen daher in dieser Frage eigentlich nur die Möglichkeit sich auf bloße naheliegende Vermutungen zu beschränken. Und hier haben wir es dann mit fast unüberschaubaren Vielfalt von verschiedenartigen Glaubensüberzeugungen in der Menschheitsgeschichte zu tun.

 Ich habe bereits unter „Agnostizismus“ auf die Problematik möglicher fehlerhafter Glaubensinhalte hingewiesen. So lange sich die „religiöse Gläubigkeit“ z.B. allein nur auf eine Anbetung des geglaubten Göttlichen beschränkt, gibt es nicht den geringsten Anlass auf diese Form von Gläubigkeit Einfluss nehmen zu wollen. Aber wie man weiß: Gläubigkeit ist durchweg immer auch mit einer Fülle von zu befolgenden göttlichen Anweisungen und Geboten verbunden. Ein „gottgefälliges Leben“ zu führen heißt dann immer auch - die eigene Lebensweise entschieden im Sinne geglaubter Gottesgebote ausrichten zu sollen. Und so etwas kann dann nicht selten ziemlich fragwürdige und obskure Auswüchse annehmen - immer verbunden mit großen Belastungen für eine ungezwungene Lebensführung.  Das Unerträglichste hier jetzt für eine „unbelastete Lebensentfaltung“: In einem wie großen Ausmaß von religiösen Institutionen auf die einem  jedem zuzugestehende offene Lebensgestaltung eingegriffen wird. Generell bleibt festzuhalten: Rein „innerreligiöse Glaubensinhalte und Rituale“ sollten eigentlich immer als etwas „in jeder eigenen Glaubensüberzeugung separat Gefestigtes“ toleriert werden.  Aber religiöse Glaubensanliegen wirken eben oft genug auch auf die Lebensgestaltung jedes Einzelnen in einem größeren Gemeinwesen ein. Hier sind immer Interessenkollisionen möglich, es ist dann sachdienliche Zurückhaltung und „Nichtbeeinträchtigung“ unbedingt geboten.

Für den eigenen Kulturkreis ergeben sich hier (in diesem Sinn) die unerträglichsten Auswirkungen durch die Glaubenslehren und Dogmen der katholischen Kirche, dabei besonders herausragend in Sachen Sexualität.

 Die Sexualität des Menschen war seit jeher ein Lieblingsansatzpunkt für Riten und Reglementierungen in den Glaubenslehren der verschiedenen Religionsgemeinschaften und Konfessionen.

 Nach allen vernünftigen Hypothesen zu einem Schöpfungsgeschehen überhaupt sollte gelten: Was auch immer an Lebensformen hervorgebracht wurde - die „Weitergabe von Leben“ war ein elementar tragendes Element. (… alles was zum Erhalt des durch die Schöpfungskraft Erschaffenen beitragen konnte musste also immer im Sinne der Schöpfungskraft überhaupt sein).

 Was wir jedoch für diesen Lebensbereich von der katholischen Kirche verbreitet vorfinden sprengt alles vernünftig Glaubhafte. Hier beispielhaft einige „Extremgeschehnisse“ als ein immer von neuem vorkommendes unverantwortliches Geschehen und die begleitende „grundlegende theologische Einstellung“ als eine quälende Dauerbelastung für ein möglichst reibungsloses Miteinander im Zusammenleben.

 Nach dem Stand 2007 erleben wir diese Situation: „GOTT AIDS Afrika / Das tödliche Schweigen der katholischen Kirche“ - eine umfassende Darstellung der gesamten Sachlage von Bartholomäus Grill und Stefan Hippler (BASTEI LÜBBE TASCHENBUCH Band 6015 April 2009). Pfarrer Stefan Hippler erhielt anlässlich dieser Buchveröffentlichung (verkürzt wiedergegeben) die Anweisung, sich zu strittigen Fragen der katholischen Morallehre im Zusammenhang mit HIV/AIDS nicht mehr zu äußern. SPIEGELoneline kommentierte den Fall. „Die katholische Kirche ist in ihrer 2000-jährigen Geschichte oft genug nach der Devise verfahren: Wer aufmuckt, wird weggebissen. Das mussten deutsche Theologen wie Eugen Drewermann oder Hans Küng ebenso erfahren wie Anhänger der Befreiungstheologie  in Lateinamerika, von Leonardo Boff bis zu Jon Sobrino und den vielen Priestern, die zwangsversetzt und geschurigelt wurden.“

 Der Co-Autor Bartholomäus Grill sah sich herausgefordert, in der Folgezeit für Pfarrer  Hippler zu sprechen (insbesondere nach einer 2008 durch die Amtskirche verhinderte Talkshow von Hippler bei Reinhold Beckmann im Ersten Deutschen Fernsehen).

 Nachfolgend soll zunächst einmal auf dieses „Extremgeschehnis“ der katholischen Kirche in Sachen Sexualität eingegangen werden. Unter „DIE SCHLAFLOSE NACHT“, Einleitungsgedanken von Henning Mankell zu „GOTT AIDS Afrika / Das tödliche Schweigen der katholischen Kirche“ finden wir u.a. diese Textpassagen: „ … Heute wissen wir, was wir damals nicht wussten, und zwar vor dem Hintergrund Millionen Toter, Millionen Kranker, Millionen von Ansteckung Bedrohter. Wir haben einsehen müssen, dass das HI-Virus in seinen unterschiedlichen Formen eine gigantische Herausforderung für die gesamte Menschheit darstellt. Im Gegensatz zu anderen Viren, die uns befallen haben, seit die menschliche Rasse aus den Nebeln der Vorzeit heraustrat, ist dies ein Virus, das sich lebenslang in unserer Erbmasse einnistet… Der Kampf gegen Aids ist die Entscheidungsschlacht des Humanismus … Wo stehen wir heute? 25 Millionen Menschen sind bereits an den Folgen von Aids  gestorben, weitere 42 Millionen sind  mit dem Virus infiziert. Man rechnet mit jährlich fünf Millionen Neuinfektionen und drei Millionen Toten. Wir haben den Höhepunkt der Epidemie noch nicht erreicht, es kann noch Jahrzehnte dauern. Allein für das kommende Jahrzehnt geht man von mindestens 50 Millionen neuen HIV-Infektionen aus…“.

 Aus „GOTT AIDS Afrika / das tödliche Schweigen der katholischen Kirche“ folgen jetzt einige besonders hervorhebenswerte Textstellen. Nach dem Kapitel „IM SÜDEN NICHTS NEUES / Die größte Massenvernichtungswaffe unserer Zeit: das HI-Virus“ dann unter „UND DAS SOLL ALLES GEWESEN SEIN? / Was ich als Priester wollte  und wie ich zum Aids-Aktivisten in Afrika wurde“ diese Textpassage (Seiten 43 ff.): „… Auch hier trauerten die Menschen, auch sie hatten einen Aids-Toten zu beklagen, einen Mann, dreißig Jahre jung, vorgestern verschieden. Eine Frau bot mir Bananenbrei an. Auf ihrem T-Shirt prangte die Kathedrale von Kampala. Darunter stand: ‚February 1993, Pope John Paul visits Uganda.‘ Er habe auch über die Seuche gesprochen, erzählte die Frau. Das Wort Kondom aber habe der Pontifex nicht erwähnt, fügte ein Sozialarbeiter hinzu, der die Hinterbliebenen betreute. Kirchenkritiker verübelten Johannes Paul II. damals, dass er lieber die Verbreitung der Seuche in Kauf nehme, als die Morallehre des Vatikans zu ändern. ‚In dieser Gegend sind viele HIV-positiv‘, sagte der Sozialarbeiter. Wie viele? ‚Viele, sehr, sehr viele.‘… In Namibia, Lesotho, Swasiland, Simbabwe, Malawi, Südafrika oder Sambia, wo die Folgen der Pandemie besonders dramatisch sind, hat mich immer wieder die Wut über das Schweigen meiner Kirche gepackt, und manchmal ließ ich alle Hoffnung fahren, dass sich ihre versteinerte Morallehre jemals ändern könnte… Aber es gab - gottlob! - auch gegenteilige Erfahrungen und Begegnungen. Immer wieder traf ich eigensinnige und couragierte Kirchenleute, die nicht viel reden, sondern handeln, und die in Anbetracht des Massensterbens die geradezu kriminell anmutenden Lehren und Vorschriften des Vatikans ignorieren. ‚Es ist unsere Christenpflicht, Leben zu schützen‘, sagte ein irischer Priester, den ich in Lusaka interviewte. Sein Auto war vollgeladen mit Kondomen; er verteilte sie in den Dörfern, auf den Märkten und sogar nach dem Sonntagsgottesdienst…“.    

 In einem weiteren Kapitel „LEBENSSCHUTZ ODER TODESURTEIL? Die Widersprüche der römisch-katholischen Morallehre“ finden sich diese Textpassagen (Seite 80 ff.): „… Sexualität, so lehrt die katholische Kirche, gehört in die Ehe und nur in die Ehe. Sie darf ausschließlich in der Gemeinschaft von zwei verschiedengeschlechtlichen Partnern, die sich lebenslang treu sind, ausgeübt werden. Alles andere - Homosexualität, vorehelicher Geschlechtsverkehr, wechselnde Partner, One-Night-Stands, Zusammenleben ohne Trauschein, Vielehe - ist Sünde… In der Frage der künstlichen Empfängnisverhütung gilt uneingeschränkt die Enzyklika Humane Vitae  von Papst Paul VI. aus dem Jahre 1968. Im ‚Vademekum für Beichtväter‘, das Papst Johannes Paul II. 1997 in Auftrag gegeben hatte, unterstreicht Kardinal Alfonso Lopez Trujillo, der Präsident des ‚Päpstliche Rates für die Familie‘, die absolute Gültigkeit dieser Festlegung: ‚Die Kirche hat stets gelehrt, dass die Empfängnisverhütung, das heißt jeder vorsätzlich unfruchtbar gemachte Akt, eine in sich sündhafte Handlung ist. Diese Lehre ist als definitiv und unabänderlich anzusehen.‘ Und diese Festlegung ist, das hat auch der Papst als oberster Hüter und Ausleger der kirchlichen Lehre bekräftigt, gottgewollt. Der Wille des Allmächtigen lässt keine Diskussion zu… Auf diese Weise werden Millionen von Menschen zu Sündern. Denn sie leben wider den vom Vatikan definierten Willen Gottes, und sie müssen - dass ist jedenfalls die Schlussfolgerung fundamentalistischer Theologen - die Konsequenzen für ihr gotteslästerliches Verhalten tragen…“.

 Nach diesem (ersten) Abstecher zu einigen obskuren Erscheinungsformen im gegenwärtigen religiösen Alltag zurück zu den möglichen Hypothesen über ein ursprüngliches Schöpfungsgeschehen für unsere Daseinswirklichkeit.

 Was kann man über ein Entstehen unserer Welt durch einen göttlichen Schöpfer wissen? Die eindeutige Antwort: Nichts kann man wissen. Alle religiösen Vorstellungen zu einem derartigen möglichen „Herkunftsgeschehen“ beruhen ausschließlich auf der Denkfähigkeit und dem Fantasievermögen des Menschen. In keiner Weise hat sich etwas Göttliches jemals durch ein tatsächlich materiell fassbares „In-Erscheinungtreten“ unmittelbar bemerkbar gemacht. Im gesamten irdischen Naturgeschehen außerhalb von menschlichen Lebensvorgängen ist nie jemals ein unmittelbares göttliches Wirken vorgekommen. Einzig „menschliche Lebensvorgänge“ sind von Fall zu Fall begleitet „von Vorkommnissen göttlicher Art“. Aber diese Vorkommnisse haben niemals einen irgendwie stofflich-materiellen Gehalt. Sie sind z.B. so auch niemals einer engen naturwissenschaftlichen Forschung zugänglich. Göttliches hat so immer nur „immaterielle Realität“. Und diese immaterielle Realität ist ein Daseinsbereich, der für die menschliche Lebensentfaltung eine deutlich erfassbar große Bedeutung besitzt. Alles, was der Mensch gedanklich-schöpferisch hervorbringt, ist konkret erfassbar immaterieller Bestandteil seiner Lebenswirklichkeit. In früheren Ausarbeitungen bin ich immer wieder auch auf die generelle Bedeutung dieses „immateriell Realen“ eingegangen: Nach heutigem Stand gibt es umfassende Besitz- und Eigentumsrechte am „immateriell Realen“; Patentschutz, Verwertungsrechte für kreativ Erschaffenes usw. usf. - alles das existiert für den Menschen als ganz konkrete „Lebensrealität“.

 Auf genau diese Weise ist auch alles Religiöse immer nur in „immaterieller Realität“ für den Menschen vorhanden. Mit dieser Feststellung soll das Religiöse in seiner tiefsten Bedeutung niemals herabgesetzt werden. Im Gegenteil: Genau hier stehen wir vor dem größten Daseinsrätsel: Es gibt das tatsächlich stofflich-materiell vorhandene Daseinsgeschehen, es gibt hier physikalisch-chemische Wirkungsweisen in einem unbegreiflich komplizierten Zustandekommen, es gibt das Erschaffene und die Geschöpfe in Flora und Fauna in unüberschaubarer Vielfalt des Lebendigen - und es gibt den mit Bewusstsein und Denkfähigkeit ausgestatteten Menschen „als Krönung der Schöpfung“. Und hier steht der Mensch dann vor der Frage nach der Herkunft all dieser „Bestandteile“ und der dazu im Hintergrund möglicherweise gegebenen tieferen Bedeutung. Alles was der Mensch hierzu dann noch erahnen kann, beruht immer nur auf Vermutungen, Glaubensannahmen. Aber dieser Bereich von Vermutungen und Glaubensannahmen ist niemals völlig sinn- und wertfrei; unter der Voraussetzung z.B., dass alles wahrnehmbar Wirkliche als ein Schöpfungsgeschehen aufgefasst werden könnte, müssten alle hierzu möglichen Vermutungen und Glaubensannahmen auch einigermaßen entsprechend schlüssig zu entwickeln sein. 

 Unsere Daseinswirklichkeit ist ein „Zeitpfeilgeschehen“. Diese gesicherte  Erkenntnis verdanken wir dem Nobelpreisträger Ilya Prigogine. Der bisherige Ablauf dieses Zeitpfeilgeschehens konnte in herausragenden Forschungsleistungen in den wesentlichen Entwicklungsphasen einigermaßen überschaubar enträtselt werden. Die zukünftige weitere Entwicklung kennen wir nicht. Was da alles noch geschehen mag, ist nicht zuverlässig vorhersagbar. Und so wissen wir auch nicht, wie sich die uns bekannte „geschichtliche Religion“ in der Zukunft weiter entwickeln wird. Alle bisherigen und noch ausgeübten Religionen in der Menschheitsgeschichte sind - gemessen an der gesamten bisherigen Dauer unserer Daseinswirklichkeit - nur ein flüchtiges Geschehen…           

 Die bisherige Entwicklung aller religiöser Überzeugungen verlief in einer außerordentlich grundlegend verhängnisvollen Fehlorientierung: Mit seinem zunehmend größeren Erkenntnisgewinn im gesamten kulturellen Bereich gewann der Mensch im ablaufenden Schöpfungsgeschehen einen immer tieferen Einblick in die tatsächlichen Zusammenhänge alles wirklich Vorhandenen. Für die religiös Gläubigen aber war diese „Erkenntniszunahme“ - krass und verkürzt formuliert - nur Teufelswerk. Denn ständig brachten diese fortwährend neu gewonnenen Erkenntnisse „etabliert gefestigte Glaubensüberzeugungen“ ins Wanken und zum Einsturz. Die mit der Verstandesfähigkeit erforschbar wahren Wirklichkeitszusammenhänge entlarvten stets von neuem die unhaltbare Brüchigkeit einer allzu wirklichkeitsfernen Glaubensbereitschaft.   

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 Humane Lebensentfaltung in aktuellen Auseinandersetzungen mit Radikal-Religiosität

Zuvor bin ich unter „Mögliche Schöpfungshypothesen“ unter anderem auch auf das millionenfache Sterben in Afrika infolge des kirchlichen Kondomverbots eingegangen. Ich nenne es eine „Radikal-Religiosität“, wenn eine humane Lebensentfaltung auf diese Weise aufs äußerte beeinträchtigt wird.

Mit dieser Art „Lebensbeeinträchtigung“ durch ein solches Agieren der katholischen  Kirche hat es die Allgemeinheit allerdings immer wieder auch auf zahlreichen weiteren Konfliktfeldern zu tun.

 Die grundlegende Problematik in dieser und ähnlichen „religiösen Angelegenheiten“ möchte ich an folgendem Fall demonstrieren: „Bild“ Juli 2016: „DER FALL GEHT JETZT ZUM EUROPÄISCHEN  GERICHTSHOF“ - Katholische Klinik feuert Chefarzt wegen zweiter Ehe. / Kurzbericht von CLARISSA FREUND: DÜSSELDORF/ERFURT - Es ist ein ungewöhnlicher Kampf für die Liebe und für seinen Job: Weil Dr. Romauld A. (54) nochmal heiratete, bekam der Chefarzt vom St. Vinzenz-Klinikum in Düsseldorf die Kündigung. Am Donnerstag landete der Fall erneut vor dem Bundesarbeitsgericht (BAG). Rückblick: Seit 2OOO arbeitet Romuald A. (bis heute) als Chef der Inneren Medizin in dem katholischen Krankenhaus. 2006 verliebte er sich in eine Kollegin, heiratete sie nach der Scheidung von seiner ersten Ehefrau 2008 standesamtlich. Ein Problem für seinen Arbeitgeber! - Denn die zweite Ehe, die die katholische Kirche als ungültig ansieht, ist ihm laut Arbeitsvertrag verboten. 2009 erhält er deshalb die Kündigung. - Der Chefarzt klagte dagegen, erhielt im Juli 2010 Recht vom Düsseldorfer Landesarbeitsgericht und 2011 vom Bundesarbeitsgericht. - Doch drei Jahre später die Wende: Weil das Bundesverfassungsgericht die Selbstbestimmung der Kirche als zu wenig beachtet sah, erklärte sie das Urteil des BAG für ungültig. Ein neues Urteil trafen die Erfurter Richter am Donnerstag allerdings nicht. - Sie verwiesen den Fall, bei dem es um den Gleichbehandlungsgrundsatz geht, an den Europäischen Gerichtshof (EuGH). Hintergrund ist, dass ähnliche Fälle im Kollegenkreis des Arztes  nicht mit einer Kündigung sanktioniert wurden. Der Chefarzt war zufrieden mit dem Ausgang. - Sein Anwalt Norbert H. Müller zu BILD: „Dadurch ist es meinem Mandanten möglich, weiter zu arbeiten und für seine Patienten zu sorgen - für ihn das Allerwichtigste.“

 Diesen Beispielsfall greife ich auf, weil sich daran verdeutlichen lässt, wie schwierig die Bewältigung religiöser und weltanschaulicher Konfliktsituationen für jeden überhaupt Beteiligten bei der Lebensentfaltung unter den jeweils aktuellen rechtlichen und gesetzlichen Begleitumständen ist. 

 Ich weiß nicht, mit welcher Intensität sich der „Parlamentarische Rat“ 1948/1949 bei Schaffung des Grundgesetzes in die umfangreiche Fragestellungen speziell zu einer grundlegenden Orientierung in Religiosität und Weltanschauung befasst hat. Aber genau um diese ‚unbekannte Ausgangslage’ geht es hier.

 Uns wurde mit Art. 4 GG im Prinzip ein in außerordentlicher Offenheit gültiger Rahmen für Glaubens- und Gewissensfreiheit geschaffen. Andererseits bleibt der eigentliche Kern (das Inhaltliche) der ganzen Angelegenheit jedoch letztlich dennoch in der Schwebe: Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.

So lange es z.B. bei allem sozusagen „nur um innerkirchliche Belange geht“ ist die „rechtlich geordnete Sachbehandlung“ einigermaßen klar nachvollziehbar. Bei einem „Übergreifen in allgemeine Gemeinschaftsangelegenheiten“ wird alles schon etwas komplizierter: Wann ich mich hier mit gesetzlichen Beschränkungen etwa zu der „Sonn- und Feiertagsruhe“ abzufinden habe, da hat ganz einfach die Kirche das Sagen. Hier gibt es zwar immer wieder noch ein Gezerre um das volle Ausmaß einer kirchlichen Regelungswut, aber der inzwischen erzielte Ausgleich zwischen einer ganz individuellen Lebensgestaltung mit einem weltanschaulich beliebig gestalteten Tagesablauf und der jetzt gültigen gesetzlichen Festlegung hat sich als sehr praktikabel bewährt.

Interessant sind hier aber die „Grenzfälle“: In welchem Ausmaß darf die „prinzipielle Untastbarkeit innerer kirchlicher Belange“ ausgeweitet werden auch auf Lebensbereiche, die nicht mehr „rein innerkirchlich“ sind?  

 Hier erleben wir jetzt ein ziemlich absurdes Konfliktgeschehen.

 Ich halte es für lohnend, sich gerade anhand des Beispielsfalls „Chefarztentlassung aus religiös-dogmatischen Gründen beim St. Vinzenz-Klinikum Düsseldorf“ mit der Vorgehensweise bei der katholischen, radikal-religiösen üblichen Glaubenshaltung vertraut zu machen.

Es geht also um die Grenzfälle zur Unantastbarkeit rein innerkirchlicher Belange.

 Um den Blick für die „Unantastbarkeit rein innerkirchlicher Belange“ zu schärfen hier diese aktuelle Wiedergabe einer rein innerkirchlichen Zeremonie. Es handelt sich zwar um einen Vorgang in Neuseeland; prinzipiell ist die Angelegenheit auch auf unsere grundsätzlich geschützte Glaubensfreiheit übertragbar. Hamburger Abendblatt 18. April 2016 (wortgetreue Textwiedergabe): „Erste Trauung in Spaghettimonster-Kirche: Mit viel Witz, Wein und Bier hat die ‚Kirche des Fliegenden Spaghetti-Monsters‘ in Neuseeland erstmals eine Trauung vollzogen. Miranna Young und Toby Rickett gaben sich bei strahlendem Sonnenschein auf einem kleinen Schiff in Arara bei Christchurch am Samstag das Ja-Wort. Neuseeland ist das erste Land, das der als Kirchenparodie gegründeten Bewegung die Erlaubnis zur Ausstellung rechtsgültiger Heiratsurkunden erteilt hatte. ‚Ich gelobe, stets das Wasser zum Kochen zu bringen, bevor ich die Pasta hineintue‘, lautete der Trauspruch.“

 Die zahlreichen bekannten Varianten, auf welche Weise die Anhänger des ‚Fliegenden Spaghettimonsters‘ ganz konkret in Erscheinung treten, mögen zwar von der gerade wiedergegebenen Zeremonie (bei uns und in den Nachbarländern) in Einzelheiten abweichen; stets wird hier aber (nach meiner Kenntnis) die rein innerkirchliche Hinwendung zu dem „Fliegenden Spaghettimonster“ strikt eingehalten.     

 Und damit zurück zu der „radikal-religösen Gründlichkeit“ der katholischen Kirche bei der Durchsetzung dogmatischer Glaubensanschauungen auch in Grenzüberschreitungen, die sich gegenüber allgemeinen Weltanschauungen und in rein zivilen Bereichen ereignen.    

 Die von mir zuvor angeführten konkreten, vielleicht reichlich obskur oder exotisch wirkenden Beispielsfälle (Kondomverbot, Kündigung wegen zweiter Eheschließung) dürfen nicht den Eindruck vermitteln, als wolle ich mich gezielt mit einer Fülle religiöser Absurditäten beschäftigen. Es geht vor allem einfach - wie in der Titelzeile aufgeführt - um die „Humane Lebensentfaltung in aktuellen Auseinandersetzungen mit Radikal-Religiosität“. Artikel 4 GG lautet (verkürzt wiedergegeben): „Die Freiheit des  Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.“

 Weiter oben habe ich hierzu auch die Ausgangslage bei Schaffung des Grundgesetzes durch den „Parlamentarischen Rat“ 1948/1949 erwähnt: Mit welcher Intensität wurde damals eine grundlegende Orientierung in Religiosität und Weltanschauung betrieben? Hier hat man sich bei Schaffung des Grundgesetzes (meine ich) mit einem „Kunstgriff“ beholfen. Dieser „Kunstgriff“ ist Art. 140 GG (Übernahme von Glaubensbestimmungen der Weimarer Reichsverfassung). Art. 140 GG lautet: „Die Bestimmungen der Artikel 136, 137, 138, 139 und 141 der deutschen Verfassung vom 11. August 1919 sind Bestandteil dieses Grundgesetzes.“

 Ich bin der festen Überzeugung, dass mit diesem „Kunstgriff“ ein wesentlicher Teil der Unverletzlichkeit der Freiheit von Glauben, Gewissen und Weltanschauung einfach ausgehebelt wurde. Kurz: Es werden hier unverletzliche Grundrechte (!) im Zweifel und je nach Zweckmäßigkeit auch schon einmal eleminiert.

Eine skeptische Sicht auf die ganze Angelegenheit - die inzwischen bekannte Sachlage zu dem Fall „Kündigung des Chefarztes Dr. A.“ ist: „Katholische Kirche feuert Chefarzt wegen zweiter Ehe“.  

Chefarzt Dr. A. genießt aber das unaufhebbare Grundrecht der Freiheit des Gewissens und der Weltanschauung. Ob Dr. A. sich jetzt auf dieses Grundrecht beruft oder nicht - das dürfte ziemlich bedeutungslos sein: Es handelt sich hier (bezüglich der Weltanschauung) um ein Grundrecht, das ihm genauso wenig wie irgend jemand sonst genommen werden kann.

 Laut Arbeitsvertrag war ihm eine zweite Ehe verboten. Aber darf ein Arbeitsvertrag bei einer schwierigen Glaubens-, Gewissens- und Weltanschauungsfrage bindend sein?

 Ich erinnere an den Apostel Paulus, der durch eine Art Erweckung von seinem bisherigen Glauben abfiel und so „von Saulus zu Paulus“ wurde. Ich erinnere an Giordano Bruno, der sich aus seiner Kirchenabhängigkeit löste, weil er zu einem Gottesverständnis gefunden hatte, das das damalige viel zu eng gefasste Gottesverständnis der römisch-katholischen Kirche jetzt im Sinne eines weit umfassenderen Schöpfungsverständnisses wesentlich wirklichkeitsgerechter beschrieb. Zugegeben - es handelt sich hier um eindeutig markantere Fälle von „Glaubens-Konfliktsituationen“ als es die Kündigung wegen eines nicht eingehaltenen Arbeitsvertrags ist. Aber das „Inhaltliche der Angelegenheit“ ist völlig gleich; nur die äußeren Begleitumstände sind wesentlich anders. (Das rein „Inhaltliche der Angelegenheit“ - im Fall von Giordano Bruno der grausame Abschluss mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen nach langer, qualvoller Kerkerhaft; alles „im kirchlichen Bereich“.)   

 Das „Inhaltliche der Angelegenheit“: Es handelt sich eindeutig (meine ich) auch im ‚Kündigungsfall Chefarzt Dr. A.’ um einen (insgesamt) Glaubens-, Gewissens- und Weltanschauungskonflikt. Bei dem bekannteren Fall in der „Moderne“ - nämlich dem Verlust der Lehrbefugnis der ersten Professorin für katholische Theologie Uta Ranke-Heinemann - geht es noch um eine „nur separate innere Angelegenheit der Kirche“: Uta Ranke-Heinemann verlor 1987 ihre Lehrbefugnis, weil sie die Jungfrauengeburt in Frage stellte (ihre Zweifel an den Legenden des Neuen Testaments und am christlichen Glaubensbekenntnis haben sich seither vermehrt, siehe die weiteren Einzelheiten in ihrem dann folgenden  internationalen Bestseller „Nein und Amen“ ). Ähnlich die Sachlage einer „nur separaten inneren Angelegenheit der Kirche“ im Fall Küng: Dem schweizerischen kath. Fundamentaltheologen und Dogmatiker Hans Küng, Professor in Tübingen, wurde wegen seiner Theorie zum Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit 1979 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen. Auch hier eine „nur innere kirchliche Angelegenheit“. „Der Fall Küng“ gewann dann in der Folgezeit eine legendäre Aufmerksamkeit… Diesen Hinweis auf diese legendären Fälle rein innerkirchlicher Konfliktsituationen in Glaubensfragen in der Moderne habe ich eingefügt, um den Blick dafür zu schärfen, wie rigoros die katholische Kirche verfährt, wenn es sich in Weltanschauungsfragen auch um Überschneidungen mit außerkirchlichen Belangen handelt.

 Überspitzt gefragt: Darf die Kirche in der modernen Gesellschaft einen derart „allumfassenden Status“ haben, dass sich dabei in ihrem (streng genommen)  außerkirchlichen Bereich von Arbeitnehmer-Abhängigkeitsverhältnissen gelegentlich eine Art „Leibeigenschaft“ herausbilden kann?

 Die Entwicklung allen Kulturgeschehens in der Menschheitsgeschichte kennt keinen Stillstand. In allen Bereichen gab es Fortentwicklungen. So hat sich z.B. zum Verständnis von Sexualität und Erotik eine sehr viel unverkrampftere Sichtweise ganz allgemein in der Gesellschaft durchgesetzt, als es in den meisten „klerikalen Glaubenshaltungen“ der Vergangenheit der Fall war. In einer humanistischen Anschauungsweise darf man der Auffassung sein, dass eine allumfassende Schöpfungskraft für die Daseinswirklichkeit der Sexualität und der Erotik „einen sehr hohen Stellenwert“ eingeräumt haben muss. Wenn die Unauflöslichkeit der Ehe in der katholischen Kirche zu einem Dogma erhoben wurde, dann darf dieses Dogma allenfalls im innerkirchlichen Bereich von Bedeutung sein. Die allgemeingültigen Grundrechte des Menschen dürfen jedoch nicht durch derartige Dogmen verwässert werden. Die „Unfehlbarkeit des Papstes“ z.B. ist eine rein innerkirchliche Problematik und sollte es auch bleiben. Kirchliche Sonderregelungen sollten grundgesetzlich bei einem übergreifenden Einfluss jenseits von Art. 4 GG immer auf ein angemessenes Mindestmaß beschränkt bleiben.       

 Die obige Ausarbeitung ist der Versuch, die Kernpunkte einer humanen Lebensentfaltung in aktuellen Auseinandersetzungen mit einer Radikal-Religiosität

deutlich werden zu lassen. Zu diesen „Kernpunkten“ gehört auch, dass jede agnostische und laizistische Denkweise regelmäßig den Stempel aufgedrückt bekommt, „atheistisch zu sein“. Sehr sonderbar: In agnostischer Denkweise gläubig sein zu wollen kommt für die Hochreligionen regelmäßig einem Sakrileg gleich - der Rahmen aller geläufigen Riten und Glaubensfestlegungen wird dabei anscheinend  gesprengt. Einigkeit herrscht dagegen unter den Hochreligionen darin, sich in ihren  sehr unterschiedlichen Inhalten trotz aller darin enthaltenen Abweichungen  ausnahmslos zu tolerieren - die eigenen Glaubensüberzeugungen mögen da noch so sehr von speziellen Dogmen strotzen. Das mutet an wie praktizierte Schizophrenie. Denn zahlreiche konkrete Glaubensinhalte der verschiedenen Religionen sind beim besten Willen nicht zu einer Übereinstimmung zu bringen.  

Abschließend möchte ich die hier gerade behandelten Schwerpunkte doch noch einmal ergänzen um eine umfassendere sehr pragmatische Draufsicht. Es ist die Zusammenfassung ziemlich denkwürdiger Begebenheiten aus dem aktuellen Kirchenleben. Ich greife dafür zurück auf „DAS KIRCHENHASSER-BREVIER I Ein verlorener Sohn rechnet ab“ von Ulli Schauen (Wilhelm Heyne Verlag 2010). - Der Klappentext lautet: „GOTT, WAS MACHEN DEINE DIENER? - Die Kirchen haben die Moral gepachtet - fühlen sich aber nicht daran gebunden. Die katholische Kirche verkündet den Vorrang des Lebens - und nimmt Aids-Tote in Kauf, indem sie Kondome verbietet. Die evangelische Kirche prägt Erbarmen - und beteiligt sich an der Abschiebung von Ausländern. Vom Kindergarten über die Seelsorge bis zur Entwicklungshilfe - Anspruch und Wirklichkeit klaffen weit auseinander. Ulli Schauen, Spross einer Pfarrersfamilie, rückt ins Licht, was die Kirchen gern im Dunkeln lassen. Sein Fazit: Sie sind auch nicht viel besser als der Rest der Welt.“       

Dieser Klappentext mag den Eindruck vermitteln, als enthalte das „BREVIER“ eine Sammlung von „Pauschalverurteilungen“. Das Gegenteil ist der Fall. Es werden sehr akribisch Fälle von höchster Absurdität zusammengetragen, hier journalistisch abgearbeitet nach der Methodik: Sehr sachlich in der „Meldung“ und sehr persönlich in der „Meinung“. In der „Meinung“ möchte ich Ulli Schauen nicht immer folgen; in der Zusammenstellung der „Meldungen“ leistet der Verfasser aber Bewundernswertes.

 Zu meiner gesamten obigen Ausarbeitung möchte ich nachfolgend diesen Text aus dem „BREVIER“ unverändert hinzufügen: „Katholische Dogmen, menschenfeindliche Praxis: Die katholischen Dogmen mit ihren fein ausgearbeiteten Verästelungen - ein Quell steter Belustigung. Aber nur für denjenigen, der nicht von ihnen abhängig ist, wie etwa einer der rund 1,2 Millionen Arbeitnehmer der katholischen Institutionen. So jemand lacht nicht mit. In einer für Außenstehende seltsam verklausulierte Fachsprache stellt der Vatikan Regeln auf, die die Ratzingers dieser Kirche interpretieren. Geschlechtsverkehr nur in der Ehe, und nur dann, wenn dadurch eine Zeugung geschehen kann. Kaum einer hält sich daran, auch Katholiken nicht. Kondomverbot? Pillenverbot? Egal. Katholiken weltweit regeln ihre Empfängnisverhütung in eigener Verantwortung, und das ist gut so. Nur wenn sie alles zu ernst nehmen, dann kann es tödlich enden - besonders in Ländern mit einem hohen Anteil an HIV-positiven Männern und Frauen. / Hauptsache, die reine Lehre bleibt gewahrt - das zieht sich durch das klerikale Denken wie ein roter Faden. Manchmal hat das Vorteile. Wenn nach Beichte und Absolution die Sünden tatsächlich vergeben und vergessen sind, dann lebt (und sündigt) sich`s für einen Katholiken leichter als für einen Protestanten. Dem drückt nämlich gerne ein strenger Gott permanent als Über-Ich aufs Gewissen und fordert eigene Anstrengungen - aller Rechtfertigungslehre von Martin Luther zum Trotz.“       

Nachfolgend möchte ich nur noch einige weitere (nach meiner Meinung) sehr gelungene Textpassagen aus dem „BREVIER“ auszugsweise wiedergeben bzw. zitieren:

 Tödliche Prinzipientreue: Doch die „reine Lehre“ zum Maßstab des Lebens zu machen, ist unmenschlich. Das Leben ist nicht rein, es verläuft in Kurven und erfordert Kompromisse. Deutlich zeigt sich das bei der Abtreibungsfrage (es folgt von  U.Schauen die Schilderung des damaligen Desasters mit ‚Beratungsscheinen‘; auf päpstliche Anordnung keine ‚Beratungsscheine‘ mehr - und genau dadurch geschehen mehr Abtreibungen bei katholischen Frauen…). Wichtig ist dem Vatikan auch das Sakrament der Ehe. Eine ‚Scheidung auf katholisch‘ gibt es nicht. Ehen sind ewig gültig. ‚Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden.‘ (Mt. 19,6) Nur wenige halten sich daran - sie trennen sich voneinander, und danach gilt wieder der andere Bibelspruch: ‚Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei‘ (1.Mos.2,18), und die Geschiedenen gehen eine neue Partnerschaft ein (es folgt von U.Schauen sehr lakonisch die dann weitere Handhabung:  ‚… nach dem katholischen Codex illegale Bigamie - und dann hier der häufiger praktizierte Ausweg: Nichtigkeitserklärung der - ersten - kirchlichen Trauung; 70 bis 80 Prozent der Antragsteller kommen auf diese Weise in dem Annulierungsverfahren der kirchlichen Gerichte durch)… Bigotterie: … Der Autor (also U.Schauen über sich selbst) hasst die Kirche nicht. Er muss sich nicht an der Kirche abarbeiten… Das beste Urteil, das über die Kirchen zu fällen wäre: Sie sind auch nicht besser als der Rest der Welt. Dass sie allerdings ständig so tun, als seien sie die moralisch höherwertigen Organisationen mit den besseren Menschen, das macht sie unsympathisch… Das Verbot, konsequent zu Ende zu denken: Dass Theologieprofessoren gezwungen werden, beim von der Kirche definierten Glaubensweg zu bleiben, ist aber nichts exklusiv Katholisches. Der Göttinger evangelische Theologe Gerd Lüdemann hat eindrucksvoll geschildert, wie er zuerst durch die Theologie seinen Glauben verloren hat und dann von Kirche und Staat gebrandmarkt und ins Abseits gestellt wurde. Schon während des eigenen Studiums fiel Lüdemann ein krasser Gegensatz zwischen wissenschaftlicher Lehre und Predigt auf. Dieselben Theologie-Professoren, die im Uni-Seminar lehrten, dass Jesus nicht von den Toten auferstanden sei, predigten den Gläubigen beim Universitätsgottesdienst das Gegenteil … (U.Schauen schildert dann die allen ‚Theologie-Studenten‘ bekannte Tatsache, dass alle Texte im Alten und Neuen Testament über Jahrhunderte hinweg geschrieben wurden - oft erst Jahrzehnte oder Jahrhunderte nach den geschilderten Geschichten beziehungsweise Legenden. Alles, was Menschen schreiben, ist von ihrem persönlichen Horizont und ihren Lebensumständen geprägt. Die Autoren der Bibeltexte schreiben mit einer bestimmten Absicht, um bei ihren Lesern etwas erreichen. Sie formulieren Literatur ihrer Zeit, mal Fiktion, mal subjektiv gefärbten Tatsachenbericht, mal Brief, mal Gedicht, mal Vision, mal frommes Traktat, mal aktuelle Streitschrift…).

 Wie lässt sich bei der von Ulli Schauen akribisch zusammengetragenen Stofffülle nach einer nur auszugsweisen Wiedergabe überhaupt ein passenden Abschluss finden? Ich greife dafür noch eimal zurück auf die Einleitung von „DAS KIRCHENHASSER-BREVIER“: Hier gibt es unter „Ein Kirchenhasser-Brevier? Gott bewahre“ diese Textstelle: … Jede zusammenhängende Argumentation gegen die Rolle der Kirchen in der Gesellschaft kann heißen, wie sie will. Kirchenvertreter rufen ohnehin reflexhaft: ‚Achtung! Kirchenhasser! Nicht Ernst nehmen!‘ So wie Kurienkardinal Walter Kasper. Als alle Welt Anfang 2009 die Entscheidung des Papstes kritisierte, die rückwärtsgewandte Piusbrüderschaft wieder in den Schoß der Kirche aufzunehmen, war Kasper empört über die Kritiker. Aggressiv und antirömisch geprägt sei die Diskussion, und - jetzt das Totschlagwort - ‚zum Teil einfach blanker Kirchenhass‘ (Walter Kasper im Interview am 18. Februar 2009, s. http://www.domradio.de).

 Das Totschlagwort - ‚zum Teil einfach blinder Kirchenhass!‘ - Ich habe mich, so oft ich auf fundierte „Kirchenkritik“ gestoßen bin, intensiv bemüht, die gesamte Argumentation vorrangig nach dem sachlichen Wahrheitsgehalt einzuordnen. Also sehr sorgfältig darauf zu achten, ob die bekannteren kirchenkritischen Texte der Gegenwart einfach nur „blinder Kirchenhass“ sind, ob sie also fern jeder von der Sache her nichts anderes als etwa nur polemische Verunglimpfung der uns täglich überflutenden kirchlichen Verkündigungsbotschaften sind. Was ließe sich da nach der von U.Schauen umfassenden Einschätzung des „ursprünglichen  christlichen Schrifttums als vor allem auch Fiktion, Legendenbildung usw,“ entgegenhalten? Bei heute möglicher näherer Kenntnis aller Zusammenhänge: „gar nichts!“     

 U.Schauen hat zu den Autoren der Bibeltexte die sachlich zutreffende Feststellung getroffen: ,… hier gäbe es u.a. mal Fiktion, mal subjektiv gefärbten Tatsachenbericht, mal Vision, mal aktuelle Streitschrift… Niemals aber habe Gott ihnen die Feder geführt’. Und Schauen verweist dann auch auf die (meine Formulierung) ‚wirklichkeitsnahen Resultate der historischen Forschung, (und weiter):  An der historisch-kritischen Methode führt kein Weg vorbei, wenn sich die Theologen nicht in die Beliebigkeit des nicht hinterfragbaren persönlichen persönlichen Glaubenserlebnisses flüchten…‘.

Meine obigen Ausarbeitungen sind als ein weiterer Schritt entstanden im Sinne der von mir vorweg gewählten Titelzeile: Zurück in die Wirklichkeit - Teil II: unsinnige Fantasieeskapaden. - Alles hängt für mich damit zusammen, dass ich gerade der Erforschung wirklichkeitsgerechter Sachzusammenhänge eine höchste Bedeutung zumesse. Was sich in der Kulturgeschichte der Menschheit überhaupt nur an Resultaten nachlesen lässt, die in „kritisch-historischer Methodik“ gewonnen wurden, das habe ich (wo auch immer greifbar) geradezu gierig verschlungen. Und da ist es einfach nur beschämend und abstoßend, wenn hier eine „theologische Wissenschaft“ die inzwischen nach den kritisch-historischen Befunden im Wesentlichen eindeutig zutreffend ermittelten Sachzusammenhänge (wie jetzt im ,BREVIER’ überdeutlich erkennbar) blind ignoriert.

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Fantasievoll ersonnene Glaubenswelten - zumeist erschreckend lebensfremd und wirklichkeitsfern

 Zur Menschheitsgeschichte dürfte gehören, dass seit jeher für alles unerklärliche Geschehen mit viel Fantasie auch die abenteuerlichsten Erklärungen ersonnen wurden. Es dürften dabei dann immer wieder auch mit viel Fantasie erdachte höhere unbekannte Mächte im Spiel gewesen sein. Geister- und Götterwelten dürften sich auf diese Weise unter den Menschen als etwas kaum Erkennbares stetig auch schicksalhaft Eingreifendes verbreitet haben.

Noch nie hat sich jedoch etwas überirdisch Existierendes als etwas faktisch Vorhandenes  jemals einem Menschen unmittelbar zu erkennen gegeben. Die Begegnungen mit den Geistern und mit der Götterwelt ereigneten sich regelmäßig nur in den Hirnregionen der Menschen, die bereit waren, an derart Übersinnliches zu glauben. Ich behaupte, an dieser Ausgangssituation hat sich bis auf den heutigen Tag generell überhaupt nichts geändert; lediglich bei den dabei praktizierten Anwendungsweisen ist die Menschheit zwischenzeitlich sehr viel flexibler geworden.

 Das Unselige an diesem „Stück Historie“ der Menschheitsgeschichte ist, dass sich gerade hier die unheilvollsten Entwicklungen für das Zusammenleben ereignet haben. Es entstanden „Gottes-Vorstellungen“, die unmöglich mit ‚etwas alles überragend Göttlichem‘ im Jenseitigen zu tun haben konnten; dazu waren die so geglaubten Gottheiten zu sehr in weitgehend nur menschlichen Dimensionen ersonnen worden. Es entwickelten sich so in einem reinen Fantasiegeschehen  vielfältige überirdische Götterwelten, die das Handeln und die Verhaltensweisen der Menschen außerordentlich stark beeinflussten. Die Freiräume für alle religiösen Reglementierungen, die auf diese Weise in allen gedanklich ersonnenen Glaubenswelten geistig zustande kamen, haben wie die Büchse der Pandora die zerstörerischten Kräfte im Zusammenleben frei gegeben.

Zu den so entstehenden religiösen Reglementierungen gab es jedoch immer auch diese Gegenströmungen: Es wurde von einzelnen Menschen nicht akzeptiert, was da unablässig eine Priesterschaft als göttliche Weisungsgebote für die Gesamtheit durchzusetzen suchte. Und auch hier gab es eine lang anhaltende kulturelle Entwicklung; das vor einigen Jahrhunderten zwischenzeitlich erreichte Resultat: In der gesamten Menschheitsentwicklung bildete sich in jüngster Zeit als  „Gegengewicht“ eine starke, humanistische Lebenshaltung. Ich möchte diesen speziellen Entwicklungsfortgang im gesamten Kulturgeschehen jetzt mit so einem „Schlagwort“ wie: ‚leben lassen und leben‘ umschreiben. Es geht um diese umfassende Toleranzeinstellung:  Jedem sei bei allem sein völlig eigenes Realitätsverständnis gegönnt - wenn es sich damit nur allseits ziemlich erträglich leben lässt.

Niels Bohr vertritt richtungsweisende Begriffsfestlegungen zu den verbreiteten Vorstellungen von „Realität“ und von „Wirklichkeit“: „Es gibt zwischen Wirklichkeit und Realität einen ganz gravierenden Unterschied. Wirklichkeit ist das objektiv Vorhandene, dessen Funktionsweise wir aber nicht kennen. Realität aber ist die subjektive Sicht des Menschen auf die Wirklichkeit. Das bedeutet aber: Realität ist stets etwas nur durch Verstand Konstruiertes - etwas nicht Wirkliches. 

 In diesem Zusammenhang sollte nun allerdings auch feststehen: Gerade im Bereich des Religiösen gibt es die merkwürdigsten Formen von Realitätsverständnis - dabei häufig ohne jeder wahren Wirklichkeitsbezug. Gerade daraus können dann konstant die größten Schwierigkeiten für das Zusammenleben entstehen. Nämlich immer dann, wenn die jeweiligen „religiösen Überzeugungen“ mit dem Anspruch höchster Glaubwürdigkeit verbreitet werden.

 Wenn man bei derartig „religiösen Überzeugungen“ auf offenkundig fehlerhafte Inhalte stößt, sollte man sich auf das Naheliegendste besinnen: Es gibt immer den Weg, sich völlig unbelastet von speziellen religiösen Einstellungen zu orientieren - einfach mit der dem Menschen verliehenen Denkfähigkeit. Und dabei kann man dann auch zu unbedingt vernünftigen Resultaten kommen, wenn man sich überhaupt  nur einmal intensiv und „sehr sachgerecht“ mit dem in der Menschheit angehäuften religiösen Kulturgut auseinandersetzt.

 Im Grunde hat hier die im vorherigenText erwähnte kritisch-historische Methodik eine größte Bedeutung für die Erforschung der wahren Sachverhalte aus der Vergangenheit. Denn wenn man sich hier erst einmal in bloße Fiktionen und reine Legendenbildungen verrannt hat, dann gerät „in Glaubensangelegenheiten“ von Anbeginn an alles in ein völlig wirklichkeitsfernes Durcheinander: Immer sollte feststehen - was sich an Legendenbildungen im Hirn ersinnen lässt, das kommt primär ganz allein nur durch die menschliche „Fantasiebefähigung“ zustande.

 Eigentlich war der Mensch seit jeher durchaus auch mit einer „sachgerecht funktionierenden Denkfähigkeit“ ausgestattet. Er ist aber mit dem stets möglichen Abgleiten in „Gläubigkeit“ immer wieder in ein nicht sachgerechtes Orientieren hineingeraten. Zugleich konnten so auch immer neue Formen von religiösen Überzeugungen entstehen; eine dabei entscheidend grundlegende Fehlentwicklung wurde jedoch niemals behoben: Immer wieder einmal traten Menschen in Erscheinung, die behaupteten, über das unbekannte Göttliche genaue konkrete Einzelheiten als einen zuverlässigen Wissensschatz zu verfügen - eine völlig wirklichkeitsferne Anmaßung. Denn hierzu bleibt unbedingt festzuhalten: Unmöglich kann jemals ein Mensch etwas wirklich Genaueres wissen über die wahren kosmischen Zusammenhänge, die es bei den möglichen allumfassenden Schöpfungskräften im Hintergrund zu allem diesseitigen Geschehen geben mag.     

Wer sich so z.B. eher oberflächlich bei Geschichtsdaten nur völlig unkritisch lediglich an überlieferten Legenden und festen Glaubensüberzeugungen orientiert, bewegt sich damit von vornherein in absolut fehlerhaften Orientierungen - und ist dann zumeist auch unfähig, das überhaupt zu bemerken.    

 Gerade heute lässt sich zu den weit in der Vergangenheit geschehenen geschichtlichen Ereignissen vieles sehr zuverlässig ermitteln. Es liegt dazu eine derart umfangreiche Fülle von geeigneter Sachliteratur vor, dass jeder, der sich in diesem gesamten Bereich auch nur etwas fundierter mit gesicherten Grundkenntnissen vertraut machen möchte, zu diesem Wissensbereich ohne weiteres auf bestes Informationsmaterial zurückgreifen kann.        

 Unter Ausschöpfung aller Forschungsmöglichkeiten wurde zwischenzeitlich ein derart umfangreiches „Sachwissen“ über alles längst vergangene tatsächliche Geschehen zusammengetragen, wie es viele Epochen zuvor den Menschen nie zur Verfügung stand. Man muss nur auf dieses fundiert zusammengetragene Sachwissen zurückgreifen um eindeutig zu erkennen, in einem wie großen Ausmaß die Menschheit in früheren Epochen in einer völligen Unwissenheit über die tatsächlichen Daseinszusammenhänge der Lebenswirklichkeit befangen waren.

 Mein Interesse war es von jeher, mir soviel und so gründlich wie möglich ein möglich umfassendes Wissen über die grundlegenden Zusammenhänge in unserer Daseinsklichkeit anzueignen. Ich musste dabei allerdings jeden Zugang ohne eine „wissenschaftliche Grundausbildung“ finden und habe daher alles an bedeutsam zuverlässiger Sachliteratur genutzt, was hier auf Forschungsebene bislang erarbeitet worden war.

 Um dabei jetzt gerade auf dem Gebiet alles religiös Geglaubten einigermaßen erfolgreich voranzukommen, bietet sich die „Rückkehr zu den Wurzeln“ an: Wo nahm alles Geglaubte jeweils seinen Anfang? Inwieweit kam es hier zu den „damalig zeitgemäßen Falschorientierungen“? Welche verlockenden Legendenbildungen entstanden dabei aus einer allzu großen Fantasiebefähigung und Glaubensbereitschaft? Und welche bewusst inszenierten Fehlinterpretationen wurden hier „zusätzlich“ auch noch in Umlauf gebracht?

 Es sind vor allem diese zwei Wissensgebiete, die überraschende Klärungen durch die hier inzwischen vorliegende umfangreiche Sachliteratur vermitteln: Zum einen ist es die Archäologie, die nach dem heutigen Stand weitgehend gesicherte Erkenntnisse über die tatsächlichen Vorkommnisse in archaischen Zeiten zu rekonstruieren vermag. Und zum anderen sind es die möglichen sorgfältigen Untersuchungen zu den überlieferten Biografien von geschichtlich herausragenden Persönlichkeiten, die die erstaunlichsten Korrekturen bei eindeutig nachweisbaren Geschichtsfälschungen ermöglichen. Alles verbunden mit Überschneidungen in diesen gesamten Bereichen.  

 „Fantasievoll ersonnene Glaubenswelten“ - dieser Titel zu der hier insgesamt behandelten Thematik zielt vor allem auf Auswüchse unserer christlichen Kultur. Und hierbei geht es dann eben auch um „archäologische Bestandsaufnahmen“ zu den überlieferten Berichten aus der Zeit des Alten Testaments sowie des Neuen Testaments.

 Entscheidende Ansatzpunkte für die Vorgehensweise „Zurück zu den Wurzeln“ finden sich z.B. in diesen Veröffentlichungen: „Wer schrieb die Bibel? / So entstand das Alte Testament“ von Richard Elliott Friedmann (Anakonda Verlag 2007; Original 1987) und in „DAS VERGESSENE KÖNIGREICH / Israel und die verborgenden Ursprünge der Bibel“ von Israel Finkelstein (Verlag C.H. Beck 2014).

Es gibt eine sehr umfangreiche Literaturfülle zu der Thematik „Zurück zu den Wurzeln in Archäologie und in überlieferte Biografien“. Ich habe die beiden obigen Fundstellen ausgewählt, weil sich daran geradezu exemplarisch der Gegensatz von „Wirklichkeitserfassung“ und „Legendenbildung“ herausstellen lässt: „Märchen“ z.B. sind reine Fantasieprodukte unter Verwendung frei erfundener Geschehnisse fern der Wirklichkeit. „Legenden“ greifen oft auf tatsächlich geschehene, historische Ereignisabläufe der Vergangenheit zurück - „erfinden“ hierzu jedoch ein beliebiges, nur gedanklich ersonnenes Beiwerk, das niemals von den tatsächlichen historischen Ereignisabläufen „getragen“ wird, sondern allein in der „Fantasiebefähigung des Menschen“ verankert ist. Weitgehend zutreffende „Wirklichkeitserfassung“ dagegen kommt jedoch vor allem durch Rückgriff auf die Berichte zustande, die so authentisch wie nur irgend möglich die tatsächlich stattgefundenen historischen Geschehensabläufe in allen Fassetten beschreiben.    

 Mit „Wer schrieb die Bibel / So entstand das alte Testament“ liegt in diesem Sinn ein Werk vor, das äußerst sachlich die heute noch auszumachenden Verfasser der Bibeltexte, die dabei jeweils treibenden Interessenlagen und die zugleich damit verbundenen „Geschichtsfälschungen“ sehr eingehend dokumentiert. - Es ist hier Seite für Seite nachlesbar, dass hier unmöglich ein „Gott Vater im Himmel“ irgendwie selbst die Feder geführt haben könnte.

 Und mit „DAS VERGESSENE KÖNIGREICH / Israel und die verborgenen Ursprünge der Bibel“ liegt so auch ein Werk vor, das mit gefestigten archäologischen Forschungsresultaten die legendären Glorifizierungen der altorientalischen Gebiete „Juda“ und „Israel“ sehr ernüchternd auf die damaligen tatsächlichen Zusammenhänge „wirklichkeitsnah zurückfährt“. (Ähnliche Textpassagen finden sich so z.B. auch in „Jerusalem / Jüdischer Traum und israelische Wirklichkeit“ von Walter Laqueur; Ullstein 2005. Hier auszugsweise frei zitiert aus „SUKENIK UND DER KRIEG DER ARCHÄOLOGEN“: „ … Doch all die Abbildungen und Karten der angeblichen Hauptstadt, ihrer Mauern und Gebäude, die man im Lauf der Zeit angefertigt habe, seien Phantasieprodukte. Aus dem goldenen Zeitalter der Israeliten  gebe es nur wenige, überdies weit verstreute und zweideutige Funde. Ein vereinigtes Königreich habe es in der fraglichen Zeit - im 10. Jahrhundert vor Chr. - aller Wahrscheinlichkeit nach nicht gegeben, für die Existenz von David und Salomon gebe es keinerlei Beweise, und Jerusalem, wenn es denn damals schon existiert habe, sei nicht der Mittelpunkt eines mächtigen Königreichs gewesen, sondern ein kleines, unbedeutendes Bergdorf. … Hunderte Jahre früher gab es offenbar eine Siedlung, aber sie war klein und wie andere Orte in Kanaan nicht befestigt. Mit anderen Worten, die Geschichte über die israelische Invasion beruht nicht auf historischen Fakten, sondern auf Legenden… Dieser Logik zufolge, waren die Kinder Israels niemals in Ägypten gewesen, hatten nie das Rote Meer durchquert, waren nicht jahrelang durch die Wüste geirrt. Vielmehr entstand in dem zentralen Hügelland Kanaans um 1200 v.Chr. ein Netzwerk von Bergdörfern, bewohnt von Nomaden, die allmählich zu Bauern wurden, und diese waren, wie ein führender Archäologe es ausdrückte, die ersten Israeliten…“. Ich habe diese zusätzlichen Fundstellen angeführt, weil wir hier sehr prägnant beschrieben wird, was auch Israel Finkelstein ähnlich - aber sehr viel gründlicher  - auf 188 Seiten in „DAS VERGESSENE KÖNIGREICH“ schildert.)      

 Ein sehr umfangreicher Klärungsbereich bei der Beschäftigung mit „fantasievoll ersonnenen Glaubenswelten“ ergibt sich aus den inzwischen vorliegenden zahlreichen „Entmystifizierungen zu Jesus Christus“: Hier erlebte ich den ersten entscheidenden Umbruch in meiner damaligen religiösen Glaubenshaltung mit dem Buch von Albert Schweitzer „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“. Damit lag für mich das Material vor für die völlig überraschende Klarstellung, dass die Bibel in keiner Weise ein unmittelbar auf Gott zurückzuführendes Verkündigungswerk ist. Sondern dass hier lediglich aus einer „Vielzahl von Quellen“ einzelne Berichte verschiedener Verfasser „legendenartig“ beschrieben, was sich als ein Heilsgeschehen durch die „Erlöserfigur Jesus Christus“ ereignet haben sollte. Diese Berichte lassen sich laut „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“ unmöglich inhaltlich zu einer völligen Übereinstimmung bringen.

 Also sehr eindeutig - nicht Gottes Wort selbst liegt vor, sondern es handelt sich lediglich um Berichte, mit denen bestimmte Geschehnisse aus der biblischen Zeit wiedergegeben werden sollten. Nach dieser ersten, für mich ernüchternden Klärung vor etwa sechzig Jahren folgten dann zusätzlich die Vertiefung in erweiternde „Dokumentationen“, die das Neue Testament als Gottes ureigene Verkündigung völlig zum Einsturz brachten.

 Nach dieser ersten „ernüchternden Klärung“  ging es bei jedem Rückblick in die früheren, tatsächlich erforschten historischen Zusammenhänge für mich viel entschiedener vor allem um die geschichtliche Person des „Jesus von Nazareth“. Und hier dann auch hier die völlige Umorientierung „zurück in die Wirklichkeit“:  An den Überlieferungen zu „Jesus als Gottes eigenem Sohn“ und dem bei allem dann auch beteiligten „Heiligen Geist“, an den Überlieferungen zu der „Jungfrauengeburt“ sowie weiterhin auch  „Gott Vater selbst“ durfte man sehr begründete Zweifel haben.

 Aber was ließ sich dann über Jesus selbst als eine annähernd wahre Lebensgeschichte in Erfahrung bringen? Eine „intensivste Aufarbeitung“ in diese Richtung fand ich - sehr aktuell - vor in „Der Jesuswahn / Wie die Christen sich ihren Gott erschufen…von Heinz-Werner Kubitza (Tectum Verlag 2013). Hier wird mit außerordentlicher Sachkenntnis beschrieben, welche geschichtlichen Ereignisse zur Zeit von Kaiser Augustus tatsächlich stattgefunden haben. 

 Wie aber verhält sich die Kirche zu dieser ganzen Entwicklung? Ist sie hier völlig „geschichtsblind“? Auf den ersten Blick scheint es auch hier so etwas wie „Bewegung“ zu geben: Die Erde z.B. ist inzwischen im Verständnis der Kirche nicht mehr Mittelpunkt des gesamten Kosmos. Und auch hier gab es dann auch „eine Bewegung“: Galileo Galilei musste einstmals zwar wider besseres Wissen seine genialen Kenntnisse von größeren Weltzusammenhängen widerrufen. Aber irgendwann kam dann doch auch der Kirche die Erleuchtung, dass sie sich im Fall „Galilei“ (wie auch in so manch einer anderen starrsinnigen Deutung von Wirklichkeitszusammenhängen) schlichtweg geirrt hatte.

 Bei der Bewertung von faktischen Wirklichkeitszusammenhängen gibt es also immer wieder einmal (wenn zumeist sehr widerstrebend) eine Bereitschaft, sich einer besseren Erkenntnis zu beugen. Jetzt aber „in Glaubensdingen“? - Hier erlebt man in dieser Hinsicht ein ziemlich abstruses Verhalten: Bei der Kenntnisnahme von geschichtlichen Zusammenhängen kann man durchaus eine immerhin gewisse Aufgeschlossenheit der Kirchen beobachten; faktisch nachweisbare geschichtliche Zusammenhänge z.B. werden nicht einfach nur in einer willkürlichen Beliebigkeit ausgeblendet. Aber darüber hinaus erleben wir dann doch auch diese sehr eigenartige Vorgehensweise: Was sich nur irgend ideologisch im Sinne der völlig eigenen Glaubensüberzeugungen zu dem „verbürgten geschichtlich-historischen Material“ in Legendenbildung hinzuerfinden lässt, das wird geradezu bedingungslos dem gesamten, geschichtlich verbürgten Wissensgut ohne Wenn und Aber hinzugefügt.       

 Aus der historisch wohl tatsächlich geschehenen Kreuzigung des Eiferers Jesus von Nazareth wurde so durch Legendenbildung eine „Kreuzigung des lang erwarteten Messias Jesus Christus“. Und durch Legendenbildung verstarb dieser Jesus Christus nicht „absolut vollendet“ am Ort der Kreuzigung, sondern er überwand das Versterben durch eine Wiederauferstehung. Und dies alles durch die einmalige geschichtliche Fügung, dass Gott, der Allmächtige, in historisch einmaliger Vorsehung Jesus Christus als seinen ihm ebenbürtigen Sohn dazu ausersehen hatte, mit dem ihm verordneten Schicksal der zu erleidenden Kreuzigung die gesamte sündenbelastete Menschheit von aller Sündhaftigkeit zu erlösen - um damit einer gläubigen Menschheit den Weg ins Himmelreich zu bahnen. Dieses Geschehen in historisch einmaliger Vorsehung vollzog sich laut Legendenbildung dann auf die Weise, dass die auserkorene Gottesmutter, die Jungfrau Maria, durch das Wirken des Heiligen Geistes den Gottessohn Jesus Christus zur Welt brachte.   

 In Glaubensangelegenheiten werden wir letztlich immer im Ungewissen bleiben. Denn was wir über die von uns erforschbare Wirklichkeit als letztes Ursachen- und Wirkungs-Geschehen vielleicht noch gerade entfernt zu erahnen vermögen, darüber bleibt uns eine exakte Kenntnis immer verschlossen. Hier können wir uns bestenfalls  unter Verwendung unseres „gesicherten Wirklichkeitswissens“ in höchster Annäherung das dennoch zusätzlich Glaubhafte zu eigen machen wollen. Dies ist der Bereich dessen, was wir trotz aller Ungewissheit für „wahr“ halten können - alles nur in völlig unbeweisbaren Glaubensannahmen. Aber diese „Glaubensannahmen selbst“ können nie ernsthaft zu irgendwelchen dennoch verbindlichen Weisungen von göttlichen Gefilden her umgedeutet werden. Was „nur geglaubt werden kann“ bleibt so auch immer nur „unbeweisbares Glaubensgut“.

 So kann z.B. jeder in letzten Vermutungen glauben, die hier vorfindbare Daseinswirklichkeit hätte für alles als letzte Ursache eine alles erschaffende Schöpfungskraft. Diese Annahme wäre durch keinen möglichen Gegenbeweis zu widerlegen. Und in so einem Glauben wäre dann auch alles als im Sinn dieser Schöpfungskraft geschehend zu verstehen, was sich nur irgend schöpfungsbewahrend bewährt. Das ist ein weiter Rahmen für alles nur irgend Glaubhafte. Eigentlich ist hier alles zu akzeptieren, wodurch dieses „Grundkonzept“ nicht bedroht und beeinträchtigt wird. Das bedeutet: Wenn z.B. irgendwelchen Glaubensinhalten die Machtfülle zugesprochen wird, die einzige von Gott verordnete unbedingt zu befolgende Wahrheit zu sein, dann wäre das tatsächlich erschreckend wirklichkeitsfern und geeignet, auch die verhängnisvollsten „Glaubenskriege“ auszulösen.

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Teil III: Der Grenzbereich des human Vernünftigen

Einleitung

 Was die Wirklichkeit in ihren vollen Ausmaßen tatsächlich ist, wodurch sie in der Zusammensetzung ihrer unterschiedlich agierenden Kräfte zu der heute bekannten Form gefunden hat - das alles wissen wir nicht und können es wohl auch niemals mit der letzten Bestimmtheit in Erfahrung bringen. Hier gilt unbedingt diese immer wieder zitierte Festlegung von Niels Bohr: „Es gibt zwischen Wirklichkeit und Realität einen ganz gravierenden Unterschied. Wirklichkeit ist das objektiv Vorhandene, dessen Funktionsweise wir aber nicht kennen. Realität aber ist die subjektive Sicht des Menschen auf die Wirklichkeit. Das bedeutet aber: Realität ist stets etwas nur durch Verstand Konstruiertes - etwas nicht Wirkliches.

 Zutreffende Erkenntnisse in höchstmöglicher Annäherung bei all diesen „letzten Fragen“ - die sind uns jedoch immerhin in einem beachtlichen Ausmaß möglich. Allerdings gibt es da aber immer auch die „menschliche Befähigung“ in Richtung einer beliebig ausufernden Fantasieentfaltung, durch die ein sachgerecht zielstrebiges Erforschen aller tatsächlichen Daseinszusammenhänge völlig ausgebremst werden kann.  

 In der vorherigen Ausarbeitungen zu „zurück in die Wirklichkeit“ habe ich mit einigen grundlegend wichtigen Orientierungen in Kernbereichen der Naturwissenschaft und in „universellen weltanschaulichen Fragen“ beschäftigt. Nachfolgend geht es mir darum, inwieweit es nach derartigen grundlegenden Feststellungen möglich ist, die gegenwärtig anhaltenden Verhaltenssteuerungen im menschlichen Zusammenleben zielgerichtet im Sinn auch von  einer unbedingt allgemeingültigen Werthaftigkeit zu erfassen. D.h.: Es ist eine Beschäftigung mit den ganz „konkreten Verhaltensschablonen“, denen wir heute ständig auf sozusagen eingefahrenen Gleisen ausgesetzt sind. Und dabei dann der Versuch, alle dabei aufgelaufenen Fehlentwicklungen aus der Vergangenheit deutlich herauszuarbeiten.  

 Das gesamte kulturelle Geschehen auf unserem blauen Planeten im weitesten Sinn ist allein auf die „geistige Kreativität des Menschen“ zurückzuführen. D.h. keine irgendwie „unmittelbar göttliche Einflussnahmen“, keine etwa zwingend erforderlichen Deutungen zu irgendwelchen äußeren Geschehensabläufen konnten absolut vorhersehbar die tatsächlich abgelaufene kulturelle Menschheittsentwicklung jeweils von vornherein „festzementieren“. Es war auf jeder Stufe der Menschheitsentwicklung immer nur die jeweilige „kreative Deutungsmöglickeit“ zu allen tatsächlich oder vermeintlich ablaufenden Ereignissen, mit der es („von Fall zu Fall“) zu den weit übergreifenden Anschauungsweisen zu allen Lebensinhalten kam.      

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Höhen und Tiefen in der Menschheitsentwicklung durch einerseits  überzeugende Erkenntnisstärke und andererseits krankhafte Blindgläubigkeit

 Man kann sich mit der eigenen Denkfähigkeit immer wieder auch mit dem Rätsel der tatsächlichen Beschaffenheit alles Wirklichen beschäftigen. Immer wieder sieht man sich dann vor der unbegreiflichen Vielfalt alles tatsächlich ablaufenden Geschehens. Die letzte Bedeutung die hier alles hat, ist in der Menschheit noch nie vollständig enträtselt worden. Und so kommt man nie darum herum, alles abwägend zu werten, was da bereits in allen bisherigen „kulturellen Entwicklungen“ weitgehend zuverlässig erforscht werden konnte.

 Die größte Schwachstelle in der „kulturellen menschlichen Leistungsfähigkeit“ ist hier die religiöse Gläubigkeit. Unbestreitbar wird sich der Mensch immer vor dieser religiösen Herausforderung sehen, nämlich: Die Existenz einer letzten veranlassenden Schöpfungskraft zu allem Vorfindbaren für möglich zu halten. Aber wie sich hier jetzt verlässliche genauere Antworten finden lassen - da versagt jeder unbedingt zutreffende Erkenntniszugang.

 Die Menschen haben sich hier immer damit beholfen, in diesem unüberwindbaren „Schwebezustand“ an solche höheren Mächte zu glauben, die zu dem tatsächlich ablaufenden Geschehen als überirdische Verursacher hinzugedacht werden konnten. Und wie man weiß - immer taten sich dann einige seherisch Herausragende besonders hervor, die in ganz eigenen Vorstellungen und Visionen annähernd anschauliche Konkretisierungen zu allem überirdischen Geschehen bereit hielten.

 Genau hier setzt jetzt aber die Verzweigung ein in einerseits eine Art gläubige Geborgenheit in das höhere überirdische Wirken höherer Mächte und andererseits einem glaubend-unterwürfigen Ausgeliefertsein an sehr exakt festgelegten Lenkungsanweisungen von den überirdischen Mächten her. Wir sind durch die Glaubenslehren der monotheistischen Hochreligionen so sehr an das Ausgeliefertsein von vermeintlich unbedingt zu beachtenden Gebots- und Verbots-Fällen unmittelbarer göttlicher Weisungen gewöhnt, dass uns die Möglichkeit einer immerhin unbekümmerten Geborgenheit im gesamten Schöpfungsgeschehen kaum noch in den Sinn kommt.

 Auch heute noch steht der Mensch ganz einfach vor dieser grundlegend sehr bedeutsamen Frage: Welche eigene Existenzformen letzte höhere Schöpfungskräfte jenseits unserer wahrnehmbaren Wirklichkeit haben mögen und ob derartige Kräfte überhaupt als Ergänzung zu unserem tatsächlichen Daseinsgeschehen (im Rahmen einer ernst zu nehmenden Überzeugung) hinzugedacht werden können.

Bei uns gilt inzwischen die Religionsfreiheit, jeder mag glauben, was und wie es ihm nur irgend beliebt. Allerdings darf er dabei - verkürzt gesagt - anderen in deren Glaubensanschauungen nicht in die Quere kommen. Und gerade hier erleben wir heute immer noch eine ziemlich unerfreuliche Problematik. Es ist die Problematik, dass einige Religionsgemeinschaften immer wieder auch über den Bereich ihrer eigenen Glaubensanhängerschaft hinaus in einer größeren Breitenwirkung Einfluss zu nehmen versuchen auf das Zusammenleben jenseits ihrer eigenen Anhängerschaft.

 Ich möchte das beispielhaft an dem Wirken der katholischen Kirche aufzeigen; hier haben wir es mit einer Glaubensgemeinschaft zu tun, die mit fast schon fundamentalistischer Intensität ihre eigenen Glaubensinhalte allseits zur Geltung zu bringen sucht.      

 Unter  „Fantasievoll ersonnener Glaubenswelten - zumeist erschreckend lebensfremd und wirklichkeitsfern“ habe ich bereits erläutert, warum heute keinem einigermaßen sachorientierten Menschen mehr zugemutet werden darf, die christliche Glaubenslehre noch voll inhaltlich ernstzunehmen: Bei der heutigen Kenntnis über das Zustandekommen dieser Lehre sowie der inzwischen gewonnenen Kenntnis über die gesamten universellen Zusammenhänge allen kosmischen Geschehens muss die Epoche des Christentums - meine ich - nur als ein „großer Menschheitsirrtum“ in den kulturellen Entwicklungen auf unserem blauen Planeten gewertet werden.

 Man würde es sich jedoch zu einfach machen, aufgrund derartiger Überlegungen jede Form von Religiosität als völlig unhaltbar einzuschätzen. Wir wissen eben einfach nicht, durch welche „allerletzte Verursachung“ wir überhaupt existent sind und welche genaue Sinngebung mit diesem Existieren verbunden sein könnte. Daher ist es jedem Menschen zuzubilligen, sich für seine eigenen religiösen Anschauungsweisen fast jede Form von „Konkretisierungen“ zu ersinnen - vorausgesetzt, es wird damit nicht zugleich auch die Lebensentfaltung jedes anderen Menschen unangemessen beeinträchtigt. (Natürlich beinhaltet diese Aussage trotz aller Ungewissheiten über „elementar gültige Sinngebungen“ eben doch ein „Postulat von bestimmter Sinnfestlegung“: Daseiendes kann eben nur schlüssig gefolgert werden als etwas sich prinzipiell dauerhaft selbst Erhaltendes; „dauerhaft Zerstörendes“ kann es dann nur sehr bedingt geben.)

 Das zuvor beschriebene „Toleranzgebot“ lässt sich inhaltlich ziemlich genau begründen und in allen Fassetten unserer Lebenswirklichkeit immer wieder erneut einer Bewährungsprobe unterziehen. So gebührt auch dem „Christlichen“ als einer wie auch immer praktizierten Form religiöser Überzeugungen unbedingt Respekt - wie eben jede der sonstigen religiösen Haltungen den Respekt verdient: In der Ungewissheit über letzte Verursachungen und Sinngebungen zu allen Daseinszusammenhängen immer das Existieren übermächtiger schöpferischer Kräfte glaubend für möglich zu halten. Und das eben unbedingt vor allem aus dem Grund, weil es  keinem einzigen Menschen möglich ist, hierüber tatsächlich in letzter Gewissheit etwas Endgültiges in Erfahrung zu bringen.

 Ein derartiges „Respekt-Verständnis“ hat aber auch eine absolut letztgültige Grenze: Ein überaus tolerantes „Respekt-Verständnis“ in  der gerade beschriebenen Form kann niemals zugleich auch für völlig uferlose Religiositäts-Fantastereien Geltung haben. Wenn Glaubensüberzeugungen jede Form von einem erträglichem Miteinander ins Wanken bringen, so übersteigt das eindeutig immer eine mögliche Sinnhaftigkeit durch „gläubige Hinwendung zu einer möglichen übermächtigen Schöpfungskraft als letzter Ursache für alles überhaupt nur Vorhandene“.        

 Jede religiöse Richtung, bei der man es mit „Absolutheitsansprüchen“ zu tun hat, nimmt hier somit eine völlig aus dem Rahmen fallende Sonderstellung ein:  Bei allen sonstigen religiösen Haltungen ohne einen derartigen „Absolutheitsanspruch“ ist durchweg immer auch ein Rest von Fragen und Suchen in allen Glaubensangelegenheiten vorhanden: Es wird hier tatsächlich in letzter Konsequenz  einfach ausschließlich „geglaubt“ - ohne zugleich auch in allerletzten Wahrheitsansprüchen verharren zu können - weil man eben eine „größere Wahrheit zu den letzten Fragen“ niemals völlig genau erlangen kann und größere Zusammenhänge daher nur glaubend zu erahnen vermag. Eine derartige Haltung schließt so einfach auch immer die Möglichkeit mit ein, dass jeder Mensch auf einem sehr eigenen Weg eine ganz konkrete Form einer bloßen „Glaubenshaltung“ einnehmen kann, ohne dies zugleich auch mit einem „Absolutheitsanspruch“ zu verbinden. - Wer jedoch völlig abweichend davon auf eine religiösen Grundhaltung mit dem „Absolutheitsanspruch auf unbedingte Glaubenswahrheit“ festgelegt ist, der muss zwingend in „Glaubensunwahrheiten“ hineingeraten - er muss Wahrheiten verkünden wollen, die unmöglich in ihrem vollen Ausmaß Wahrheiten sein können.   

 Genau diese Vorgehensweise erleben wir aber „exemplarisch“ bei der katholischen Kirche. Im weiteren Verlauf werde ich auf einige besonders verhängnisvolle Auswirkungen dieser Vorgehensweise eingehen.

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Gesichertes Wissen darf nicht durch Glaubensabsurditäten beeinträchtigt werden

 Gesichertes Wissen hat zum Inhalt die Fülle der tatsächlich erforschbaren Sachzusammenhänge, die durch „Erfahrung“ gespeichert werden. Der Mensch ist das einzig bekannte Lebewesen, das über die Begabung verfügt, mit Beobachtung und Denken derartige Sachzusammenhänge zu erfassen und auch „bewusst“ zu speichern. Wodurch der Mensch über diese Fähigkeit verfügt - dieses Rätsel ist immer noch ungelöst. Man weiß hierzu ziemlich viel über das Zusammenwirken aller Hirnfunktionen. Man weiß z.B. in etwa, welche Speicherkapazitäten die hierbei beteiligten Neuronen haben. Aber wodurch der menschliche Organismus überhaupt in allerletzter Verursachung all diese Fähigkeiten erlangt hat - darüber gibt es kein exaktes Wissen, dafür darf als letzter Verursachung auch von einem allerersten Schöpfungsgeschehen ausgegangen werden.

 Ich möchte in diesem Zusammenhang noch einmal auf die vermeintlich „absoluten Glaubenswahrheiten“ der katholischen Kirche zurückkommen. Das Beharren auf den Besitz von uneingeschränkt gültigen Glaubenswahrheiten, wie wir es hier vorfinden,  ist eine spezielle Besonderheit im religiösen Bereich. Völlig anders dagegen die Haltung von Glaubensgemeinschaften,  die weniger stark auf den Besitz von unanfechtbar höchsten Wahrheiten beharren. Eine Religionsgemeinschaft, die einigermaßen zurückhaltend in den eigenen Glaubensüberzeugungen weitgehend nur mit sich selbst beschäftigt ist (ohne eine größere Außenwirkung) sollte eigentlich immer in jedem Kulturkreis toleriert werden; das entspricht dem weitgehend anerkannten Prinzip der Religionsfreiheit. Völlig anders die Erscheinungsform der katholischen Kirche. Hier erleben wir, wie sehr weit übergreifend viele der eigentlich nur völlig kircheneigenen Glaubensangelegenheiten Einfluss nehmen sollen auf alle Vorgänge im Zusammenleben überhaupt. Es muss daher für Menschen mit einem  einigermaßen gesicherten Wissen über größere Daseinszusammenhänge doch reichlich erschreckend sein, mit welcher völlig wirklichkeitsfremden Glaubensunbeirrbarkeit (wie in der katholischen Kirche vorherrschend) bei dieser Einstellung auch in die einfachsten naturgegebenen Lebenszusammenhänge störend eingegriffen werden soll.   

 Immer muss sich jeder Verkünder von vermeintlich absolut gültigen Wahrheiten daran messen lassen, welchen unbedingt zuverlässigen Wahrheitsgehalt das von ihm Verkündete überhaupt besitzt. Die „Glaubenswahrheiten“ der katholischen Kirche sind gegründet und verankert in allem, was uns durch die Bibel als „Wort Gottes“ überliefert ist. Ich habe in früheren Ausarbeitungen bereits beschrieben, wie sehr der Inhalt der Bibel von der tatsächlichen Beschaffenheit „unserer Wirklichkeit“ abweicht. Das umfasst unter anderem weit zurück auch die archäologisch gesicherten Forschungsresultate sowie die Ermittlungen zu den eindeutig „rein menschlich geschaffenenTextentstehungen in nur fantasievollen Legendenbildungen“. 

Es sind insbesondere die Überlieferungen zu Jesus von Nazareth als gottgleichem Menschen, die von der katholischen Kirche her für eherne Gottesanweisungen gehalten und so auch verkündet werden. Gerade diese Überlieferungen aber lassen sich heute eindeutig als das Resultat von nur fantasievoll zusammengestellten Legenden mit einem weitgehend sehr schwachen Wahrheitsgehalt entschlüsseln.

Ich möchte nachfolgend einmal umreißen, mit welchen Wirklichkeitsherausforderungen wir es heute tatsächlich zu tun haben - in Kenntnis eines nun einmal irrtümlich für wahr gehaltenen göttlichen Verkündigungsgeschehens.  Zugleich eingebunden in die damit auch gebotene Auseinandersetzung mit den daraufhin verbreiteten Auswirkungen einer davon ansonsten unbelasteten Lebensführung in der Menschheit. Alles geschieht in meinem Fall aus der Sicht eines „gläubigen Agnostikers“, d.h. aus der Sicht eines konfessionslosen humanistisch gesonnenen Menschen, der an die Entstehung aller wahrnehmbaren Wirklichkeit durch eine übermächtige Schöpfungskraft glaubt.

 Hier konzentriere ich mich zunächst auf das gestörte Verhältnis der katholischen Kirche zur Sexualität. Es ist gerade die Unkenntnis aller Sachzusammenhänge bei den sexuellen Abläufen im organischen Geschehen, die für die meisten Interpreten „überirdischen Eingreifens“ zu den absurdesten Ausdeutungen führten. „Sexualität“ war so ein „Spekulations-Areal“ für die willkürlichsten Anweisungen zu den gerade gottgefälligen Ausübungen und dann auch zu den davon abgehoben gottesfernen Handlungen in höchster Sündhaftigkeit. Alles Schöpfungsgeschehen schien sich hier auf jeweils aktuellste Weise in sexuellen Verfehlungen zu verwirklichen. Wie Göttliches sich hier in Tiergestalt mit den Menschenkindern weiblichen Geschlechts vereinigen konnte - unzählige Beispiele gibt es dafür. In alttestamentarischen Zeiten reichte es aus, den Böcken bei der Begattung gekerbte Zweige vorzuhalten, damit nur gesprenkelte Lämmer im Sinn einer von Gott begünstigten Vermehrung eines aufzuteilenden Viehbestandes zustande kam. Jungfrauen-Befruchtungen wurden nicht als eine Möglichkeit im Rahmen der genauen Kenntnis der Vereinigung von Eizelle und Sperma in Erwägung gezogen. Sondern derartiges gehörte zum verbreiteten Repertoire aller üblichen zumeist religiösenLegendenbildungen überhaupt.

 Hier kam jetzt vor rund zweitausend Jahren der Eiferer Jesus von Nazareth zum Zuge und verkündete vermeintlich Gottgewolltes auch für den Bereich menschlicher Sexualität. Jesus brachte seine Offenbarungen des Gottgewollten unter das Volk in der Erwartung des unmittelbar bevorstehenden Heilsgeschehens nach den fest etablierten Prophezeihungen aus seiner jüngsten Vergangenheit: Es sollte ein Messias erscheinen, der allem weltlichen Geschehen ein Ende bereitete - sei es durch eine Umwandlung alles gerade Vorhandenen in eine nunmehr uneingeschränkt göttliche Weltordnung, sei es durch eine völlige Verwandlung der diesseitigen Welt in eine vollkommenere himmlische Welt.

 Dieser Jesus von Nazareth hat sich nach allen nur irgend erforschbaren Überlieferungen niemals selbst als diesen von dem eigenen Volk sehnsüchtig erwarteten Messias ausgegeben. Seine sämtlichen Verkündigungen erfolgten vielmehr lediglich gleichfalls in dem weit verbreiteten Glauben, das Ende der Welt und die Erlösung in einem dann ewig herrschenden Reich Gottes würden unmittelbar bevorstehen.

 Auf diese Weise kam es zu „Jesus-Verkündigungen“, die mit den gesamten tatsächlichen Wirklichkeitsabläufen kaum noch etwas zu tun hatten. Es waren „Fantasievorstellungen“ von einem „vorzeitigen Hinübergleiten“ in die ohnehin bald zu erwartenden himmlischen Gefilde. Von diesem Ansatz her war an eine irgendwie doch auch  immer noch „pragmatische Wirklichkeitsnähe“ überhaupt nicht mehr zu denken. Es war ein Abgleiten in nur noch reine Illusionen über die Hinwendung zu einem vermeintlich gottgefälligeren Existieren bereits im Diesseits.          

 Und so kam es zu unheilvollen Verkündigung vermeintlich göttlicher Wahrheit auch für den Bereich menschlicher Sexualität. Wie gerade schon erwähnt: Sexualität war ohnehin das ungeheuer beliebte Areal religiöser Spekulationen. Und so geschah dann auch von Jesus dieses sehr spekulative Verkünden: Was durch Gott zu einer körperlichen Vereinigung geführt wird, das soll der Mensch nicht scheiden.

 Es gibt wohl kaum einen Bereich größeren religiösen Irrsinns als den der Sexualität. Hier wird in absurdesten Spekulationen mit Geboten und Verboten gearbeitet, an denen außer einem behaupteten Bezug auf „Gottes Wille“ kaum ein tatsächlich vernünftiger Zusammenhang erkennbar ist: Alles bewegt sich fast ausschließlich in den abenteuerlich unheilvollsten Spekulationen. Wenn dieser Bereich dann durch Paulus und danach durch die späteren Kirchenväter eine Immer noch weitere Übersteigerung in sexueller Tabuisierung erfährt, dann hat das mit zu den unheilvollsten Entwicklungen in der Menschheitsgeschichte geführt. Ich befasse mich ganz bewusst gerade mit diesem Themenbereich, weil hier die insgesamt bedeutsame Thematik „des übermäßigen Einwirkens der katholischen Kirche über ihren eigentlichen nur innerkirchlichen Bereich hinaus“ besonders einprägsam deutlich wird.      

 Wir finden keine abschließend völlig zutreffende Erklärung für alles Entstehungsgeschehen in unserem Universum. Nur soviel steht bei etwas Kenntnis von insgesamt größeren Zusammenhängen eindeutig fest: Die uns - gerade von unseren christlichen Kirchen - übermittelten „Entstehungsüberlieferungen“ sind sachlich völlig unhaltbar. Und schlimmer noch als etwa Legendenbildungen aus ältester Zeit - etwa jenen der Naturvölker: Es werden bei der christlichen Vorgehensweise konkrete Gottesvorstellungen nur mit einem menschlich überaus eingeschränkten Verständnis von dem tatsächlich stattfindenden Wirklichkeitsgeschehen zusammenfantasiert.

 Wenn ich mich dem tatsächlichen Wirklichkeitsgeschehen gegenüber sehe, dann kann ich unmöglich an etwas Göttliches glauben, das in viel zu kleinen und beschränkten Dimensionen gedacht werden soll. Göttliches umfasst das gesamte Schöpfungsgeschehen überhaupt - wenn etwas Göttliches als Verursacher für alles Wirklichkeitsgeschehen vorausgesetzt werden darf. Aber da kann es dann keine kleinlichen, von Menschen ersonnenen Beschränkungen in allen Daseinsangelegenheiten geben.

 Das Einzige, was sich hier bei derartigen Abläufen unbedingt folgern lassen sollte: Alles Schöpfungsgeschehen kann nicht generell etwas durch sich selbst Zerstörerisches sein. Es mag auch im Schöpfungsgeschehen immer wieder auch etwas vermeintlich Zerstörerisches geben. Aber das „einzige Lebewesen“, das ganz bewusst zwischen tatsächlich Zerstörerischem und „Schöpfungs-Bewahrendem“ zu unterscheiden vermag, das ist in unserem endlichen Umfeld - der Mensch.

 Hier steht der Mensch vor der einzig wahren größten Herausforderung: In bewusster freier Entscheidung alles zu vermeiden, was tatsächliche Beeinträchtigung der Schöpfung ist. Aber eben auch sich allem in Dankbarkeit zuwenden, was das Schöpfungsgeschehen für eine erfreuliche Lebensentfaltung bereithält.

 Das „christliche Wirklichkeitsverständnis“ lässt sich mit einer derartigen, allein aus den tatsächlichen Daseinsabläufen gefolgerten Gesamtsicht in keiner Weise in eine Übereinstimmung bringen. Ich habe gezielt den auf Jesus Christus bezogenen Glaubenssatz ausgewählt: „Was durch Gott leiblich vereinigt wird, das soll der Mensch nicht scheiden“. So, wie es hier von der katholischen Kirche dogmatisch gepredigt wird, gibt es kaum einen ernstzunehmenden Bezug zur tatsächlichen Schöpfungswirklichkeit. Denn die Menschen finden zu ihren erotischen Bindungen durch die jeweils unterschiedlichsten Voraussetzungen überhaupt. „Erotik“ ist ein herausragendes Geschenk des Himmels, gegenüber dem kaum irgend etwas Anderes jemals eine gleich große Bedeutung gewinnen kann. Und hier dem Menschen kleinliche „religiöse“ Beschränkungen auferlegen zu wollen kann niemals im Sinn einer „alles Daseiende erschaffenden Schöpfungskraft“ sein. Vielmehr muss auch hier das umfassende Prinzip für die Schöpfungswirklichkeit überhaupt Gültigkeit haben: Alles, was nur irgend schöpfungsbewahrend ist, soll jedem Menschen für seine Daseinsentfaltung frei zur Verfügung stehen. Und nur was sich - besonders im menschlichen Miteinander - tatsächlich (im weitesten Sinn) zerstörerisch auswirkt, kann als ein Aufbegehren gegen die Schöpfung gewertet werden. 

 Hier jetzt in einigen markante Einzelheiten, wie die römisch-katholische Kirche mit ihren dogmatisch festgelegten Sündenverfehlungen ziemlich unverantwortlich auch bei dem geschlechtlichen Entwicklungsprozess der Jugendlichen auf das gesamte Zusammenleben einwirkt. 2006 hatte ich mit einer langwierigen Ausheilung meines Prostatakrebsbefalls zu tun. Bei einem meiner damaligen Aufenthalte in der Martini-Klinik Hamburg las ich u.a. sehr aufschlussreiche aktuelle Ausführungen in der Zeitschrift „Mann oh Mann / Die Männerzeitung“ der Deutschen Gesellschaft für Mann und Gesundheit e.V.  über unbedingt zu beachtende Gesundheitsempfehlungen für heranwachsende Jugendliche. Es handelte sich um Aufsätze mit wissenschaftlich gefestigten Erkenntnissen. Danach gehört es zu einer ausgewogenen Entwicklung eines heranwachsenden Jungen, dass er verantwortungsvoll weitgehend mit seiner beginnenden Sexualität vertraut gemacht wird. Der erste Samenerguss sollte so auch als ein sehr glückliches Geschehen unter eben allen Schöpfungserscheinungen wahrgenommen werden. Und als wie außerordentlich lebensbejahend das eigene geschlechtliche Werden empfunden werden sollte, das wird in mehreren Beiträgen ausführlich beschrieben; jede körperliche Betätigung muss in großer Harmonie mit der geschlechtlichen Entwicklung verlaufen. Das eigene Geschlechtsteil darf und soll ausgiebig als ein beglückendes Geschenk für die eigene Körperlichkeit begriffen werden. Kurz: Onanieren z.B. ist als etwas befreiend Gesundheitsförderndes angesagt.   

 Bei diesem (wissenschaftlich außerordentlich abgesicherten) Erfassen allein dieses Bereichs allgemein vernünftiger Lebensweisen muss es wie der reine Irrsinn anmuten, wie von der Kirche alles Geschehen im Zusammenleben hierzu einfach nur als überaus sündhaft verteufelt wird. Völlig unnötige seelische Belastungen kommen damit konstant in einem überaus großen Ausmaß zustande.

 Aber die christliche Glaubenslehre ist dringend auf eine kaum auszumerzende Sündhaftigkeit unter allen Menschen angewiesen. Denn nur auf diese Weise gewinnt der Opfertod am Kreuz von Gottes eigenem Sohn einen vermeintlich nachhaltigen Sinn: Nur durch diesen Opfertod wird die Menschheit von ihrer ansonsten nicht zu reinigenden Erbsünde erlöst - vorausgesetzt: Es wird ohne Wenn und Aber zutiefst  an dieses christliche Erlösungswerk „geglaubt“. Wer nicht glaubt, dem bleibt die ewige Seligkeit im himmlischen Paradies verschlossen.

 Die römisch-katholische Kirche bleibt in ihrem „Verbreitungsbemühen“ ihren eigenen Dogmen kaum in einer „reinen Lehre“ treu. Da wird so vieles als „doch immer auch noch glaubensvertretbar“ hingenommen, was in Wirklichkeit reiner Aberglaube in höchster Vollendung ist. Was hier z.B. die Heiligenschar im Jenseits für auch die absurdesten Bitten im Diesseits in Erfüllung zu bringen vermag, das sprengt völlig alle Grenzen des nur irgend Glaubhaften. Die praktische Ausübung des Christlichen vollzieht sich ja ohnehin längst in einer Art „Synkretismus“, d.h. in der Verschmelzung mehrerer religiöser Richtungen und  in den unterschiedlichsten Auffassungen, wie ein „ursprüngliches christliches Glaubensgut“ mit dem heute geläufigen Wissensstand und der heutigen Lebensweise noch einigermaßen überzeugend vereinbar ausgeübt werden kann. Hier ist jetzt die Dogmatik und die Orthodoxie der römisch-katholischen Kirche die größte Schwachstelle: Das christliche Glaubensgut hat aus heutiger Sicht ohnehin längst überhaupt keinen überzeugenden Wahrheitsgehalt mehr. Allerdings darf auch das nicht unbeachtet bleiben: Das geschichtliche Werden des Christlichen mit all seinen Höhen und Tiefen kann aus der kulturellen Entwicklung der Menschheit unmöglich einfach völlig „weg gedacht“ werden.  

 Und so bleibt als ein einziges heutiges „Dauer-Ärgernis“ im Christlichen nur, dass mit  den eingangs erwähnten unerträglichen Beeinflussungsbemühungen aus dem großen Fundus von „Glaubensfestlegungen geradezu fundamentalistischer Art“ das allgemeine Zusammenleben unverhältnismäßig stark belastet wird.

 Ganz allgemein gilt: Lenkungsmaßnahmen für das Zusammenleben werden unter anderem auch erarbeitet nach den mit einer Gesinnungsethik oder mit einer Verantwortungsethik gegebenen Orientierungen in sehr unterschiedlicher „Praxisnähe“. Nach meiner Überzeugung bietet hier die Verantwortungsethik die zuverlässigsten Möglichkeiten für eine gelingende Lebensführung, von daher habe ich zu allen Entscheidungen allein aus einer Gesinnungsethik heraus immer sehr große Vorbehalte. Was dann jedoch über eine „christliche Gesinnungsethik“  für das Zusammenleben von  Bedeutung sein soll, das geht an  den Erfordernissen für ein allseits erträgliches Zusammenleben völlig vorbei. Und so sind auch die uns überlieferten „Jesus-Worte“ aus der Bergpredigt reine Fantasievisionen, die mit der Lebenswirklichkeit des Menschen nichts zu tun haben.

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Die Grenzen des religiös gerade noch Erträglichen am Beispiel der katholischen Christlichkeit - Gedanken über Aggressiv-Religiosität und missverstandenem Atheismus

 Ein Missverständnis, mit dem wir in bestimmten religiösen Angelegenheiten immer wieder zu tun haben, ist der Anlass für die nachfolgende Ausarbeitung. In diesem Fall eine vermeintlich äußerst entschieden geäußerte atheistische Haltung meines ständigen Denkkontrahenten  Hans Scheibner. Ich hatte ihm meine gerade gefertigte Skizze über einige äußerst fragwürdigen Vorgehensweisen der katholischen Kirche zum Gegenlesen übersandt und erhielt darauf eine Antwort; es war in Kurzform die äußerst abwertende Einschätzung zu allem katholischen Gehabe der jüngsten Zeit. Als ich dann daraufhin noch einmal den Versuch zu einem ausgewogeneren Verständnis alles Religiösen überhaupt nachfolgen ließ, zeigte sich, dass ich die harschen Einlassungen meines ständigen Kontrahenten gegen alles Katholische völlig missverstanden hatte: Selbstverständlich, so mein Denkkontrahent, gehört eine tiefergehende Auseinandersetzung mit dem Erfahrungsbereich zu allem Religiösen unbedingt zu der gesamten Lebenswirklichkeit des Menschen. Die absurden aktuellen Ereignisse aus dem „katholischen Tagesgeschehen“ seien aber doch keiner tiefergehenden Einlassung wert; hier zeige sich doch nur (sinngemäß) die völlig unsinnige Glaubenshaltung der katholischen Kirche in exemplarischen Beispielsfällen auf die ohnehin übliche Weise.

 Ich war wegen dieser Gesamtzusammenhänge dann aber doch auf das eigentlich entscheidende Missverständnis aufmerksam geworden, wie es weit verbreitet zu Weltanschauungsfragen in Erscheinung tritt: Wenn von dem Erfordernis eines deutlichen Eintretens für Säkularismus oder auch Laizismus die Rede ist, wird daraufhin regelmäßig „im öffentlichen Meinungsbild“ alles vorschnell mit „Atheismus“ (also mit völliger „Gottesverneinung“) gleichgesetzt. So oft ich aus irgend einem Anlass auf eine der bekannteren humanistischen Bewegungen gestoßen bin, habe ich die Erfahrung gemacht: Hier gibt es eine derart entschiedene Ablehnung alles „etabliert Religiösen“ überhaupt, dass von daher unbedingt der Eindruck entstehen muss - der von den Humanisten vertretene Säkularismus oder auch Laizismus würde unbedingt immer auch eine entschieden atheistische Haltung zum Ausdruck bringen. (Bemerkenswert hier z.B. die Giordano-Bruno-Stiftung; hier erleben wir immer das Erscheinungsbild von „entschiedenem Atheismus“ - obwohl doch gerade Giordano Bruno selbst in keiner Weise „Atheist“ war; Bruno hat wie kaum ein anderer um ein „umfassend kosmisch wahres Gottesverständnis“ gerungen.)

 Diese derzeit insgesamt unbefriedigende Sachlage, fast alle humanistische Bewegungen mit „völliger Ungläubigkeit in Schöpfungsrätseln zu unserer Daseinswirklichkeit“ gleichzusetzen ist für mich der Anlass, hier die entscheidenden Sachzusammenhänge für das Entstehen dieser Missverständnisse am Beispielsgeschehen aus dem Bereich der römisch-katholischen Kirche aufzuzeigen. Man mag meine speziell auf die römisch-katholische Kirche bezogene Abhandlung für ein größeres Umfeld als nicht generell aussagefähig halten. Ich meine aber: So sehr ich mich hier auch in speziellen Einzelheiten zu verlieren scheine - alles grausame Geschehen in der Menschheitsgeschichte aufgrund von religiös aggressiv gegen jede allgemeinvertretbare Lebensweise gerichtete Vorgehensweise sollte zu der Einsicht führen: Jede religiöse Haltung in einem völlig „in sich selbst ruhenden Glauben“ mag unbedingt ihre Daseinsberechtigung haben,  niemals aber dürfen dagegen Glaubensüberzeugungen mit einem vermeintlich alles übrige überragenden Wahrheitsgehalt die Machtfülle gewinnen, dass sie sich übermäßig störend, ja sogar zerstörerisch auf die Lebensbereiche anderer Menschen auswirken können. In diesem Sinn beschäftige ich mich nachfolgend mit zahlreichen Einzelheiten zu diesem Fragenbereich.

Uns wird in religiösen Glaubensverkündigungen und in moralisch-ethischer Frömmelei ziemlich viel zugemutet. Dazu zunächst von vornherein diese Klarstellung: Religiosität ist seit alters her ein Erbe der Menschheit. Man muss sich also damit abfinden, dass unter den Menschen immer religiöse Grundhaltungen anzutreffen sein werden. Denn der Mensch ist nun einmal mit einem Bewusstsein ausgestattet, das ihn geradezu zwingt, zu allen wahrzunehmenden Ereignissen nach damit verbundenen Verursachungen, Hintergründen und auch einer tieferen Bedeutung nachzusinnen. Und für eine Glaubensbereitschaft bietet sich von dieser Voraussetzung her eigentlich alles an, was je nach Einzelfall offen zu sein scheint für fantasievoll ersonnenere Zusammenhänge in „außerirdischen Dimensionen“.

 Der gesamte Themenbereich „Religiosität“ hat die vielfältigsten und unterschiedlichsten Ausformungen. Ich möchte mich nachfolgend gezielt mit nur zwei Themenschwerpunkten beschäftigen. Der dabei überhaupt entscheidende Themenschwerpunkt ist die grundlegende Problematik, inwieweit die Inhalte jeder religiösen Richtung ernsthaft nach allgemeingültigen Maßstäben noch als menschlich verträglich gewertet werden dürfen. Ein zu allem außerdem zu beachtender, aber doch  auch weniger wichtiger Schwerpunkt ist die Frage, inwieweit eine jeweilige religiöse Richtung als überhaupt überzeugend glaubwürdig einzuschätzen ist.

 Ob eine bestimmte religiöse Richtung als überzeugend glaubwürdig erscheint ist eigentlich immer bedeutungslos, solange hier nicht „Wahrhaftigkeitsansprüche“ übermäßig weitreichende Geltung verlangen. Denn bei jeder religiösen Richtung wird man Schwachstellen finden, die Zweifel an einer überzeugenden Glaubwürdigkeit aufkommen lassen können. So lange die jeweiligen Glaubensinhalte sich dabei nur als ziemlich anspruchsloses Kulturgut erweisen, ist das Unglaubwürdige dieser Inhalte geradezu bedeutungslos. Das alles wird allerdings immer dann doch außerordentlich problematisch, wenn mit einer bestimmten religiösen Verkündigung der Anspruch einer höchsten, einzig wahren Glaubwürdigkeit verknüpft ist. Dann sieht man sich der Herausforderung ausgesetzt, bei immerhin eigener Vernunftbefähigung auch den größten Unsinn für „wahr“ halten zu sollen.

 Ich möchte mich nachfolgend beispielhaft mit der katholischen Christlichkeit beschäftigen, weil hier beides zusammentrifft: Sowohl einerseits eine ziemlich unsinnige Glaubenslehre mit höchsten Geltungsansprüchen von Wahrhaftigkeit. Und andererseits auch das brisante Dilemma, dass hier vieles vorliegt, was nach allgemeingültigen Maßstäben für das menschliche Zusammenleben äußerst unverträglich ist. - Dabei ist der Bereich „ziemlich unsinnige Glaubenslehre“ (wie erwähnt) nur zweitrangig von Bedeutung; trotzdem möchte ich mich zunächst mit diesem Bereich beschäftigen, weil hierin letztlich alle Geltungsansprüche von höchster (katholisch christlicher) Wahrhaftigkeit fest verankert sind. 

 Für den von mir aufgegriffenem Themenbereich möchte ich mit diesem Überblick beginnen: Für jedes religiöse Glaubensgut hat es jeweils einmal einen ganz ganz konkreten Anfang gegeben, was da „von nun an im Einzelnen“ zu glauben war. „Religionsgeschichtlich“ lässt sich das heute sehr gut oft auch bis in die fernste Vergangenheit verfolgen. Und ab einem derartigen Anfang kam es dann zu ganz bestimmten Fortentwicklungen, dabei oft auch zu mehr oder weniger großen Umbrüchen.

 Das katholische christliche Glaubensgut hat so seinen fernen Anfang in dem Glauben der Israeliten an ihren eigenen „Stammes-Gott“ Jahwe oder auch Jehova.

Welchem Schicksal man da als Israelit oder Hebräer nach dem Willen dieses einen Gottes ausgesetzt war, das wurde in fortlaufenden Offenbarungen des ersten Verkünders Moses und der dann nachfolgenden Propheten und Schriftgelehrten immer weiter ausgebaut und verfestigt. Für die Entstehung des Christentums war aber eine dabei auch aufkommende Prophetie von entscheidender Bedeutung. Es war die Weissagung der unweigerlich und unabwendbar kommenden und bevorstehenden Parusie - das Ende des gesamten gerade vorherrschenden irdischen Geschehens und damit dann auch das Eintreten in eine Welt von göttlicher Vollkommenheit. Dieser einmalig bevorstehende Wandel konnte verstanden werden als eine göttliche Erneuerung der gesamten diesseitigen (irdischen) Welt, dieser einmalige Wandel konnte aber auch als ein völliger Übergang alles Irdischen in eine vollkommene göttliche Ewigkeit verstanden werden. Entscheidend bei dieser prophetischen Festlegung war aber, dass der eine allmächtige Gott einen Messias senden würde. Und diesem Messias war die göttliche Macht gegeben, „das Werk der Erlösung von allem Irdischen“ zu vollenden. Wie diese Parusie dann im Einzelnen vor sich zu gehen hatte, dazu mochte es mehrere Ausdeutungen geben. Wichtig war aber diese eine Besonderheit: Nur die Auserwählten, Gott treu Ergebenen, sollten auf diese Weise die Erlösung von allem Irdischen erfahren und geradewegs in die göttlichen Gefilde gelangen.

 Diese „Messias-Erwartung“ ist seit der ersten Entstehung ungebrochen immer noch fester Bestandteil des jüdischen Glaubens. Und immer wieder gab es auch Ereignisse, die das Erscheinen des lang erwarteten Messias zu bestätigen schienen (siehe hierzu „Geschichte der Leben-Jesu-Forschung“ von Albert Schweitzer).

 In diesem Rahmen gab es vergleichbare Vorgänge auch mit Jesus von Nazareth; es waren Aufmerksamkeit erregende historische Ereignisse in der Zeit der Römerherrschaft unter Kaiser Augustus. Denn auch dieser Jesus schien für viele Juden nach der Art und Weise seines Auftretens der erwartete Messias sein zu können. Dieser Jesus fand zu seinen religiösen Verheißungen dann eine Gefolgschaft von Jüngern, wie es sie auch immer wieder zu anderen prophetisch auftretenden Verkündern gab. Zu dem Tod am Kreuz gab es dann Berichte, die in Legendenform „mit der gerade stattgefundenen Auferstehung Jesu von den Toten“ Verbreitung fanden. Zahlreiche jüdische Gruppierungen im gesamten vorderen Orient mit einer überaus großen Messiaserwartung blieben in dem Glauben befangen, Jesus von Nazareth könne der erwartete Messias gewesen sein - und das seit Jahrhunderten verkündete Weltende stünde jetzt unmittelbar bevor mit einem Übergang in das längst prophezeite Himmelreich.

 Die weitere konkrete Entwicklung ist nur zu bekannt: Der strenggläubige Eiferer Saulus hatte ein Erweckungserlebnis, durch das seine bisherige Gläubigkeit einen absoluten Wandel erfuhr: Saulus, der sich von nun an Paulus nannte, gewann die feste Überzeugung, dass der gekreuzigte Jesus von Nazareth der von Gott auserwählte Messias sein müsse. Und dieser Paulus verbreitete seine ganz konkreten, eigenen Glaubensüberzeugungen dann unter den ersten urchristlichen Gemeinden, die sich in der latent vorherrschenden Messias-Erwartung nach den gerade geschehenen Kreuzigungsereignissen bereits gebildet hatten. Wie viele unterschiedlichen Strömungen es dann auch gerade noch in den verschiedenen urchristlichen Gemeinden geben mochte - es setzte sich schließlich ganz bestimmte Gaubensvorstellungen durch, die eng verbunden mit den ursprünglichen Verkündigungen von Paulus blieben. Alles verfestigte sich dann über Jahrhunderte in den Dogmen und der Orthodoxie der römisch-katholischen Kirche.

 Dissidenten, Glaubensabweichler, gab es dann immer wieder; gläubige Menschen, die eine feste Orientierung bei dem Religionsstifter Jesus-Christus suchten und die gerade deswegen an der absoluten Gültigkeit von katholischer Dogmatik und Orthodoxie zweifelten. Hier kam es dann zu den absurden Entgleisungen gerade in Dogmatik und Orthodoxie, wie ich es beispielhaft an der römisch-katholischen Christlichkeit in zahlreichen Ausarbeitungen herausgestellt habe.

 Bei allem geht es um das eigentliche Dilemma der römisch-katholischen Christlichkeit: Die Überschneidungen des verkündigten völlig Unglaubwürdigen mit der Unzumutbarkeit von menschlich völlig unverträglichen Weisungen und Geboten. Ich gehe dabei von der Grundlage aus, dass etwas Göttliches (eine übermächtige Schöpfungskraft) unwiderlegbar als letzte Ursache für die Existenz unserer gesamten Daseinswirklichkeit vorausgesetzt werden kann.

Da stehe ich dann vor den Sakramenten der römisch-katholischen Kirche und deren unausweichliche Folgewirkungen: Sakrament, auf Christus zurückgeführte religiöse Handlung, bei der besondere Gnaden vermittelt werden. - Aber was ist da überhaupt ganz konkret durch Jesus Christus in die Welt gesetzt worden und wie gottgegeben zuverlässig und unwiderlegbar gottgewollt ist das dann alles?                

Hier setzen die bekannten Zweifel an und hier haben wir auch das große Dilemma: Die katholische Kirche greift im Besitz großer Machtstrukturen punktuell oft sehr zerstörerisch auf allgemein verträgliche Formen des gemeinschaftlichen Zusammenlebens ein. Aber eine nachweislich wahre Berechtigung fehlt ihr hierfür. Und genau das muss zu Abwehrverhalten jedes irgendwie davon Betroffenen führen.

 Ich gehe jetzt auf einige Einzelheiten ein. Zunächst einmal muss immer wieder fraglich sein, ob Jesus von Natareth in göttlicher Beschaffenheit der lediglich in prophetischen Verkündigungen tatsächlich der für ein letztes Gericht angekündigte Messias ist. Aber wenn dieser Jesus nun tatsächlich vor rund zweitausend Jahren unmittelbar von einem allmächtigen Gottvater zu uns auf unseren blauen Planeten gesendet gewesen sein soll - warum hat der allmächtige Gott seinen Sohn nicht mit etwas zuverlässigerem Wissen um die gesamten universalen Zusammenhänge seines Schöpfungswerks ausgestattet? Warum hat Gottes eigener Sohn nicht die Legitimation erhalten, das gesamte Schöpfungswerk einigermaßen zuverlässig überblicken zu können? In der Literatur zu diesen damaligen historischen Zusammenhängen finden wir hierfür eine verblüffend einfache, aber überzeugende Erklärung: Jesus ist in einem Umfeld aufgewachsen, das nur zu einer sehr eingeschränkten Sichtweise für ein Verständnis größerer, ganz konkreter kosmischer Zusammenhänge geeignet war. Jesus wuchs auf im ländlichen Raum fern der nächsten größeren Stadt, hier machte er sich vertraut mit allen prophetischen Verheißungen zu dem einzigen großen Gott seines eigenen Volkes. Aber diese prophetischen Verheißungen „übersetzte“ er dann in die konkreten Geschehnisse seines engsten Umfeldes - in den konkreten Lebensbereich der bäuerlichen Bevölkerung und der Handwerker, Zimmerleute, Fischer. Das heißt: Jesus von Nazareth besaß - außer den speziellen Befähigungen eines intensiv agierenden religiösen Eiferers - keine größere Kenntnis von der tatsächlichen Beschaffenheit der Welt (ich greife für diesen „Überblick“ vor allem zurück auf „Der Jesuswahn /  Wie die Christen sich ihren Gott erschufen …“, Tectum Verlag 2013 von Heinz-Werner Kubitza - eine äußerst sachorienterte Ausarbeitung zu den historischen Grundlagen alles Christlichen).       

Und von daher  kommen wir in einer weiteren Schrittfolge auch zu dem eigentlichen großen Dilemma der römisch-katholischen Christlichkeit: Es sind die in den (vermeintlichen) Lehren von Jesus Christus verankerten Dogmen, die sich zu einem konstanter Störfaktor im menschlichen Miteinander entwickelt haben, gerade  wegen der darin enthaltenen unerträglichen Gebote und Weisungen gegen ein vernünftiges Schöpfungsverständnis. - Hier sollte man immer wieder darauf aufmerksam sein: So lange sich das gesamte Geschehen allein in einem völlig innerkirchlichen Bereich abspielt, greift weitgehend das Recht auf ungestörte Religionsfreiheit für die eigenen Glaubensüberzeugungen. Wenn aber - wie es in einem Übermaß bei der katholischen Kirche üblich ist - auf das gesamte alltägliche Zusammenleben der Bevölkerung mit religiösen Machtansprüchen störend, ja zerstörend eingegriffen wird, dann sind gezielt ganz konkrete Abwehrmaßnahmen angesagt.

 Wir stehen also davor: Die dogmatisch verkündeten Lehren sind ein großer Störfaktor im gesamten menschlichen Zusammenleben. Und zugleich begegnen wir hier hier auch dem vollig Unglaubwürdigen der römisch-katholischen Christlichkeit.

Noch einmal zu dem völlig Unglaubwürdigen in den römisch-katholischen Dogmen - nach dem Neuen Testament: Jesus Christus, der Sohn Gottes, geboren von der Jungfrau Maria, gezeugt (verkürzt wiedergegeben) von dem Heiligen Geist. - Auch hierzu finden wir in der Literatur (im weitesten Sinn) Beschreibungen, wie in der Antike die sexuelle Vereinigung von Göttern mit Sterblichen etwas einfach überaus ganz Selbstverständliches war. Es wurden so immer wieder Halbgötter geboren - wie überhaupt so auch die „Gottwerdung“ der höchsten Repräsentanten eines Volkes nicht unüblich war. Man hat sich damals niemals mit den rein biologischen Zusammenhängen göttlicher sexueller Übergriffe auseinandergesetzt, z.B. auch die biologischen Möglichkeiten einer Jungfernzeugung sind in diesem Rahmen nie erforscht worden. Wenn sich erst einmal die Überzeugung festsetzte, ein Mensch sei göttlichen Wesens, weil zu seiner Zeugung von göttlicher Seite Wesentliches beigetragen worden war, dann gab es kein längeres Nachforschen mehr darüber, wie so etwas biologisch überhaupt möglich war und ablaufen konnte.

 Aber jetzt zu den vermeintlichen Weisungen und Geboten von Jesus Christus mit zum Teil verheerenden Auswirkungen auf ein erträgliches Zusammenleben der menschlichen Gemeinschaft. Die Radikalität, mit der die katholische Kirche hieraus ihr gesamtes „theologisches Lehrgebäude“ aufgebaut hat, versuche ich vor allem deswegen in aller Deutlichkeit herauszustellen, weil diese Vorgehensweise beispielhaft ist für überhaupt alle radikalen und fundamentalistischen religiösen Richtungen: Immer geht es hier ganz konkret darum, in höchster Ausschließlichkeit in dem Besitz göttlicher Weisungen zu sein. Ein gemeinsames Merkmal all dieser fundamentalistischen Richtungen ist es auch, dass die gesamte Menschheit außerhalb des eigenen, göttlich genau festgelegten Regelwerks in völliger Sündhaftigkeit lebt, dass also jeder einzelne Mensch ausschließlich durch die strenge Befolgung der hier einmalig festgelegten Gebote göttliche Gnade finden kann (d.h. Gnadenerlangung natürlich ganz universell immer nur für den Geltungsbereich der völlig eigenen fundamentalistischen Glaubensfestlegungen). Alles Religiöse mag noch sehr auch viele beispielhaft segensreiche Seiten haben - in diesem einen Punkt sind sie immer ein latent vorhandener Brandsatz, der nur eines einzigen Zündfunkens bedarf, um zu verheerenden Auswirkungen zu kommen und (wie die Erfahrung lehrt) ganze Weltregionen in Brand zu setzen.

 In den zuvor von mir verfassten Ausarbeitungen bin ich auf diese verheerenden Auswirkungen speziell der römisch-katholischen Kirche eingegangen.

 So erwähne ich in meiner Ausarbeitung „Mögliche Schöpfungshypothesen“: Nach dem Stand 2007 erleben wir diese Situation: „GOTT AIDS AFRIKA / Das tödliche Schweigen der katholischen Kirche“ - eine umfassende Darstellung der gesamten Sachlage von Bartholomäus Grill und Stefan Hippler (BASTEI LÜBBE TASCHENBUCH Band 6015 April 2009). Und ich gehe wenig später (nach kurzen Zwischenerläuterungen) auf dieses „Extremgeschehnis“ der katholischen Kirche in Sachen Sexualität ein. Unter „DIE SCHLAFLOSE NACHT“, Einleitungsgedanken von Henning Mankell zu „GOTT AIDS AFRIKA / Das tödliche Schweigen der katholischen Kirche“ finden wir u.a. diese Textpassagen: … Heute wissen wir, was wir damals nicht wussten, und zwar vor dem Hintergrund Millionen Toter, Millionen Kranker, Millionen von Ansteckung Bedrohter. Wir haben einsehen müssen, dass das HI-Virus in seinen unterschiedlichen Formen eine gigantische Herausforderung der gesamten Menschheit darstellt. … Der Kampf gegen Aids ist die Entscheidungsschlacht  des Humanismus25 Millionen Menschen sind bereits an den Folgen von Aids gestorben, weitere 42 Millionen sind mit dem Virus infiziert. … Wir haben den Höhepunkt der Epidemie noch nicht erreicht… Diese Textwiedergabe habe ich etwas verkürzt und so ist auch die folgende Textwiedergabe aus dem Zusammenhang gerissen verkürzt wiedergegeben (Autorentext): … Auch hier trauerten die Menschen, auch sie hatten einen Aids-Toten zu beklagen, einen Mann, dreißig Jahre jung, vorgestern verschieden… Auf ihrem T-Shirt prangte die Kathedrale von Kampala. Darunter stand: ‚February 1993, Pope John Paul visits Uganda.‘ Er habe auch über die Seuche gesprochen, erzählte die Frau. Das Wort Kondom aber habe der Pontifex nicht erwähnt, fügte ein Sozialarbeiter hinzu der die Hinterbliebenen betreute. Kirchenkritiker verübelten Johannes II. damals, dass er lieber die Verbreitung der Seuche in Kauf nehme, als die Morallehre des Vatikans zu ändern. ‚In dieser Gegend sind viele HIV-positiv‘, sagte der Sozialarbeiter. Wie viele? ,Viele, sehr, sehr viele.’  Im folgenden Text werden dann auch Namibia, Lesotho Swasiland, Simbabwe, Malawi, Südafrika, Sambia erwähnt, wo die Folgen der Pandemie besonders gravierend sind…

 Ich meine, hier haben wir ein aktuelles, historisch unauslöschliches Beispiel dafür, wie mit der Dogmatik und Orthodoxie der römisch-katholischen Kirche ohne Wenn und Aber in engster Bindung an Jesus Christus konstant unsäglich Verbrecherisches unter den Menschen grob fahrlässig angerichtet wird. Dieses fundamentalistische Überzeugungsgeschehen muss wie ein ewiges Brandmal den vielen weiteren Fällen grausamster Verfehlungen hinzugefügt werden, wie sie von Karlheinz Deschner in seiner „Kriminalgeschichte des Christentums“ akribisch aufgelistet sind.                        

Und nun zu einem weiteren Bereich des allgemeinen menschlichen Zusammenlebens, der durch vermeintlich auf Jesus Christus zurückzuführende Gebote unerträgliche Belastungen erfährt. Es ist die fundamentalistische Haltung der römisch-katholischen Kirche zur Sexualität und Erotik unter den Menschen. Für den Themenbereich ‚Wirken der katholischen Kirche über rein innerkirchliche Angelegenheiten hinaus‘ bin ich etwas ausführlicher auf das gegen einen Chefarzt erteilte Berufsverbot  eingegangen. Ich habe unter „Humane Lebensentfaltung in aktuellen Auseinandersetzungen mit Radikal-Religiosität“ zu diesem Fall die näheren Einzelheiten beschrieben.

Der Dreh- und Angelpunkt für Affären dieser Art liegt in dieser speziellen orthodoxen  Glaubensauffassung zu der einmalig geheiligten Ehe. Von Jesus Christus ist der Ausspruch überliefert „Was nun Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden!“ Lt. Matthäus 19 beruft sich Jesus dabei auf die eherne Verkündigung von Moses: „ … Darum wird ein Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein…“. Hier zeigt sich wieder das Unvermögen von Jesus Christus, größere, umfassendere Zusammenhänge in dem gesamten universalen Schöpfungsgeschehen sachgerecht beurteilen zu können. Die Aussagen werden hier aus einer schlichten, aber radikal vertretenen Gesinnung heraus verbreitet. Gerade hier ist Jesus vom Vatergott nicht darüber informiert worden, dass das Schöpfungsgeschehen in dem Bereich des sexuellen Zusammenfindens von Mann und Frau so sehr viel difiziler ist, als dass die Eheschließung zu einem jeweils absolut eintreffender Glückstreffer durch unausweichliche Gottesfügung führen muss. Für Sexualität und Erotik verharrt Jesus einfach nur unaufgeklärt bei dem unzureichenden archaischen Kenntnisstand des auch für diesen Bereich noch äußerst rückständigen Moses.

Es ist völlig unverantwortlich, die Lebensentfaltung des Menschen auf Punkt und Komma genau nach irgendeinem vermeintlich durch göttliche Weisungen erteilten religiösen Regelwerk festlegen zu wollen. Das ist die absolut düstere Seite alles Religiösen, dass eine Gruppierung von angeblich Berufenen unbeirrbar den Anspruch erhebt über den  Besitz von unabdingbaren Wahrheiten in konkreten Gottesangelegenheiten zu verfügen. Durchweg wurzelt dieses alles nur in einem egozentrischen Wunschdenken, im gesamten Dasein als ein Auserwählter eine weit überragende Stellung einzunehmen. Das völlig Unerträgliche dabei aber ist, dass dabei die rein menschlich ersonnenen Glaubensfiktionen sehr oft die Grundlage bilden, ausschließlich diesseitige Machtverhältnisse zu sichern und zu verfestigen. 

Diese Sachlage ist der Ausgangspunkt für die schärfste Kritik an der Vorgehensweise der katholischen Kirche, völlig eigene Glaubensfestlegungen über den innerkirchlichen Bereich hinaus durchsetzen und zur Geltung zu bringen suchen.

Das allgemeine, ‚säkulare‘, Zusammenleben kennt ein geordnetes Regelwerk für alle Lebensbereiche. Dieses Regelwerk hat sich im Grunde in „vernünftiger Sachlichkeit“ entwickelt: Was tatsächlich für alle Bevölkerungsschichten bei allen Gegensätzlichkeiten das beste Wohlergehen versprach, das floss in die jeweils maßgebliche Gesetzgebung ein. Es entstand daraus ganz folgerichtig ein durchgehend „weltlich“ gestaltetes Regelwerk. Von daher muss „Säkularismus“ nicht als eine gezielt gegen alles Religiöse gerichtete Entwicklung verstanden werden. Sondern „Säkularismus“ hat sich sehr sachgerecht nur als religionsneutral, als glaubensneutral verfestigt: Ethische Grundsätze, Menschenrechte, humanistische Bestrebungen - dies alles wurde durch sachliche und vernünftige Erwägungen ständig fortentwickelt, grundlegend in sich folgerichtig und losgelöst von irgendwelchen religiös begründeten Regeln und Geboten. Dass sich bei diesem Entwicklungsprozess die vor allem säkular ausgerichtete Bevölkerung konstant den Machtansprüchen und Angriffen von kirchlicher Seite ausgesetzt sah, gehört zu der bekannten historischen Menschheitsentwicklung der jüngeren Zeit.

Und so kommen wir auch zu dem früher erwähnten Fall „Chefarztkündigung durch die katholische Kirche wegen Verletzung eines der Sakramente des Arbeitgebers“. Das gesamte Arbeitsrecht ist entwickelt worden, um optimale Bedingungen für den Ausgleich der unterschiedlichsten Interessen unter Unternehmern, unselbständig Arbeitenden und allen übrigen am allgemeinen Wirtschaftsprozess Beteiligten zu ermöglichen. Besondere Privilegien bleiben hier generell ausgeschlossen. Die Kirche hat hier allerdings ein - wie ich meine - fragliches Sonderrecht. Und darauf möchte ich noch etwas näher eingehen.      

Ein Arbeitnehmer einer katholischen Einrichtung soll religiös den katholischen Glauben haben, und unter dieser (völlig von jeder sonstigen beruflichen Eignung losgelösten) Bedingung kommt dann ein Arbeitsverhältnis zustande. Was aber, wenn sich in der gesamten Lebensentwicklung des Arbeitnehmers etwas Grundlegendes ändert? Eigentlich darf das für das Arbeitsverhältnis überhaupt keine Auswirkung haben (- außer natürlich: der Arbeitnehmer gerät z.B. leistungsmäßig etwa durch Suchtprobleme völlig ins Abseits). Aber bei der katholischen Kirche gelten völlig andere Regeln, hier sind die heiligen Sakramente einzuhalten! Und gerade darauf möchte ich doch noch einmal etwas näher eingehen.

Die katholische Kirche würde hiernach also tatsächlich über eine nachweisbar überragende religiöse Sonderstellung verfügen. Kann die katholische Kirche aber irgendeinen überzeugenden Beweis dafür erbringen, dass ihre Dogmen, ihre Glaubensregeln, ein unantastbar höchstes religiöses Kulturgut sind? Nein!

Wir befinden uns bei dieser Gesamtangelegenheit in dem Bereich von menschlicher Daseinsentfaltung auch in der Sexualität und in der  Erotik. Ich behaupte, der Mensch wurde hier durch das gesamte Schöpfungsgeschehen mit der überhaupt größten Fülle von einer individuell getragenen Entfaltungsvielfalt beschenkt.

Jesus Christus verharrte hier jedoch vor rund zweitausend Jahren - wie zuvor schon erwähnt - in dem völlig unzureichenden Kenntnisstand des auch für diesen Bereich noch äußerst rückständigen Moses. Und so hat (nach der Überlieferung) Jesus Christus auch hier Verkündigungen verbreitet, die mit der dem Menschen durch die Schöpfung verliehene Daseinswirklichkeit unbegreiflich umfassend erschreckend wenig zu tun haben. Wie die „Menschwerdung“ in der Evolution von den letzten Verursachungen her überhaupt zustande kommen konnte, das wird in den rätselhaftesten Einzelheiten so auch immer unerklärlich bleiben (Richard Dawkins, die Neurowissenschaft, die Verhaltensforschung usw. haben hier schon vieles zur Klärung beigetragen - aber für die letzten Rätsel fehlt uns nach wie vor absolut die Lösung).

Die Kirche hat dem Menschen eine sehr beengende, einschnürende Zwangsjacke verordnet: Der Mensch hatte ein in beständiger Frommheit geistig gestimmtes Wesen zu sein; Sinnlichkeit hatte immer den Ruch von  etwas Verwerflichem. Und weil der Mensch, an so einer Anspruchslatte gemessen, immer letztlich doch ein sündiger Versager war, konnte er nur durch eine gnadenvolle göttliche Erlösung aus dieser seit der damaligen ruchlosen Verfehlung von Eva (oder von Adam - oder auch von den beiden) ererbten Dauersündhaftigkeit befreit werden. - Mal ehrlich, wer mag dieses aus archaischen Zeiten stammende völlig konfuse Konstrukt nicht als den historisch gewachsenen Unsinn einschätzen, wie es hier bei aller Vernunft sachgerecht zu beurteilen ist?! Und genau da sind wir bei unserem Chefarzt, der durch das dogmatische Beharren der katholischen Kirche auf mittelalterliche Glaubensüberzeugungen in einen Strudel von wirklichkeitsferner Hexenjagd geraten ist. Es ist ein Fall wie in einer Tragikomödie: Gutgläubig, vom Elternhaus her wohl religiös geprägt, begibt man sich in ein konfessionsgebundenes Arbeitsverhältnis. Und jetzt nimmt der eigene Lebensweg eine schicksalhafte Wendung. Die bisherige Ehe wird brüchig, eine neue eheliche Bindung verspricht eine partnerschaftliche Erfüllung, wie man sie bislang nicht für möglich gehalten hat. Im Rahmen der persönlichen Entfaltungsmöglichkeiten, wie sie heute allgemein Anerkennung finden, ist hier die Scheidung das Naheliegende und es könnte wohl auch eine neue Eheschließung folgen. Das alles entspricht so auch dem Grundrecht auf Glaubens- und Gewissensfreiheit. Aber die katholische Kirche hat sich für diese Fälle eine Art Leibeigenschaft gesichert. 

Mir geht es bei dieser Ausarbeitung einfach nur darum, die wirklich verabscheuungswürdigen Seiten bei einigen der unbedingt bedrohlichen religiösen Glaubensrichtungen hervorzuheben. Die dem Menschen verliehene Gabe zu einer religiösen Haltung ist viel zu wertvoll und viel zu kostbar, als dass es hier zu den fundamentalistischen Übergriffen auch auf die überschaubar vernunftgesteuerte allgemeine Lebensführung kommen sollte. Man mag einwenden, dass die römisch katholische Kirche in diesem Sinn doch wohl am allerwenigsten immer noch Unheil anrichtet. Dem ist entgegenzuhalten: Über viele Generationen wurde bis heute das uneingeschränkte Grundrecht auf eine völlig freie eigene Glaubenshaltung erstritten. Dieses Recht auf eine völlig eigene Glaubenshaltung ist aber Immer ein „nur völlig eigener Freiraum“! Dieses „Freiheitsrecht“ muss immer dort eine Grenze haben, wo von rein religiösen Überzeugungen her in die Entfaltungsfreiheit „jedes anderen“ eingegriffen  werden könnte. Es ist außerordentlich wichtig, dass die damit gegebene „absolut allgemeingültige Toleranzgrenze“ von allen Glaubensrichtungen unbedingt eingehalten wird. Und so habe ich jetzt eben anhand einiger markanter Vorgänge bei der katholischen Kirche beispielhaft aufgezeigt, wie hier die gerade erwähnte „absolut allgemeingültige Toleranzgrenze“ eklatant verletzt wird.     

Für eine allgemeingültige Wertung allen menschlichen Verhaltens kennen wir den Gesamtbereich der Ethik. Insgesamt hat sich hier (meine ich) die Verantwortungsethik in der ganzen gesamten Menschheitsentwicklung als die zuverlässigste Orientierungshilfe bewährt. Die zugleich nebenher sehr entschieden vertretene Gesinnungsethik steht hier in einer Art Dauerkonkurrenz zur Verantwortungsethik; Gesinnungsethik scheint dabei auf den ersten Blick von höherer Werthaftigkeit zu sein, weil hier ziemlich konsequent unablässig mit „Ideal-Zielsetzungen“ gearbeitet wird. In unserer Lebenswirklichkeit kommt bei entschiedener Befolgung der Gesinnungsethik jedoch tragischerweise immer wieder das tatsächlich Mögliche und Machbare völlig unter die Räder; für höhere Ziele wird das tatsächlich Erreichbare viel zu oft gesinnungsblind konsequent ignoriert - mit den dann unseligsten Auswirkungen! - Aber eine bemerkenswerte Sonderstellung im Gesamtbereich der Ethik nimmt zu allem dann doch die theologische Gesinnungsethik (oder auch Moraltheologie) der verschiedenen Glaubensrichtungen ein. Die theologische Gesinnungsethik ist am wenigsten geeignet, ein allgemein erträgliches Zusammenleben zu bewirken. Denn hier sind niemals vorrangig die tatsächlich gegebenen Entfaltungsanliegen der Menschen von Bedeutung (ob nun getragen in „verantwortlicher Wertung“ oder in „idealer Sichtweise“). Absoluten Vorrang hat hier immer irgendeine vermeintlich exklusiv herausragende Glaubensüberzeugung, angeblich mehr oder weniger direkt von Gott gegeben, eindeutig nachvollziehbar jedoch stets nie anders als im Hirn der Menschen ersonnen. Je nachdem, wie in jeder Richtung „allgemein unverträglich“ die so zustande gekommene Glaubensüberzeugung steuernd wirkt, kann die darin jeweils eingebettete „theologische Gesinnungsethik“ die willkürlichsten und unerträglichsten Auswirkungen haben. Das absolut Unheilvolle an diesem schicksalhaftem Dauergeschehen ist jedoch: Alle vernünftige Erkenntnisfähigkeit bleibt hier auf der Strecke, wird hier absolut blockiert.   

Ich möchte mit all diesen Erläuterungen zugleich entschieden hervorheben, dass die von mir beispielhaft geschilderte Vorgehensweise, wie wir sie bei der katholischen Kirche erleben, selbstverständlich kein spezielles Phänomen  allein der römisch katholischen Kirche ist. In den Grundzügen sind derartige völlig ungerechtfertigte, aber durchweg allein religiös begründete Machtansprüche anzutreffen so auch bei anderen, mehr oder weniger fundamentalistisch ausgerichteten religiösen Richtungen: Evangelikale, Bibeltreue Christen, Kreationisten usw. Auch eine vergleichbar ähnliche Dauerproblematik, mit der sich der Islam in diesem Sinn abquälen muss, soll hier nicht unerwähnt bleiben.               

 

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